Prosa

Sonnenschein

DAŠA DRNDIĆ
Auszug aus dem Roman „Sonnenschein“
Aus dem Kroatischen von Alida Bremer
"Die Erkenntnis des Schmerzes wird zur einzigen möglichen Erkenntnis – die Werke von Daša Drndić nehmen ein durch die Tatsache, dass diese Maxime nicht ausgesprochen, sondern immerfort erzählt wird." - Alida Bremer.



 

Auf einem Treffen von Mathematiklehrern aus Italien, der Schweiz und Österreich in Zürich lernt Haya Tedeschi im Jahre 1969 die Zürcherin Elvira Weiner kennen. Auf diesem Mathematikertreffen 1969 spricht man nicht nur über Mathematik, man redet über die Vergangenheit. Über die Vergangenheit redet man immer, um sich besser kennen zu lernen, so ist das nun einmal. Gespräche über die Vergangenheit sind so etwas wie kleine Beichten, kleine Erleichterungen, und die Seele kehrt danach zurück in die Gegenwart, getragen von Engelsflügeln - ganz leicht und luftig.  

            Diese Straße ist hübsch, nur Bahnhöfe mag ich nicht, es gab schreckliche Bahnhöfe, sagt Haya Tedeschi zu Elvira Weiner, während sie an ihrem freien Nachmittag durch die Bahnhofstrasse flanieren und die Schaufenster betrachten.

            Ja, die gab es, sagt Eliva Weiner, lass uns Kuchen essen gehen, sagt sie dann noch.

