Essay

Über ein paar gute Geschichten

EDO POPOVIĆ
www.literaturportal-bayern.de

'Viele Jahre sind seit dieser Übersetzung vergangen, in der Zwischenzeit ist allerlei geschehen, ich habe viele grässliche Dinge hinter mir (und viele schöne ebenso), und so hatte ich den Namen des Mannes, dessen Erzählungen ich seinerzeit übersetzt hatte, vollkommen vergessen.'



 

Und das wird’s wohl sein, was wir am Ende von unserer Arbeit gehabt haben werden.
Ein paar gute Geschichten.
Ein paar gute Leute.

Mit diesen Sätzen endet die Erzählung Zufall von Franz Dobler aus der Sammlung Letzte Stories. In dieser Erzählung geht es um die Begegnung zweier Schriftsteller auf einem Festival. Obwohl sie sich vorher nicht gekannt haben, zeigt die Erzählung, wie die beiden durch bestimmte Dinge verbunden sind, die nicht einmal von der verrücktesten Phantasie hätten erdacht werden können.

Ein ähnlicher Zufall wollte es, dass ich im Sommer 2007 beim Festival Augsburg Brecht Connected Georg M. Oswald kennen lernte. Das Festival wurde eröffnet mit Lesungen von Herta Müller und mir, und Georg stellte mich dem Publikum vor und war meine deutsche Stimme. Derselbe Zufall wollte, dass die kroatische Übersetzung seines Romans Vom Geist der Gesetze im Verlag OceanMore veröffentlicht worden war, der auch mein Verlag ist, doch das spielt keine Rolle. Es ist nur wichtig, dass der Zufall es wollte, dass nach der Lesung der Schriftsteller und Chef des Hanser-Verlags Michael Krüger, der wohl Mitleid mit mir hatte, als er sah, dass ich allein am Tisch saß, auf mich zukam und mich an seinen Tisch einlud, an dem viele der Teilnehmer des Festivals saßen und an dem ich einen Mann namens Franz Dobler kennen lernte.

Drei Nächte lang haben wir uns in Augsburg intensiv miteinander unterhalten, Dobler und ich. Normalerweise bin ich kein Mann von vielen Worten, doch Dobler und ich fanden wirklich viele Dinge, über die wir erzählen konnten. Wir mochten beide Jörg Fauser, Jürgen Ploog, Peter Paul Zahl und einige weitere deutsche Underground-Schriftsteller. Dobler hatte eine CD aufgenommen, auf der er Fausers Verse eingelesen hatte (ich hatte keine Ahnung, dass Fauser 1987 auf einer Umgehungsstraße bei München ums Leben gekommen war, damals gab es noch kein Internet, und die kroatischen Zeitungen und Zeitschriften pflegten kaum den Tod eines Schriftstellers vom Schlage Fausers zu vermelden), gemeinsam mit Ploog war er an dem Film Rohstoff über Fauser beteiligt gewesen, und überhaupt hat er oft bei seinen Lesereisen Fausers Gedichte gelesen, und er wunderte sich darüber, dass ein Jugo diese deutsche Szene kannte.

Ich erzählte ihm, dass ich in den achtziger Jahren ein Interview mit Ploog gemacht und auch einige seiner Erzählungen für die Zeitschrift Quorum übersetzt hatte, und Ploog hatte uns gestattet, sein Interview mit W. S. Burroughs in Quorum abzudrucken. Ich hatte einige Gedichte von P. P. Zahl für die Zeitschrift Lica aus Sarajevo übersetzt, und der Höhepunkt meiner Übersetzungen aus dem Deutschen (fragen Sie bitte nicht nach der Qualität dieser Übersetzungen, da ich Deutsch weder in der Schule noch im Goethe-Institut gelernt habe, sondern bei der Arbeit in einem Sägewerk und auf Baustellen, gemeinsam mit Spaniern, Portugiesen und Türken), der Höhepunkt also war die Übersetzung von Fausers Gedichtsammlung Die Harry Gelb Story. Eine Kopie dieser Übersetzung, getippt auf einer Schreibmaschine, sowie das Buch hatte ich 1990 Semezdin Mehmedinović gegeben, der sie in einer Ausgabe der Zeitschrift Lica veröffentlichen sollte. Allerdings verhinderte der Krieg das Erscheinen von Fausers Gedichtsammlung. Mehmedinović erzählte mir später, dass eine Phosphorgranate seine Wohnung in Sarajevo getroffen habe und dass auch die Übersetzung von Harry Gelb im Feuer dran glauben musste.

