Marko Pogačar

Marko Pogačar wurde 1984 in Split geboren. Nach dem Schulabschluss in seiner Heimatstadt studierte er Vergleichende Literaturwissenschaft und Geschichte an der Universität in Zagreb und promoviert zurzeit in einem multidisziplinären Bereich zwischen Literatur-, Kultur- und Filmwissenschaften.

Bisher veröffentlichte er drei Gedichtbände: Sein Debüt gab er mit »Pijavice nad Santa Cruzom« (2006; Ü: Wirbel über Santa Cruz), welches von der Kritik begeistert aufgenommen wurde und sowohl den Narvh-Jezika-Preis für den besten Lyrikband eines Autors unter 35 als auch den Kvirin-Preis erhielt. Bereits ein Jahr nach seinem Erstling legte er einen zweiten Gedichtband mit dem Titel »Poslanice običnim ljudima« (2007; Ü: Sendschreiben an gewöhnliche Menschen) nach und etablierte sich schließlich mit einem weiteren Lyrikband, »Predmeti« (2009; Ü: Gegenstände), als feste Instanz im kroatischen Literaturbetrieb. In seinen Gedichten reiht Pogačar fragmentarisch Bilder aneinander; sein lyrisches Ich mäandert dabei zwischen Philosophie, Politik, Popkultur und Alltagsbeobachtungen. Nicht zuletzt reflektiert es die eigene Sprache, beispielsweise wenn es proklamiert: »Meine Sprache ist Mekka / die fleischige Faust, Macchia, / ein Gewächs, das sich selbst entzündet.« Rastlos, überwältigt von den Assoziationen und Rhythmen der eigenen Verse, präsentiert der junge Dichter sich als ein von der Sprache zugleich Besessener und Getriebener, der stets mit Form und Inhalt zu experimentieren weiß. Bei Vorträgen seiner Lyrik erreichen seine Rezitationen oft eine musikalische Qualität; so sehr ist er darauf bedacht, die Verve seiner Zeilen spürbar zu machen. Seine Gedichte wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und in zahlreichen internationalen Anthologien und Magazinen publiziert. 2010 erschien im deutschsprachigen Raum unter dem Titel »An die verlorenen Hälften« eine Auswahl seiner Gedichte.

Angesichts seiner breiten Kenntnis der kroatischen wie internationalen Literaturgeschichte gestaltet sich Pogačars Output komplex. Neben seiner Lyrik publizierte er eine Reihe von Essays, Rezensionen und Interviews (»Atlas glasova« und »Jer mi smo mnogi«, beide 2011). Zuletzt wechselte er die Gattung hin zur Prosa und veröffentliche unter dem Titel »Bog neće pomoći« (2012; Ü: Gott wird nicht helfen) seine erste Kurzgeschichtensammlung. Außerdem war er als Lektor, Herausgeber, Kritiker und nicht zuletzt als Chefredakteur des Literaturmagazins »Ka/Os« und Schlagzeuger der Post-Punk-Gruppe »Death Disco« tätig. Darüber hinaus versuchte er sich als Übersetzer aus dem Englischen und Amerikanischen. So ist Pogačar nicht nur als ein versierter Lyriker anzusehen, sondern auch als Kenner des Literaturbetriebs aus allen Perspektiven. Derzeit arbeitet er u.~a. an seinem neuen Gedichtband. Pogačar ist in diesem Jahr Gast des Literarischen Colloquiums Berlin.

"Die Verse des 26-jährigen Marko Pogacar eröffnen eine neue Reihe, die sich der Poesie Südosteuropas widmet. Sie wirken postmodern, indem sie alles ins Gedicht hineinnehmen, was dem Autor an Sinneseindrücken, gedanklichen Reflexionen und Alltagsbeobachtungen zufällt. Anders als bei mitteleuropäischen Dichtern üblich, hat er jedoch die Sprache des Krieges nicht ad acta gelegt. Sowohl der Zweite Weltkrieg als auch der blutige Balkankrieg der Neunzigerjahre hat sich in den Wortschatz eingeschrieben - vom "Faschismus in Maßen" über den "Bomber voller gefährlicher Bedeutungen" bis zum Hinterhalt, der mit der "ersten Partisaneneinheit damals" verglichen wird. Pogacar hat englische und amerikanische Dichter übersetzt. Selbst dort, wo er sich auf diese bezieht, wagt er die Kriegsmetapher: "ein undurchdringlich geschmiedeter Harnisch. Man könnte fast sagen: ein Vers von Pound" heißt es einmal sarkastisch. Seine "Sendschreiben" an den Gärtner, die Schneiderinnen, Fahrradfahrer u. a. richtet er nur formal an die genannten Personen. Was als Epistel daherkommt, mischt alltägliche Befindlichkeiten mit philosophischen Sentenzen, verwandelt Menschen und Dinge in stetig fließendem Rhythmus. Selbst im Kapitel "Vom Erkennen von Gegenständen" benennt der Kroate nicht die Dinge selbst, denkt vielmehr nach über das Verhältnis von Ding und Raum, Wasser, Licht und Schatten. Abwesenheit ist eines seiner Lieblingsworte. Bei Pogacar dreht sich thematisch alles um die Identität des Ich, die Leere, die Einsamkeit und das Nichts, die Zeit und das Schreiben. Dabei hält er die Balance zwischen Moll-Tönen und Aberwitz, irritiert mit absurden alternativen Logiken und dem ironischen Hinterfragen überkommener Werte. Als Kind der Zeit nutzt beim Schreiben von Gedichten das Muster der unendlichen Verknüpfungen im Netz."
Dorothea von Törne

 




Ein Portrait des Dichters Marko Pogačar

Von Friederike Jacob
www.novinki.de

"Sein Erstling belebte mit seiner Gegenwärtigkeit, seinem eindrucksvollen Eklektizismus aus Alltäglichem und Ewigem, aus Geschichte und Gegenwart, und seiner expressiven Sprache die kroatische Lyrikszene. Pogačar stand, wie einer seiner Rezensenten schrieb, 'mit den Füßen auf der Erde und hielt den Kopf ins Weltall'."

