Prosa

Diese Handvoll Sand

MARINKO KOŠČEC
Auszug aus dem Roman "Diese Handvoll Sand"
Eine weibliche und eine männliche Stimme erzählen rückblickend aus ihrem Leben. Lyrische und satirische, tragische und komische, philosophische und erotische Elemente verflechten sich zu einem äußerst geistreichen und scharfsinnigen Panorama unserer Gegenwart.
Aus dem Kroatischen von Silvia Sladić



 

Diese Handvoll Sand

(To malo pijeska na dlanu, Profil, Zagreb 2005)

 

Textauszug, S. 147–167:

 

In mir war alles stehen geblieben. Von der Welt trennte mich eine dicke Glaswand. Von innen betrachtete ich meine eigenen Bewegungen wie die eines Fremden, in Slow Motion. Jeden Morgen galt es, sich erneut daran zu erinnern, warum ich lebe, was mich von den Latten unterscheidet, auf denen ich liege, wozu eine Zahnbürste dient. Draußen kulminierte das Wettstreiten um Vielfarbigkeit, Mobilität, Dringlichkeit. Im Fernsehen wählte man kroatische Idole, Vertreter der Kommunalverwaltung, trieb immer intensiver die Integration in euroatlantische Strukturen an. Im Briefkasten landeten eifrig Rechnungen und Werbezettel mit noch günstigeren Angeboten für Waschmittel und geräucherten Pancetta. Aber das waren nur Papiergaukeleien, Überreste einer versunkenen Welt. Im Haus fehlte es an allem; das letzte Stückchen Schokolade, die letzte Tütensuppe aufbrauchen, war, als würde man für immer ihre Existenz abschaffen. Die Dinge um mich herum verschwanden eins ums andere, oder entleerten sich von innen, hinter sich hohle Wracks zurücklassend. Wenn ich jemanden auf der Straße traf, war es, als sähe ich ihn zum letzten Mal, was immer wir sagten, schmeckte nach Abschiednehmen. Über jeder Ampel schwebte die Möglichkeit, dass ich dort sitzen blieb wie eine Mumie, bis das Einsatzteam aus der zuständigen Einrichtung ankommen würde. Im besten Falle lebte ich zwei oder drei Stunden am Tag, so viel schaffte ich zusammenzukratzen an etwas, das nach Leben aussah.

[…]

Die Tage legten sich dennoch einer über den anderen. Die Wochenenden dauerten unermesslich lange, doch auf der Arbeit erledigte ich, was immer man verlangte, mit der Verlässlichkeit eines Roboters. Gerade Arbeitsaufträge waren es, die, je sinnloser, desto besser, ein Minimum an Vegetieren in mir bewahrten.

Und dann kam diese Buchpromotion.

Junianfang, die Zeit der letzten Sommereinkäufe, der richtige Augenblick, um etwas Anregendes für kulinarische Abenteuer zu landen. Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass sich im Restaurant Peking kaum mehr als die Verwandtschaft der Verfasserin und ein paar zufällige Besucher eingefunden hatten. Man wartete mit dem kalten Büfett, bis der Chefredakteur etwas zum Ruhme der chinesischen Kultur dahergestottert und einer unserer Prominentenköche über den Aufschwung der gleichnamigen Küche bei uns meditiert hatte. Bevor man sie zur Verkostung vorließ, wandten sich alle Köpfe in die geheißene Richtung, zur Autorin der Buchillustrationen. Da erblickte ich dich.

Du standst neben einem der Originale, die man aus dem Anlass an den Wänden aufgehängt hatte, mit verschränkten Armen, das Kinn in die Hand gestützt, eine Zigarette zwischen den Fingern. Ich aber hatte auf einmal nur noch einen schmalen Randstreifen des Bodens unter den Füßen, alles Übrige war in Unbestimmtheit versunken, in wortlose weiße Leere, alles außer dieser Gestalt, die, anscheinend wenige Schritte entfernt, einer überaus gnadenvollen Hand entstiegen war und wie mit einem Schaltknopf die Welt um sich herum ausgelöscht hatte.

Ich stand wie geblendet, ohne ein Atom Luft in der Lunge, nicht wissend, wo ich es finden sollte. Zum Suchen blieb auch kein Raum mehr; ich war gefunden. Aus der Tiefe, aus wer weiß welchen Urgründen jenseits der Vernunft, strömte Licht hervor und erfüllte meinen Körper mit Prickeln. Es war unwirklich, in diesem Augenblick überhaupt etwas zu empfinden, und dennoch überflutete mich unwiderlegbar die Wachheit meiner Sinne und trug mich bereits fort, mit Getöse, und ließ Wehrmauern nicht die geringste Chance.

Diese Augen. Kalt wie eine Winternacht, von verdichtetem Dunkel wie Brunnenschächte und zugleich flackernd vor Glut. Nichts wünschte ich auf einmal so sehr, ich hätte nie geträumt, dass ich etwas so sehr wünschen könnte, als mich am Ursprung dieses Glanzes zu befinden, in irgendeiner Weise daran teilzuhaben.

Als sich die erste Blindheit gemildert hatte, begann ich dich Stück für Stück zu erkennen. Die Augenbrauen. Ihre Bogen, entfaltete Schmetterlingsflügel, und in Ruhestellung hochgezogen zu Fragezeichen, die zugleich tadelnden Kommentar zum Ausdruck brachten, scharfe Grenzen zogen, sich wunderten über das hoffnungslose Bemühen, dich in all das hineinzuziehen, dich als eine der Ihren zu betrachten. Vollkommen menschliche Augenbrauen, immerhin; aus ihnen war nichts Sphärisches vernehmbar, kein Ruf aus dem Jenseits. Aber wie können Augenbrauen, fragte ich mich, wie kann irgendein Körperteil so viel Seele, so viel von der Vollkommenheit des Wesens enthalten? Das Gesicht unter ihnen war von schwungvoller, großzügiger wie auch feinnerviger Hand gezeichnet, mit Liebe zu jedem Detail, ohne eine Spur von Kosmetik, durchzogen von Schatten, winzigen Anspannungen, fein sich kräuselnden Partien. Das Haar, das nicht einmal versuchsweise in Form gebracht worden war, gekürzt und einer gestrüppartigen Schwärze überlassen, die so dicht war, dass sie metallische Blitze aussandte. Die Feingliedrigkeit der Gelenke; jede Biegung und Verschränkung bezeugte, wie sorgfältig man dich zusammengefügt, wie viel Mühe man in deine Gliederung investiert hatte, um sodann dem Werk nur eine dünne Hülle überzuwerfen, die stellenweise schmerzvoll angespannt war. Dein Wuchs erinnerte an die Gestalt Däumelinchens, doch wie du so unbeweglich dastandst, brachtest du um dich herum eine Glut und Zerstörung hervor, wie sie in diesem Raum die unverhoffte Anwesenheit eines Tigers hervorgerufen hätte; und infolgedessen wurde alles darin künstlich, unecht, burlesk. Ja, eines Tigers. So viel war in dir von seiner Geschmeidigkeit, von der Gesammeltheit der Bewegungen, von versteckter Gefahr zu erahnen. Von fieberhaftem Lauern, gepaart mit Nachlässigkeit, vom Gären des Hungers, der sich hinter Gleichgültigkeit verbarg, und von Verachtung gegenüber niedrigeren Wesen, der du selbst aber zum Opfer fällst. Ich beobachtete deinen Blick, während er über die Oberfläche der Dinge wanderte, als ob er ihm gestellten Fallen auswich; mitunter blitzte er auf wie eine angreifende Schlange, trug ein Stückchen des Raumes mit sich fort, sondierte es mühelos und archivierte es. Mich ängstigte die Ahnung, dass nichts in mir imstande war, ihn aufzuhalten, dass du auch durch mich hindurchschauen würdest, als wäre ich aus Glas.

Seltsam, du sahst unnahbar aus, als gäbe es keine Schritte, mit denen ich die Entfernung zwischen uns verringern könnte; und zugleich war diese Gestalt mehr als eine Erscheinung, sie prägte sich mir unmittelbar in den Körper ein, wie ein Siegel, brannte mir auf der Haut durch ihre tiefe, allumfassende Anwesenheit, die die gesamte Atmosphäre in die Überfülle der Materie beförderte, ihr Dimensionen von ohrenbetäubendem, pulsierendem Charakter verlieh, mehr Sinngehalt, als es die Gebäudestatik ertragen konnte, mehr als das, was die Architekten dieser Welt vorgesehen hatten, alles war auf einmal wie aus dem Gelenk gedreht, seiner Konturen enthoben, alles schwankte in Verwunderung, das Geschenk dieser schwerelosen Freiheit betastend.

Nicht nur, dass ich das Undenkbare tat, indem ich das interstellare Vakuum durchschritt, sondern ich zweifelte dabei keinen Augenblick lang, was ich dir sagen sollte, ob ich es wissen würde. Ich fühlte, dass ich keinen Fehler machen konnte. Wenn es mir gegeben war, irgendwann im Leben etwas Richtiges zu sagen, in genau der richtigen Weise und im rechten Augenblick, dass, wenn es denn so etwas auf der Welt gab, dies nun meinen Lippen zu entweichen bereit war. Vielleicht in einer Sprache, die ich nicht verstand. Vielleicht in der Gestalt einer Blume.

Es überraschte mich nicht im Geringsten, dass du mich ohne Verwunderung ansahst, völlig ausdruckslos, nur den Kopf nach mir wendend, als ich an dich herantrat. Ich sagte nichts. Ich blieb einen Schritt von dir entfernt stehen, nahe genug, um dich zu berühren, doch das tat ich nicht; wenn ich schon entdecken soll, dass du ein reines Wunschbild bist, so soll es noch ein paar Augenblicke andauern. Ein Lächeln huschte über dein Gesicht; was ich so gut als dein Lächeln kennen lernen würde, einer Pforte ähnlich, die sich zur Seligkeit selbst öffnet, aber ungreifbar, kaum länger als ein Aufflackern und mindestens zehnfach von Schatten unterlegt.