Ich hatte den Eindruck, dass Dobler mir nicht unbedingt alles glaubte, was ich erzählte.

Und die ganze Zeit in Augsburg verfolgte mich das unglaubliche Gefühl, dass mir der Name Franz Dobler von irgendwo her bekannt war, dass ich ihn schon irgendwann einmal getroffen hatte. Ich erzählte ihm das. Das musst du geträumt haben, erwiderte er. Doch dieses Gefühl verließ mich auch nicht, als ich wieder in Zagreb war. Es war so intensiv, dass ich eine Tages alle Jahrgänge der Zeitschrift Quorum aus den achtziger Jahren auf dem Boden verteilte und sie nacheinander durchblätterte. In der Nummer 5/6 aus dem Jahr 1989 fand ich die Übersetzung von Doblers Kurzgeschichten Guten Morgen Gestapo und Karo, meine Marke. In der kurzen Anmerkung stand, dass die Erzählungen aus seinem ersten Buch Die Falschspieler aus dem Jahr 1988 stammten, und als Übersetzer firmierte – ich. Viele Jahre sind seit dieser Übersetzung vergangen, in der Zwischenzeit ist allerlei geschehen, ich habe viele grässliche Dinge hinter mir (und viele schöne ebenso), und so hatte ich den Namen des Mannes, dessen Erzählungen ich seinerzeit übersetzt hatte, vollkommen vergessen.

Ich begriff damals, dass Zufall nur ein anderer Begriff für einen Knoten im Netz aus Büchern, Schriftstellern, Begegnungen, Gesprächen und Reisen ist. Die Begegnung mit Franz in Augsburg warf mich zurück in die Achtziger, als mir in einem Antiquariat in Münster/Westfalen die Gedichtsammlung von Jörg Fauser in die Hände fiel, der uns auf gewisse Weise beide als Schriftsteller geformt hat. In jenen Jahren arbeitete ich an Erzählungen, die ich später in der Sammlung Mitternachtsboogie veröffentlichte, und ich las wie verrückt deutsche Autoren wie Peter Paul Zahl, Jürgen Ploog, Jürgen Theobaldy und Ludwig Fels, dessen Betonmärchen auf mich wie ein Volltreffer eines Schwergewichtsboxers wirkte. Und dann bekam ich im Herbst 2010, während der deutschen Tournee des Mitternachtsboogie, eine E-Mail von Dobler, in der er mir schrieb, Fels aus Wien hätte ihm geschrieben, er habe in einer österreichischen Zeitung gelesen, dass ein Schriftsteller durch Deutschland reise und über seine Bücher spreche.

Seitdem kreuzen sich unsere Wege häufig durch Zufall. Das letzte Mal traf ich Franz im Frühjahr 2012, im Foyer des Clubs Lindenfels Westflügel in Leipzig. Er las seine Übersetzung der Prosa von Ry Cooder In den Straßen von Los Angeles. Georg traf ich das letzte Mal im Sommer 2012 in Kroatien, als ich die Gelegenheit hatte, ihn dem Publikum in Osijek vorzustellen und seine kroatische Stimme zu sein.

Ich hatte Dobler per Post ein Exemplar der Quorum-Ausgabe mit der Übersetzung seiner Geschichten geschickt. Er hat unsere Begegnung in Augsburg und diese ganze Angelegenheit in die Geschichte Zufall verwandelt, mit der seine jüngste Sammlung von Kurzgeschichten Letzte Stories aus dem Jahr 2010 endet.

Und ich habe also den Titel von ihm geklaut, der Geschichte noch Georg hinzugefügt – und all das habe ich euch hier erzählt.

Aus dem Kroatischen von Alida Bremer

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proza

Iva Sopka: Moje pravo, nezaljubljeno lice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Iva Sopka (1987., Vrbas) objavila je više kratkih priča od kojih su najznačajnije objavljene u izboru za književnu nagradu Večernjeg lista „Ranko Marinković“ 2011. godine, Zarezovog i Algoritmovog književnog natječaja Prozak 2015. godine, nagrade „Sedmica & Kritična Masa“ 2016. i 2017. godine, natječaja za kratku priču Gradske knjižnice Samobor 2016. godine te natječaja za kratku priču 2016. godine Broda knjižare – broda kulture. Osvojila je i drugo mjesto na KSET-ovom natječaju za kratku priču 2015. godine. Trenutno živi u Belišću i radi kao knjižničarka u osnovnoj školi.