            Ich war sechzehn, erzählt Elvira Weiner, zu Hause sprach man häufig über Züge, über die Kohle, die aus Deutschland über die Schweiz durch den Gotthard-Tunnel nach Italien verfrachtet wird, davon hat man viel erzählt, oder besser gesagt geflüstert, es war ein öffentliches Geheimnis, alle wussten Bescheid. Eines Tages sagte meine Mutter: Man verlangt von der Schweizer Regierung, dass sie Züge mit irgendwelchen Menschen durch den Gotthard passieren lässt, aber in Richtung Deutschland, sagte meine Mutter, erzählt Elvira Weiner, und dann sagte sie, dass aus dem Komitee angefragt wurde, ob sie helfen könne, denn - so behaupteten sie -  irgendwelche Menschen kämen, und wir wissen nicht, was das für Menschen sind und wohin sie fahren, sagte meine Mutter, erzählt Elvira Weiner, doch das stimmte nicht, erzählt Elvira Weiner weiter, meine Mutter wusste es, sie wusste, wer diese Menschen sind. Komm, du sollst mitmachen, es ist eine humanitäre Aktion, die Züge machen Halt in Zürich, und wir werden Decken und Kaffee und Suppe an die Menschen austeilen, sagten mir diese Leute, erzählte meine Mutter, sagt Elvira Weiner. Wir dachten, das seien Hirngespinste, wir haben nicht an diese Geschichten geglaubt, ich war 1944 sechzehn, aber man hat darüber immer mehr gesprochen, und dann sagte eines Tages meine Mutter zu meinem Vater: Ich habe mich doch gemeldet, ich werde helfen, sagte sie, erzählt Elvira Weiner, aber mein Vater war dagegen, warum solltest du dich da einmischen, sagte er zu meiner Mutter, halt dich fern von solchen Dingen, sagte er, aber meine Mutter sagte, ich muss, ich muss einfach, erzählt Elvira Weiner, später haben wir erfahren, dass es zu einer Vereinbarung gekommen ist, einer Vereinbarung zwischen der  deutschen und der schweizerischen Regierung, auch das schweizerische Rote Kreuz war beteiligt, sie vereinbarten, dass die Züge durch den Gotthard und nicht über den Brenner fahren dürfen, denn sonst sind die Züge immer über den Brenner gefahren, aber der Brenner war wegen Schnee geschlossen, so dass sie diese Menschen nicht über diesen Pass bringen konnten, über den Brennerpass, die Italiener und Zigeuner, ja, auch Zigeuner, die sie durch Deutschland und dann weiter transportierten, irgendwohin, die Deutschen haben sich überlegt, dass sie die Waggons, mit denen sonst Kohle transportiert wurde, benutzen könnten, damit die nicht leer zurückfahren müssen, also haben sie die Italiener und Zigeuner aufgeladen, dann hat der schweizerische Rote Kreuz bestätigt, dass alles in Ordnung sei, die Waggons sollten in Zürich Halt machen, nachts, in Ordnung, wir sind einverstanden, nachts, und unsere Leute werden den Reisenden Decken und warmen Kaffee und warme Suppe bringen, damit sie bequemer reisen können, hat das schweizerische Rote Kreuz gesagt, erzählt Elvira Weiner. Meine Mama ist durch die Stadt gelaufen und hat Kaffee bei den Bewohnern gesammelt, es gab nicht viel Kaffee, der Kaffeeverbrauch war eingeschränkt, und dann hat sie noch gesagt, bitte geben Sie auch Bohnen, der Bohnenverbrauch war nicht eingeschränkt, wir konnten Bohnen essen so viel wir wollten, uneingeschränkt, aber egal, auch davon gab es nicht viel, erzählt Elvira Weiner, und dann haben wir aus diesen Bohnen Suppe mit ein paar Mohrrüben und Kartoffeln gekocht, ja, ich glaube, es gab auch Kartoffeln. Und dann sind wir  zu den Leuten  gegangen, irgendwann sagte meine Mutter einmal zu mir, komm mit zu einem Treffen, und ich bin mitgegangen. Dort bei diesem Treffen war eine Frau vom Roten Kreuz, und sie sagte, dass die Züge nachts ankommen würden, wir sollen alle Taschenlampen mitbringen, bringt bitte unbedingt Taschenlampen mit, sagte sie, und ihr werdet euch in Vierergruppen organisieren, sagte sie, und ihr werdet euch entlang der Gleise an den gekennzeichneten Stellen postieren, sagte die Frau vom schweizerischen Roten Kreuz, erzählt Elvira Weiner, und ihr sollt auch