Lyrik

Hanibal Lucić: Lyrik

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Hanibal Lucić (* um 1485 in Hvar; † 14. Dezember 1553 in Venedig) war einkroatischer Schriftsteller der Renaissance. Der Sohn wohlhabender und entsprechend einflussreicher Eltern war als Richter und Rechtsanwalt tätig und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf seiner Heimatinsel Hvar. Ein Großteil seiner Werke (vor allem der frühen) ist nicht erhalten, da er sie verwarf und vernichtete.
Das bekannteste und am weitesten rezipierte Werk von Lucić ist Robinja (Die Sklavin), das erste weltliche Schauspiel in der kroatischen Literatur überhaupt. Es wurde, zusammen mit Versen Lucićs, 1556 in Venedig veröffentlicht, also erst nach seinem Tod, erlebte jedoch bis in jüngste Zeit etliche Ausgaben. Im Mittelpunkt dieses eher „handlungsarmen“ und streckenweise „weitschweifigen“ Liebesdramas stehen der Aristokrat Derenčin und eine in Budapest von Türken geraubte Schöne, die er auf dem Sklavenmarkt vonDubrovnik trifft. Am Ende wird sie seine Braut. Auch in seinen Liedern kreiste Lucić vorwiegend um das Thema Liebe. In allen Werken Lucićs vereinten sich italienische Einflüsse (Francesco Petrarca, Pietro Bembo) mit seiner Leidenschaft für die Alltagssprache kroatischer Bauern und Schafhirten. Sie hinderte ihn freilich nicht daran, seine in den Jahren 1510–1514 gegen die venezianischen Beherrscher Hvars rebellierenden Landsleute einen „Haufen von Dummköpfen“ zu nennen.



 Beim Reigen zu singen

 

Danklos der Dame ich dien', verschwende all meine Tage,

dass für mein treues Bemühn den Lohn sie mir nicht mehr versage. -

Nicht will sie lockern die Stricke, die sie um mich hat gewunden,

dass ich daran schier ersticke, so fest ist die Schlinge gebunden.

Immer ein Pfeil ihr entschwirrt vom Bogen ohne Verweilen;

den Kocher, so köstlich verziert, leeret sie nimmer von Pfeilen.

Mir hilft weder Panzer noch Schild, aus Gold die Pfeile, die zarten,

durchdringen auch stählern Gebild, Gewaffen von allen Arten,

durchbohrten den Panzer aus Erz und schlugen mir grausame Wunden,

noch blutet mein trauriges Herz, es hat sie nimmer verwunden.

Jeder vergeblich will fliehn, vor ihr in die Ferne entschwinden.

Die Pfeile gelangen auch hin, werden ihn überall finden,

Ich Armer versuchte mein Heil, vor ihr in die Welt zu entweichen.

Weh, giftiger Todespfeil, wie schnell du mich konntest erreichen!

Mancher mit zagendem Mut schmeichelt, dass sie ihm gewogen,

höher nur flammt ihre Wut, grausamer schiesst ihr Bogen.

Auch ich hab versucht eine Weil, mich zu ergeben in Demut.

Weh, giftiger Todespfeil! Nur schwerer büss ich mit Wehmut.

Vergeblich seufz ich und stöhne, muss bittere Schmerzen leiden,

für meine grausame Schöne stumm aus dem Leben scheiden.

Dame, entsinn dich in Huld des Sklaven, der dir sich ergeben,

schmacht ich doch ohne Schuld, nicht hab ich verwirkt mein Leben.

Blick nieder auf meine Treue, der ich dir diene seit Jahren,

an deinem Antlitz mich freue und deinen rostroten Haaren.

Sieh, Treue weit und breit kann meiner Treue nicht gleichen,

auch keine Herrlichkeit, die deine kann je erreichen.

Wie es dir, Dame, gebührt, dass dir dereinst, du Holde,

das Haupt eine Krone ziert, Krönlein aus purem Golde,

Dame, gebührt es auch mir, der für dich sterben wollte,

dass Lohn meiner Treue wird, der ich diene in deinem Solde.

Hab ich nicht, du rneine Freude, gelitten genügend des Bösen,

dass du von meinem Leide endlich mich könntest erlösen?

 

 

Keine Schöne jemals ward

 

Keine Schöne jemals ward

so gepriesen und verehrt

wie die, deren Liebreiz zart,

viel gerühmt, mein Herz betört.

Keine ist von ihrer Art,

wurde jemals so begehrt.

So gepriesen und verehrt

keine Schöne jemals ward.

Auf der Stirne hoch und licht

trägt sie herrliches Geschmeide,

Flechtenkrone hell und dicht,

purem Gold den Glanz nicht neidend.

Jedem ist ihr Angesicht

eine süsse Augenweide.

Trägt ein herrliches Geschmeide

auf der Stirne hoch und licht.

Schmal sich wölben dunkle Brauen

über ihren holden Blicken,

alle, die ins Aug ihr schauen,

auch wenn Sorgen sie bedrücken,

fleucht auf ewig Leid und Grauen,

weicht der Freude, dem Entzücken.

Über ihren holden Blicken

wölben schmal sich dunkle Brauen.

Gleich der Flur im Lenzesgrün

prangen rosig ihre Wangen.

Nie noch ist mit zarterm Blühn

holdere Rose aufgegangen.

Jünglinge in heissem Glühn

drängen zu ihr voll Verlangen.