So viele waren an mich herangetreten und hatten irgendwelche charmante Instantfloskeln, etwas Einmaliges, stets Originelleres zu sagen. Nur zu gut habe ich den Gebrauch von Worten kennen gelernt, die nicht einmal versuchen mehr zu sein als eine Präsentationsmappe und ein Passierschein für das Reich des Lustprinzips. Und haben sie ihre Mission erfüllt, wird die gesamte Sphäre der Verbalität aufgehoben, und die grässliche Banalität des nicht Erwähnten gibt sich zu erkennen. Angenehme Worte, unentbehrliche, mit denen wir einander liebkosen, unterwürfig, aus Angst, zur Antwort eine Ohrfeige zu bekommen.

Ich wartete, bis meine Anwesenheit auf der Promotion offiziell überflüssig wurde, wie sie es ja ohnehin von Anfang an gewesen war. Alles an diesem Ort schrie laut seine Überflüssigkeit heraus, die Krawatten, das auf Hälsen zerstäubte Parfüm, meine Bilder, der verbrauchte Sauerstoff, obwohl keiner der Anwesenden dies auch unter Folterqualen je eingestanden hätte, wodurch sie im Übrigen nicht aus der Masse hervortraten, die in geringerer oder größerer Dichte über den Planeten gespült worden ist, zwischen Wände, die sich in nichts von den hiesigen unterscheiden.

Da tratst du an mich heran.

So wie ein geübtes Auge an ein Bild herantritt, versuchend, den Blick in etwas im Innern Liegendes zu vertiefen und dabei die nötige Entfernung einzuhalten. Dies war dann doch etwas Neues, etwas leicht Beunruhigendes. Dass mich jemand betrachtete und dabei nach einem Bild in mir suchte. Als hätte ich in diesem Blick den Ort entdeckt, aus dem die Bilder herkommen. Doch es war nur ein Aufblitzen, er ließ sich nicht fassen, in etwas Fließendes verwandeln.

Auf einmal befandest du dich hier, einen Schritt entfernt, ohne jeglichen Anspruch, selbst nichts anbietend, außer einer Weichheit, die sich von allein ergoss, stumm, melancholisch, und sich schon an mir festsaugte.

Sehr schnell, vielleicht schon während wir dort standen, wusste ich, dass ich es mir nicht einbildete. Obwohl es noch gar nicht wahr sein konnte. Obwohl die Wahrheit erst, Masche um Masche, gewirkt werden musste. Obwohl es mich so oft schon gereizt, entmutigt hatte, was man im Vorhinein weiß. Wozu es genügt, die Schablone auszufüllen, mit seinem Fleisch zu füttern.

Im Raum zwischen uns sahen Worte lächerlich klein aus, unnötig, ja schädlich, von allen Dingen am ehesten imstande zu zerstören, was auch immer sich anbot. Nun galt es aber trotzdem zu reden. Diesen Augenblick, der uns aus der Zeit herausgelöst hatte, irgendwohin zu lenken. Und hier sitzen wir nun am Tisch eines vollkommen leeren Cafés, den Barkeeper nicht mitgerechnet, der ständig an seinem Instrumentarium herumfummelt, um zu vertuschen, dass er uns belauscht, unerschöpflich ist in den Menschen das Verlangen, das zu hören, was sie nichts angeht. Vielleicht intrigiert ihn gerade, dass fast nichts zu hören ist: Diese zwei Freaks sind hierher gekommen, um einander anzustarren. Sie ähneln sich wie ein Ei dem anderen, zwei schwarze Eier!, und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Getroffen haben sie sich in einem Graben, wo man sie beiseite gelegt hat, in sicherer Entfernung zu den gesunden Eiern, und haben sich in ihr eigenes Spiegelbild verliebt. Jetzt verschlingen sie es mit Blicken und sprechen, ohne zu blinzeln, sprechen: Wie schön du bist! Und: Was soll ich, wo du doch so schön bist, mit dir machen? Wohin soll ich mit dir, wo ich doch selbst schon so schwer an mir trage, wo es mich so viel Mühe kostet, in mir Platz zu finden? Hier, nimm und sieh selbst, wie es sich anfühlt, mit einem Ei in der Hosentasche durch die Welt zu ziehen. Oder sollen wir uns gleich anbumsen, damit wir quitt sind mit den Grenzen zwischen innen und außen, mit all dem Schwindel der menschlichen Schale. Du kannst dich schmücken mit der Schwärze, so viel du willst, im Grunde bist du doch konfektionsmäßig durchsichtig gelb und schleimig.

Ich sitze an der Wand, wie immer, wenn ich die Gelegenheit dazu ergreifen kann. Der Vorzug eines leeren öffentlichen Raums liegt, außer in der noblen Abwesenheit des Volkes, auch darin, dass man leicht seinen Platz an der Wand finden kann. Den Wänden habe ich, von allen Freunden, immer am liebsten meinen Rücken anvertraut. Es heißt, dass wahre Liebe mit der Zeit in Freundschaft übergeht. Werden wir lange genug überdauern, um der Liebe ein Denkmal aus unserer Freundschaft zu errichten?

Die Zweifel zum Schweigen bringen, vor allem das. Nicht zulassen, dass sie uns verkrüppeln noch vor dem Startschuss. Aus sich alle Unverbrauchtheit schöpfen, ihr die Fenster öffnen, sich frei machen für Frische.

Beide würden wir, ohne Zweifel, in Höhen aufsteigen, die der Mensch noch nicht kennen gelernt hat. Oder die er nur in der Fiktion gesehen hat. Weitab von angenehmen, dem Auge schmeichelnden Bauwerken, in denen er sich bestatten lässt, um so lange wie möglich fortzudauern, verzweifacht. Gerne wären wir die schwerelose Variation des ewigen Hormonthemas. Und nähmen natürlich unsere Körper mit nach oben, denn sonst ist der Fun weg. Wir würden brennen und unablässig aus der Asche neue Flammen entfachen. Wenn wir doch nur hinter den Steinen in uns hervorkriechen könnten. Das Ei würde seine glatte Monolithheit, sein Selbstgenügen, eintauschen gegen ein Körnchen fremden Salzes.

Wir kramen in uns nach etwas, das verdient, ausgesprochen zu werden. Wir probieren aus, wie uns das steht, was sich in Schrankecken angehäuft, was immer dieser Fremde darin entdeckt hat. Wer bist du, wann, glaubst du, gehört dir das? Wer bin ich, wann, glaubst du, ist das in mir?

Zusammengebracht haben uns chinesische Weisheit und Kenntnisse, kulinarische und astrologische. Chinesische Tierbilder, auf Seide gemalt, verewigt auf den Bücherbords einheimischer Feinschmecker. Was hat uns der erste Zugriff auf Wissen über den anderen gebracht? Dass wir im Zeichen desselben Haustieres, im horoskopischen Sinne, stehen und dass wir ferner, Bingo!, am selben Tag desselben Jahres geboren wurden! Herzliche Glückwünsche an die Gewinner unvermuteter Zwillingshälften! In einem anderen Fall hätte mich das zum Lachen gebracht, das hier roch sofort nach Tragik. Ein völlig unbedeutendes Datum, der 29. Dezember zweiundsiebzig, warum musstest auch du daran hängen bleiben? In derselben Stadt, vielleicht im selben Krankenhaus, du sagtest, dass du niemanden mehr hast, den du fragen kannst. Haben wir uns damals schon verliebt, auf den ersten Blick, ineinander und in die Welt, und aus Nachbarbettchen uns gegenseitig die Ohren voll gebrüllt über diese Verliebtheit, die von Jahr zu Jahr mit uns wachsen würde, wie ein Baum mit zwei Stämmen, wie die Wertpapiere von IT-Unternehmen, wie Passagierflugzeuge konkurrierender Gesellschaften, die sich gegenseitig an Größe übertreffen, bis sie die Kapazität erreicht haben, zeitgleich ganze davon begeisterte Städte gegenseitig zu versetzen? War es Irrtum, Neid, reine Bosheit, die uns aus demselben Bettchen hinausgeschickt hat auf getrennten Wegen, die das gemeinsame Ei gespalten hat, die platonischen Hälften blindem Herumirren überlassend und der grausamen Möglichkeit, sich für immer zu verfehlen?

Horoskope gehören zu all dem Mist, den man nicht vermeiden kann, so sehr man ihn auch ignoriert. Los, versuch doch mal, unter keinem der Sternkreiszeichen geboren zu sein. Versuch doch mal, dich nicht für deine Eigenschaften zu interessieren, für das, was dich von 11/12 der Menschheit unterscheidet. Das liegt schon ziemlich unter einer Milliarde! Solide Grundlage für ein Gefühl von Einmaligkeit und einen Einblick in die persönliche Prädestinierung! Was haben die Sterne also uns beiden vermacht, welches Zehrgeld auf der Reise zu den Sternen? Für das uns gemeinsame astrologische Tier gehören die Menschen zur weniger geschätzten Seite des Planeten. Als einzige Gesellschaft wird es sich Gestein wählen, felsiges, scharfkantiges, auf dem sich das Niederungsvieh die Beine bricht. Es wird dort nicht dem Edelweiß nachsteigen (vielleicht wird es im Vorbeigehen darauf urinieren), sondern in Ruhe in sich hineinlachen. Wenn es sich ausreichend an Ironie ergötzt hat, wird es emsig neben dem Haus grasen (Ausdauer ist seine größte Tugend, gepaart mit der Unfähigkeit, über die Länge seiner Hörner hinauszusehen) und mit dem eigenen Geruch unverdrossen das Haus vor Gästen verteidigen. Treu ist dieses Tier, es bindet sich gerne, an ein Haus oder irgendeinen anderen liebgewonnenen Mühlstein: Wichtig ist ihm, dass es etwas um den Hals hängen hat. Ein Kreuz ist nicht schlecht, aber noch heldenhafter ist, auf dem Rücken eine Kapelle mit sich herumzutragen. Wichtig ist ihm auch, jemanden zum Kräftemessen zu finden. Jemanden, mit dem es all sein Leid teilen kann. Aber nicht allzu oft: Was meins ist, ist immerhin meins. So waren wir also für das Glück zu zweit vorgefertigt worden.