eure Gasmasken mit zum Bahnhof nehmen, sagte die Frau vom schweizerischen Roten Kreuz, ich wusste überhaupt nicht, wozu wir Gasmasken brauchten, erzählt Elvira Weiner, wir hatten alle Gasmasken, für alle Fälle, aber wir haben sie ja nie benutzt, die Schweiz war neutral. Und meine Mutter tat alles, was die Frau vom schweizerischen Roten Kreuz uns gesagt hat, sie brachte all den Kaffee und alle Decken und die ganze Suppe, und dann kam dieser Tag. Wir hatten kein Auto, und es musste andauernd verdunkelt werden, und wir fuhren Straßenbahn und trugen unsere Gasmasken, und man sagte uns, ihr sollt eine Kette bilden, und dann bringen wir euch Bottiche mit Kaffee und mit Suppe, und ihr werdet diesen Kaffee und diese Suppe mit einer Kelle in kleine Gefäße füllen und einer dem anderen reichen, sagten uns die vom schweizerischen Roten Kreuz, und eine Person wird direkt am Waggon stehen, so sagten sie, erzählt Elvira Weiner. Und so kamen wir, ich glaube, es war um neun Uhr abends, wir kamen zu viert, unsere Vierergruppe, meine Tante, meine Mama, unsere Haushaltshilfe und ich, und meine Mama stellte sich sofort auf, um auf einen  Waggon zu warten, es gab zehn solche Teams, glaube ich, ja, zehn, und wir waren verteilt auf gleichlange Abschnitte des Gleises, und dann warteten wir. Alles war vorbereitet, und wir warteten, und dann brachten sie diese riesigen Container mit der warmen Suppe, ich weiß nicht, wo man sie gekocht hatte, doch, ich erinnere mich, es war in den Räumen der Jüdischen Gemeinde, das hat mir meine Tante gesagt, und dann brachten sie auch den Container mit dem Kaffee, ich war für die Suppe zuständig, und ich musste diese Suppe in kleine Gefäße füllen, Henkelmänner aus Metall. Und so warteten wir, erzählt Elvira Weiner, und dann sahen wir sie, diese Waggons, wie sie den Bahnhof erreichen, sehr langsam, und dann blieben sie stehen. Und jemand öffnete die Türen von außen, denn sie waren wie versiegelt, diese Waggons, jemand entfernte den Riegel und öffnete die Türen mit dem Schlüssel, und dann gingen die Türen auf, und es erschien ein Mann, und er stand da und stand, und dann gab er uns mit dem Kopf ein Zeichen, dass wir beginnen dürfen, und ich begann die Suppe umzuschütten. Es war so unpraktisch, denn meine Taschenlampe hatte ich auf die Erde gelegt, und die Suppe war heiß, richtig kochend heiß, und dann gab ich diese Suppe unserer Haushaltshilfe, sie hieß Ida, Ida Ban, und dann gab Ida diese Suppe meiner Tante, und die Tante meiner Mama, und meine Mama gab sie diesem Mann, der sich dann umdrehte, und den Henkelmann  jemandem  im Zug reichte, denn der Henkelmann  verschwand, also muss jemand in diesem Zug gewesen sein. Und das dauerte etwa eine halbe Stunde, die Atmosphäre war sehr angespannt, und uns wurde gesagt, dass wir nicht sprechen dürfen, und dass wir nicht auf Idee kommen sollten zum Beispiel zu pfeifen oder so etwas, eine sehr angespannte Situation, und ich erinnere mich, dass ich dachte, was jetzt wohl passieren würde, wenn all diese Menschen heraus stürzen und die Waggons verlassen würden, was würde dann passieren, und ich versuchte mir vorzustellen, wie es in diesen Waggons aussieht, und ob diese Menschen dort Betten haben, ob sie wohl Stühle haben, so fragte ich mich, ob sie Öfen in diesen Waggons haben, denn es war schrecklich kalt, und ich fragte mich, was wir tun würden, wenn sie jetzt plötzlich hinausstürmen würden, würden wir sie zurück in diese Waggons drängen müssen, oder würden wir sie hier in Zürich behalten, und mit zu uns nach Hause nehmen, und ob ich dann mit jemandem von ihnen mein Bett teilen müsste. Aber es geschah nichts. Als wir unsere Container geleert hatten, als es keinen Kaffee mehr und keine Suppe und keine Decken mehr gab, kehrten wir nach Hause zurück, dorthin, von wo wir gekommen waren, mit der Straßenbahn, wir sollten aufpassen, dass wir rechtzeitig die letzte Nachtstraßenbahn erreichen.

