Essay

Arian Leka: Durrës, Geoemotionen Von der Multikultur der Autarkie zur Monokultur Der offenen Stadt

Arian Leka, geboren 1966, studierte Musik in seinem Geburtsort Durrës (Albanien) und Albanische Sprache und Literatur in Tirana. Er schreibt Gedichte, Erzählungen, Romane und Kinderliteratur und übersetzte unter anderem die italienischen Nobelpreisträger Eugenio Montale und Salvatore Quasimodo ins Albanische. Einige seiner bisher 14 Bücher und Teile seiner Werke sind in italienischer, englischer, deutscher, französischer, rumänischer, bulgarischer und kroatischer Übersetzung erschienen. 2004 gründete er das Internationale Poesie- und Literaturfestival POETEKA und ist seitdem Chefredakteur der gleichnamigen Literaturzeitschrift. Arian Leka erhielt mehrere Stipendien und Preise im In- und Ausland, darunter den Preis des Albanischen Kulturministeriums, der zu den höchst angesehensten Auszeichnungen in Albanien zählt.



  

Arian Leka

Durrës, Geoemotionen

Von der Multikultur der Autarkie zur Monokultur

Der offenen Stadt

 

* CHRISTUS IN DER MARGARINE

 

Matrose, denken die meisten Menschen, sei der Beruf eines Menschen, der ausschließlich über die Meere segelt. Ohne poetisieren zu wollen, war es jedoch auch Aufgabe der Matrosen, Zeugnisse der „Außenwelt“ mitzubringen. Immer, wenn sie von ihren Reisen über die Adria, das Mittelmeer, die Ostsee und Nordsee zurückkehrten, sooft sie den Suezkanal und Atlantischen Ozean durchquerten, der sie in das kommunistische Kuba führte, brachten die Matrosen nicht nur Rohstoffe und Waren für die Industrie, sondern auch einige delikate Gegenstände aus den für uns unerreichbaren, verborgenen Welten mit. Zucker für den Staat und Korallen für uns ... Hauptsächlich waren es Gegenstände, die die Menschen bei besonderen Anlässen oder Extremsituationen verwendeten, z.B. bei einer Hochzeit und einer Krankheit.

Wie all die Dinge, die damals im Lande nicht zu finden waren, hat auch die Reise meines Kreuzes seine Geschichte. Es war aus Edelstahl, zeigte den Gekreuzigten und die Initialen INRI. Ich trug ihn an einem Band, jenem gleich, an dem wir unsere Schlüssel trugen. Nur meinen vertrauten Freunden zeigte ich ihn. Für andere, einschließlich der nahen und fernen Verwandten, blieb der um meinen Hals hängende Christus unsichtbar.

Meinem Christus wurde die Möglichkeit, irgendeines seiner Wunder zu tun, nicht gegeben. Auch meine Sünden würde er nicht auf sich nehmen. Vermutlich, weil sich meine Familie des Vertrauens des Derwischs erfreute: Wir waren Bektaschi, Charaktere, wie jene, die Danilo Kiš beschreibt: tolerante und aufgeschlossene Menschen, Geschöpfe, die die Lehre der Propheten durch Dichter kennenlernten, die zwar Muslime waren, ihre Poesie aber Jesus Christus widmeten. Anstelle jener Gebote, die uns von jeglicher Versuchung fern halten sollten, rieten unsere Dichter uns, keine Jäger im Leben zu werden. Lieber ein Opfer, statt ein Jäger, schrieben sie. Mehr oder weniger wie in den Versen des mystischen Dschalal ad-Din Muhammad Rumi.

Aber mein Christus sollte das Wunder wiederholen - über das Wasser zu gehen. Weder barfuß, noch in Sandalen, wie er in Ikonen dargestellt wird. Mein Christus kam mit dem Schiff meines Vaters. Nach vielen Fehlschlägen, mir ein Jesuskreuz aus Varna in Bulgarien, aus Triest in Italien, aus Danzig in Polen oder von Gibraltar zu besorgen, gelang es ihm, mir eines aus Split mitzubringen. Das von mir lang ersehnte Geschenk hatte mein Vater nicht so verpackt, wie es ihm gebührte. Er brachte es heimlich (versteckt wäre das richtige Wort) ins Haus, in einer Packung Margarine Gama“, die er zerschnitten und wieder zusammengefügt hatte, so dass man nicht erkennen konnte, was sich darin verbarg. Versteckt in der Form gehärteten Pflanzenöls war Christus nicht nur unsichtbar für die Instrumente der Zollkontrolle, sondern auch bereit zum neuen postindustriellen Martyrium. Mein Vater legte das Kreuz in meine Hand, mit der gleichen Leichtigkeit, wie er mir immer kleine Münzen gegeben hatte, wenn er von seinen Seereisen zurückkehrte. Ich hatte auch nicht erwartet, dass er es mir um den Hals hängen würde. Seine einzigen Worte beim Übergeben des Kreuzes waren: „Hätte ich in Split nicht einen albanischen Schmied ausfindig gemacht, wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ich dir dieses Mal den Christus hätte mitbringen können.“ Seit diesem Tag veränderte sich meine Beziehung zu den Menschen, die ein Kunsthandwerk beherrschten.

