Drama

Marin Držić: Dundo Maroje

Marin Držić, auf Italienisch Marino Darsa (1508 ), war ein kroatischer Schriftsteller aus Dubrovnik. Er war ein bedeutender Komödienschreiber der Kroatischen Literatur der Renaissance.
Das bekannteste Drama von ihm, trägt den Namen Dundo Maroje. Hier geht es um einen alten Mann, der seinen Sohn mit 5000 Dukaten nach Florenz schickt. Sein Sohn Maro geht aber nach Rom und trifft dort eine junge Dame (eine Kurtisane) und verprasst das Geld mit ihr. Der Vater wird misstrauisch und geht seinen Sohn suchen, im Schlepptau hat er dessen Verlobte mit. Im Endeffekt findet er ihn mit noch 3000 Dukaten im Sack und nimmt ihn mit nach Hause. In diesem Stück spielen aber auch noch andere Personen eine wichtige Rolle wie z.B. der Diener, der für die Komik sorgt, da er sehr erfahren ist und kleine Betrügereien organisiert. Verfasst ist das Stück in der Dubrovniker Volkssprache, aber es gibt auch italienische Passagen.



 

Komödie in fünf Aufzügen

 

  

PERSONEN

 

Lange Nase, Nekromant (im Prolog)

Dundo Maroje[1] (Ohm Maroje)

Maro, sein Sohn

Bokčilo (Boktschilo), Kellerer, Dundo Marojes Diener

Popiva (Popiwa), Maros Diener

Pera, als Mann verkleidet, Maros Braut

Dživo (Dschiwo), der nächste Vetter Peras

Peras Amme

Laura (Manda von Kotor), Kurtisane

Petrunjela, Lauras Dienerin

Ugo Tudeško (Tudeschko), ein deutscher Edelmann

Pomet Trpeza (Trpesa), Ugos Diener

Tripče, Tripčeta (Triptsche, Triptscheta) aus Kotor

Dživulin (Dschiwulin) von der Insel Lopud

Niko, Piero, Vlaho (Wlacho) - Junge Leute aus Dubrovnik

Mazija (Masija), Briefträger

Pavo von Novobrdo (Pawo von Nowobrdo), ein Freund von Dundo Maroje

Grubisa (Grubischa), sein Sohn

Gulisav (Gulisaw), ein Bote

Sadi, ein Jude

Gianpaulo Oligiatti, ein Bankier

Lessandro, ein romischer Kaufmann

Camillo, ein Romer

Wachtmeister

Wachter

Drei romische Gastwirte

 

 

LANGE NASE, DER NEKROMANT, SPRICHT:

Ich, Lange Nase, der Nekromant aus Großindien, entbiete einen guten Tag, eine ruhige Nacht und ein üppiges Jahr den erlauchten und wohlgeborenen Edellueuten von Dubrovnik; ich begrüße auch dieses altehrwürdige Volk: Mann und Weib, jung und alt, groß und klein[2], das Volk, bei dem der Friede weilt und dem der Krieg fern bleibet, der Krieg, der Zerstörer der menschlichen Natur. Auf meinem Streifzug durch die Welt ward ich - sofern ihr euch dessen erinnert, drei Jahre sind seither vergangen[3] - von meinem guten Stern in diese eure ehrwürdige Stadt geleitet. Dazumal hab ich euch von meiner Nekromantie dargeboten, was ich vermochte. Mich deucht, ihr werdet es nicht vergessen haben, wie ich euch die Plazza, auf der ihr just sitzet, im Nu hierher gezaubert und euch vor Augen geführt hab, und ihr waret darauf. Danach hab ich sie in einen grünen Hain verwandelt, worüber ihr große Freude empfunden. Und ihr habt es mir gedankt. Und Lohn hab ich dafür erhalten, daß, ich einigen bösen Zungen, die Gutes mit Bösem vergelten, ein Schloß vor den Mund geleget[4]. Itzund, da mich der Wind, zu euerm Heil, in dieser Fastenzeit wieder zu euch verschlagen, hab ich beschlossen, nicht eher von euch zu scheiden, als bis ich euch mit etwas Schönem erfreuet. Doch bevor ich euch etwas von meiner Nekromantie vorführ, will ich euch ein Geheimnis kundtun, das bislang in diesem Landstrich kein Sterblicher - weder klug noch dreimal klug - erfahren, ein Geheimnis, worüber sich die Gelehrtenschulen immer aufs neue wundern und sich damit abplagen, ein Geheimnis, würdig, daß ihr es erfahret, ihr edelen und werten Bewohner von Dubrovnik. So wisset denn, sobald ich dazumal, drei Jahre sind seither verstrichen, von euch geschieden, hab ich mich schnurstracks nach Großindien begeben, woselbst die Esel, Reiher, Frösche und Affen mit Menschenzungen reden. Von da aus hat mich mein Weg nach Kleinindien geführet, allwo die Pygmäen, winzige Männlein, mit Kranichen Schlachten austragen. Sodann hab ich meine Beine unter den Arm genommen und hab mich nach Neuindien begeben, allwo man die Hunde mit Würstchen festbindet und mit goldenen Kugeln Kegel schiebt, und wo der Gesang der Frösche so hoch geschätzt wird wie hierzulande das Schlagen der Nachtigallen. Von dort aus wollt ich nach Altindien vordringen; doch hat man mir bedeutet, daß man weiter nicht vordringen könne.

Man sagte mir zwar, daß Altindien dort läge, daß aber kein Sterblicher dorthin gelangen könne. „Das Eismeer versperrt den Weg, das niemand befahren kann“, so sagten die einen, „und es herrschet ein gar strenger Winter dort, der Menschen in Gallert verwandelt“. Und von anderer Seite wußte man zu berichten, daß daselbst eine glühende Sonne, ein sengender Sommer, ein Tag ohne Nacht jedwedem Menschen den Zutritt verwehre und die Hitze nicht zulasse, daß die Erde Früchte trage. Und man sagte mir: „Nur vermittels der Nekromantie kann man in diese Gegend gelangen“. Sobald ich dieses vernommen, hab ich meine nekromatischen Bücher aufgeschlagen - was blieb mir anderes zu tun? - und selbigen Augenblicks, in einem Nu befand ich mich in Altindien!

Daselbst aber hab ich das wahre Leben gefunden, den süßen und fröhlichen Lenz, allwo weder der Frost des Winters noch die sengende Hitze des Sommers den Rosen und anderen Blumen etwas anhaben kann, allwo die Sonne vom Osten den stillen Tag nur vom Sonnenaufgang bis zur Morgenröte herauf- und wiederum von der Morgenröte bis zum Sonnenaufgang herabführet; der hellglänzende Morgenstern verbirgt sich daselbst nicht wie hierlandes, sondern er zeigt sein strahlendes Angesicht am weißen Fenster zu jeder Stunde des Tages, und die Morgenröte, die mit weißen und roten Rosen blüht, entschwindet nicht den Augen der Liebenden, die sie schauen; und allenthalben verbreitet das süße Gezwitscher der mannigfaltigsten Vögel eine immerwährende Wonne. Nicht zu erwähnen der klaren frischen Wasser, die sich von allen Seiten ergießen und ewige Nahrung spenden dem grünen Gras und den dicht belaubten Eichen; auf reichen Feldern erstickt nicht das Unkraut die schöne, süße, sanftreifende Frucht, noch mißgönnt der Geiz sie dem Menschen, sondern jedwedes Ding steht jedem frei zur Verfügung. Daselbst kennt man nicht die Worte „mein“ und „dein“, sondern alles gehört allen, und jeder ist Herr über alles. Die Menschen aber, die dieses Land genießen, sind sanfte Menschen, stille Menschen, weise Menschen, vernünftige Menschen. Die Natur, die sie mit Vernunft begabt, hat sie zugleich mit Schönheit gezieret. Hochgewachsen sind alle; weder erregt sie der Neid, noch werden sie von Habgier umgetrieben; ihr Auge schauet gerad, und ihr Herz verhüllet sich nicht; ihr Herz liegt offen zutage, daß ein jeder ihre guten Gedanken gewahre. Kurz, um euch nicht mit langen Reden zu ermüden, Menschen sind es, denen der Name wahre Menschen wohl ansteht.

Jedoch, um euch alles kundzutun, was ich gesehen, auf daß ihr mich besser verstehet: in diesem Land, in einer Stadt hab ich ein Haus gesehen, groß und hoch, mit Bildern reich geschmückt und mit Männlein aus Stein verzieret. Fratzen waren's, von Affen, von Papageien, von Monstren und Greifen; Menschen mit Reiherfüßen und in Froschgestalt, Possenreißer, Freßsäcke, Gaukler, der Abschaum des Menschengeschlechts. Ich fragte nun, was dergleichen Fratzen seien, was dieses Übermaß an Häßlichkeit, an menschlichen Fratzen besage. Und man bedeutete mir, Nekromanten, ebensolche wie ich, seien in alter Zeit vermittels der Nekromantie in das Land gekommen; allerlei Handelsware hätten sie mitgebracht, um Gold dagegen zu tauschen; denn in den dortigen Flüssen gibt es viel Gold, und selbige hätten mit sich gebracht unter anderem allerlei Mißgestalten, Zwerge, Greifen aus Holz, Fratzen von Papageien, von Affen, von Fröschen, Eselsgestaltige, Ziegenähnliche und allerhand andere.

Und die Weiber dieses Landes - mit einem trägeren Verstand begabt als die Männer, wie auch hierlandes -, als sie die Fratzen geschaut, haben begonnen, darüber zu lachen wie über Dinge, die sie zuvor nie gesehen, und haben gesagt: „Welch ein Spaß müßt es sein, wenn diese Wesen gehen und sprechen könnten!“ Und dann haben sie zu den Nekromanten gesagt: „Ihr seid Nekromanten; so ihr aus diesem Land Gold holen wollt, so belebt zuvor diese Zwerge vermittels eurer Nekromantie, daß sie anheben zu gehen und zu sprechen; denn erst dann wären sie wahrhaft spaßhaft; so leblos taugen sie zu nichts.“ Die Nekromanten aber, gierig nach Gold, haben den Monstren und Greifen, den Männlein und Papageienfratzen, den affenfratzen und den Froschleibigen, den Eselsgleichen, den Ziegenhaften und ihresgleichen den Geıst eingehaucht. Diese Menschlein aber, kaum daß sie den Geıst empfangen, haben begonnen zu gehen, zu sprechen und Possen zu reißen derart, daß man kein Gastmahl mehr gegeben, keine Hochzeit mehr gefeiert, ohne sie herbeizurufen. Ihr könnt euch denken, wie spaßhaft es in der ersten Zeit gewesen diese Fratzen zu schauen, wie sie ihre Possen trieben!

Aber, um die Rede zu Ende zu bringen, diese Papageienfratzen, Affengesichter. Froschleibigen, Monstren, Greifen und Ziegenähnlichen oder, um es kurz zu sagen, diese künstlich erzeugten Menschen haben begonnen, sich fortzupflanzen und sich mit den wahren Weibern zu paaren, dergestalt, daß die mißgestalten Menschen anhuben, sich in solcher Zahl zu vermehren, daß bald mißratenen Menschen mehr waren als der wahren Menschen. Und sogleich haben die Mißratenen begonnen, eine Verschwörung zu stiften, die wahren Menschen aus der Herrschaft zu vertreiben. Die wahren Menschen aber als sie Kunde davon erhalten, haben zu den Waffen gegriffen und die Mißgestalteten alle vertrieben und nicht zugelassen, daß auch nur ein einziger, nicht einmal ein Muster, in jener Gegend verbliebe.

Die mißratenen Menschen aber, mitsamt den Nekromanten, sind in diesen unseren Himmelsstrich gelangt, und diese verfluchte Brut von Zwergen, Monstren, Greifen, Papageienfratzen, Affengestalten, Froschleibigen, Eselsgleichen, Ziegenähnlichen, kurz diese Mißgestalten, sind in diese unsere Gegend gekommen zu jener Zeit,[5] als der sanfte, stille, vernünftige, gute Greis Saturn gestorben, zu jener goldenen Zeit[6] also, als die Menschen noch ohne Tücke waren. Nach dem Saturn haben weniger vernünftige Könige die mißratenen Menschen aufgenommen, und diese haben sich unter die Guten, Vernunftbegabten und Schönen gemischt. So haben die Männlein, die Monstren, die Greifen, die Papageiengesichtigen, die Affenfratzen, die Froschleibigen, die Eselsgleichen und die Ziegenähnlichen ihre scheußliche Brut so vermehrt, daß es bald mehr der mißratenen als der wahren Menschen waren. Das goldene Zeitalter verging. Ein jeglicher grıff nach dem Eisen. Die Mißratenen huben an, mit den wahren Menschen um die Herrschaft Schlachten zu schlagen. Einmal siegten die Mißratenen, dann wieder die wahren Menschen. Jedoch, die Wahrheit zu sagen, nach langer Zeit siegten endlich die wahren Menschen, und sie siegen noch immer, wenn auch mit knapper Not. Noch heute sind die wahren Menschen wirkliche Menschen und Herren, die Mißratenen aber sind mißlungene Menschen, und sie werden immer Grobiane und Flegel bleiben.

Itzund jedoch, hochgeborene Edelleute, erlauchtes Blut, altehrwürdiges Volk, will ich, wie dermaleinst, euch von meiner Nekromantie etwas Schönes vorführen, und da ich das vorige Mal den Dreimalklugen ein Schloß vor den Mund gelegt, so sei es ihnen hiermit fortgenommen, damit sie reden, damit sie sich durch neidische Reden als wertlose Menschen ausweisen und enthüllen, als minderwertige, als mißratene Menschen. Dies Geheimnis hat bisher niemand gewußt. Den mißratenen Menschen schien es bislang, daß sie auch Menschen seien, doch mißratene Menschen sind mißratene Menschen, und sie werden es bleiben bis zum Jüngsten Gericht.

Itzund gedenk ich, just in diesem Augenblick Rom vor euren Augen erstehen zu lassen, und in Rom werd ich bewirken, daß man hier vor euch, so wie ihr da sitzet, eine schöne Komödie aufführ; und da euch früher auf der Bühne Dundo Maroje, Pomet und Grubischa[7] gar lieb gewesen, so will ich, daß sie auch itzt in dieser Komödie wieder auftreten. Und um euch nicht weiter mit langen Reden zu ermüden, wird itzt der Prolog vortreten und euch erklären, was geschehen wird. Doch eines noch will ich euch sagen: Teurer als die Komödie selbst, die ihr schauen werdet, soll es euch sein, daß ihr erfahret, woher die wertlosen und mißratenen Menschen stammen und wo diese Störenfriede der Welt ihren Ursprung genommen. Die Komödie aber wird euch enthüllen, welche Menschen zur traurigen Brut der Affenfratzen, der wertlosen, minderwertigen und mißratenen Menschen zählen, welche degegen stille, gute, vernunftbegabte, wahrhaftige Menschen sind. Die Stillen und Guten werden das Gute, das man ihnen aus freien Stücken erweist, als Gutes aufnehmen; doch die Fratzen von Mißgestalten, die vom Neid beherrschet und von Unverstand umgetrieben werden, die Affen, Monstren, Greife, Langohren und Esel, Ziegen, die mißratenen Menschen, die ganze verfluchte, durch Nekromantie erschaffene Brut wird über alles lästern, über alles schlecht reden, denn aus einem bösen Munde kann nur ein böses Wort hervorgehn und nichts anderes. Ich steh euch zu Diensten. Richtet nun euern Sinn auf die Komödie!

 

 

PROLOG

Hochedle und wohlgeneigte Versammlung, altehfrwürdiges und weises Volk! Ich seh euch mit begierigen Ohren und neugierigen Augen hier sitzen, ein gar schönes Spiel zu schauen und zu hören; und mich deucht, sofern ich mich nicht irre, ihr hoffet und wünschet ein gar fürtrefflich Ding zu sehen; hat man doch bis zu diesem Tage hieselbst fürtreffliche Spiele nicht gespielet. Auch wir, die wir uns die Pometgesellschaft nennen, sind nicht von solcher Kunstfertigkeit - wenn man es auch zu tun vermag -, daß wir ein Spiel zurichten könnten, das dieser erhabenen und edlen Versammlung würdig wäre. Doch in dieser Fastnachtzeit, die schon unsere Altvorderen für Tanz, Spiel und Vergnügen ausersehen, kam es auch unserer Pometgesellschaft in den Sinn, die Faschingszeit nicht vorüberziehen zu lassen, ohne euch ein Fest - sei es nun schön oder häßlich - zu bereiten. Dahero haben wir bei uns beschlossen, euch eine Komödie zu spielen. Denn ob diese auch wohl nicht schön und fürtrefflich geraten, so sind doch die edlen Frauen schön, die sie schauen werden, und seid ihr fürtrefflich, die ihr sie hören werdet. In ihr wird, deucht mich, etwas erscheinen, das euch teuer ist, da es so neu als alt ist. Neu ist es, weil es jener ersten Komödie von Pomet folget, als ob diese und jene Komödie nur eine Komödie seien[8] - dieser Gedanke ist uns höchstselbst gekommen -, und alt ist es, da ihr in ihr dieselbigen Personen werdet agieren sehen. Das aber sind: Dundo Maroje, Pawo von Nowobrdo, Pomet und die übrigen. Indessen hat sich jene erste in Dubrovnik zugetragen, und diese wird sich in Rom abspielen, und ihr werdet aus Dubrovnik zuschauen. Ihr Frauen, deucht euch das nicht ein wenig wundersam, Rom aus Dubrovnik zu schauen? Bedenket aber: So die Pometgesellschaft dieses Schwierige gut ausführen kann, wieviel eher vermöchte sie es mit einem Leichteren tun. Sofern aber das Szenarium nicht gar so schön wie das unlängst gezeigte, so müssen wir darob wider die Zeitläufte Klage erheben, die uns der Baumeister beraubet. Sofern aber die Komödie - und wir hegen daran keinen Zweifel - euren Herzen nicht so lieb sein mag, so werden euch doch Dundo Maroje, Pomet, Grubischa und all die anderen lieb und wert sein. Glaubet nun nicht, daß viel Arbeit, Öl, Papier und Tinte an dieses Spiel verschwendet worden. Sechs Pometgesellen haben es in sechs Tagen niedergeschrieben und zusammengefügt. Wunderwerk vermögen wir nicht zu versprechen. Wir sind nicht von solcher Art, daß wir gar viel versprechen und das auch noch halten können. Man muß sich nach der Decke strecken.[9] Aber mit diesem langen Sermon hab ich eure Geduld schon hart auf die Probe gestellet. Höret denn in wenigen Worten das Argument der Komödie

„Dundo Maroje“. So es euch nicht entfallen, wisset ihr wohl noch, wie dem Dundo Maroje die Dukaten gestohlen und er sie hernach zurückerhalten, sofern er zusaget, daß er nach seinem Ableben all sein Hab und Gut dem Sohn vermachet.[10] So vernehmet denn nun, daß sie einen neuen Handel geschlossen, daß der Dundo Maroje nicht zugunsten seines Sohnes Verzicht tut, vielmehr, daß er ihm fünftausend Dukaten aushändigt, gen Ancona zu fahren.[11] Von Ancona soll er sodann gen Florenz ziehen, daselbst Tuche zu erhandeln, und sodann mit selbigen Tuchen gen Sofia reisen. Sofern er sich ehrenhaft betragen und mit Gewinn zurückgekehret, soll sogleich ein neuer Handel unterzeichnet werden, daß er den Sohn verheirate und ihm selbigen Augenblicks all sein Hab und Gut übermache. Doch eh ich euch das übrige kund tue, vernehmet zuvörderst die Lehr von der Pometgesellschaft: hütet euch wohl, dem eigenen Sohn oder welchem Unmündigen immer den Beutel zu füllen, es sei denn, der Jüngling hätt sich zuvor in mancherlei Fährnis bewähret; denn die Jugend ist inwendig voll Unverstand und Leichtfertigkeit und neiget sich mehr zum Bösen als zum Guten. Ihr Witz reichet nicht weiter als ihre Nasenspitze, und von Begierden wird sie mehr als von Weisheit regieret, auf daß es euch nicht ergeh, wie es dem Dundo Maroje am heutigen Abend begegnet, der seinem Sohne Maro fünftausend blanke Dukaten auf die Hand zählet und ihn nach Ancona abgefertigt. Selbiger aber zieht benebst den Dukaten nicht gen Florenz, sondern gen Rom, allwo er die Dukaten verprasset. Wie nun Dundo Maroje dies vernommen, macht er sich gleich einem Rasenden auf gen Rom mitsamt seinem Kellerer Botkschilo.[12] Was sodann geschehen, möget ihr jetzund mit euren eigenen Augen sehn in der Komödie, die aber in Freuden endet. Doch tröstet euch nicht damit. Haltet den Beutel zu vor törichten Kindern. Denn wahrlich haben sich in eurer Stadt dergleichen Komödien zugetragen,[13] die aber als Tragödie geendet. Denn nicht einem jeden ist das Glück des Dundo Maroje beschieden. Und noch ein anderes wird geschehen: Maros Braut, die von seinem liederlichen Betragen erfahren, ihm aber von Herzen zugetan, entwendet in Furcht, von ihm gänzlich verlassen zu werden, aus dem Geldbeutel der Muhme dreihundert Dukaten und eilet nebst ihrem nächsten Vetter gen Rom. Unterwegens so kleidet sie sich als ein Mann und erscheint als Diener ihres Vetters Dschiwo. Was weiter geschehen, mögt ihr dem Spiele entnehmen. Mehr will ich nicht sagen. Aber ich bitt euch: Lauschet und schauet freundlichen Sinnes. Denn sofern euer Herz uns zugetan, werdet ihr auch uns und unser Spiel liebgewinnen. So ihr es aber daran fehlen lasset, wird auch die schönste Komödie euch garstig erscheinen, was euch zu Lasten gehet, nicht aber der Komödie. Aber ihr Edlen, ihr vermöget nicht anders als edelmütig zu denken und zu sprechen. Und die Böswilligen gehen uns nichts an. An ihrem Beifall ist uns wenig gelegen. Wir schicken unseren Nekromanten zu denselben, daß er mit ihnen verhandle. Fern von uns sei solches Gelichter! Doch hier sehet ihr schon den Dundo Maroje; richtet nun Herz und Sinn auf unsere Komödie - und somit Gott befohlen!

 

 

 

ERSTER AUFZUG

 

 

ERSTER AUFTRITT

Dundo Maroje, Boktschilo, sein Diener und Kellerer, sodann Triptscheta aus Kotor, der erste und der zweite Gastwirt

 

MAROJE

O weh, o weh, mein Alter, wohin hast du mich geführet, daß ich jetzund mich muß durch die Welt schlagen nach meinem liederlichen Sohn, dem Räuber. Wie soll ich vom Grunde des Meeres Schätze holen, wie aus dem bodenlosen Abgrund mein Eigentum wieder erlangen? Fünftausend Dukaten hab ich dem Unmündigen in die Hand gegeben. Ach, dem Wolfe Fleisch zum Bewahren geben! Weh mir! Vierundzwanzig Mal des Tags sollt ich das hölzerne Roß besteigen, zu jeder Stund einmal, um des Fehles willen, den ich begangen.

 

BOKTSCHILO

Fürwahr, Herr, ein Roß stünd dir[14] wohl an, und zu jeglicher Stunde ein anderes. Und kaum könnte es dich heimtragen, so du es ernährtest wie mich. Weh über mich und über die Stunde, da ich die Stadt[15] verlassen.

 

MAROJE

Boktschilo, sagt ich dir nicht, du sollest meine Geduld nicht auf die Folter spannen, meine Kümmernis nicht vermehren! Du Saufaus spottest noch meiner!

 

BOKTSCHILO

Für dich bin ich ein Saufaus, aber dein Beutel weiß besser, wie es um meinen Wanst bestellt ist.

 

MAROJE

Hab ich dir nicht heut schon ein halbes Maß Wein zu trinken gegeben?

 

BOKTSCHILO

Ja, sattsam hast du mich gelabet! Ja, seit ich aus der Stadt fort bin, nicht geschissen hab ich, ich wüßt nicht wovon bei deiner Kost. Such dir Kamäleons oder wie die heißen, die man aus dem Mohrenlande herführet und die ihren Wanst mit Luft füllen. Du aber bist von Männern begleitet, die keine Luft grasen. Ein halbes Maß Wein hat er mir gegeben! O mein Gott!

 

MAROJE

Weh über mich Armen und Elenden! Zu Ende geht es mit mir, das Grab hat mich schon zugedeckt! Der Sohn raubte mir die Dukaten, dieser hier raubt mir das Leben. Augen, warum weinet ihr nicht? Oder habt ihr keine Zähren mehr? Ach, es ist genug, daß das Herz statt eurer weinet.

 

BOKTSCHILO

Gott allein weiß, wer wen schlachtet und wer als erster stirbt. Die Sinne vergehn mir vor Hunger und Durst; mit deiner Betrübnis willst du den Boktschilo füttern. Du jammerst um Dukaten, dieweil die Dukaten in deinen Truhen rosten. Blende Dukaten, die nicht einmal taugen, den Hunger zu stillen. Er greint, weil ihm der Sohn von seinem Eigenen vergeudet. Wozu denn sind Dukaten nutz, wenn nicht zum Schmausen, Saufen und Prassen?

 

MAROJE

Sein Gut vergeudet, sagst du, du Trunkenbold? Sein Gut vergeudet! O weh, der Pfeil hat getroffen!

 

BOKTSCHILO

Der Hexenschuß hat ihn erwischt. Die Hex hat ihn geschossen - die Wahrheit hat er vernommen.

 

TRIPTSCHETA

Che ha questo pover omo?[16]

 

BOKTSCHILO

Misser, er hat Schmerzen: Fiol spenzuto denari, doglia![17]

 

TRIPTSCHETA

Beim heiligen Triphon, ihr seid einer von unsern Leuten!

 

BOKTSCHILO

Misser, der Herrgott hat dich belehrt! De Ragusa?[18] Wir sind auch von dort.

 

TRIPTSCHETA

Mein Herr, was fehlt dir? Soweit ich seh, bist du ein Landsmann; siate il ben vegnuto![19] Willkommen!

 

MAROJE

Ben trovato, misser![20] Ihr seid ein Landsmann? Es freut mich.

 

TRIPTSCHETA

Ich bin aus Kotor.

 

BOKTSCHILO

Gott helfe dir!

 

MAROJE

Ein Nachbar also von uns! Wohlan denn, Nachbar, reich mir die Wange, damit ich dich begrüße.

 

BOKTSCHILO

Ein unsriger! Einer von den unsern! Nichts geht über die unsrigen! Wieviel Herren sind wir nicht schon begegnet, aber außer diesem Landsmann hat sich keiner zu uns gesellet. Blut ist dicker als Wasser!

 

TRIPTSCHETA

O wie wohl wird mir, da ich die Stimme eines Landsmanns vernehme!

 

MAROJE

O misser mio,[21] itzt bin ich wie neugeboren! Da ict dich sprechen hört, dacht ich bei mir selbst, das ist einer von daheim.

 

TRIPTSCHETA

Che bone nove?[22] Was für Kunde bringt ihr von daheim? Und weshalb führt ihr so laute Klage?

 

MAROJE

Sorgen hab ich.

 

BOKTSCHILO

Mein Herr, findet sich wohl hierlandes ein guter Tropfen wie bei uns daheim?

 

TRIPTSCHETA

Wie meint ihr das? Sprecht nur frei heraus!

 

MAROJE

Boktschilo, genug geschwatzt, schweig still!

 

BOKTSCHILO

Ein saurer Wein hat uns schier inwendig das Herz zusammengezogen.

 

TRIPTSCHETA

Bei Gott, du bist ein echter Landsmann. Mit dir könnt ich Pferde stehlen. Nach Wein fragst du? Daran soll es nicht mangeln.

 

MAROJE

Boktschilo, tritt beiseite. Schür nicht die Flamme meines Zorns. Wein hat er nur im Sinn, und mein Herz ist voll großer Betrübnis. Misser, soviel ich seh, bist du ein guter Mensch; ich wollt ein wenig mit dir im Vertrauen reden, da dich mein gutes Geschick mir zugeführt.

 

TRIPTSCHETA

Mein Herr, ich steh euch zu Diensten. Was ich vermag, sprich zu mir wie zu einem Bruder. Allen Ragusanern bin ich zugetan wie meinen eigenen Brüdern. Und schau nicht so auf meinen abgeschabten Rock; beim heiligen Triphon, ich kümmere mich nicht darob, in einer fremden Stadt Signor und Misser[23] zu sein, allwo mich keine Seele kennet. Jedoch daheim, wo ich bekannt, da möcht ich geschätzt und geehrt sein wie ein Herr.

 

MAROJE

Inveni ominem.[24] Einen Menschen hab ich gefunden. Erhabnes Wort. In Gold sollt man es fassen! Ach, hätt ich nur gewußt, daß man dergleichen Lehr in Kotor lehrt, nach Kotor hätt ich meinen Sohn studiern geschickt - den Sohn, ach, der mich ganz zugrunde richtet, der mich zuschanden macht, den Sohn, der eine arge Schul absolviert. Weh mir, fünftausend Dukaten!

 

BOKTSCHILO

Gefunden! Er hat gefunden, mit wem zu weinen! Weint euch aus! Ewig mögt ihr greinen, da auch meın Wanst neben euch nichts zu lachen hat. Ach, meine Keller von Dubrovnik, mein köstlicher Schmaus, wie fern seid ihr von mir!

 

TRIPTSCHETA

Fünftausend Dukaten! Bei Gott, das ist nicht wenig. Darum klagt ihr also?

 

MAROJE

Mein Sohn, mein liederlicher Sohn, fünftausend Dukaten hat er mir verpraßt!

 

TRIPTSCHETA

Bei Gott, das ist wohl ärger als ein Hexenschuß, das ist ein großes Unheil. Nimmst du mir die Dukaten, nimmst du mir Ehr und Leben.

 

MAROJE

Misser mio,[25] ja, das Leben hat er mir geraubet. Ach, wir haben ihn verlobt, weil ich nur diesen einzigen Sohn habe.

 

TRIPTSCHETA

Besser keinen Sohn als einen solchen. Wahrlich besser wär's, dergleichen würden nicht leben.

 

MAROJE

Mein Tod ist er, misser mio, und nicht mein Sohn. Umbringen wird er mich. Drei Jahre sind es nun, daß ich ihn hab verlobet, und weh über mich Narren, fünftausend Dukaten zählt ich ihm auf die Hand, weh mir!

 

BOKTSCHILO

Bei Gott und der Heiligen Jungfrau, der Mordgesell, der ihn hinweggeführt, wird er ihn schlachten? Nach Haus wird er ihn führn, ihn zu bewirten! Ja, Schmarren!

 

TRIPTSCHETA

Bei Gott, ich versteh dich wohl, das ist ein großer Kummer.

 

MAROJE

Fünftausend Dukaten! Au weh, au weh, Boktschilo, zu Hilfe!

 

BOKTSCHILO

Hab ich nicht gleich gesagt, der Räuber wird ihn schlachten?

 

MAROJE

O weh!

 

BOKTSCHILO

Er schlachtet ihn! - Du Hurensohn, was treibst du mit meinem Herrn! Laß ab, du Bösewicht!

 

MAROJE

Boktschilo! Was soll das? Du bist von Sinnen.

 

TRIPTSCHETA

Beim heiligen Triphon, Mensch, du bist nicht bei Verstand.

 

BOKTSCHILO

Mein Gebieter, was gibt's? Bist du noch am Leben?

 

MAROJE

Nichts ist geschehen, Bogo, ach reich mir deine Hand.

 

BOKTSCHILO

Ich wähnt, jener Räuber wollt dich schlachten.

 

TRIPTSCHETA

Sprich artiger zu einem braven Mann, hörst du, du Taugenichts? Chè altrimente ti porterà il diavolo,[26] sonst wird dich der Herr der Teufel holen.

 

MAROJE

Boktschilo, nimm Verstand an, du bist besessen.

 

BOKTSCHILO

Wie zum Teufel soll ich das verstehn? Ich hab geglaubt, er würgt dich; und bei der Heiligen Jungfrau, er hat kein ehrliches Gesicht. Man sieht's ja wohl, nach Haus hat er dich geführt, dich, den Fremden, zu bewirten!

 

TRIPTSCHETA

Mensch, ein Teufel und kein kleiner hat dich heut mir zugeführt!

 

MAROJE

Boktschilo, ich hab's schon gesagt, du bist besessen! Tritt näher! Misser, er hat nicht recht getan!

 

TRIPTSCHETA

Weißt du was? Sag ihm, er mag sich vor dem großen Teufel wohl in acht nehmen!

 

MAROJE

Ich wollt, daß du um meinetwillen ihm vergibst! Boktschilo, komm her und

bitt ihn um Verzeihung!

 

BOKTSCHILO

Wo ist die Flasche? Ohne Flasche wird bei uns kein Friede geschlossen!

 

MAROJE

Komm her, du sollst auch deine Flasche haben!

 

BOKTSCHILO

Guter Mann, vergib mir. Ich bereue meine Sünde.

 

TRIPTSCHETA

Ich verzeih dir, aber schau zu, daß du ein andermal gescheiter bist, bei meinem Leben. Denn wisse, mein Zorn ist als ein Blitz, der Feuer speit und einschlägt. Im Zorn schlag ich gleich drein; doch da du reuig bist, so will ich dich als Bruder annehmen.

 

BOKTSCHILO

Mit der Mützen in der Hand verneig ich mich vor dir, als vor dem älteren und besseren.

 

TRIPTSCHETA

Du sollst noch heute mein Heim sehen und meinen Wein auf deiner Zunge spüren.

 

MAROJE

Ein gar trefflicher Kellerer ist er.

 

BOKTSCHILO

Ach, daß ein freundliches Geschick dich dereinst nach Dubrovnik führ, damit ich dir in meinem schönen Keller mit rotem Wein den Gaumen netze und dich schön bewirte wie meinen Bruder.

 

MAROJE

Boktschilo, nun tritt wieder beiseite und komm nicht herzu, bis daß ich dich rufe.

 

BOKTSCHILO

Zu Diensten, Herr, allein, 's ist Trinkens Zeit.

 

MAROJE

Gleich gehen wir in die Herberge.

 

BOKTSCHILO

Gott sei's Dank.

 

MAROJE

Mein Diener ist getreu, aber jähzornig, ansonsten ein tapferer und strammer Bursch.

 

TRIPTSCHETA

Beim Heiligen Georg, der hat das Zeug in sich zum Tapfersein, ein Mannsbild, wie der eines ist.

 

MAROJE

Nun denn, zurück zu meines Herzens Kummer.

 

TRIPTSCHETA

Nun, caro misser mio, seguitate![27]

 

MAROJE

Wie ich euch schon gesagt, wir haben ihn verlobt, und fünftausend Dukaten- tesoro, tesoro[28] - zählt ich ihm auf die Hand.

 

TRIPTSCHETA

Bei Gott, dem meinen würd ich keine fünftausend Kreuzer geben. Gib kein Geld in die Hand von Unmündigen! Weißt du, das Geld wütet in der Hand von Unmündigen wie der böse Geist im Besessenen.

 

MAROJE

Ja, wahrhaftig, ganz von Sinnen war ich, fremdem Rat zu trauen. Wer keinem Rat folgt, schlecht; wer fremdem Rat folgt - ärger.

 

TRIPTSCHETA

Misser mio,[29] ein jeder achte gut, wes Rat er folget. Hütet euch wohl vor jungem Rat und folget dem alten.

 

MAROJE

Weh, just darum klag ich itzund: jung waren die Ratgeber, und ich, ich folgt ihrem Rat. Nach Ancona hab ich ihn eingeschifft, auf daß er gen Florenz zieh und daselbst die guten Dukaten in gute Ware umtausche, auf daß er nach seiner Heimkehr gen Sofia zöge. Hätte er sich bewährt, ich hätte ihm alles in die Hände gegeben. Ach, der Nichtsnutz! Statt nach Florenz ist er nach Rom gezogen, in diese Stadt des Prunkes und der Pracht. Wer vermag es dort, der Versuchung des Lasters zu widerstehn? Die Kunde geht, er habe dort mit einem schlechten Weib das Geld vertan. Und ich bin gekommen, um zu retten, was noch zu retten ist.

 

TRIPTSCHE

Mein Herr, so er in Rom das Geld verpraßt, laßt alle Hoffnung fahren. Dann ist das Schiff an jenem großen Fels von Dubrovnik zerschellt.

 

MAROJE

Weh, heiliger Blasius!

 

TRIPTSCHE

Da könnt ihr weder Mann noch Ware retten. Es tut mir leid, weil du auch den Sohn verlieren wirst.

 

MAROJE

Ilm? Was kümmert's mich um ihn? Um die Dukaten ist mir's leid; doch er soll mir nicht mehr vor die Augen treten. Ob lebendig oder tot, ob er fortsetzt, wie er angefangen, mir ist's gleich.

 

TRIPTSCHE

Misser, so würd ich nicht handeln. Ich würd ihn suchen gehn, denn niemand weiß bislang, ob alles durchgebracht.

 

MAROJE

Ja, so denk ich auch; ich werd ihn suchen, finden.

 

TRIPTSCHE

Mein Gott, womöglich kenn ich ihn hierselbst in Rom? Wie ist sein Name?

 

MAROJE

Maro ist er genannt.

 

TRIPTSCHE

Maro - amaro;[30] er ist dir wirklich amaro und bitter, doch mancher Kurtisane hier in Rom ist er sehr süß.

 

MAROJE

Ach, darum klag ich auch.

 

BOKTSCHILO

Habt ihr zu End getuschelt? Durch Geflüster ging Bosnien zu Grund,[31] und ob der Tuschelei ist jener mir nicht lieb. Weh mir, weh, mit was für Mannsleut mich mein Mıßgeschick zusammengeführt, die weder Hunger spürn noch Durst. Mein Gebieter, ich vergeh vor Hunger. Macht ein End!

 

MAROJE

Aber Boktschilo, geduld dich noch eine kleine Weil; in Kürze sind wir bereit für dich.

 

TRIPTSCHETA

Hört zu, ich kenn hier einen von den eurigen, ein Edelmann ist's, schön wie eine Perle, geht ganz in Sammet und Seide, eine Goldkette trägt er um den Hals, ein echter Herr, Signor Marin genannt. Sein Vater, sagt man, heißt Maroje; der reichsten Leute einer aus Dubrovnik soll es sein.

 

MAROJE

Wie alt ist er?

 

TRIPTSCHE

Ein Jüngling ist's wohl um die einundzwanzig Jahr.

 

MAROJE

Wie lange schon weilt er hier in Rom?

 

TRIPTSCHE

Misser mio,[32] so an die drei Jahr mögen's nun wohl sein. Freigiebig ist er wie ein Kaiser; schlank, nicht von hohem Wuchs, der Bart hat ihm begonnen erst zu sprießen.

 

MAROJE

Das ist er, er ist's! Signor Marin, o weh, „Signor Marin“ ruft man ihn schon. Das ist mein Sohn!

 

TRIPTSCHE

Bei der Heiligen Jungfrau von Kotor, welch großen Herrn du da zum Sohne hast!

 

MAROJE

Ich bin ein armer Mann, dieser ist „Signor“ und „Herr“, das ist nicht mein Sohn.

 

TRIPTSCHETA

Hier ist seine Signora. Just gegenüber wohnt seine Dame, seine Geliebte. Er könnt auch älter sein. Von hier mögt ihr ihn wohl erspähn. Die erste Kurtisane ist's von Rom.

 

MAROJE

O weh, mein Herz ahnt Ungemach!

 

BOKTSCHILO

Was gibt's, Herr?

 

MAROJE

Nichts Gutes, Boktschilo. Die Sach steht bös.

 

BOKTSCHILO

Hier ist dein Diener. Auch ist es Zeit, zu Mittag zu essen.

 

TRIPTSCHETA

Misser, sofern es dir zusagt, gehn wir in diese Herberg hier.

 

BOKTSCHILO

Ach, Gott segne es dir!

 

TRIPTSCHETA

Und wann der Signor Marin kömmt, so magst du sehn, ob's dein eigen Fleisch und Blut.

 

MAROJE

Meine Söhne sind keine Signori. Mein Sohn wird es nicht sein. Doch gehn wir!

 

BOKTSCHILO

Ach, Gott segne dich! Einem guten Menschen sind wir begegnet.

 

TRIPTSCHETA

Misser, du mußt wissen, der Herbergen hier sind drei. Die eine führt im Schilde die „Miseria“,[33] die ihr als Geiz bezeichnet; diese da wird „zur Torheit“ benannt; und jene dort, allwo der Freßsack Preßwürst und Bratwürst verschlingt, heißt „Osteria della grassezza“.[34]

 

BOKTSCHILO

Mein Herr, mein Gebieter, mein König, führ uns hin, wo der beste Wein ist.

 

TRIPTSCHETA

Versteht sich, bei der „Torheit“ schenkt man den besten Wein. Misser, von dieser Herberg aus magst du auch deinen Handel führen.

 

MAROJE

Wo steigen sonst die Leute aus Dubrovnik ab?

 

TRIPTSCHETA

Beim Geiz, immer alla miseria,[35] manches Mal steigt auch einer alla grassezza ab. Signor Marin, dein Sohn, ist just dort abgestiegen.

 

MAROJE

Mein Sohn! Meine Söhne sind keine Signori! Der da ist also bei der „grassezza“ abgestiegen, so steig ich bei der „Torheit“ ab; denn ein Narr und ein Tor dazu bin ich gewesen, daß ich das Geld so leichtfertig aus der Hand gegeben.

 

DER ERSTE GASTWIRT

Alla Sciocchezza, al segno della Sciocchezza bon vin, bone starne, bon capponi, galline, salciotti da Bologna, bon pan soprattutto. Nasa un poco, signor, che color![36]

 

BOKTSCHILO

Signor, misser oste, Wein kosten![37]

 

DER ZWEITE GASTWIRT

Gut Held aus Schiavunia,[38] Wein gut, bei Gott.

 

DER DRITTE GASTWIRT

Alloggiate qua da me alla grassezza; vi daro un antipasto, sguazzetto alla tedescha, che vi morderete le dita, vin da Corsica e Claretto di Francia, vitella di latte, fagiani, pavoni et ciò che poteti domandar con lingua.[39]

 

DER ZWEITE GASTWIRT

Signor, costui vi darà cose grandi, ma la vostra borsa poi sentirà; vi metterà a conto poi fina alli stecchi con che vi netterete i denti.[40]

 

MAROJE

Wo Herren und Signori absteigen, da mag ich armer Mann nicht absteigen, da steigt Signor Marin ab.

 

DER ZWEITE GASTWIRT

Kommen her! Ich wenig Geld nehmen, ich so viel Essen geben, wie Bauch tragen kann.

 

BOKTSCHILO

Führ mich dorthin, Herr, allwo sie christlich reden, allwo sie uns verstehn.

 

MAROJE

Tritt ein, Boktschilo!

 

BOKTSCHILO

Bitte!

 

MAROJE

Misser, wie ist euer Name?

 

TRIPTSCHETA

Triptscheta heiß ich, euch zu Diensten.

 

MAROJE

Tripe, Tripeta, bleib bei uns heut. Verlaß uns nicht!

 

TRIPTSCHETA

Gramarzi,[41] den ganzen Tag bin ich mit euch, jetzund muß ich heim. Ormai è tardi.[42]

 

MAROJE

Nicht so, Tripe, ich bedarf deiner sehr; ohne dich kann ich mich in Rom nicht zurechtfinden.

 

TRIPTSCHETA

Sei's drum, da bin ich, euch zu Diensten.

 

 

ZWEITER AUFTRITT

Ugo Tudeschko[43] und Pomet Trpesa, dann Laura

 

UGO

Pomet!

 

POMET

Signor!

 

UGO

Foler far frit con me questa signora, signora tanto crudele al suo serfitor. Mi star sempre tuo serfitor; dinari, vita tuo comando, crudel signora! Tasi ti cor, pestilenz, fenga 'l cancar chi ti foler più ben. Mi foler ben a un pietra; per Dio, matar chi non foler ben a mi.[44]

 

POMET

Signora Laura - ich weiß noch, wie man sie Manda gerufen in Kotor, non tanta superbia![45] Jetzt kommst du mir toskanisch, und wir sind doch Landsleut, ob wir wollen oder nicht. Die Welt dreht sich, nach dem süßen Sommer kommt auch der bittre Winter; und die Blum der Schönheit, mit der du itzund prahlst, vermag auch ein Frost schon zu knicken. Schon andre Damen haben wir in Rom gesehn, glänzend wie du, jedoch, je höher ihr Gestirn gestiegen, so tiefer war ihr Fall.

 

UGO

Mi tanto amar questa crutele, e ella a me foler tanto mal![46]

 

LAURA

Pomet, was sind das für Reden? Hab ich dir nicht gesagt, du sollst mir mit diesem Tudeschko fernbleiben! Und du kehrst immer wieder, um jeden Preis und mir zur Schande! Ich sag dir: bleib meinem Hause fern, so du nicht willst, daß dich der Teufel hol!

 

POMET

Ach, Signora Laura, du verkennst dein Glück. Dieser Tudeschko ist der reichste von allen Tudeschki in Rom und ist entflammt für dich. In Liebeshändeln tut's ihm keiner gleich. Ich weiß nicht, was für Grillen dich plagen; andre überschütten ihn mit Liebesangeboten, und du verscherzest leichtfertig dein Glück!

 

UGO

A, cruter, queste lacrime non mover tuo cor, cor pietra, non cor![47]

 

LAURA

Dico, andate con Dio, non vo più ascoltar le vostre ciance.[48]

 

POMET

Wir danken! Trotzdem sind wir deine Diener. Sturm herrscht zur Zeit; er mag sich etwas legen.

 

 

DRITTER AUFTRITT

Dundo Maroje (aus der Herberge), Triptscheta und Boktschilo

 

MAROJE

Tripko, ist das der, von dem du gesprochen?

 

TRIPTSCHETA

Ich würd veramente[49] sagen, er ist's.

 

MAROJE

Nein, das ist nicht mein Sohn, das Leben kehrt mir zurück.

 

BOKTSCHILO

O Gott, mein Herr, o Gott, glaubst du daran, was sie über deinen guten Maro gelogen haben?

 

MAROJE

Gott vermag noch alles zum Guten zu wenden.

 

BOKTSCHILO

Du wirst sehen, du findest alles a contradiu.[50]

 

MAROJE

Mir scheint, der Kummer fällt mir wie ein Stein vom Herzen. Die Hoffnung kehrt in mich zurück. So schlimm mag es nicht werden, wie sie sagen.

 

TRIPTSCHETA

Misser mio, mein Herr, das ist nicht dein Sohn, das ist nicht Ser Marin.[51] Kurzsichtig bin ich, drum schien mir's nur, als ob er's wär.

 

 

VIERTER AUFTRITT

Pomet, Ugo, dann Popiwa

 

POMET

Signor Ugo! Che tanta desperazion pigliar? Star allegro, di bona voglia! Andiamo a far trink, la signora poi voler ben.[52]

 

UGO

Antamo, fer Dio, bever malvagìa e fuggir dolor de cor. Segnora, foler non foler, mi star Vostro serfitor.[53]

 

POPIWA

Pometo, signor Pometo, bagio la man a vostra signoria![54] Der große Pomet von einst, jetzund bist du klein; die Signora hat euch die Tür vor der Nas zugeschlagen! