Lyrik

Džore Držić: Drei Gedchte

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Držić Džore, kroatisch-ragusanischer Lyriker und Geistlicher, * 6. 2. 1461 Ragusa (Dubrovnik), † 26. 9. 1501 Ragusa; petrarkistisch-religiöse Lyrik.



Rosen pflückt am frühen Morgen

 

Rosen pflückte früh am Morgen junges Mägdelein,

fügt Basilienkraut zum Kränzlein, müde schlief sie ein.

Über ihr zwei Nachtigallen schlagen, rufen sie:

„Auf, erheb dich, kleines Mägdlein, dass der Schlaf dich flieh!

Nebel zieht vom Berg zu Tale, hüllt auch dich bald ein,

wird die Blumen dir versengen, die du fandst am Rain.

Bringt dich auch noch um die andern, die noch nicht geknickt,

da du Kraut und kleine Röslein dir zum Kranz gepflückt.“

Da erwachte und zur Antwort sprach das Mägdelein:

„Seid bedankt, ihr Nachtigallen, die ihr wohnt im Hain!

Habt geweckt mich, als vom Schlaf ich fast schon übermannt,

da ich pflückte kleine Röslein und zum Kranz sie band.

Gestern Nacht gab mich die Mutter einem jungen Fant,

stand vor ihm den ganzen Abend, schlingend Hand in Hand.

Kannte ihn, schwör's bei der Mutter, nicht vor gestern Nacht,

hatte nie betautes Gras ihm für sein Ross gebracht.

Meine Mutter, liebste Mutter, habe grossen Dank,

gabst mir Mägdlein einen Helden, tapfer, jung und rank!

 

 

Mein Schatz aus lauterem Golde

 

Seitdem mich Gott im Grimm erschuf, o goldne Maid,

War es mir vorbestimmt, zu tragen Liebesleid.

Der Liebe ganze Macht erdrückt mich ohne Schonung,

Erdrückt mich und verlacht: Dulde, so wird dir Belohnung!

Keine Frist ist so lang - sie wird von der Zeit überrannt.

Kein Tag ist so bang, dass die Nacht ihn nicht überwand.

Hab auf meine Frist geharrt, setzt meine Jugend aufs Spiel,

Ward betrogen und genarrt, mein Leid hat nicht End noch Ziel.

Nun bin ich schier erschlafft vom Hoffen und vom Sehnen,

Vertan ist meine Kraft mit Klagen und mit Tränen.

Oh, ich Weiss: schon im Flug naht das End’ meiner Tage,

Dieweil ich nach dem Trug der Liebe stets noch jage.

Im Jagen und im Hasten die Tage all verstreichen,

Vor dem Tod, dem verhassten, gibt es kein Entweichen.

Nicht Aufschub er gewährt, er folgt uns Tag und Nacht,

Erntet viel Ruhm und Wert, über allem herrscht seine Macht.

Der Tod kennt kein Erbarmen, kein Gold kann ihn erweichen,

Denn er tritt an den Armen gleicherweis wie den Reichen.

Drum Weiss ich, dass mir ist zu sterben bald beschieden,

Noch eh ich Ziel und Frist erreichen konnte hienieden.

Du, Liebste, nur kannst jetzt meine Erretterin sein,

Von Schuld und vom Gesetz kannst nur du mich befrein.

So fleh ich denn zu dir um deiner Augen willen:

Nimm diese Qual von mir, möge mein Wunsch sich erfüllen.

Lass mich dein Diener sein alle Tag, alle Stunden,

Erlös mich von der Pein, gib Balsam meinen Wunden!

Was du für mich getan, mehrt dann auch deinen Ruhm:

Stolz brüste dich: „Seht an, er ist mein Eigentum!“

 

 

Wandre her, wandere hin

 

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fände und Bleibe.

Denn sonsten strebt hinaus das Herz mir aus der Brust,

es hält’s darinnen nicht aus, weil es zur Liebsten musst,

deren Blicke so froh Tod und Verderben mir bringen -

jedem ergeht es so, wer sein Herz nicht kann bezwingen.

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fände und Bleibe.

Um zu entfleuchen der Wut ob jener, die ich geliebt

und deren Augen Glut mir meine Sinne getrübt,

um Herz und Verstand mich gebracht, dass ich zu sterben begehrt!

Weh, wie gross ist die Macht, die ihrem Blick ward beschert!

 

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fände und Bleibe.

Suche für heilsamen Trank mannigfaltige Säfte,

weil ich vor Liebe so krank, dass mir schwinden die Kräfte.

Doch keine, die ihn mir braut, mich vom Gram zu befreien:

Gegen die Lieb’ gibt’s kein Kraut und keine Arzneien.

 

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fande und Bleibe.

Denn wenn nicht Hilfe alsbald mir einer will bringen,

wird mich eisig und kalt Winter für immer umschlingen.

Nicht länger ich tragen kann die Qual, die keiner will heilen!

Ihr Blick tut mir Bitteres an mit seinen tödlichen Pfeilen.

 

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fände und Bleibe.

Gleichwie ein weisser Schwan, der, von Jägern erjaget,

seinen Gesang noch stimmt an, in Todesnot klagend,

so zeig auch ich mit Fug jedem die Wunde,

die mir die Liebste schlug, und geb von ihr Kunde.

 

Wandre her, wandere hin, wo mein Gedanke auch treibe,

auf dass mir Herz und Sinn Ruhe fände und Bleibe.