Wovon der Verstand weiß, dass es unmöglich ist, was kein vernünftiger Mensch glauben würde, der Körper glaubt es trotzdem schon. Die Hände verraten ihn durch Zittern, suchen Halt in einer Zigarette nach der anderen. Alle Gefasstheit, bis zum letzten Tropfen Nüchternheit, geht in Rauch auf. Wasser rauscht betrunken in den Ohren. Wein ergießt sich aus einem umgekippten Glas über Tisch und Beine. Nasse Hosen: Gelegenheit für ein Time-out, um mir auf der Toilette Wasser ins Gesicht zu klatschen. Um mit einem Blick aus dem Spiegel zu prüfen, ob in meinem Gesicht noch alles da ist, ob es vielleicht schon irgendwelche Verunstaltungen zeigt.

So habe ich mein neues Ich kennen gelernt, ein aus dem Gleichgewicht gebrachtes, gut durchgerütteltes, das in den folgenden Tagen durch die Stadt gehen wird, als wäre sie von Granaten zerwühlt worden, das über seinen eigenen Schatten stolpern, mit Telefonzellen zusammenstoßen, einen Blinden umrennen und ihm sagen wird: Entschuldigung, ich habe Sie nicht gesehen. Das über Gegenstände in den Händen staunen wird und über ihre Scherben auf dem Boden. Immer hat es mich eine Riesenanstrengung gekostet, nicht den Grund unter den Füßen zu verlieren, mich selbst nicht aus den Händen gleiten zu lassen. Immer fanden sich gespannte Seile, auf denen es zu balancieren galt. Unablässig mussten zum Platzen angespannte Nähte überprüft werden. Und jetzt gebe ich all das, was mich zusammenhält, in die Hände einer blinden Neugier.


Alles, was gewesen ist, hat sich, rückblickend, niemals ereignet. Die gesamte Geschichte, vom soeben verbrauchten und begrabenen Augenblick bis hinunter zur Dämmerung menschlichen Bewusstseins, existiert nur innerhalb eines nicht bestehenden Bereiches der Erinnerung.

Wie viel Tragik dichte ich unseren ersten Momenten nachträglich an? Würden sie ohne sie jetzt so dramatisch, übervoll, angereichert mit Empfindungen und Vorzeichen aussehen? Kürzer gefasst: Wie sehr belüge ich mich selbst? So ziemlich, keine Frage, aber das ist egal, denn von allen Dingen, die das Auge von ihrer stofflichen Präsenz überzeugen wollen, ist in mir das wirklicher, im Körper das lebendiger, was ich auch weiterhin als das damals von uns beiden gemeinsam Gefühlte empfinde, was sich damals zu ereignen begann, und damit verglichen ist der gesamte Kosmos eine unermessliche, schmerzliche Lüge.

Im Kellergeschoss des Cafés sind wir die einzigen Gäste der Jazzmusiker, deren Porträts dicht gedrängt die Wände bedecken, sind umringt von ihren Blicken, wie Klaviertasten schwarz-weißen, vibrierenden. Den Saxophonen entweichend, strömen synkopierte Motive zwischen den Tischen, elektrisieren die Luft, die heiß und trocken ist, dass es knistert, dass es knirscht unter den Flügeln der Deckenventilatoren, dass es auf den Wangen prickelt wie von aufgepeitschtem Sand, und ich bestehe ganz aus Nadeln, in eine Sanduhr hineingezwängt, und jedes Korn löst sich von meinem Körper, denn die Zeit ist auf einmal schrecklich kostbar, keine einzige Sekunde darf kampflos aufgegeben werden.

Auf der anderen Seite des runden Tischchens bist du, eine Fatamorgana, eine falsche Bewegung reicht aus, und du bist verschwunden; doch gleichzeitig spüre ich schon deine glatte Haut unter den Fingern, die glühen vor Erwartung, die deinen zu finden, sich mit ihnen zu verflechten, weiterzuforschen.

Alles an dir ist glatt und rund. Und verkleinert, wie bei einem Kind. Die Füße, auf ergreifende Weise nach innen gekrümmt, sich an den Spitzen berührend, so als unterhielten sie sich; komisch kleine Hände; die Schultern fast durchsichtig; das Gesicht wie bei einer Puppe, an Erdbeeren erinnernde Wangenknochen, der Mund nur skizziert, die Nase kaum angedeutet. Einzig die Augen sind zu alt und zu groß, mit diesen Brauen wie Flügeln, alles in diesem Gesicht verschlingen sie und alles, was in ihrer Reichweite liegt, kehren sie im Nu weg, wischen es aus.

Auf Armeslänge, dieses gläserne Etwas, das mich bittet, es zwischen den Händen zu verbergen, eine Murano-Miniatur, in der eine Kathedrale Platz gefunden hat, eine Delfinfamilie, ein Schneesturm; und gleichzeitig Geistesschärfe pur, von Hohn gesäumtes glitschiges Dunkel, nur ein Schritt nach innen, und schon besitzt es mich, es gibt kein Zurück mehr.

Aus dem Hinterzimmer taucht der Besitzer dieses gastwirtschaftlichen Betriebs auf, eine internationale Größe der Vibrafonkunst, eine üppig verkörperte Legende in ihrem häuslichen Rahmen, der führende und einzige Held der Melodie Wine, wine, wine, wälzt sich an den für ihn reservierten Tisch, auf einer Art Bühne, einem Thron stellt er den Verehrern alle einhundertundfünfzig Kilogramm seines prosaischen Daseins zur Schau, und alle Vorgänge im Saal hält er unter Kontrolle, mit dem Blick einer schläfrigen Kröte, und da es außer uns beiden keine weiteren Vorgänge gibt, und selbst das ist vollkommen statisch, überwindet er seinen Horror vacui, indem er etwas offenbar Belustigendes in seinen Bart hinein gurgelt, denn es ruft ein mit Schluckauf vermischtes Grinsen bei ihm hervor, und gleichzeitig den Tränen nahe könnte er jeden Augenblick überquellen, sich ganz in eine Tränenflut verwandeln, und was immer ihn in seinem Innern bewegt, gibt er großzügig an uns weiter, von Herzen beehrt er uns mit der Rolle des Publikums bei seinem Monolog, den er aus einem unerschöpflichen eisgefüllten Silbereimer nachgießt.

Was immer diesen Menschen in seinem Innern in Demut verbleiben lässt, es ist stärker als äußerer Glanz, lässt sich nicht durch Weltruhm wegspülen. Vielleicht ist gerade das die Botschaft, die er durch die Welt zu tragen verpflichtet ist, dass wir vergeblich nach den Sternen greifen, da es keinen Glanz gibt, der nicht im inneren Morast versinken wird.

Aber wir hören ihn nicht, zumindest jetzt nicht. Ich weiß nicht, was wir reden, alles wird von einer gegenseitigen Hypnose aufgesaugt, einen anderen Namen gibt es dafür nicht, wir haben den Hunger in uns entdeckt und fest zugepackt, die Blicke lassen einander nicht mehr los. Bis zu dem Augenblick, als uns ein umgeworfenes Glas daran erinnert, dass wir Hände haben, die für den Umgang mit Gegenständen auf einmal ungeeignet sind, und uns darauf aufmerksam macht, wir zerbrechlich das, was wir aufbauen möchten, ist, wie leicht man dieses bisschen Flüssigkeit verschüttet, die uns von den Engeln unterscheidet.

Nur für einen Augenblick hinterlässt du einen kleinen roten See, dann verschwindet auch er im Wischlappen des Barkeepers, aber gleich ersetzen ihn zwei Gläser, und noch einige werden zur Rechtfertigung unserer Berauschtheit nachgegossen, zersetzen die letzten Reste der Schwerkraft, und alles beschleunigt sich, wird vorstellbarer.

Sogar dein Zu mir können wir nicht, als man uns bittet zu gehen, es erschließt wunderbar weite Welten dessen, was wir können, sofort, denn es erlaubt, ja fordert uns auf, zu mir zu gehen.

Draußen, sobald wir die Wendeltreppe hinaufgestiegen sind, entdecke ich, dass es die lineare, in einer Richtung ablaufende Zeit nicht mehr gibt. Sie hat nicht aufgehört fortzudauern, im Gegenteil, jetzt besteht sie aus mannigfachem Ticken, das in vielen gesonderten Abfolgen verläuft, die alle gleichzeitig in mir sind. Die Straße zittert von der in den Asphalt eingeprägten Hitze und dem Gemenge menschlicher Bewegungen; durch jedes Augenpaar hindurch sehe ich direkt in die Seele, so empfinde ich es, als ob ich mit dem ganzen Körper verstehe, was das Wesen eines anderen ausmacht, was es bedeutet, gerade dieses Klümpchen im All zu sein. Ich werde im selben Augenblick zu dem, was mich berührt; ein Buchtitel in einem Schaufenster, der Geruch, der aus einer Sandwich-Theke dringt, ein Satzfetzen, der uns im Vorübergehen streift. Ich kauere nicht mehr still in mich zurückgezogen, sondern bin die junges Laub tragende, strahlende, feuerwerksgleiche Vergrößerung meiner selbst, ich existiere in unbegrenzt vielen Dimensionen, die sich immer weiter vermehren, und in jeder bin ich mit meinem ganzen Wesen gegenwärtig, jedes Segment der Welt kann ich irgendwie tief in meinem Innern entschlüsseln.

Jetzt sind wir im Auto, unter einem Wildkastanienbaum in voller Blüte. Es ist kein großes Auto, doch von solchen wie dir würde es einen ganzen Schwarm aufnehmen, du nimmst nur einen kleines Stück des Sitzes ein; und gleichzeitig ist es nicht mehr das Fahrzeug, das ich kenne, von diesem hier sind Bestimmung sowie Potenziale ungewiss, im Innern herrscht Anspannung wie vor einem Abflug ins All. Hände und Füße erledigen dennoch ihre Aufgaben; etwas weist sie an, wo gedrückt, woran gezogen werden muss, und Kulissen bewegen sich, Kreuzungen gleiten in erkennbarer Abfolge heran. Jedes Mal, wenn ich es wage, nach rechts zu sehen, unfassbar, du bist weiterhin da. Mit diesen Augen, die kaum in das Auto hineinpassen, schwarzen Funken, die aus dem Dunkel hervorglühen, die aus irgendeinem Grund nicht davongestoben sind, sondern mich zahm nach Hause begleiten.

Ich drehe den Schlüssel, schiebe die Tür auf, und noch auf der Schwelle, ohne das Licht anzuknipsen, vom Fieber gepackt, greifen wir nach diesem anderen Körper, der es sofort aufgibt, ein fremder zu bleiben, in dem wir zur Hälfte unseren eigenen erkennen, dies entzündet in uns wie durch einen Schaltknopf ein Zittern, gleichzeitig, und die beiden Hälften entfachen es gegenseitig, verzweifachen es die eine in der anderen, verstehen sich vollkommen in ihrer eigenen Sprache, einer aus Bereichen ausgegrabenen, die in Kenntnislosigkeit dämmerten, von denen wir nicht einmal geahnt haben, dass wir sie besitzen, dass sie uns besitzen, der Körper übernimmt die Herrschaft über uns, erhebt uns aus dem Vergessen, als ob er uns umarmt, auf einmal liebt er uns unsäglich, und wir würden ihm im selben Augenblick alles, was wir haben, überlassen, und das ist jetzt sehr viel, mehr als hineinpasst in die Summe unserer Existenzen abzüglich dieses Augenblicks, dieser ist ein unüberschaubarer Mikrokosmos, er verdient es, dass wir in ihm bleiben für immer, dass wir andere Daseinsformen verbieten, doch es kommen weitere, und sie wetteifern miteinander, immer begehrlicher, immer zerstörerischer, welche sollen wir wählen?, vielleicht schon jene, in der es zur unwiderruflichen Gewissheit wird, dass unsere Lippen sich verbinden werden, das übertrifft schon meine Hoffnungen, den Horizont vereinigter Lebenserwartungen, dass die Nähe eines Lippenpaares sich in mir zu solcher Auflösung entfaltet, aber dabei bleibt es nicht, sie berühren mich tatsächlich, und das sofort ganz, bis hinab zu den Zehenspitzen erzittere ich von nur einer Berührung dieses flaumzarten Körpers, denn jedes Zittern erwidert er wie ein Spiegelbild mit einem Zittern, denn im Spiegelbild zeigt sich, wie sehr mir das gefehlt hat, was du bist, was jetzt von deinen Lippen tropft, in sie präge ich mich ein, ganz saugen sie mich auf, nur unsere Münder sind geblieben, wir sind ein Mund, zugleich Quelle und Mündung, alles andere hat das uns umkreisende Dunkel weggefegt, es dreht uns ein reißender Wirbel, und zugleich sind wir sein Herz, ein loderndes, wahnsinniges Herz, abgeblättert ist von ihm der Schmutz der Vernunft, und wir erobern, mit den Fingern, dem Mund, Zentimeter um Zentimeter dieses entblößten Pulsierens, wo immer ich hinfasse, ist es unheimlich lebendig, brennend heiß, zerschmelzend, zersetzend, absorbierend, duldet keine Sekunde länger die Kleider auf der Haut, wir werfen sie ab wie Gefängnisketten, undenkbar ist es, sie je wieder zu tragen, welche Beleidigung für die Haut, mit ihr irgendetwas anderes als die deinige zu berühren, deine und meine Haut sind mit dem ausschließlichen Ziel zugeschnitten, sich aneinander zu schmiegen, sich zu umschlingen und einzudringen in jede Vertiefung, sich aneinander reibend in jede Hautfalte des anderen ihre Gegenwart einzuprägen, alles Getrenntsein, das wir gelitten haben, sprüht jetzt aus uns hervor, danach drängend, Versäumtes nachzuholen, unser ganzes Leben hat uns durch Aufschub für diesen Augenblick trainiert, durch Verweigerung die Eruption vorbereitet, was immer wir erlebt haben, diente nur zum Vergleich mit diesem hier, zur Euphorie über die Entdeckung des Originals, die entblößte Haut übernimmt die Rolle der Lunge, aus der anderen atmet sie himmlische Nahrung, schluckt sie mit ersticktem Atem, wahllos, rasend, dann mit Sorgfalt, ich koste eine Einzelheit nach der anderen, kehre sodann wie besessen zu den Epizentren zurück, unermüdlich schöpfe ich aus den geheimen Orten ganz besonderer Lust, den Brüsten und Achselhöhlen und Leisten und allen Biegungen, Falten, Öffnungen, Kammern, dunklen Nischen, und ich dringe ein, versinke, tauche ab, erforsche, überflute, unter mir Zittern, dann Aufbäumen, Festklammern, Winden, Wimmern, Keuchen, durchstoßen möchte es die Membran, die die vollkommene Osmose verwehrt, das Verschmelzen der Pole, der Ufer, der Horizonte, im Ozon wollen wir schweben bleiben, in der sprudelnden Quelle des Taumels, in jedem Segment unseres Selbst blind schäumen und zugleich uns in Sternenweiten verbergen vor allem Verderblichem, vor allem, was auch nur ein bisschen weniger intensiv, integral, hypnotisch und dabei unermesslich belebend ist, nur das dürfen wir, nur dorthin können wir, von hier aus geht es nicht weiter.


Ich habe zu jenen Frauen gehört, die gerne sagen, weil man trotz allem ja etwas erwartet, weil sie nichts Klügeres wissen, Ach, mir reicht es völlig, wenn du zum Orgasmus kommst. Ohne übertriebenes Lügen, denn ich war nie erpicht darauf, einen Orgasmus zu haben. Also, dieses ganze Konzept, es zu machen, wie alles andere, nur um zu kommen, Danke, hätte man gleich bleiben lassen können. Ich will nicht sagen, dass der Orgasmus für mich ein Planet in irgendeiner virtuellen Galaxie war. Ab und zu besuchte er mich, eher als eine Ausnahme der Regel, egal, wie viel Mühe dahintergesteckt hatte. Sex war mir in jeder Beziehung ungeheuer wichtig, genauer, wenn es da nicht gestimmt hätte, hätte es auch die Beziehung nicht gegeben. Tja, aber ich habe nicht bei der Cosmo nachgefragt, wie oft ich in der Woche einen Orgasmus haben muss, außerdem ist es irgendwie merkwürdig, Mühe in Lust zu investieren, diese Kunst zu trainieren und die Treffer zu zählen.

Eins ist sicher: Du hast keine besonderen Tricks oder ein nie dagewesenes Können demonstriert. Und trotzdem habe ich noch bei dem, was man als Vorspiel betrachtet, einen Höhepunkt erlebt. Und wenig später noch einen, was ein bisschen widersprüchlich ist, aber gut, wir wollen nicht kleinlich sein. Ich war verblüfft, sogar ein bisschen irritiert. Dieses Zittern auf einmal ich mich eingebaut, und das Gefühl maßlosen Verlangens. Wohin damit? Woher ist es gekommen, und wie hat es mich so schnell einnehmen können? Ich dachte, dass ich ausreichenden Weitblick habe, dass ich meiner Ausstattung Glauben schenken kann, dass ich gegen Überraschungen abgeschottet bin. Doch jetzt war da etwas in mir, das nicht nur die Knöpfe drückte, sondern sie auch erfand.

Ohne Zeit zu verlieren, wird das Gefühl zu einem Zustand, in einer Vielzahl von Nuancen, hohen und niedrigen, verzückten, besorgten, glückselig dumpfen, ich lerne es genau kennen, ich stelle fest, dass es sich nirgendwo unterbringen lässt, denn es gibt keinen Ort, wo es nicht schon wäre, ich sehe es anstelle dessen, was ich gerade anschaue, für mich selber finde ich keinen angemessenen Ort, weil ich immer woanders bin, vor der Staffelei verbringe ich die gleiche Stundenzahl, vergesse aber ständig, warum, immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mit dem Pinsel auf der Leinwand herumschmiere, die Kleckse, die er hinterlässt, sind kindisch, blödsinnig, es erfolgen telefonische Bestellungen, ich schreibe sie sorgfältig auf, und ein paar Stunden später existiert der Zettel nicht mehr, ich verspreche, zu Veranstaltungen zu kommen, an die ich mich eventuell einige Tage später erinnere, die Nächte sind Dschungel nutzloser Gedanken, stundenlang entwirre ich ihre Zweige auf der Suche nach ein bisschen Bewusstlosigkeit, und kaum hat sie mich übermannt, öffne ich weit die Augen, lebe genau dort weiter, wo ich stehen geblieben bin, genauso begierig, das Dunkel klärt eine in der Tiefe ruhende Wachheit, eine ebenso umfassende wie hysterische, doch tagsüber pendelt sie sich auf die Erwartung des Abends ein, manche überspringen wir aus Angst, um nicht verbrannt zu werden von der unablässigen Reibung, etwas anderes lassen unsere Körper nicht zu, wenn sie sich nahe kommen, und so trennen wir sie gewaltsam durch Atempausen, legen Interludien ein und sind dann wie von Sinnen vor Entbehrung, gegen die wir uns über Draht behelfen, die halbe Nacht überqueren wir auf dem Telefonfloß, tagsüber rufen wir uns unter lächerlichen Vorwänden an, oder auch ohne, es ist komisch, wie wenig wir uns sagen, lieber lauschen wir, wie der andere atmet, lächerlich inhaltsreich ist das Rauschen im Hörer, sobald ich auflege, fehlt es mir, ich habe ständig den Drang zu überprüfen, ob in der Zwischenzeit (in welcher denn?) eine Mail oder SMS angekommen ist, und gewöhnlich ist es nicht vergebens, noch eine Reihe selbstverliebter Buchstaben, von nichts anderem sprechen sie, und es ist unbegreiflich schwer, außerhalb von ihnen zu existieren, sich zusammenzureißen, um etwas zu machen, alles Übrige klingt unzureichend, unwürdig, unanständig.