 

* MEIN ERSTES KREUZ...

 

MEIN ERSTES KREUZ trug ich im Frühling des Jahres 1984. Damals war ich 18 Jahre alt. Ein Jahr später starb Enver Hoxha. Zwischen dem Kreuz um meinen Hals und dem Tod Hoxhas besteht keinerlei logische Verbindung; es sei denn ich versuche, dem Chaos der Ereignisse im Universum – das auch Zufälle als Gesetze akzeptiert  – eine gewisse Ordnung zu geben.

Das Ende meiner Jugend fiel in die Zeit des Zerfalls des Hoxha-Regimes. Man sagte damals, sein innerer Verfall sei derart fortgeschritten, dass es ohne Anstoß von außen, von selbst zusammenbrechen würde.

Doch an solch einen zwangsläufigen Zusammenbruch glaube ich nicht. Aber auch Aussagen wie „wie wir den Kommunismus überwanden“, die den internen Faktor „wir“ betonen, dabei aber die Beiträge der „Ausländer“ für den Zusammenbruch des kommunistischen Systems außer Betracht lassen, klingen für mich wie ein arrogantes Gehabe von Balkanbewohnern und ihrer abgeschotteten Gesellschaften, vergleichbar einer Werkstatt, die Helden restauriert.

Aber lassen Sie mich zur Geschichte meines Kreuzes zurückkehren. Damals wie heute spielte ich nie mit dem Gedanken, ein Held zu sein. Ich bereitete mich auf die Reifeprüfung vor, auf die so genannte „Befreiungsprüfung. Das Wort „Befreiung“ wurde vornehmlich in drei Fällen verwendet: 1. für die Ableistung der Wehrpflicht; 2. nach Absitzen einer Gefängnisstrafe; 3. bei Abschluss der Reifeprüfung.

Obwohl ich das Diplom am Lyzeum, für klassische Musik, noch nicht erworben hatte, wurde ich vom Staat und der damaligen albanischen Gesellschaft als Person bezeichnet, die „vollständige, gleichwertige Legitimität erlangt hat, sowie zivilrechtlichen Ansprüchen und Verpflichtungen im Rahmen der Gesetze obliegt“. Das war der Grund, warum ich das Kreuz heimlich um den Hals trug, ohne Segen oder göttlichen Schutz von ihm zu erwarten.

Warum aber sollte ich Christus um meinen Hals tragen? Zumal meine Familie, die den Nachnamen Leka (die Kurzform des Namens Alexander) trug, nicht dem christlichen Glauben angehörte. Vielleicht um mich an die Sünden meiner Vorfahren zu erinnern oder um mir zu vergegenwärtigen, dass auch ich nicht frei von Sünden bin.

Keinesfalls Ausdruck einer heroischen Haltung, könnte das Tragen eines Kreuzes unter jenen Umständen als geheimer Akt bezeichnet werden, in dem sich weniger Widerspruch gegenüber dem Regime als eine stille, persönliche Ketzerei verbarg. Doch im Gegensatz zu allen Häretikern vor mir, verneinte meine Häresie den Herrn nicht, sondern legitimierte ihn.

In jedem Falle bedeutete das öffentliche Tragen eines Kreuzes zu dieser Zeit eine Rechtswidrigkeit. Rechtswidrig, weil seit 1967 die religiösen Institutionen geschlossen, umgebaut oder zerstört wurden, ihre Besitztümer beschlagnahmt, Rituale und Zeremonien untersagt wurden und nationale anstelle der religiösen Feste traten.

Heimat und Nation hieß die neue Religion. Mit ihrem Beruf legten die Geistlichen auch ihre Roben ab. Sie mussten zivile Berufe erlernen und in die Rolle des neuen sozialistischen Menschen schlüpfen. Einige wurden verfolgt, inhaftiert oder sogar hingerichtet. Unterdessen wurde die Liste der Unerwünschten, auf der bereits die US-Präsidenten L. B. Johnson, R. Nixon sowie der Präsident eines verräterischen, revisionistischen Landes L. Breschnew standen, um Jesus Christus und Mohammed erweitert.

Unser Pantheon verlor an Bedeutung, wurde aber nicht vollständig vernichtet. Den Platz der Propheten, Apostel und Heiligen nahmen ein: Da Vinci, Kopernikus, Erasmus von Rotterdam, R. Descartes, Voltaire, Darwin, A. Tschechow, A. Nesin, J. Conrad, vor allem Marx und Engels, von denen unsere Lehrer sagten, sie seien gleichermaßen Genies wie Atheisten.

Die Verfassung von 1967 erklärte Albanien zu einem atheistischen Staat. Fortan veränderte sich nicht nur die Beziehung der Albaner zum Rest der Welt, sondern auch die zu Gott. Ich muss damals auf der Suche nach „etwas“ Anderem, Neuem, Fremdem gewesen sein, das unserem Leben noch fehlte, aber unbedingt dazugehören sollte.