            Als alles vorbei war, verließ der Zug den Bahnhof noch nicht, erzählt Elvira Weiner, die Türen wurden wieder verriegelt, und die Waggons standen einfach weiter da. Später ist in der Lokalzeitung ein Artikel erschienen… die Menschen, die in der Nähe des Bahnhofs wohnen, in der Nähe des ersten Gleises,  hatten sich über den Krach beschwert, erzählt Elvira Weiner, denn aus den Waggons kamen Rufe, Lasst uns raus, riefen sie, und von innen haben sie heftig geklopft, so dass die Menschen, die in der Nähe des Bahnhofs wohnen, nicht schlafen konnten, und dann haben sie sich beschwert, und dann wurde vorgeschlagen, dass die Transporte beim Landesmuseum Halt machen, dort hinter dem Hauptbahnhof, auf der Museumsstraße, denn dort gibt es keine Wohnhäuser, so dass die Transporte niemanden stören würden, das war vorgeschlagen worden, erzählt Elvira Weiner, ich glaube, dass wir nicht wissen wollten, was geschieht, wir wussten, dass diese Menschen nach Deutschland fahren, wir wussten, dass in den Waggons Juden sind, wir wussten von den Konzentrationslagern, und wir haben ihnen geholfen, und was haben sie dann hier herum zu brüllen und die Nachtruhe zu stören, so dachten wir, erzählt Elvira Weiner, wir haben ihnen die Decken und den Kaffee und die Suppe gegeben, wieso beschweren sie sich jetzt noch, das ist nicht anständig, dachten wir, sie machen Lärm, und wir können nicht schlafen, so schrieben unsere Bürger, wissen Sie, es war Krieg, erzählt Elvira Weiner, und wir alle hatten unsere eigenen Sorgen, und das verfolgt mich heute noch, erzählt Elvira Weiner, denn hätten wir diese Menschen nicht weiter fahren lassen, hätte die Regierung das Abkommen gebrochen, hätten wir gesagt, nein, wir erlauben euch nicht, sie weiter nach Deutschland zu fahren, dann wären diesem Transport vielleicht keine weitere Transporte gefolgt, denn es kamen noch welche, es gab viele Transporte, es gab acht Transporte, vielleicht auch zwölf, und als ich noch einmal mit Mama da war, standen die Waggons beim Schweizerischen Landesmuseum, auf dem letzten Gleis, und es wiederholte sich alles, die Decken, der Kaffee, die Suppe, die Schläge gegen die Türen von innen, und der Lärm, und dann sagte meine Mutter, du kannst nicht mehr zum Bahnhof gehen, du musst jetzt an deine Schule denken, du kannst nicht so spät nach Hause kommen, du musst ausschlafen. Ich weiß nicht, welche Menschen noch unter den Helfern waren, wir dürften nicht miteinander reden, es war verboten zu reden, erzählt Elvira Weiner, außerdem war es dunkel, wir hatten unsere Taschenlampen, es war sehr dunkel, aber ich erinnere mich, dass ich,  als die Tür eines Waggons geöffnet wurde, im Türrahmen einen Mann gesehen habe, der ein schrecklich weißes Gesicht hatte in diesem Dunkel. Das schweizerische Rote Kreuz hatte Kontakte  mit den Juden, ich glaube, dass das schweizerische Rote Kreuz heimlich mit den Juden Kontakte pflegte, ich glaube, dass andere Menschen nichts über diese Transporte wussten, ich denke, dass sie keine Ahnung hatten, und das schweizerische Rote Kreuz hat geglaubt, dass es eine große Geste war, eine große humane Geste, übrigens hat sich das schweizerische Rote Kreuz auch sonst so benommen, als großer Retter, als hätte das schweizerische Rote Kreuz all diese Menschen mit jenen Decken und jenem Kaffee und jener Suppe gerettet, ich weiß nicht, ob es dem schweizerischen Roten Kreuz je in Sinn gekommen ist, diese Züge zu stoppen, die Menschen zu befreien, ich weiß es nicht, erzählt Elvira Weiner. Wir haben von nichts gewusst, wir haben nur gewusst, dass mit diesen Zügen Juden und Zigeuner nach Deutschland und noch weiter gebracht werden, wohin weiter wussten wir nicht, und dass sie durch die Schweiz fahren müssen, denn der Brennerpass war geschlossen. Das hat mir meine Mutter gesagt, aber auch bei dem Treffen fragte jemand, warum sie ausgerechnet durch die Schweiz fahren müssen, warum macht die Schweiz bei solchen Dingen mit, denn die Schweiz hat immer behauptet, dass die Schweiz ein neutrales Land sei, und es hat sich später gezeigt, dass sie nicht so ganz neutral war, vor allem was die Banken betrifft, das wird man erst noch beweisen müssen, erzählt Elvira Weiner. Bei diesem Treffen hat jemand gesagt, vielleicht sind das politische Gefangene, aber ich wusste es, in meiner Familie hat man es gewusst, wir haben es gewusst, wir haben vermutet, dass diese Menschen in die Konzentrationslager gebracht werden, wir wussten von den Konzentrationslagern, wir wussten von der Existenz verschiedener Lager, Dachau, Bergen Belsen, Theresienstadt, Theresienstadt war ein gutes Lager, dort wurde nicht getötet, wir hätten etwas tun können, damals habe ich nicht darüber nachgedacht, alle dachten an jene Decken und jenen Kaffee und jene Suppe, wir dachten, das würde reichen. Ich war sechzehn, ich ging zur Schule, als wir gewartet haben, als diese Züge so langsam in den Bahnhof einfuhren, wir warteten, dass sich die Türen öffnen, und ich fragte mich, was jetzt passieren würde, wenn all diese Menschen hinausstürmen, was wenn sie den Mann in der Uniform, der in der Tür steht, zur Seite schieben und aus dem Zug zu springen beginnen, was werden wir dann tun, wird sie jemand in die Waggons zurückdrängen, ich wünschte, dass sich diese Menschen befreien, aber ich wollte nicht, dass sie hier aussteigen, bei uns, wie wenn man sich  in einem ZOO Tiere anschaut, es tut einem Leid, dass sie gefangen sind, aber man wünscht sich nicht, dass sie ausgerechnet dort ausbrechen, wo du stehst, man soll sie in der Wildnis in die Freiheit aussetzen, so denkst du dann, erzählt Elvira Weiner. Als der Krieg beendet war, wollte meine Mutter nicht darüber erzählen, sie wollte es vergessen, manchmal fragte ich sie, was meinst du, was ist mit den Menschen aus dem Zug passiert, und dann sagte sie, oh Elvira, das waren bizarre Zeiten. All das geschah Ende 1943 und Anfang 1944. Es war sehr kalt. Später, als meine Mutter gestorben ist, suchte ich nach Daten. In den Archiven gibt es Daten, ich habe danach gesucht, in den Archiven steht geschrieben, dass es 1943 und 1944 einen intensiven Verkehr durch den Gotthard gab, dass alle  zehn Minuten deutsche Züge auf dem Weg nach Italien durch die Schweiz fuhren, dann suchte ich in den Archiven des Roten Kreuzes, aber in den Archiven des Roten Kreuzes gibt es keine Zeile über jene Züge, die durch Zürich gefahren sind, keine Zeile über die organisierte Hilfe, über jene Decken und jenen Kaffee und jene Suppe, nichts über die kleine Hilfe für die italienischen Gefangenen, die eigentlich gar keine Hilfe war, vielleicht gibt es gerade deswegen keine Daten darüber, als ob es gar keine Hilfe gegeben hätte… Dann suchte ich auch in den Archiven der Schweizer Bahn, erzählt Elvira Weiner, aber ich habe nichts gefunden. In den Archiven der Schweizer Bahn sagte man mir, dass 1960 neue Büros bezogen wurden und dass dann alle Daten über die Fahrpläne und den Verkehr der Züge während des Krieges vernichtet wurden, vernichtet, erzählt Elvira Weiner. Das Schlimmste war, dass diese Waggons versiegelt waren, man konnte sie nur von außen öffnen, erzählt Elvira Weiner, das ist vielleicht das Schlimmste.