proza

Mira Petrović: Bye bye baby bye; Zana

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Mira Petrović rođena je 1989. u Splitu. Predaje engleski jezik iako bi više uživala s talijanskim. Piše prozu, ponekad odluta u poeziju. Objavila priče i pjesme na raznim portalima i u časopisima. Bila je u užem izboru za nagradu Sedmice i Kritične mase 2017. Jedna od deset finalista međunarodnog natječaja Sea of words 2016. Dobitnica Vranca – 2015. i Ulaznice 2016.

proza

Maja Klarić: Japan: Put 88 hramova (ulomak)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Maja Klarić (1985., Šibenik) diplomirala je engleski jezik i književnost i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu u Zagrebu, s diplomskim radom na temu „Suvremeni hrvatski putopis“, a radi kao književna prevoditeljica. Vodi Kulturnu udrugu Fotopoetika u sklopu koje organizira kulturne manifestacije. Objavila je poeziju i kraću prozu u raznim novinama i časopisima: Zarez, Quorum, Knjigomat, Poezija, Tema... Zastupljena je u antologijama Erato 2004. (Zagreb), Rukopisi 32 (Pančevo), Ja sam priča (Banja Luka), Sea of Words (Barcelona), Castello di Duino (Trst), Ulaznica (Zrenjanin). Nagrađena je na međunarodnom pjesničkom natječaju Castello di Duino (Trst, Italija, 2008.), međunarodnom natječaju za kratku priču Sea of Words (Barcelona, Španjolska, 2008.). Dobitnica je UNESCO/Aschberg stipendije za rezidencijalni boravak na otoku Itaparica, Brazil, 2012. te stipendije organizacije MOKS za rezidencijalni boravak u Estoniji (Mooste, Tartu). Objavila je tri zbirke putopisne poezije - Život u ruksaku (AGM, 2012.), Quinta Pitanga (V.B.Z., 2013.) i Nedovršeno stvaranje (vlastita naklada, 2015.) te prozno-poetski putopis Vrijeme badema o hodočašću Camino de Santiago, 880 km dugom putu koji je prehodala 2010. godine. Urednica je brojnih domaćih putopisnih izdanja kao što su knjige Davora Rostuhara, Tomislava Perka, Hrvoja Jurića i ostalih.

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Valerija Cerovec (1993., Čakovec) je vizualna umjetnica i spisateljica. Završila je preddiplomski studij modnog dizajna na Tekstilno-tehnološkom fakultetu i studij komparativne književnosti na Filozofskom fakultetu, a diplomirala na Odsjeku za animirani film i nove medije na Akademiji likovnih umjetnosti. Dobitnica je nagrade “Franjo Marković” Filozofskog fakulteta. Sudjelovala je u nizu skupnih izložbi i jednoj samostalnoj naziva “23. rujna, dan kad se ništa naročito nije dogodilo”. Članica je HDLU-a.

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Matea Šimić rođena je 1985. godine u Oroslavju, Hrvatska. Diplomirala je engleski jezik i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu Sveučilišta u Zagrebu. Piše poeziju, prozu i društvene komentare na hrvatskom i engleskom. Članica je Sarajevo Writers’ Workshop-a od 2012. godine. Radovi su joj objavljivani, između ostalog, u časopisu za istraživanje i umjetnost EuropeNow, časopisu za feminističku teoriju i umjetnost Bona, portalu za književnost i kulturu Strane te portalu za politiku i društvena pitanja Digitalna demokracija. Osnivačica je i urednica dvojezičnog magazina za književnost i umjetnost NEMA. Živi i radi u Barceloni.

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Dalen Belić rođen je 1997. godine. Živi u Pazinu, a studira engleski i njemački jezik na Filozofskom fakultetu u Rijeci. Objavljivan je u istrakonskoj zbirci Apokalipsa laži te zbirkama Priče o manjinama i Priče o Pazinu u sklopu Festivala Fantastične Književnosti. Osvojio je drugo mjesto na Riječkim perspektivama 2017. godine i prvo mjesto 2018. Jednu njegovu priču teškometalne tematike možete pročitati na portalu Perun.hr.

proza

Monika Filipović: Ljetna večer u Zagrebu '18.

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Monika Filipović rođena je u Zagrebu 1996. godine. Studentica je politologije na Fakultetu političkih znanosti u Zagrebu. U slobodno vrijeme bavi se pisanjem poezije i kratkih priča, a trenutno radi i na svom prvom romanu. U svome pisanju najradije se okreće realizmu. Dosad nije objavila nijedan svoj rad.

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