* ÖSE EINER NADEL


Im März 1967 erließ Hoxha das Religionsverbot und verfügte die Schließung der Glaubensinstitute. Also durfte ich von meiner Geburt, im Februar 1966 an nur ein Jahr mit „Gott“ verbringen. Hoxhas Reformen führten zu Unruhen bei den Gymnasiasten von Durrës, die einen Sturm der Empörung entfachten, der alles auf seinem Weg hinwegfegen könnte. Die Anreden „Herr“ und „Frau“ wurden abgeschafft, man begrüßte sich mit „Kamerad“ oder „Genosse“.

Der Eintrag der Religionszugehörigkeit im Ausweis wurde gelöscht, damit nichts mehr an Gott erinnerte. Namen religiöser Herkunft für Neugeborene wurden untersagt, stattdessen bekamen sie gute sozialistische albanische Namen wie Lumturi (Glückselige), Drita (Licht) oder Flutura (Schmetterling). Dazu kam die Zerstörung der Kirche St. Vlash am Rande der Stadt, in der ein Stein aufbewahrt wurde, von dem die Menschen glaubten, er könne Wunder vollbringen. Aus der Moschee wurde ein Kulturhaus, unter ihrer Kuppel fand ein Bar-Restaurant seinen Platz.

Aber warum Durrës?... Die geographische Lage machte Durrës nicht nur zum Zentrum des nationalen Verkehrs, sondern auch zur ersten albanischen Vorzeigestadt für den kapitalistischen Westen. Durrës – Fassade und Aushängeschild des Staates. Diejenigen, die diese Stadt mit eigenen Augen, mittels Radar oder U-Boot-Periskop sehen durften, sollten die Vision einer prosperierenden, bewundernswerten Stadt bekommen, wie sie der römische Philosoph und Redner M. T. Cicero beschrieben hatte. Doch das war nicht genug...

Mithilfe der Stadt Durrës sollten „die Fremden“ sich ein Bild vom ganzen Land machen.
Eigentlich war Durrës ja etwas freizügiger als andere Städte Albaniens. Wenn wir die Spur der überwachten Oasen der Freiheit aufnahmen, stießen wir auf das Interklubi mit Café und ein „Duty-free“, die Taverne des Hotels „Adriatik“, wo Jazz-und Rockmusik gespielt wurde, das Musik-Lyzeum oder „Park Vollga“, wo die Leute bis spät in die Nacht tanzten. Der Rest wurde geschlossen.

Vor allem besaß Durrës einen Seehafen: den Ort, an dem Schiffe mit ausländischer Besatzung verkehrten. Durrës war die Öse einer Nadel, durch die man in die Ferne sehen konnte. Durrës hatte einen Check-Point, wo sich Menschen trafen, redeten, Waren schmuggelten, Ideen und verschlüsselte Botschaften mit der Welt austauschten.

Ohne an solch einem Ort geboren zu sein, kann man sich nicht vorstellen, wie wichtig ein Hafen für die Lebensqualität einer Stadt ist. Vor allem, wenn die Entwicklung des ganzen Landes in vollständige Isolation mündet, indem es sich verschließt und gleichzeitig das Ideal des Andersseins und der Autarkie predigt.

Gefangen in dieser Falle der Isolation unternahmen die Menschen alles was in ihrer Macht stand, um ihr zu entkommen. Obwohl nicht erlaubt, begannen sie auf ihren Dächern mehr und mehr Antennen zu installieren, speziell auf Italien ausgerichtet, welches für uns der Inbegriff des Westens war. Außerstande, ein SOS an die Welt zu senden, warteten die Albaner jahrelang vergebens darauf, irgendeine Botschaft zu empfangen. Die Welt schloss nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen vor dieser Denaturierung im Herzen Europas.

Es erreichten uns keine Botschaften. Jahrzehnte lang klagte keine internationale Institution die Regierung unseres Landes an. So wie die Welt Albanien außer Acht ließ, ignorierten die Albaner gleichermaßen die Welt. Während diese Ignoranz dem albanischen Regime zugutekam, das seine Macht nun frei ausüben konnte, fühlten sich die albanischen Bürger alleingelassen und waren zutiefst entmutigt.


*ALLES AUS EIGENER KRAFT

 

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen. Diese Botschaft lesen wir in einem Essay von Francis Bacon. In unseren Kontext übertragen meint das: selbst wenn du dich verschließt und der Welt verweigerst, findet die Welt den Weg zu dir; mehr oder weniger, so wie das Wasser den Spalt.

Als Albanien versuchte, für sich zu sein und anders als der Rest der Welt, war es die Welt, die Mittel und Wege fand, zu uns, „den kleinen Uneinsichtigen des Balkans“, durchzudringen und präsent zu sein. Wie schaffte sie das? Durch Diplomatie? Durch Unterwanderung? Durch Ausstrahlung von Wellen, die beim Volk Unzufriedenheit gegen das Regime wecken würde? Nein. Durch alle die, welche Zeugnisse dieser Außenwelt mitbrachten.

All jene, die diese Jahre erlebten, müssen sich an die lang andauernde Periode erinnern, als sich das sozialistische wirtschaftliche System in der Krise befand und überall ein Mangel an notwendigen Produkten, fortschrittlichen Technologien, Werkzeugen und vor allem menschlichen Kontakten herrschte. Das puritanische Konzept der politischen Unabhängigkeit hatte das Land zur utopischen Suche nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit getrieben.