Zugleich umgibt mich das wie eine Hülle, die undurchlässig ist für fremde Blicke und übrige atmosphärische Vorgänge. Auch Vaters Leiden gleitet nur freundlich daran herab.

Und du bist drinnen, ehe ich es begriffen habe, hast du den ganzen Raum eingenommen, wenn sich irgendetwas Sinnvolles dazwischenschiebt, dann in Dialogform, ich muss dir erklären, mit dir besprechen, was immer mir durch den Kopf schwirrt, deine Meinung erfragen, auch wenn es um die Wahl eines Kaffeelöffels geht, die Augen dienen auf einmal einzig der Suche nach etwas, das verdient, dass ich es im Innern mit dir teile.

Und wenn wir zusammen sind, ist es schwer, Worte zu finden, die wir nicht schon geteilt haben durch Berührungen, Blicke, einfach durch Nähe. Das macht ein bisschen bange, aber es bleibt keine Zeit für weitblickendere Ängste, für irgendetwas weniger Dringliches als eine Umarmung. Überhaupt, viel lauter ist das Behagen, das das Geklontsein bringt, die Zweisamkeit in allem, was dir einfällt.

Von den Zeiten ist nur das Präsens geblieben. Ich weiß nicht, wer von uns beiden es vorgeschlagen hat, ob wir es überhaupt ausgesprochen haben, aber mit allen vier Händen haben wir ein Embargo für alles, was vorher war, verabschiedet, ein Schweigeabkommen über die Vergangenheit. Was kann uns das Gutes bringen? Über meine Vergangenheit weiß ich zu viel und ich trete sie komplett an den ersten Anbieter ab, dich möchte ich jetzt und hier, ohne auch nur ein Teilchen, das in anderen Dimensionen stecken geblieben ist. Wie anmaßend, kindisch, zu erwarten, dass wir aus uns alles vertreiben würden, was uns daran hindert, uns selbst vom Nullpunkt an neu zu erfinden, uns nach völlig frischen Maßen zuzuschneiden. Und trotzdem, all unser bisheriges Wissen nützt nichts, passend sind einzig unmäßige Erwartungen, einzig kindische Wünsche.

Von Abend zu Abend, außer jenen dem Genuss der Sehnsucht geopferten, die Tage wiederum wie das Luftanhalten beim Eintauchen. Wenn die Zeit für meine Sauerstoffration gekommen ist, ist von allen Anreizen der Stadt das einzig Akzeptable, zur Straßenbahn-Endstation zu fahren, dann drei Haltestellen weiter mit dem Vorstadtbus. Und sobald ich den Fuß auf den Gehsteig setze, fühle ich mich wohl genug, um hier zu bleiben, es bedarf keines weiteren Schrittes mehr zur Seligkeit, denn schon hat sie mich im Innern überflutet, auf ihr treibe ich meine Schritte setzend, ich gebe ihr Zeit, heimisch zu werden, ich bin zu Hause in diesem Viertel vom ersten Augenblick an, als ob ich hier aufgewachsen wäre, in wenigen Tagen sind mir sowohl Propeller als auch Wurzeln gewachsen, ich habe eine Erdung im eigenen Körper ausgebildet, wir gehören hierher, sowohl der Körper als auch die übrigen zwölf Gramm, kaum schwerer laste ich auf meinen Beinen, während sie mich zu deinem Haus tragen, das von außen perfekt getarnt ist unter der Gelatine vorstädtischen Vegetierens, zwischen hunderten anderer ebenso verwahrloster, ohne irgendetwas Ermutigendes, geschweige denn etwas, das dem Wunsch zu überdauern, familiäre Wurzeln zu schlagen, Konturen gäbe, und trotzdem haben sich so viele hier verschanzt, sich an ihre Scholle irdischen Besitztums gepflockt, an Beweisstücke des eigenen menschlichen Ich und an seine Prothesen, tierische, pflanzliche, materielle, die sie in den Höfen verstreut, mit denen sie die Parzellen ihrer Existenz veredelt haben, und damit sind sie auch intensiv im Recht, das ist der Gipfel der Weisheit, in sich den Stammestrieb zu entfachen, ihn mit langlebigen Grundmauern und ganztägiger Beschäftigung zu nähren, mit Gärten und Kindergärten, zumindest mit balkonmäßigen Evokationen des Paradieses, ihren Lebensraum einzuzäunen und ihn mit menschlichem Dröhnen zu bevölkern, all das ist perfekt nachvollziehbar und unwiderstehlich und einzig richtig, mit all dem in mir klingle ich jedes Mal an deiner Tür.

Und dann verschwindet es, sobald ich die Schwelle übertrete, als befände ich mich in einem U-Boot, in einem durch irdische Radare nicht zu erfassenden Fahrzeug, die Außenwelt wird ausgewischt durch deine Hände, es ist eine Lüge, dass sie nichts Besonderes können, denn wie sonst würde jeder Gedanke zu dem Wunsch zerschmelzen, dass du mich berührst, an ihm scheitern die Versuche, den Raum zwischen uns mit Worten zu füllen, das, was uns aneinander drängt, in einem verbalen Relief zu betrachten und zugleich mit Worten Luft zwischen uns zu lassen, auf Armeslänge getrennt zu sein, überleben wir nicht länger als ein paar Sekunden, schon verkriechen wir uns gegenseitig unter das T-Shirt, unter den Gaumen, unter alle Wölbungen des körperlichen Daseins, ich weiß ums Verrecken nicht, warum ich mit so viel Hingabe das Bewusstsein verliere unter diesen Händen, doch man kann es schön mitverfolgen, die Augen schmerzen vor Klarheit, wie sie mich mit Berührungen formen, wie meine Konturen auftauchen aus dem Schweiß, den wir übereinander ergießen, alles schwitzen wir aus uns heraus bis zum letzten Tropfen, und später haben wir noch mehr, die Nächte sind alle heiß, und wir gießen noch mehr Hitze in uns nach, dem Wein kommt dafür kein besonderes Verdienst zu, der Wein in den Verschnaufpausen ist nur eine Ablenkung von ernsten Rauschzuständen, von Begierde, betrunken sind die Betttücher unter uns, wieder und wieder schweißgetränkt, ausgewrungen, erneut ausgebreitet und wieder zerknittert, mit dem ganzen Körper sehne ich mich wieder nach dem Drücken und Pressen, sobald sich das Wallen unserer Körpersäfte gelegt hat, ich brauche deine Hände überall und möglichst tief, deine Lippen, mit denen du dich in mich eingräbst, immer erwartest du mich mit diesem feuchten Lächeln und dieser Weichheit, von der ich zerfließe, noch auf der Türschwelle beginnt sie meine Bewegungen zu steuern, ohne Verzögerung muss ich mich an sie schmiegen, mit Brüsten, Bauch, Schenkeln, mit dem Gesicht in deine Haut eintauchen, und sofort versinken wir in Taumel, sofort ist alles ineinander verschlungen, aufgewirbelt, wie in dieselbe unvergängliche, pulsierende Sekunde eingeschmolzen, hundertmal das Gleiche und gleichzeitig, aneinander gepresst Flanke an Flanke, Brust an Brust, ich reibe meine Brüste an deinem nackten Rücken, deinem Bauch, mit dem Mund hältst du sie umschlossen bis an den Rand der Besinnungslosigkeit, mit meinem umschließe ich dich, du bist warm und glatt, geschmeidig, glitschig, leicht gleitest du in jede Senke hinab, alle Mulden sind gut geschmiert, schmierig, zum Bersten mit Lust gefüllt, laut muss sie aus der Kehle herausgepresst werden, mit einem Schrei, ich möchte dich ganz durch die Kehle in mich aufsaugen, mit dir meine Lunge ausfüllen und sie dann versiegeln, und es kommt mir vor, als wolltest du mich mit deinen Lippen zerschmelzen, als würde ich ganz in deinen Mund ausströmen, als würden wir uns so ineinander verkeilen, dass man uns einzig wird auseinander schweißen können, als würdest du mich zertrümmern mit den Stößen deiner Hüften, als würden die Leisten und alle Nähte in mir aufplatzen, als würde mir das Herz hinter der Stirn hervorbersten, als würde ich soeben nach dem letzten Atemzug ringen, und es ist egal, doch ich habe Angst, was später daraus wird, wie danach die Erde beschreiten, wie es wiederholen, zumindest annähernd, zwecklos, denn es bleibt nicht einmal Zeit zum Abkühlen, schon treibt uns erneut der gleiche Hunger.


Diese Glühbirne hing lange leblos genau dort, wo es sie erwischt hatte, wie viele ähnliche Dinge, die ich weder reparierte noch begrub, vielmehr vervollkommnete ich das Akzeptieren solcher Zustände, indem ich ihnen immer geschickter mit den Blicken auswich. Den zweiten Abend branden die Gezeiten der Ungewissheit, ob du du nicht sagen wirst, es tut mir Leid, das waren ein paar Sekunden Dummheit, nach diesem Anfang werde ich selbst den Rest erzählen, das alles ist nur in meiner Einbildung passiert. Und als ich endlich die Bereitschaft aufbringe, einen Hieb abzufangen, als ich den Hörer abnehme und die Nummer eintippe, im Moment als es das erste Mal klingelt, wird die Glühbirne vom Tode erweckt, aus dem Reflektor über meinem Kopf strahlt es auf wie ein gebündelter Heiligenschein.