Rosig prangen ihre Wangen

gleich der Flur im Lenzesgrün.

Purpurmund so rot und licht

lässt erblassen selbst Korallen.

Ihre Zähnchen, klein und dicht

wie gereihte Perlen strahlen.

So ein süsses Wort sie spricht,

klingt es wie aus Himmelshallen.

Lässt erblassen selbst Korallen

Purpurmund so rot und licht.

Glücklich, wer einst darf umschlingen

diese Kehle, glatt und seiden -

wird voll Seligkeit verbringen

alle Zeit in süssen Freuden.

Auch die Sonne wird nicht dringen,

seinen Tag ihm abzuschneiden.

Diese Kehle, glatt und seiden,

glücklich, wer einst darf umschlingen.

Weiss wie Schnee und Milch erbeben

hold die Brüste meiner Maid.

Hin zu ihr die Blicke heben,

die da heimgesucht vom Leid.

Könnten Süsseres nie erstreben

nicht in Zeit noch Ewigkeit.

Hold die Brüste meiner Maid

weiss wie Schnee und Milch erbeben.

Ihre Finger, lang und fein,

rund gedrechselt, schlank sich schmiegen,

ob sie sich ein Kränzelein

oder Tugendkrönlein biegen.

Jeden könnten sie betrügen,

dass sie ganz aus Elfenbein.

Rund gedrechselt, schlank sich schmiegen

ihre Finger lang und fein.

Alle Fraun an ihrer Seite

herrlich wird sie überragen,

so sie zwischen ihnen schreitet,

königlich den Leib getragen

wie im Tanze gleichsam gleitet;

dennoch stolz nicht von Betragen,

herrlich wird sie überragen

alle Fraun an ihrer Seite.

Sünde war's, tät je sie altern,

diese makellose Blüte.

Du, der über allem waltet,

gib, o Herr, in Deiner Güte,

dass sich ewig jung erhalte

und in gleicher Schönheit glühte

diese makellose Blüte,

Sünde war's, tät je sie altern.

            

 

 

Aus dem Kroatischen 

 von Ina Jun Broda

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Essay

Ivo Frangeš: Die Stellung des Dialektes in der Kroatischen Literatur

Der Grundwortschatz des Standardkroatischen besteht ebenso wie derjenige der kroatischen Dialekte überwiegend aus Erbwörtern gemeinslawischer Herkunft. Auf dialektaler Ebene gibt es deutliche Unterschiede im Erbwortschatz zwischen den štokavischen, čakavischen und kajkavischen Varietäten, jedoch überwiegen insgesamt die Gemeinsamkeiten. Der Grundwortschatz des Standardkroatischen ist weitgehend štokavischer Herkunft.

Der Lehnwortschatz der kroatischen Dialekte unterscheidet sich regional stark: im Küstenraum gibt es viele Entlehnungen aus dem Dalmatischen und Italienischen, im nördlichen Landesinneren aus dem Ungarischen und Deutschen, in allen ehemals osmanischen Gebieten aus dem Türkischen.

Der Aufbauwortschatz des Standardkroatischen ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Bestrebens, neue (Fach-)Begriffe fremdsprachiger, vor allem lateinischer Herkunft mit den Mitteln des Slawischen wiederzugeben. Dieses begann im Mittelalter im Kroatisch-Kirchenslawischen, setzte sich in der frühen Neuzeit in den regionalen Schriftsprachen und ihren Lexikographien fort und fand eine offizielle Kodifizierung in den maßgeblich am tschechischen Vorbild orientierten Werken des standardkroatischen Lexikographie des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil der im Laufe der Jahrhunderte geprägten Neologismen ist zwar wieder verschwunden oder von Anfang an nie über die Werke seiner Urheber hinausgelangt, ein anderer Teil ist jedoch zu einem festen Bestandteil der kroatischen Standardsprache geworden.

Rezensionen

Epochal: Miroslav Krlezas fünfbändiger Mammut-Roman "Die Fahnen"

Als Martin Kusej 2013 bei den Wiener Festwochen die Trilogie „In Agonie“ von Miroslav Krleza präsentierte, war dies für viele die erste Begegnung mit diesem kroatischen Autor. Sein fünfteiliger Roman „Die Fahnen“, dessen erste deutsche Übersetzung nun im Wieser Verlag erschienen ist, behandelt ebenfalls den Ersten Weltkrieg samt Vorgeschichte und Auswirkungen. Ein gewaltiges, imponierendes Werk.

Autoren

Ivan Kozarac

Der kroatische Schriftsteller Ivan Kozarac erschien in der Literatur im Jahr 1902 mit dem Gedicht in der Zeitung. In den acht Jahren seiner literarischen Tätigkeit (1902-1910) schrieb er etwa 60 Gedichte, 40 Kurzgeschichten und Novellen, den Roman und eine Autobiografie.
Der Roman "Đuka Begović" ist seine literarische Spitzenleistung.

Prosa

Mirko Božić: Körper und Geister (Fragment aus dem Roman)

Mirko Božić (1919 - 1995) war ein kroatischer Schriftsteller. Božić war ein ebenso begabter Dramatiker wie Prosaist der Nachkriegszeit. Er verfasste auch Drehbücher und Hörspiele. Es existieren nur wenige Übersetzungen ins Deutsche.

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3, 1981) erschienen.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

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