Die Konfrontation mit dem Kapitalismus und der Bourgeoisie, verwandelte den Krieg der politischen und wirtschaftlichen Systeme in einen Krieg der Weltanschauungen. Die begrenzte Moral der zehn grundlegenden Punkte des Kommunismus sah, im Gegensatz zu den zehn Geboten Mose, die wirtschaftliche Unabhängigkeit als höchsten Wert an. Dafür standen Slogans wie: „Unser Brot im Lande aus eigener Kraft sichern“ und "Alles im Lande produzieren mit umfassender Unterstützung interner Kräfte“.

Die Vorgehensweise: Verbot jeglicher Form von Krediten oder Fremdkapital durch die Verfassung und Beschränkung der Importe, „mit Ausnahme absolut notwendiger Fälle für die wirtschaftliche Entwicklung und die sozialen Bedürfnisse.“ Von der Liste der Partnerländer, mit denen Albanien Handel treiben durfte, wurden die „kapitalistischen, revisionistischen oder zionistischen“ Länder wie die USA, Großbritannien, Sowjetunion, Israel, Südafrika und Westdeutschland gestrichen.

Auf dem Höhepunkt dieser Selbstisolation hatte Albanien seinen futuristischen Traum: die Wandlung des albanischen Staates zu einer industriellen Supermacht; einer Supermacht der Energieerzeugung, einer Supermacht der Gewinnung und Verarbeitung großer Mengen an Erdöl und Erdgas; einer Supermacht der Stahlproduktion; einer Supermacht des Mineralienabbaues und der Düngemittelherstellung. Am Fluss Drin, in Elbasan, in Ballësh, in Laç und in Rubik wurden Wasserkraftwerke errichtet; Kombinate, Fabriken, Raffinerien und neue Städte für Arbeitskräfte wurden gebaut.

Um diesen Traum eines „David“, den des marxistischen Albaniens, glaubhaft darzustellen, schwitzten albanische Schriftsteller für den sozialistischen Realismus wie Stahlarbeiter an den Hochöfen. Schriftsteller der Dystopie wie Kafka, Huxley oder Bradbury hätten alles gegeben, um eine Einreiseerlaubnis für dieses Land zu erhalten, in dem die Realität jegliche fieberhafte „Fiktion“ übertraf. Doch keinem dieser dystopischen Schriftsteller gelang es. Ebenso wenig gelang es den sozialistischen Schriftstellern dieser Periode, sich mit unsterblichen Werken zu verewigen und Weltruf zu erlangen.

Das Bild des „einsamen Leuchtturms“, der in die vom Sturm erfasste Welt hinaus strahlte, war eine der beliebten Metaphern. Ich mag diese Metapher nicht entschlüsseln, die den Wert des Leuchtturms nicht nur darin sieht, dass er existiert und Licht aussendet, sondern in der Tatsache, dass er unzähligen verirrten Schiffen Orientierung bietet, sie in Stürmen rettet, indem er sie in den sicheren Hafen leitet.

Doch diejenigen, die von unserem sozialistischen Leuchtturm angezogen wurden, waren keine orientierungslosen Schiffe. Es waren nur einige wenige marxistisch-leninistische Gruppen und einige „Krypto-Touristen“.

Wir sahen sie in den Straßen meiner Stadt nur in kleinen Gruppen spazieren gehen, während sie sich in albanischen Agentenfilmen in Scharen versammelten. Jene „Touristen“, die nur kamen, um die Schönheit unseres ideologischen Resorts zu genießen, waren für uns „die Anderen“, „die Welt“.

Doch diese Menschen, in ihren Ländern unzufrieden von der Ungerechtigkeit des Kapitalismus, der wie eine Manufaktur die „Seide“ produzierte, um das Gewissen der „Einsamen“ sanft einzuspinnen, schlugen übertriebenen Stolzes den Weg hin zu einer besseren Gesellschaft ohne Klassen ein, in der jeder „entsprechend seiner Fähigkeiten arbeitet und entsprechend seiner Bedürfnisse entlohnt wird.“ Solche Touristen besuchten uns. Im Gegensatz dazu wurde das Ausreisen aus Albanien als ein Privileg betrachtet, das erst verdient werden musste.

 

* DRAUSSEN

Für die meisten Albaner jener Periode klang das Wort „draußen“ nach Toponymie, wie ein Standort, wie ein geo-emotionaler Raum. Orte „draußen“ hatten einen Klang wie Atlantis. Besonders bewundernswert waren „die Menschen, die nach Draußen gingen“. Trotz der gegen „sie gerichteten Eifersucht wurden sie insgeheim verehrt, als hätten sie eine Pilgerreise zu heiligen Stätten unternommen oder einen Fuß auf den Mond gesetzt. Sie brachten Zeugnisse der Außenwelt mit, um uns zu beweisen, wahrhaft „dort draußen“ gewesen zu sein.

Die Ankunft der Gegenstände „des Draußen“ in unserer Welt hatte nicht geringe Ähnlichkeit mit Marco Polos Rückkehr von Kublai Khan.