Sie war nicht durchgebrannt, sondern hatte nur den Kontakt verloren. Und ausgerechnet diesen Augenblick gewählt, um ihn wiederzufinden. Eine Lappalie, wirklich, ohne jede Bedeutung außerhalb des Kontextes, doch im Zusammenwirken mit dem Rest kommt es ziemlich nahe an eine messianische Offenbarung heran. Es fing bereits mit der Entdeckung an, dass wir am selben Tag geboren wurden, an ausgerechnet jenem einen Tag in der Geschichte der Menschheit. Allein darin liegt ausreichend seismisches Potenzial, das rüttelt einen radikal auf und erfordert ernsthaftes Meditieren, das aber nichts Wohltuendes hergibt, nichts Umsetzbares, hauptsächlich Schrecken, die bebende Vorahnung, dass ich plötzlich etwas in Händen halte, das zarter ist als Spinnweben und mir teurer als das eigene Leben, zudem auf die Erde entsandt in einem einzigen Exemplar.

Und das bestätigt sich, wenn es denn überhaupt Zweifel darüber geben konnte, beim Durchstöbern unserer bevorzugten Bücher, Filme, Musik, darin, dass wir, ohne es zu wissen, in telepathischer Zwillingsbruderschaft gelebt haben, dass wir zusammen den Archetyp des TV-Traumpaars und der Fiktion von Liebe à la carte bilden, dass gerade unsere Überlappung die fantastische Vorstellung inspiriert hat, die Partnersuche einer IT-Instanz zu überlassen, die sich in der globalen Datenbank potenzieller Partner auskennen würde wie in der eigenen Westentasche. Es ist geradezu komisch, wie viele entscheidende Wegweiser, Stützpunkte, Quellen wir auf unterschiedlichen Umlaufbahnen besucht haben. Wie viele ähnliche Spuren sie uns aufgeprägt haben, wie viele identische Auslegungen, Gefühle, Empfindungslandschaften. Was für eine Ähnlichkeit unsere Schicksale in zwei Gefäßen blind zusammengemischt haben.

Und es ist nicht leicht, damit umzugehen. Denn die Begeisterung über die Entdeckung verwandelt sich allmählich zur Suche nach etwas, was wir, selbst wenn wir schweigen, nicht hören, was wir im Vorhinein nicht wissen. Es ist nicht ohne wohltuende Wirkung, einander so nahe zu sein, dass kein Bedürfnis mehr besteht, Zwischenräume aufzufüllen, aber es entfernt von uns alles Äußere. Mit Augen so übervoll von innerer Schönheit, bleiben wir gefangen im Vakuum. In der Schwebe vergeht ein ganzer Monat, die Kastanienbäume werden von Linden abgelöst, doch immer noch lässt die gegenseitige Verzauberung nichts anderes in unserem Gesichtskreis zu, kein Heraustreten unter die Sterblichen. Ich lebe für den Augenblick, wenn es klingelt, und was auch immer tagsüber meine Aufmerksamkeit fordert, mich von seiner Realität überzeugen will, zerstäubt sich, wenn ich dich auf der Türschwelle erblicke.

Und es wiederholt sich dasselbe Szenario. Wir versinken ineinander, ins Vergessen, in ein Kreisen um den Ursprung des Taumels. Und doch ähnelt das ein bisschen einer Grammofonplatte, die einen Sprung hat, Spieldauer unbekannt, alles Geschehen ist kreisförmig, Seite um Seite desselben Augenblicks schreiben wir auf dasselbe Blatt Papier. Die einzigen Spuren der Zeit sind die Zigarettenkippen, mit denen du den Aschenbecher füllst, du greifst nach dem Feuerzeug, sobald du die Hände von mir nimmst, diese Szene ist zugleich wie eine Hand, die sich mir aus einer anderen Zeit auf die Schulter legt, doch ein Ruck genügt, um sie abzuschütteln, wenn du gegangen bist, überlasse ich das ganze Gemenge dem Durchzug, die Asche gebe ich zurück an Asche, die Rauchfahnen bewahren dich noch ein paar Stunden in der Luft, dann halte ich den Atem an bis zum nächsten Abend, den wir abbrennen werden.

Die materielle Welt zwischen uns verkörpert einzig noch der Wein. Da ich kein Weinkenner bin, lasse ich mich im Selbstbedienungsladen bei der Entscheidung das erste Mal vom Klang des Namens auf dem Etikett leiten, Nomen est omen, summe ich vor mich hin, ich nehme eine Flasche T’ga za jug*, und dieser Schritt erweist sich als so lohnend, dass wir gar nicht mehr daran denken, den Inhalt zu ändern, mit Variationen zu experimentieren, Flaschen dieses Typs werden in einem optimalen Verhältnis aus Wehmut und Süden abgefüllt, mit einer Formel, die in uns zu ganzabendlicher Euphorie fermentiert, dem Süden verleiht sie Flügel, um sacht herbeizuflattern, der Wehmut wiederum eine ästhetisch-heroische Dimension, und kein Abend geht zur Neige, ehe wir dem Geist in der Flasche die Seele leergesaugt haben.

Aber das Vergessen, das Ignorieren der Vergangenheit ist dennoch von begrenzter Dauer. Auch das weniger ansehnliche Gesicht der Wehmut kehrt wieder, das niemand vom Regal nähme, welbst wenn damit unbegrenzte Sommerferien verschenkt würden, aber nun ja, der weit vorausdenkende Gott hat es unter die Gewinne gemischt, um für ein bisschen Spannung zu sorgen und die wahren Langzeitgewinner zum Zuge kommen zu lassen. Was auch immer ich fühle, wenn ich dich anschaue, so bestimmt ich auch weiß, dass das unsere gemeinsame Wahrheit ist, so sehr du mir auch den Wunsch demonstrierst, dass es nie mehr anders sein möge, beginnt mich das heimzusuchen, was ich Wehmut nenne, nur um das Namenlose zu verdecken. Es nistet sich ein, besiedelt immer mehr Grund, zuerst nur während des Alleinseins, bald auch, wenn wir zusammen sind.

Ich verberge mich, aber immer schwerer. In diesen Momenten, die immer größere Schnitten des Tages verschlingen, die alles niedermähen bis zur letzten glaubhaften Erklärung, japse ich am Hörer nach Worten wie ein Fisch auf dem Trockenen, schließlich verkürze ich mir die Qualen mit etwas, wozu ich angeblich dringend benötigt werde. Deinem Blick, der immer fragender wird, begegne ich mit Ausreden, die ich momentan zur Hand habe, mit Schlaflosigkeit, Stress, Kopfschmerzen. Aber die Masken funktionieren nicht bei mehrmaligem Gebrauch, vom Ornat lösen sich große Fetzen. Die Gegenwirkung des Namenlosen schlägt sich auf deinem Gesicht nieder, Flocke um Flocke Besorgnis, Aufgebrachtheit, Beklommenheit. Ich beobachte das von innen und würde am liebsten schreien, würde mich vierteilen lassen, damit es aufhört; aber ich unternehme nichts.

Chemie und Mechanik des Körpers versagen nicht. Sobald ich dich berühre, bin ich nur noch ein prähistorischer Trieb. Lebendigkeit wallt auf, möchte raus, überall dich ausfüllen wie Finger einen Handschuh, in deine Haut sich eingraben, in rasendem Durst nach deinen Düften, dem Geschmack deiner Säfte, und es gibt nicht genug davon. Obgleich ich dich mit der Zunge untersuche vom Mund bis zu den Zehen, bis zum Grund jeder Konkavität, schmecke ich kaum eine Spur von Menschlichkeit. Als gehörtest du nicht zu den warmblütigen Wesen, als wären deine Moleküle nicht im Geringsten von Fleisch befleckt, und die Elevation in den Äther ist so wirksam, dass sie die Nostalgie nach etwas Tierischem, zumindest Wildem, geradezu beschwört, aber vergeblich, es ist undenkbar, nichts weniger Zartes als Zärtlichkeit kann zwischen uns strömen, selbst nicht in Form von Gedanken.

Und doch führt das jedes Mal dazu, was ich vom ersten Augenblick an geahnt habe und was sich in Kürze blitzartig einstellte und mir den Blick versteinerte, dass ich bei allem Wertvollen, das mir unter die Finger kommt, einzig zu beobachten vermag, wie es zerrinnt, dass deine sengende, allumfassende Nähe den Schritt, der uns trennt, nicht bewältigen wird, dass uns kein Höhenflug in die Verschmelzung daran hindern wird, einander erneut zu Gegenständen zu werden. Obwohl es nichts an dir gibt, was ich nicht vergöttere. Obwohl jedes Teilchen deines Wesens in mir auch heute ebenso lebendig ist, spürbar in seiner ganzen Fülle, unberührt von der Zeit; ich bewege eines der Steinchen, und schon begraben sie mich unter sich, getragen von einer Lawine.

Das angedeutete Lächeln, mit dem du mich begrüßt, ohne ein Wort, nur den Kopf zur Schulter geneigt, ein kaum merkliches Zucken der Lippen, die Augen für einen Moment tief in meinen. Ebenso verhalten wie durchdringend, ihr unersättliches Glänzen. Ein Gedanke, der zuerst blitzartig das Gesicht erhellt und sich erst nach sorgfältiger Abwägung in der Luft kristallisiert, stets mit gefährlich scharfen Rändern. Hunderte solcher, die nicht über die Lippen kommen, außer in Form von Seufzern oder einem entenhaften Schmollmund. Der schrille Ton, der dir am Ende eines Satzes entfährt, wie der Aliquotton auf einem Instrument. Das Inselchen flaumiger Härchen unterhalb des Ohrs. Die quer stehende Falte auf der Nase, wenn du müde bist. Die über meinem Bauch ausgestreckten Waden, die ich streichle, unter den Fingern so viel Glück, dass ich fast ersticke vor Tränen, das Gefühl, dass mir hier die Ewigkeit zulächelt, und ich starre sie nur an, durch eine Kruste aus Eis, ich weiß es nicht besser.