            Auch ich habe Bahnhofsalpträume Bahnhofsalpträume Bahnhofsalpträme Alpträume Nachtmähre, wiederholt Haya während sie in ihrem roten Korb kramt, dann findet sie ein kleines Foto, das in jenem Jahr 1944, sie weiß nicht wie, sie weiß nicht wie, wie?, zwischen die Fotos geraten war, die ihr SS-Untersturmführer Kurt Franz geschenkt hat. Da ist es, sagt sie. Treblinka.

 

Aus dem Kroatischen von Alida Bremer

 

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Essay

Ivo Frangeš: Die Stellung des Dialektes in der Kroatischen Literatur

Der Grundwortschatz des Standardkroatischen besteht ebenso wie derjenige der kroatischen Dialekte überwiegend aus Erbwörtern gemeinslawischer Herkunft. Auf dialektaler Ebene gibt es deutliche Unterschiede im Erbwortschatz zwischen den štokavischen, čakavischen und kajkavischen Varietäten, jedoch überwiegen insgesamt die Gemeinsamkeiten. Der Grundwortschatz des Standardkroatischen ist weitgehend štokavischer Herkunft.

Der Lehnwortschatz der kroatischen Dialekte unterscheidet sich regional stark: im Küstenraum gibt es viele Entlehnungen aus dem Dalmatischen und Italienischen, im nördlichen Landesinneren aus dem Ungarischen und Deutschen, in allen ehemals osmanischen Gebieten aus dem Türkischen.