Wir sahen sie nicht als gewöhnliche Objekte materieller Natur an. Für uns waren sie Symbole, Zeichen und Codes aus einer anderen Welt, außerhalb unserer, welche wir, da sie uns fremd war, idealisierten.
Gegenstand des Fetischismus wurden nicht nur besondere Objekte, sondern auch wertlose Dinge des täglichen Gebrauchs wie Plastiktüten. Nicht aufgrund des Mangels an Gebrauchsgegenständen wurden sie so sehr verehrt, sondern weil sie mit den Namen europäischer Städte bedruckt waren.

Trotz aller Freude über willkommene Mitbringsel wagten nur wenige nach dem Preis zu fragen, den die bezahlt hatten, die nach „draußen“ gingen, den „Stacheldraht“ überwanden und wie Kolumbus und Hernán Cortés neue Welten entdeckten. Welcher Tribut wurde den Diplomaten, Schriftstellern, Sportlern und wenigen Studenten, den Folkloregruppen, die an Festivals teilnahmen, den Seeleuten und Fahrern der Lastzüge mit TIR-Kennzeichen, auf deren Planen das Wort „Albanien“ zu lesen war, abverlangt? Was erwartete man von ihnen? Schweigen? Verhöhnung des Westens? Oder nur ein „veni vidi vici“? Eine Beschreibung oder einen Routinebericht voller Spott über den Kapitalismus und Lob des siegreichen Sozialismus? Oder etwas mehr als das?


* AUSSERIRDISCHE


Als die sozialen, kulturellen und technologischen Kontakte abgebrochen und den „Anderen“ alle Türen verschlossen worden waren, waren es nicht Menschen, sondern Gegenstände und Werkzeuge, die uns bewusst machten, dass um uns herum noch andere Welten existierten. Mittels ihrer Produkte erschufen wir in unserer Phantasie die Außenwelt und fanden eine eigene Kommunikationsform mit ihr. Es mag seltsam klingen, doch obschon zur jener Zeit kein Russe, Italiener, Deutscher, Amerikaner oder Engländer Albanien betreten durfte, konnten uns ihre Produkte erreichen. Um in diesem Klima der Isolation überleben zu können, verwandelten sich diese Völker, Nationen und Kulturen in unserer Vorstellung in eine Vielzahl von Gegenständen, die dann symbolhaft für sie standen.

Die Anwesenheit der „fremden“ Objekte in unseren Häusern erzeugte eine Mythologie. Darauf basierend wurde eine Nation geboren und eine seltsame Theorie über die mächtigen Rassen entwickelt. Im Gegensatz zu anderen rassistischen Theorien hatte unsere Theorie nicht die genetischen Merkmale der Rassen zur Prämisse, sondern die Qualität der Gegenstände, die sie herstellten.

Je nach Produktionsqualität der uns erreichten Gegenstände kam „unsere Theorie der Rassen und Arten“ zu der Schlussfolgerung: „Die deutsche Ware ist unsterblich, Russland besitzt starke Waren, der Amerikaner legt Wert auf Größe, das Italienische ist einfach schön, der Engländer ist Gentleman, der Tscheche präzise und der Rumäne ... na ja geht so.“

Dies war der Rahmen. All diejenigen, die man erwähnte: „Deutscher“, „Russe“, „Italiener“, „Engländer“, „Tscheche“ und „Rumäne“, ähnelten ausgelöschten Völkern, wie einst das Volk von Lot, von Ad und aus Ubar. Bei der Flucht müssten sie vergessen haben, ihr Hab und Gut mitzunehmen.

Spuren einer ähnlichen Flucht fanden sich in unseren Häusern. Die große Sowjetunion zum Beispiel hatte Albanien im Juni 1961 verlassen, mitsamt den U-Booten, aber in unseren Häusern verblieb das Radiogrammophon „Ural“, zusammen mit einigen klassischen Schallplatten. Deutschland, das „demokratische“ Deutschland, konkurrierte mit seinem Fahrrad „MIFA“, auf dessen Stange auch meine erste Liebe saß.

Es war eine separate Geographie – eine durch Gegenstände erschaffene Welt. Die Länder hingen an den Wänden, wurden an die Türen genagelt oder standen unbeweglich auf dem Tisch. Jedes von ihnen hatte seine Geschichte der Anreise. Durch diese repräsentativen Gegenstände ad interim fügte sich unser Kontinent wie ein Puzzle zusammen.

Das Jugoslawien des Marschalls Tito, vertreten durch den Kühlschrank „Obodin“. China war anwesend durch Kunststoffspielzeug, Seidentücher, Fayencen und Porzellanfiguren, die wir als Zierobjekte rund um das Haus ausgebreitet hatten. Ungarn wurde durch die Schlösser „Tutius“ und die Schlüssel „Elzett“, die wir als Kinder um den Hals trugen, repräsentiert. Die Tschechoslowakei zeichnete sich durch das Rasiermesser „Astra“ aus, dessen Klinge das Ende unserer Kindheit einläutete und uns als verantwortungsbewusste Männer auswies. Rumänien war nur durch seine zyklopenhaften Waschmaschinen, „mit einem Auge“ anwesend. Aus Polen hatten wir die Schiffe der Flotte, und was Bulgarien anging, bin ich mir zwar ziemlich sicher, dass es vertreten war, doch ich kann mich nicht entsinnen, wodurch.