Ähnlich ist es auch außerhalb des Kokons. Während wir im Theater sitzen, mit verflochtenen Fingern, wandere ich mit der Hand über alle zugänglichen Stellen deines Körpers, den Hals hinunter erforsche ich die aufgeknöpfte Bluse, da vorne fuchtelt eine Frau mit den Fäusten, kriecht auf allen vieren, ihre Adern drohen zu platzen, im Ganzen ist das nicht so irritierend, dass es einen geräuschvollen Abgang mit Stühlerücken erforderte, doch zu Bewusstsein dringen mir einzig Gedanken über die Zeit, die ich verliere, wenn ich dich nicht anschaue. Im Café ist deine Schönheit so strahlend, so ohrenbetäubend, dass ich am liebsten von Tisch zu Tisch gehen und die Gäste bitten würde, dir zu verzeihen, dass sie sich ihretwegen hässlich fühlen, dass sie einander nicht hören, während sie sich unterhalten. Aber auch dir sage ich davon kein Wort, alles bleibt im Halse stecken.

Auf der gesellschaftlichen Abendveranstaltung bin ich es, der triumphiert. Es gibt unter den Anwesenden solche, die mit kanonischen Reliefs begabt sind, mit luziden Einblicken in das Funktionieren der Welt und mit der Leichtigkeit ihres humoristischen Recycelns, sogar mit unverfälschtem Charme. Einige vermitteln den Eindruck selbstgefälliger Fülle, in wohlklingender Übereinstimmung mit der Umgebung, umschmeichelt von ihren eigenen Worten. Ich aber ergötze mich an komparatistischem Pingpong, nach dir entlarve ich in jedem einen Gaukler, der zusammenschrumpft auf ungefähr ein Fünftel der Dimensionen, von denen er selbst überzeugt ist, ein Schlüsselchen zum Aufziehen im Rücken stecken hat und ebenso beseligt wie besabbert ist durch die Bläschen, die er aus seiner Spucke bläst.

Auf der Ausstellung, die du mit drei Kollegen teilst, habe ich den Eindruck, dass ich mich vom Boden gelöst habe, dass mir vor Stolz Knospen sprießen, denn komisch erfolglos ist dieser Versuch, dich am Boden festzumachen, auf ihre Reichweite zurückzuschneiden, das Missverhältnis ist das zentrale Ereignis des Abends, auch einem in der bildenden Kunst Unbewanderten, wie ich es bin, tut es in den Augen weh, nur aus deinen Bildern glüht etwas hervor, und in deinen Augen glüht es nur für mich, blitzt es vor Erwartung, dass wir uns bald davonmachen und zu mir eilen und uns diesen ganzen Abend furios Stück für Stück vom Leibe reißen, wir haben einen ziemlichen Rausch mitgebracht, trotzdem öffnen wir noch eine Flasche Wehmut und in uns einen Sack voll Gelächter, mit uns dreht sich alles, in einer Hitze, die nicht aufhört, die Grenzen des Möglichen zu bewegen, die Luft ist reines Feuer, und wir lachem ihm ins Gesicht, wir reiben Körper an Körper, bis die letzten Brücken niedergebrannt sind und die Idee selbst einer Rückkehr unter die Menschen.

Und doch reift gleichzeitig auch diese andere Wahrheit heran. Am folgenden Tag, und nun fast jeden Tag, starre ich grässlich nüchtern ins Nichts. Es winkt mir zu, sobald ich meinem Innern ausgehändigt bin, aus unmenschlichen Weiten wie auch völlig harmlosen Gegenständen, ein Löffel, die Rippe eines Heizkörpers sind imstande, mich zu hypnotisieren. Das Sofa ist beständig, gutmütig, voller Verständnis, aber wie die Stunden verstreichen, berührt es ein immer geringerer Teil meines Ich. In der Nacht stehe ich auf und verbringe sie manchmal zur Hälfte auf dem Balkon sitzend, vor der kindischen, operettenhaften und dennoch unbeantwortbaren Frage, wie ich weiterleben soll. Obwohl mit dir und wegen dir dies unbeschreiblich leicht sein müsste, gelingt es mir immer weniger, mich zu sammeln. Ich beobachte nur, wie in deinem Gesicht Tag um Tag die Jahreszeiten vorübergleiten.


Es war, wie wenn du ein erst entstandenes Bild beobachtest, das sich vor deinen Augen verändert. Seine Konturen verformen sich zu etwas Traurigem oder Höhnischem, die Farben erlöschen, vergehen. Noch erkennst du es von ungefähr, verbindest es mit der eigenen Arbeit, mit einem darin ausgeschütteten Teil deiner selbst. Aber kein einziger Pinselstrich hinterlässt mehr die gewünschte Spur, verbessert nichts. Jedes Detail hat sich der Kontrolle entwunden, das Ganze stellt etwas Eigenmächtiges dar, und das schmerzt.

Und vergeblich forsche ich nach, was passiert ist. Kaum dass wir aufgestiegen waren, Höhenluft geatmet hatten, verspürte ich in meiner Brust Einsamkeit. Es war gar nicht mal die Zeit dazu gewesen, etwas kaputt zu machen. Ich erinnere mich an kein einziges grobes Wort, noch dass einer die Stimme erhoben hätte. Keine Spur von irgendetwas Unheilvollem am Horizont. Und dennoch beobachtete ich von Tag zu Tag, wie alles erschlaffte, niedersank, wegschmolz.

Von hier aus betrachtet erscheint alles, was wir hatten, wie eine Prise Luft. Was immer ich sah, unsere überirdische Einheit, Verschlungenheit, hatte vielleicht auf einer nicht bestehenden Leinwand der Wunsch gemalt, es wahr zu machen. Das war es auch, in diesem gesonderten Augenblick. Doch wie viel Wahrheit kann ein Bild enthalten, das sich so erfolgreich auflöst?

Deine Begeisterung dauerte gerade so lang wie die eines Kindes, wenn es ein neues Spielzeug bekommt. Es ist wahr, dass mir in deinem Peter-Pan-Syndrom etwas Zauberhaftes erschien. Aber unaufhaltsam enthüllte sich auch eine weniger inspirierende, nicht im Geringsten verwendbare Seite dieses Steckengebliebenseins im Knabenalter. Es war klar klar ersichtlich, du wusstest nicht, was du mit mir anfangen solltest.

Bewusst oder unbewusst, du hast es geschafft, alles von mir herunterzukratzen. Es löste sich in dünnen Schuppen, aber stetig, gründlich, bis auf die Knochen. Nicht, dass ich grenzenlose Geduld hätte. Ich gab mir Mühe, zu verstehen und etwas zu bewegen und zu warten, bis es von selbst vergehen würde. Und es ist mir verborgen geblieben, was dich so schnell verbraucht, in einen Lappen verwandelt hatte und dann mit gleicher Hingabe die Arbeit an mir fortsetzte.

Ich kann mir kaum vorstellen, dir irgendetwas Böses zu wünschen. Aber du verdienst wirklich jemanden, der dir auf Gefühlsäußerungen mit Seufzern begegnet und sich dabei auf den Lippen herumkaut. Der, nachdem er in dir etwas erweckt hat, das so ziemlich an Perfektion herankommt, plötzlich durchsichtig wird. Der zur Freude mit einem trübseligen Gesichtsausdruck beiträgt. Der beharrlich die Einsicht in deine Unzulänglichkeit nährt, dein Unvermögen, in ihm zu übertönen, was immer ihn bedrückt.

Leider hatte ich so einen schon zu Hause herumsitzen. Immer unangenehmer überlappten und addierten sich die zwei Bilder, arbeiteten einander zu und irritierten mich. Beim besten Willen, bei allem Verständnis, das ich aufzubringen vermochte, irgendwie kam ich nicht über die Erwartung hinweg, dass mir derjenige, den ich liebe, zumindest die Hand aus seinem Gefängnis reicht.

Noch nie bin ich einer Person begegnet, die so von ihren Gefühlen abgespalten ist. Es ist leicht, diejenigen von der Liste zu streichen, bei denen sie verkümmert sind. Bei dir waren sie aufgeflackert, hatten für einen Augenblick Flügel gezeigt und unter den Fingern eine Zartheit, nach der ich sofort süchtig wurde. Und dann verzogen sie sich hinter dem Schutthaufen einer wer weiß wie schlimmen Vergangenheit, unter Gerümpel, das mit Begeisterung im Rampenlicht steht. Und bald mussten auch sie wie aus einem Stollen hervorgezerrt werden.

Ich weiß nicht, was mich mehr irritiert als Liebesgestikulierungen und Transparente. Als Worte, die man wie Briefmarken auf ein für dich plötzlich einmaliges Wesen klebt und all die gefühlsmäßigen Güter, die als Nebeneffekt bei der Interaktion abfallen, damit ihr nun allesamt zum gleichen Transportunternehmen gehört. Und so fand ich mich in der Rolle einer Wortführerin, Entertainerin, Animierdame wieder, genötigt, um ein bisschen Applaus zu betteln.

Der bittere Geschmack im Mund hingegen entstand mit fantastischer Leichtigkeit. Wegen all dem, was du nicht gesagt hast, worauf ich vergeblich gewartet habe, dass es geschehen möge, dabei bot es sich an, bat uns, dass wir es nehmen. Merkwürdigerweise vermochte ich nicht es nicht persönlich zu nehmen, dass du wortlos mit ansahst, wie wir einer im anderen immer geringer wurden, wie sich zwischen uns das Schweigen auftürmte. Ebenso wenig konnte ich verhindern, dass es eine Wunde in mich grub und sie Tag für Tag wieder aufriss.