Der Aufbauwortschatz des Standardkroatischen ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Bestrebens, neue (Fach-)Begriffe fremdsprachiger, vor allem lateinischer Herkunft mit den Mitteln des Slawischen wiederzugeben. Dieses begann im Mittelalter im Kroatisch-Kirchenslawischen, setzte sich in der frühen Neuzeit in den regionalen Schriftsprachen und ihren Lexikographien fort und fand eine offizielle Kodifizierung in den maßgeblich am tschechischen Vorbild orientierten Werken des standardkroatischen Lexikographie des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil der im Laufe der Jahrhunderte geprägten Neologismen ist zwar wieder verschwunden oder von Anfang an nie über die Werke seiner Urheber hinausgelangt, ein anderer Teil ist jedoch zu einem festen Bestandteil der kroatischen Standardsprache geworden.

Rezensionen

Epochal: Miroslav Krlezas fünfbändiger Mammut-Roman "Die Fahnen"

Als Martin Kusej 2013 bei den Wiener Festwochen die Trilogie „In Agonie“ von Miroslav Krleza präsentierte, war dies für viele die erste Begegnung mit diesem kroatischen Autor. Sein fünfteiliger Roman „Die Fahnen“, dessen erste deutsche Übersetzung nun im Wieser Verlag erschienen ist, behandelt ebenfalls den Ersten Weltkrieg samt Vorgeschichte und Auswirkungen. Ein gewaltiges, imponierendes Werk.

Autoren

Ivan Kozarac

Der kroatische Schriftsteller Ivan Kozarac erschien in der Literatur im Jahr 1902 mit dem Gedicht in der Zeitung. In den acht Jahren seiner literarischen Tätigkeit (1902-1910) schrieb er etwa 60 Gedichte, 40 Kurzgeschichten und Novellen, den Roman und eine Autobiografie.
Der Roman "Đuka Begović" ist seine literarische Spitzenleistung.

Lyrik

Hanibal Lucić: Lyrik

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Hanibal Lucić (* um 1485 in Hvar; † 14. Dezember 1553 in Venedig) war einkroatischer Schriftsteller der Renaissance. Der Sohn wohlhabender und entsprechend einflussreicher Eltern war als Richter und Rechtsanwalt tätig und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf seiner Heimatinsel Hvar. Ein Großteil seiner Werke (vor allem der frühen) ist nicht erhalten, da er sie verwarf und vernichtete.
Das bekannteste und am weitesten rezipierte Werk von Lucić ist Robinja (Die Sklavin), das erste weltliche Schauspiel in der kroatischen Literatur überhaupt. Es wurde, zusammen mit Versen Lucićs, 1556 in Venedig veröffentlicht, also erst nach seinem Tod, erlebte jedoch bis in jüngste Zeit etliche Ausgaben. Im Mittelpunkt dieses eher „handlungsarmen“ und streckenweise „weitschweifigen“ Liebesdramas stehen der Aristokrat Derenčin und eine in Budapest von Türken geraubte Schöne, die er auf dem Sklavenmarkt vonDubrovnik trifft. Am Ende wird sie seine Braut. Auch in seinen Liedern kreiste Lucić vorwiegend um das Thema Liebe. In allen Werken Lucićs vereinten sich italienische Einflüsse (Francesco Petrarca, Pietro Bembo) mit seiner Leidenschaft für die Alltagssprache kroatischer Bauern und Schafhirten. Sie hinderte ihn freilich nicht daran, seine in den Jahren 1510–1514 gegen die venezianischen Beherrscher Hvars rebellierenden Landsleute einen „Haufen von Dummköpfen“ zu nennen.

Prosa

Mirko Božić: Körper und Geister (Fragment aus dem Roman)

Mirko Božić (1919 - 1995) war ein kroatischer Schriftsteller. Božić war ein ebenso begabter Dramatiker wie Prosaist der Nachkriegszeit. Er verfasste auch Drehbücher und Hörspiele. Es existieren nur wenige Übersetzungen ins Deutsche.

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3, 1981) erschienen.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

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