Interviews

Hotel Nirgendwo

Titel kulturmagazin

In ihrem preisgekrönten Roman Hotel Nirgendwo erzählt die kroatische Schriftstellerin IVANA BODROZIC von ihrem Leben in einem Flüchtlingslager während des Kroatienkriegs. Humorvoll und authentisch beschreibt sie ihre Kindheit und das Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges. BETTINA GUTIERREZ hat mit der Autorin gesprochen.



Hotel Nirgendwo lautet der Titel des Romandebüts der kroatischen Schriftstellerin Ivana Bodrozic, in dem sie ihre Kindheit und frühe Jugend während des Kroatienkriegs in den neunziger Jahren schildert. Fast unbeschwert muten ihre Schilderungen an, die weniger an einen düsteren Krieg, sondern vielmehr an ihre eigene Familiengeschichte erinnern.

Im Mittelpunkt ihrer Schilderungen stehen das Leben im Flüchtlingslager »Hotel Zagorje«, die Suche nach ihrem Vater und die Bemühungen um eine eigene Wohnung. Auch wenn einem manche Passagen in ihrem Buch als traurig erscheinen, schwingen zwischen den Zeilen immer eine gewisse Leichtigkeit und Heiterkeit mit. Es sind Eigenschaften, die sie ebenfalls im Gespräch zeigt.

Dass ihr erster Roman vom Krieg zwischen den Serben und Kroaten handelt, findet sie ganz  selbstverständlich: »Der größte Teil meines Romans ist autobiographisch und beruht auf meiner Lebenserfahrung. Ich stamme aus Vukovar und wollte einfach nur über diese Zeit schreiben. Dabei erschien es mir am einfachsten, alles aus der Perspektive eines Kindes zu schildern, da mir diese  Perspektive am nächsten ist und da man dann auch humorvoll sein kann. Das war mir sehr wichtig.« Außerdem, so fügt sie hinzu, nehme man als Kind die Wirklichkeit  anders wahr, als sie ist, was einem wiederum davor bewahre, das Schlechte  zu sehen. Das Schlechte ist für sie das Morden und Töten von Menschen, ein Motiv, das in ihrem Roman kaum vorkommt.

Stattdessen beschreibt sie ihr Leben in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Zagreb als handele es sich um einen normalen Alltag. So erzählt sie von den Zwistigkeiten mit ihrem sieben Jahre älteren Bruder, den Freundschaften mit anderen Mitbewohnern und der Sorge der Mutter um ihren verschollenen Vater. Ihr Vater, ein Angehöriger der kroatischen Armee, flüchtete bei Kriegsausbruch nicht mit seiner Familie nach Zagreb, sondern war, wie sie schreibt, »ein richtiger  Verteidiger seiner Stadt«.

Für einen bedingungslosen Anhänger seines Vaterlands hält sie ihn deshalb jedoch nicht: »Wir waren keine nationalistische Familie. Meine Eltern hatten bosnische und serbische Freunde und haben keinen großen Unterschied zwischen ihnen gemacht. Ich glaube, dass Kroatien nicht so wichtig für meinen Vater war. Ich glaube eher, dass er sich nicht aus seiner Stadt, in der er mit seiner Familie lebte, vertreiben lassen wollte. Manche werden vielleicht sagen, dass er ein Patriot oder Held war. Ich sehe das nicht so; er war kein militärischer Mensch.«

Die Tatsache, dass ihr Vater noch bis heute als vermisst gilt, empfinden sie und ihre Familie allerdings als schwierig: »Es ist etwas anderes, wenn man weiß, dass jemand gestorben ist. In diesem Augenblick bricht zwar eine Welt für einen zusammen, doch danach kann man mit dieser Situation Frieden schließen und sein Leben weiterleben. Wenn jemand vermisst wird, kann man das nicht.« Diese Tatsache ist auch der Grund für Ivana Bodrociz’ ironische und humorvolle Kritik am Regime Franjo Tudmans, die sich in manchen Kapiteln wiederfindet.