Auch jetzt denke ich nicht, dass ich mich davor hätte schützen sollen. Dass man zu zweit überdauert, indem man das Angenehme heraussucht, reine Ästhetik und Unterhaltung, und für das Übrige gräbst du Abflusskanäle. Was immer beliebte, auf nicht verbalem, telepathischem Wege hervorzusickern, saugte ich auf wie ein Versuchsschwamm. Und auf Entfernung funktionierte ich wie ein Resonanzkasten für dieses Unaussprechliche in deiner Stimme. Unsere Tele-pathie, das gemeinsame Leiden, überbrückte die Kluft mit Leichtigkeit.

Was aussondern unter den Figuren deines Dahinschwindens? Das Senken der Schultern unter dem Bündel vorsintflutlicher, jedoch an dich persönlich adressierter Absurditäten des Lebens? Die feuchten Augen, verloren in einem Abgrund, der inmitten des Bodens aufgeblüht war? Die Fähigkeit, nach einer halben Stunde zu vergessen, was ich dir erzählt habe? Den Abend im Bekanntenkreis nur dazusitzen und ausschließlich Fragen zu beantworten, mit leisem Gemurmel? Oder gewöhnliche Lügen, obwohl ich sie anders nannte, um sie leichter schlucken zu können, als du anfingst, mir auszuweichen?

Mein Favorit war aber dennoch diese schleppende, schmerzlich verhaltene Stimme im Hörer. Auf einmal versiegt, die Batterien leer, und solche, tja, was will man machen, werden nicht mehr hergestellt. Und Worte übermittelt sie nur noch wie der Wind das Echo aus der Ferne. Du schluckst und schnaufst, doch was immer im Hals stecken geblieben ist, lässt sich nicht mehr herauspressen, durch nichts herauszerren, okay, macht doch nichts, wir sprechen morgen wieder.

Ziemlich gut hast du die Zeichen meines Aufbegehrens über dich ergehen lassen. Die Proteste und das Schmollen. Die Versuche, dich loszureißen, zumindest aufzurütteln, den Spukgestalten komische Schnurr- und Kinnbärte aufzukleben. Und die Schmerzen, die in seltsamen Teilen des Körpers zu sprießen begannen und mitunter tagelang andauerten, im Ellbogen, Kinn, in der Rippe, wegen der ich zum Röntgen ging in der Überzeugung, dass sie gebrochen war. Selbst Erklärungen, dass ich so nicht mehr weiter kann, bewegten dich zu nicht mehr als einem trüben Blick in Richtung Boden.

Ich forschte in mir nach Schuld. Ob ich nicht etwas Fehlerhaftes entdecken würde. Dass mir Fleisch im BH fehlt oder vier bis sechs Zentimenter in der Vertikale. Dass ich nicht laut genug seufze aus Mitgefühl ob deinen Seufzern des Selbstmitleids. Dass du dich insgeheim nach blondem Haar sehnst, oder rotem, oder silbrigem. Dass du im Grunde, o wie schade, denn dafür habe ich kein Fünkchen Talent, jemanden brauchst, der auf dir herumtrampelt und dir ins Gesicht speit, damit du nicht vergisst, was für ein jämmerlicher Kerl du bist.

Es fehlte dir, jetzt weiß ich es sicher, einzig die Fähigkeit, mich im Fokus zu behalten. Solange wir uns berührten, lief alles, als ob es auf der Welt nicht einmal die Möglichkeit gäbe, dass es stehen bleibt. Selbst unter Leuten hörten wir nicht auf, einander zu berühren, uns aneinander zu hängen, unsere Körper gegenseitig zu umschlingen. Unsere Körperlichkeit lebte für sich, gierig, unersättlich, unverbrennbar, aber in immer größerem Zwiespalt zum Rest, und es wurde immer schwerer, dies auch nur mit Blicken zu erfassen.

 



* T'ga za jug: dt. Wehmut nach dem Süden, Name eines mazedonischen Rotweins (Anm. d. Übers.)

 

proza

Iva Sopka: Moje pravo, nezaljubljeno lice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Iva Sopka (1987., Vrbas) objavila je više kratkih priča od kojih su najznačajnije objavljene u izboru za književnu nagradu Večernjeg lista „Ranko Marinković“ 2011. godine, Zarezovog i Algoritmovog književnog natječaja Prozak 2015. godine, nagrade „Sedmica & Kritična Masa“ 2016. i 2017. godine, natječaja za kratku priču Gradske knjižnice Samobor 2016. godine te natječaja za kratku priču 2016. godine Broda knjižare – broda kulture. Osvojila je i drugo mjesto na KSET-ovom natječaju za kratku priču 2015. godine. Trenutno živi u Belišću i radi kao knjižničarka u osnovnoj školi.

proza

Mira Petrović: Bye bye baby bye; Zana

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Mira Petrović rođena je 1989. u Splitu. Predaje engleski jezik iako bi više uživala s talijanskim. Piše prozu, ponekad odluta u poeziju. Objavila priče i pjesme na raznim portalima i u časopisima. Bila je u užem izboru za nagradu Sedmice i Kritične mase 2017. Jedna od deset finalista međunarodnog natječaja Sea of words 2016. Dobitnica Vranca – 2015. i Ulaznice 2016.

proza

Maja Klarić: Japan: Put 88 hramova (ulomak)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Maja Klarić (1985., Šibenik) diplomirala je engleski jezik i književnost i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu u Zagrebu, s diplomskim radom na temu „Suvremeni hrvatski putopis“, a radi kao književna prevoditeljica. Vodi Kulturnu udrugu Fotopoetika u sklopu koje organizira kulturne manifestacije. Objavila je poeziju i kraću prozu u raznim novinama i časopisima: Zarez, Quorum, Knjigomat, Poezija, Tema... Zastupljena je u antologijama Erato 2004. (Zagreb), Rukopisi 32 (Pančevo), Ja sam priča (Banja Luka), Sea of Words (Barcelona), Castello di Duino (Trst), Ulaznica (Zrenjanin). Nagrađena je na međunarodnom pjesničkom natječaju Castello di Duino (Trst, Italija, 2008.), međunarodnom natječaju za kratku priču Sea of Words (Barcelona, Španjolska, 2008.). Dobitnica je UNESCO/Aschberg stipendije za rezidencijalni boravak na otoku Itaparica, Brazil, 2012. te stipendije organizacije MOKS za rezidencijalni boravak u Estoniji (Mooste, Tartu). Objavila je tri zbirke putopisne poezije - Život u ruksaku (AGM, 2012.), Quinta Pitanga (V.B.Z., 2013.) i Nedovršeno stvaranje (vlastita naklada, 2015.) te prozno-poetski putopis Vrijeme badema o hodočašću Camino de Santiago, 880 km dugom putu koji je prehodala 2010. godine. Urednica je brojnih domaćih putopisnih izdanja kao što su knjige Davora Rostuhara, Tomislava Perka, Hrvoja Jurića i ostalih.

proza

Valerija Cerovec: Hotel Horizont (ulomak iz kratkog romana)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Valerija Cerovec (1993., Čakovec) je vizualna umjetnica i spisateljica. Završila je preddiplomski studij modnog dizajna na Tekstilno-tehnološkom fakultetu i studij komparativne književnosti na Filozofskom fakultetu, a diplomirala na Odsjeku za animirani film i nove medije na Akademiji likovnih umjetnosti. Dobitnica je nagrade “Franjo Marković” Filozofskog fakulteta. Sudjelovala je u nizu skupnih izložbi i jednoj samostalnoj naziva “23. rujna, dan kad se ništa naročito nije dogodilo”. Članica je HDLU-a.

proza

Luka Mayer: Tko, što?

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Luka Mayer (1999., Zagreb) studira šumarstvo u Zagrebu. Pohađao je satove kreativnog pisanja i radionice čitanja Zorana Ferića.

proza

Ana Romić: Tjedan dana posutih fragmentima samoće

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Ana Romić (1993., Hrvace) studirala je hrvatski jezik i književnost na Sveučilištu u Zadru gdje je magistrirala s radom Filozofija egzistencijalizma u romanu „Sam čovjek“ Ive Kozarčanina. Velika je ljubiteljica književnosti, osobito poezije koju i sama piše, te psihologije i filozofije. Živi u Zagrebu.

proza

Matea Šimić: Kuća za bivše

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Matea Šimić rođena je 1985. godine u Oroslavju, Hrvatska. Diplomirala je engleski jezik i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu Sveučilišta u Zagrebu. Piše poeziju, prozu i društvene komentare na hrvatskom i engleskom. Članica je Sarajevo Writers’ Workshop-a od 2012. godine. Radovi su joj objavljivani, između ostalog, u časopisu za istraživanje i umjetnost EuropeNow, časopisu za feminističku teoriju i umjetnost Bona, portalu za književnost i kulturu Strane te portalu za politiku i društvena pitanja Digitalna demokracija. Osnivačica je i urednica dvojezičnog magazina za književnost i umjetnost NEMA. Živi i radi u Barceloni.

proza

Dalen Belić: Ispovijed serijskog samoubojice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Dalen Belić rođen je 1997. godine. Živi u Pazinu, a studira engleski i njemački jezik na Filozofskom fakultetu u Rijeci. Objavljivan je u istrakonskoj zbirci Apokalipsa laži te zbirkama Priče o manjinama i Priče o Pazinu u sklopu Festivala Fantastične Književnosti. Osvojio je drugo mjesto na Riječkim perspektivama 2017. godine i prvo mjesto 2018. Jednu njegovu priču teškometalne tematike možete pročitati na portalu Perun.hr.

proza

Monika Filipović: Ljetna večer u Zagrebu '18.

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Monika Filipović rođena je u Zagrebu 1996. godine. Studentica je politologije na Fakultetu političkih znanosti u Zagrebu. U slobodno vrijeme bavi se pisanjem poezije i kratkih priča, a trenutno radi i na svom prvom romanu. U svome pisanju najradije se okreće realizmu. Dosad nije objavila nijedan svoj rad.

Stranice autora

Književna Republika Relations PRAVOnaPROFESIJU LitLink mk zg