Diese Gegenstände, die unsere Häuser erreichen konnten, traten in Wettstreit miteinander. Ein Haus war nie nur ein Haus. Es war eine enge Welt, aber eine Welt ohne Grenzen, während das Passieren der realen Grenzen verboten blieb.

Aber obwohl sie nicht ganz leer war, etwas Wichtiges schien unserer aus importierten Gegenständen erstellten multikulturellen Welt zu fehlen: ihre Schöpfer und Hersteller – Menschen aus diesen Ländern. Man bekam das Gefühl, als streckten sie ihre unsichtbaren Hände aus, um uns aus der Ferne zu berühren. Diesen „Außerirdischen“ begegneten wir, wenn wir ihre Gegenstände oder Werkzeuge reinigten oder pflegten.


* DIE HÄNDE DER MEISTER

 

Und was hat sich bis heute verändert? Was hat sich verändert seit der Zeit, als Albanien seinen industriellen Supermachttraum träumte? Ich habe meinen Kindern eine ehrliche Antwort zu geben, wenn sie mich fragen, ob es tatsächlich eine Zeit gab, in der Nahrungsmittel, Drähte, Lampen, Zelte, Betten, Nägel, Papier, Ziegel, Getränke, Heizungen, Trikotagen, Geschirr, Waffen, Funkgeräte, Teppiche, Öfen, Kunststoffe und Kunststoffprodukte, Hausrat, Fliesen, Schuhe, Stoffe und viele andere Güter, nach dem Prinzip „auf der eigenen Kraft basierend“ im eigenen Land produziert worden waren. Nostalgie spielt keine Rolle, wenn ich sage, dass von der damaligen Welt der Meister und Handwerker nur noch ein Häufchen überlebt hat.

Fast alles ist zusammengebrochen, was nur zusammenbrechen kann – sogar die Ideologisierung. Der Wunsch, etwas selbst zu schaffen, ist fast verschwunden, zusammen mit den Händen der damaligen Meister. Das Bestreben, ein Handwerk zu beherrschen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu besitzen, um mit ihrer Hilfe Möbel, Objekte und einfache, notwendige Werkzeuge herzustellen, scheint versiegt zu sein.

Was ist geschehen? Nach der Öffnung wussten die abgeschotteten Kulturen nicht, wie sie sich gegenüber einer von globalen Beziehungen bestimmten Welt verhalten sollten. Sie nahmen eine fatale Position ein. Sie warteten nicht auf eine Abwertung von „außen“, sondern werteten sich selbst ab. Sie nahmen alle Schuld auf sich und demontierten sich selbst, als hätten sie sich und dem Rest der Welt nichts anzubieten. So geschah es in Albanien, das in den ersten Tagen der Demokratisierung den einstigen Industrie-Traum durch Geschenke - Träume von „Blankoschecks“ aus dem Westen ersetzte. Ohne vorbereitet zu sein, wendete es das Konzept „Uhren-auf-Null-stellen“ an und erhoffte einen „Marshall - Plan“.

In Bezug auf die Berufe und Handwerke wurde Durrës, die Stadt, wo ich geboren wurde und eine Familie gründete, nach Jahrtausenden der Existenz als multikulturelle Gesellschaft, ironischerweise in eine offene Stadt verwandelt, jedoch in eine monokulturelle. Trotz etablierter Handwerke sackten fast alle ihre Bürger zu Geldwechslern, Auto- und Kleinhändlern ab.

Die Stadt begann ihre Einstellung zu sich selbst zu ändern, so wie die Bürger begannen, ihre Selbstachtung zu verlieren. Die erste Änderung: das Verbergen der alten Spuren und die Wandlung zu einer modernen Stadt, einer Metropole. Lange Rohre drangen in ihren historischen Boden ein, pressten Beton bis tief in die Erde – dorthin, wo sie seit Jahrhunderten ihre archäologischen Schätze bewahrt hatte, besser als ihre Bewohner.

Mit eigenen Augen sah ich, wie jene Rohre mit metallischem Schimmer dröhnend hinab in die Erde fuhren und rot verfärbt emporstiegen. Dies ist keine Metapher. Es war die Farbe der majestätischen Mauern, die Durrës umgaben und im VI. Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser Anastasios I. – dort geboren – erbaut worden waren. Die zweite Änderung: die Explosion des Egoismus – die am Strand erbauten „Wolkenkratzer“ überschritten die symbolische Höhe der Hügel von Durrës, die bis zu diesem Zeitpunkt als natürliche Begrenzung der Stadthöhe galt. Die aus dem Herzen der Erde ragenden Wolkenkratzer verletzten den stillschweigenden Gesellschaftsvertrag der Generationen, der besagte, dass kein Gebäude der Stadt höher sein durfte als das Kreuz auf der Kirche oder der Halbmond auf der Moschee. Danach war es nicht schwer, weitere Grenzen zu überschreiten.