In Form von Bittschreiben ihres Bruders und ihrer Mutter an den Präsidenten und die zuständigen Behörden zeigt sie die Ohnmacht der Opfer des Kriegs und die ihnen gegenüber vorherrschende Gleichgültigkeit der verantwortlichen Politiker auf: »Ich wollte zeigen«, so sagt sie, »dass es in Kroatien viele Profiteure des Krieges gab, die sich vor allem an der Spitze der Regierung befanden. Sie nutzten den Krieg und die Opfer zu ihrem eigenen Vorteil. Wir haben viele Jahre mit Entbehrungen gelebt, da mein Vater nicht auffindbar war und wir nicht nachweisen konnten, wo er ist. Das fand ich vollkommen surreal und die Behörden haben sich um nichts gekümmert.«

Trotzdem blickt sie zuversichtlich in die Zukunft. Es ist eine Zuversicht, die sie vor allem ihrem Naturell und Talent verdankt. Vor kurzem ist ihr drittes Buch, ein Gedichtband mit dem Titel Überschreitung erschienen. Und im letzten Jahr hat sie mit der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic ein Drehbuch zu Hotel Nirgendwo geschrieben, dessen Verfilmung nun bevorsteht.

http://titelmagazin.com/artikel/4/10866/ivana-bodrozic-hotel-nirgendwo.html

Autoren

Gewinner-Duo Ivana Sajko und Alida Bremer

Die Autorin Ivana Sajko und ihre Übersetzerin Alida Bremer erhalten für "Liebesroman" (Voland & Quist) den 10. Internationalen Literaturpreis − Haus der Kulturen der Welt 2018 für übersetzte Gegenwartsliteraturen.

Autoren

Daša Drndić (1946 - 2018)

Der Stil von Dašsa Drndic war eine einzigartige Mischung aus Fakt und Fiktion. In ihren Arbeiten vermischte sie eine nüchterne Sprache und zurückhaltend poetische Miniaturen mit historischen Tatsachen.
So auch in dem Roman "Sonnenschein", der vom Holocaust erzählt und mit Fakten und Fotos genauso arbeitet wie mit einer fiktiven Liebesgeschichte zwischen einem SS-Offizier und einer Jüdin. Ihr Roman "Belladonna" erschien im Februar 2018.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

Berichte

Das Bild der Deutschen in der neuen kroatischen Literatur

Modernisierer, Kollaborateure, Faschisten: Die Geschichte und die Wahrnehmung der Balkandeutschen ist vielfältig und bis heute mit Tabus belegt. In den letzten Jahren sind sie jedoch zum Thema der kroatischen Literatur geworden.

Von Martin Sander und Ksenija Cvetković-Sander / Deutschlandfunk kultur

Berichte

Winnetou-Kulissen

Krka-Wasserfall, Zrmanja-Fluss, der Gipfel Tulove Grede: Die Drehorte von "Winnetou" sind spektakulär... Der kroatische Schriftsteller Edo Popovic hat in seinem Buch „Anleitung zum Gehen“ ausführlich über seine Wanderungen in diesem Gebiet berichtet – und dem Velebit eine Liebeserklärung gemacht. Aber im südlichen Teil, dort, wo die Winnetou-Filme einst gedreht wurden, müssen Bergtouristen aufpassen.
Von Hella Kaiser / Der Tagesspiegel

Berichte

Was willst du in Senj, Thilo?

"Und du willst nach Senj, Thilo?“

Ja. Ich wollte trotz des touristischen Überangebot Kroatiens jene Stadt sehen, in die der von den Nazis verfolgte Kurt Held und seine Frau Lisa Tetzner 1940 kamen und Inspiration zum Verfassen der „Roten Zora“ erhielten.

Berichte

Original-Kulissen von “Game of Thrones” in Kroatien (Galerie)

Andrea David, eine deutsche Bloggerin und großer Film-Fan, bereiste alle Locations in Kroatien, an welchen „Game of Thrones“ gedreht wurde.
Diese Fotos verbreiten sich wie ein Lauffeuer im Netz. Grund hierfür ist nicht nur, dass die Fotografin berühmte Filmkulissen bereist, sondern diese auf eine ganz besondere Art und Weise festhält.

Berichte

Rijeka – Industriestadt mit Kultur

Rijeka in Kroatien wurde im Frühjahr 2016 zur europäischen Kulturhauptstadt 2020 ernannt.

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

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