Marko Pogačar: ES IST SCHÖN

"Dabei hält Pogacar die Balance zwischen Moll-Tönen und Aberwitz, irritiert mit absurden alternativen Logiken und dem ironischen Hinterfragen überkommener Werte. Als Kind der Zeit nutzt beim Schreiben von Gedichten das Muster der unendlichen Verknüpfungen im Netz."
Dorothea von Törne

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Essay

Ivo Frangeš: Die Stellung des Dialektes in der Kroatischen Literatur

Der Grundwortschatz des Standardkroatischen besteht ebenso wie derjenige der kroatischen Dialekte überwiegend aus Erbwörtern gemeinslawischer Herkunft. Auf dialektaler Ebene gibt es deutliche Unterschiede im Erbwortschatz zwischen den štokavischen, čakavischen und kajkavischen Varietäten, jedoch überwiegen insgesamt die Gemeinsamkeiten. Der Grundwortschatz des Standardkroatischen ist weitgehend štokavischer Herkunft.

Der Lehnwortschatz der kroatischen Dialekte unterscheidet sich regional stark: im Küstenraum gibt es viele Entlehnungen aus dem Dalmatischen und Italienischen, im nördlichen Landesinneren aus dem Ungarischen und Deutschen, in allen ehemals osmanischen Gebieten aus dem Türkischen.

Der Aufbauwortschatz des Standardkroatischen ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Bestrebens, neue (Fach-)Begriffe fremdsprachiger, vor allem lateinischer Herkunft mit den Mitteln des Slawischen wiederzugeben. Dieses begann im Mittelalter im Kroatisch-Kirchenslawischen, setzte sich in der frühen Neuzeit in den regionalen Schriftsprachen und ihren Lexikographien fort und fand eine offizielle Kodifizierung in den maßgeblich am tschechischen Vorbild orientierten Werken des standardkroatischen Lexikographie des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil der im Laufe der Jahrhunderte geprägten Neologismen ist zwar wieder verschwunden oder von Anfang an nie über die Werke seiner Urheber hinausgelangt, ein anderer Teil ist jedoch zu einem festen Bestandteil der kroatischen Standardsprache geworden.

Rezensionen

Epochal: Miroslav Krlezas fünfbändiger Mammut-Roman "Die Fahnen"

Als Martin Kusej 2013 bei den Wiener Festwochen die Trilogie „In Agonie“ von Miroslav Krleza präsentierte, war dies für viele die erste Begegnung mit diesem kroatischen Autor. Sein fünfteiliger Roman „Die Fahnen“, dessen erste deutsche Übersetzung nun im Wieser Verlag erschienen ist, behandelt ebenfalls den Ersten Weltkrieg samt Vorgeschichte und Auswirkungen. Ein gewaltiges, imponierendes Werk.

Autoren

Ivan Kozarac

Der kroatische Schriftsteller Ivan Kozarac erschien in der Literatur im Jahr 1902 mit dem Gedicht in der Zeitung. In den acht Jahren seiner literarischen Tätigkeit (1902-1910) schrieb er etwa 60 Gedichte, 40 Kurzgeschichten und Novellen, den Roman und eine Autobiografie.
Der Roman "Đuka Begović" ist seine literarische Spitzenleistung.

Lyrik

Hanibal Lucić: Lyrik

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Hanibal Lucić (* um 1485 in Hvar; † 14. Dezember 1553 in Venedig) war einkroatischer Schriftsteller der Renaissance. Der Sohn wohlhabender und entsprechend einflussreicher Eltern war als Richter und Rechtsanwalt tätig und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf seiner Heimatinsel Hvar. Ein Großteil seiner Werke (vor allem der frühen) ist nicht erhalten, da er sie verwarf und vernichtete.
Das bekannteste und am weitesten rezipierte Werk von Lucić ist Robinja (Die Sklavin), das erste weltliche Schauspiel in der kroatischen Literatur überhaupt. Es wurde, zusammen mit Versen Lucićs, 1556 in Venedig veröffentlicht, also erst nach seinem Tod, erlebte jedoch bis in jüngste Zeit etliche Ausgaben. Im Mittelpunkt dieses eher „handlungsarmen“ und streckenweise „weitschweifigen“ Liebesdramas stehen der Aristokrat Derenčin und eine in Budapest von Türken geraubte Schöne, die er auf dem Sklavenmarkt vonDubrovnik trifft. Am Ende wird sie seine Braut. Auch in seinen Liedern kreiste Lucić vorwiegend um das Thema Liebe. In allen Werken Lucićs vereinten sich italienische Einflüsse (Francesco Petrarca, Pietro Bembo) mit seiner Leidenschaft für die Alltagssprache kroatischer Bauern und Schafhirten. Sie hinderte ihn freilich nicht daran, seine in den Jahren 1510–1514 gegen die venezianischen Beherrscher Hvars rebellierenden Landsleute einen „Haufen von Dummköpfen“ zu nennen.

Prosa

Mirko Božić: Körper und Geister (Fragment aus dem Roman)

Mirko Božić (1919 - 1995) war ein kroatischer Schriftsteller. Božić war ein ebenso begabter Dramatiker wie Prosaist der Nachkriegszeit. Er verfasste auch Drehbücher und Hörspiele. Es existieren nur wenige Übersetzungen ins Deutsche.

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3, 1981) erschienen.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

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