* FREMDE HEIMAT

 

Immer, wenn ich durch die Straßen der Stadt schlendere, versuche ich historische Stätten und Zeitzeugen ausfindig zu machen: den Fischmarkt, Läden für Seide, Werkstätten die Segel reparierten, die Gerbereien, Läden die Netze knüpften, Schneider, Schuster, Goldschmiede, zwei restaurierte Herbergen oder die Eingangstore der Stadt. Aber ich kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Auch verstehe ich nicht, warum ich immer noch die Straßen dieser bereits angepassten Stadt durchstreife. Der Blick in Schaufenster und auf die Werbung zeigt, dass die Stadt durch die Wandlung zur Konsumgesellschaft schließlich Teil dieser Welt und ihrer „kulturellen Hegemonie“ geworden ist. Als habe es keine Vergangenheit gegeben, hat Durrës seinen Charakter verloren – das, was eine Stadt einzigartig macht.

Doch was lässt mich auf die Suche nach diesem mir unbekannten „Etwas“ gehen und hoffen, ihm in Straßen, Ecken und Winkeln der Stadt zu begegnen? Bin ich unbewusst auf der Suche nach einem Goldschmied oder jemandem, wie jenem Mann aus Split, der einst meinem Vater den gekreuzigten Christus gab? Aber vielleicht hat Split, wie auch meine Stadt und viele andere Küstenstädte der Adria, bereits begonnen, sein authentisches Gesicht zu verlieren. Nach diesen erfolglosen Erfahrungen wagen es nur wenige für sich und anders als die restliche Welt zu sein.

Nach 20 Jahren hat sich vieles verändert. Einiges zum Schlechten, manches zum Guten, manches zum Besseren. Aber was hat sich im Bezug auf den Glauben in meiner Stadt verändert? Wir haben jetzt mehr Kirchen, mehr Moscheen und heilige Orte. Mehr frei Tage – aufgrund wiedereingeführter religiöser Feiertage. Mehr Gläubige sind es jedoch nicht geworden. Es reicht ja, die Glocken von den Bürgersteigen aus zu hören und den Ton des Fernsehers leiser zu stellen, um die Stimme des Muezzins zu vernehmen.

Ich fühle mich wie ein Fremder in meiner Stadt. Anstelle jener Menschen, die sich mit Namen kannten und mit der Historie ihrer Stadt vertraut waren, sehe ich nun Menschen, die einander und ihrer eigenen Stadt fremd sind.

Die Christusfigur auf meinem ersten Kreuz, das ich immer noch aufbewahre, hat begonnen sich zu bewegen, als wolle sie jeden Moment abfallen. Vielleicht braucht es nur einen Klebstoff, vielleicht auch einen Meister, der noch weiß, welche Materialien für die Verbindung des stählernen Kreuzes mit dem silbernen Christus gebraucht werden. Doch ich weiß, wie auch der Lachs, pflegt der Mensch eine Besonderheit: an den Ort seiner Geburt, an den Ort seiner Erinnerungen kehrt er immer zurück.

 

Aus dem Albanischen von Loreta Schillock

 

 

o nama

Nagrada Sedmica & Kritična masa 2019 - uži izbor

Nakon što je žiri Nagrade Sedmica & Kritična masa za mlade prozne autore bodovao priče autora iz šireg izbora Nagrade, u uži izbor ušlo je sedam autora/ica.
Pogledajte tko su sedmoro odabranih.
Sponzor Nagrade je kulturno osviješteni cafe-bar "Sedmica" (Kačićeva 7, Zagreb).

intervju

Dinko Kreho: Književna ''mladost'' je sklizak i evazivan pojam koji najčešće nosi i problematičan ideološki balast

Predstavljamo uži izbor Nagrade Sedmica & Kritična masa

Dinko je u uži izbor ušao s pričom ''Zoja''. Standardnim setom pitanja predstavljamo jednog od dvojice muških natjecatelja.

proza

Iva Sopka: Moje pravo, nezaljubljeno lice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - UŽI IZBOR 2019

Iva Sopka (1987., Vrbas) objavila je više kratkih priča od kojih su najznačajnije objavljene u izboru za književnu nagradu Večernjeg lista „Ranko Marinković“ 2011. godine, Zarezovog i Algoritmovog književnog natječaja Prozak 2015. godine, nagrade „Sedmica & Kritična Masa“ 2016. i 2017. godine, natječaja za kratku priču Gradske knjižnice Samobor 2016. godine te natječaja za kratku priču 2016. godine Broda knjižare – broda kulture. Osvojila je i drugo mjesto na KSET-ovom natječaju za kratku priču 2015. godine. Trenutno živi u Belišću i radi kao knjižničarka u osnovnoj školi.

proza

Ivana Pintarić: Priče

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Ivana Pintarić (1988., Zagreb) je po zanimanju edukacijski rehabilitator. Piše poeziju i kratke priče. Ulomkom iz romana „Gorimo (ali ne boli više)“ ušla je u finale izbora za nagradu "Sedmica & Kritična masa" 2015. godine. Ulazi u širi izbor nagrade "Sedmica & Kritična masa" 2017. ulomkom iz romana "Ovo nije putopis o Americi". Bila je polaznica Booksine radionice pisanja proze pod mentorstvom Zorana Ferića. Objavila je radove na kultipraktik.org i booksa.hr. Objavila je i priču u časopisu Fantom slobode. Članica je književne grupe ZLO.