Und wenn es dennoch muss sein, dass mein Herz von mir geht,

und ich bleib so allein, dass kein Mensch bei mir steht,

dann ich wohl sterben musst noch an dem gleichen Tag,

dieweil ohne Herz in der Brust niemand zu leben vermag.

 

 

Aus dem Kroatischen 

 von Ina Jun Broda

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Essay

Ivo Frangeš: Die Stellung des Dialektes in der Kroatischen Literatur

Der Grundwortschatz des Standardkroatischen besteht ebenso wie derjenige der kroatischen Dialekte überwiegend aus Erbwörtern gemeinslawischer Herkunft. Auf dialektaler Ebene gibt es deutliche Unterschiede im Erbwortschatz zwischen den štokavischen, čakavischen und kajkavischen Varietäten, jedoch überwiegen insgesamt die Gemeinsamkeiten. Der Grundwortschatz des Standardkroatischen ist weitgehend štokavischer Herkunft.

Der Lehnwortschatz der kroatischen Dialekte unterscheidet sich regional stark: im Küstenraum gibt es viele Entlehnungen aus dem Dalmatischen und Italienischen, im nördlichen Landesinneren aus dem Ungarischen und Deutschen, in allen ehemals osmanischen Gebieten aus dem Türkischen.

Der Aufbauwortschatz des Standardkroatischen ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Bestrebens, neue (Fach-)Begriffe fremdsprachiger, vor allem lateinischer Herkunft mit den Mitteln des Slawischen wiederzugeben. Dieses begann im Mittelalter im Kroatisch-Kirchenslawischen, setzte sich in der frühen Neuzeit in den regionalen Schriftsprachen und ihren Lexikographien fort und fand eine offizielle Kodifizierung in den maßgeblich am tschechischen Vorbild orientierten Werken des standardkroatischen Lexikographie des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil der im Laufe der Jahrhunderte geprägten Neologismen ist zwar wieder verschwunden oder von Anfang an nie über die Werke seiner Urheber hinausgelangt, ein anderer Teil ist jedoch zu einem festen Bestandteil der kroatischen Standardsprache geworden.

Rezensionen

Epochal: Miroslav Krlezas fünfbändiger Mammut-Roman "Die Fahnen"

Als Martin Kusej 2013 bei den Wiener Festwochen die Trilogie „In Agonie“ von Miroslav Krleza präsentierte, war dies für viele die erste Begegnung mit diesem kroatischen Autor. Sein fünfteiliger Roman „Die Fahnen“, dessen erste deutsche Übersetzung nun im Wieser Verlag erschienen ist, behandelt ebenfalls den Ersten Weltkrieg samt Vorgeschichte und Auswirkungen. Ein gewaltiges, imponierendes Werk.

Autoren

Ivan Kozarac

Der kroatische Schriftsteller Ivan Kozarac erschien in der Literatur im Jahr 1902 mit dem Gedicht in der Zeitung. In den acht Jahren seiner literarischen Tätigkeit (1902-1910) schrieb er etwa 60 Gedichte, 40 Kurzgeschichten und Novellen, den Roman und eine Autobiografie.
Der Roman "Đuka Begović" ist seine literarische Spitzenleistung.

Lyrik

Hanibal Lucić: Lyrik

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Hanibal Lucić (* um 1485 in Hvar; † 14. Dezember 1553 in Venedig) war einkroatischer Schriftsteller der Renaissance. Der Sohn wohlhabender und entsprechend einflussreicher Eltern war als Richter und Rechtsanwalt tätig und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf seiner Heimatinsel Hvar. Ein Großteil seiner Werke (vor allem der frühen) ist nicht erhalten, da er sie verwarf und vernichtete.
Das bekannteste und am weitesten rezipierte Werk von Lucić ist Robinja (Die Sklavin), das erste weltliche Schauspiel in der kroatischen Literatur überhaupt. Es wurde, zusammen mit Versen Lucićs, 1556 in Venedig veröffentlicht, also erst nach seinem Tod, erlebte jedoch bis in jüngste Zeit etliche Ausgaben. Im Mittelpunkt dieses eher „handlungsarmen“ und streckenweise „weitschweifigen“ Liebesdramas stehen der Aristokrat Derenčin und eine in Budapest von Türken geraubte Schöne, die er auf dem Sklavenmarkt vonDubrovnik trifft. Am Ende wird sie seine Braut. Auch in seinen Liedern kreiste Lucić vorwiegend um das Thema Liebe. In allen Werken Lucićs vereinten sich italienische Einflüsse (Francesco Petrarca, Pietro Bembo) mit seiner Leidenschaft für die Alltagssprache kroatischer Bauern und Schafhirten. Sie hinderte ihn freilich nicht daran, seine in den Jahren 1510–1514 gegen die venezianischen Beherrscher Hvars rebellierenden Landsleute einen „Haufen von Dummköpfen“ zu nennen.

Prosa

Mirko Božić: Körper und Geister (Fragment aus dem Roman)

Mirko Božić (1919 - 1995) war ein kroatischer Schriftsteller. Božić war ein ebenso begabter Dramatiker wie Prosaist der Nachkriegszeit. Er verfasste auch Drehbücher und Hörspiele. Es existieren nur wenige Übersetzungen ins Deutsche.

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3, 1981) erschienen.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

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