proza

Marin Ivančić: Karijatida

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Marin Ivančić (1991., Karlovac) diplomirani je pravnik na stručnom usavršavanju u Hrvatskoj komori ovlaštenih inženjera geodezije. Od zala birokracije dušu spašava čitanjem, županijskim nogometom, a odnedavno i pisanjem. Igra zadnjeg veznog u NK Dobra-Novigrad na Dobri, ima dobar udarac i pregled igre. Čitalački ukus mu je hipsterski eklektičan. Ovo mu je prvi objavljeni rad.

proza

Jelena Petković: Japan

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Jelena Petković (1984.) diplomirala je povijest i engleski jezik i književnost na Filozofskom fakultetu u Osijeku. Živi i radi u Vukovaru.

proza

Luiza Bouharaoua: Zvučni zid

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Luiza Bouharaoua (1985., Split) diplomirala je kroatistiku i anglistiku na Filozofskom fakultetu u Splitu. Radi u Skribonautima. Prevodi i piše. Prevela je roman Rachel Kushner "Bacači plamena" (Profil, 2017.). Kratke priče objavljivala je u The Split Mindu, Fantomu Slobode i na portalima Kritična masa i Nema. Priče su joj izvođene u na Trećem programu hrvatskog radija. Uvrštena je u regionalni zbornik "Izvan koridora - najbolja kratka priča" (VBZ, 2011.) i antologiju hrvatske mlade proze "Bez vrata, bez kucanja" (Sandorf, 2012.). Finalistica je natječaja Festivala europske kratke priče u 2016. i 2017. godini. Dobitnica je nagrade Ulaznica za kratku priču te nagrade Prozak za najbolji prozni rukopis autora/ica do 35 godina. U 2019. izlazi joj Prozakom nagrađeni prvijenac.

proza

Valerija Cerovec: Hotel Horizont (ulomak iz kratkog romana)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Valerija Cerovec (1993., Čakovec) je vizualna umjetnica i spisateljica. Završila je preddiplomski studij modnog dizajna na Tekstilno-tehnološkom fakultetu i studij komparativne književnosti na Filozofskom fakultetu, a diplomirala na Odsjeku za animirani film i nove medije na Akademiji likovnih umjetnosti. Dobitnica je nagrade “Franjo Marković” Filozofskog fakulteta. Sudjelovala je u nizu skupnih izložbi i jednoj samostalnoj naziva “23. rujna, dan kad se ništa naročito nije dogodilo”. Članica je HDLU-a.

proza

Jan Bolić: Mrtvi kanal (ulomak iz neobjavljenog romana)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Jan Bolić (1995., Rijeka) je autor koji boluje od progresivne bolesti spinalne mišićne atrofije tip 2 zbog koje ne može pomaknuti gotovo nijedan dio tijela, no i dalje, bez obzira na progresiju bolesti, uspijeva pisati s dva prsta koja još uvijek može pomaknuti i s njima stvara književna djela. Dosad je objavio dvije knjige: zbirku poezije „Trenutci“ (2016.) i zbirku poezije i proznih zapisa „Može biti lijepo“ (2017.). Jedna pjesma objavljena je i u zbirci poezije skupine autora iz cijele RH naziva „Petrinjske staze“ iz Petrinje. Povremeno objavljuje svoje radove na književnim portalima i svom Facebook profilu U trećoj knjizi odlučio se pozabaviti žanrom krimića.

proza

Andrea Bauk: Kult užarene krune

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Andrea Bauk (1985., Rijeka) je završila stručni studij vinarstva u Poreču nakon kojeg je radila razne poslove. Teme njezinog pisanja su SF, međuljudski, pogotovo obiteljski odnosi i tabu teme, a njezini likovi redovito su autsajderi i mizantropi. Nekoliko njezinih priča i pjesama objavljene su u sklopu književnih natječaja.

proza

Luka Katančić: Papirnati poljubac

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Luka Katančić (1996., Zagreb) student je Pravnog fakulteta u Zagrebu. 2014. i 2015. godine osvojio je treće nagrade: „Stanislav Preprek“, „Joan Flora“, „Pavle Popović“, „Janoš Siveri“, „Rade Tomić“ te drugu nagradu „Duško Trifunović“ u Novom Sadu za poeziju u kategoriji do 30 godina.

proza

Dalen Belić: Ispovijed serijskog samoubojice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Dalen Belić rođen je 1997. godine. Živi u Pazinu, a studira engleski i njemački jezik na Filozofskom fakultetu u Rijeci. Objavljivan je u istrakonskoj zbirci Apokalipsa laži te zbirkama Priče o manjinama i Priče o Pazinu u sklopu Festivala Fantastične Književnosti. Osvojio je drugo mjesto na Riječkim perspektivama 2017. godine i prvo mjesto 2018. Jednu njegovu priču teškometalne tematike možete pročitati na portalu Perun.hr.

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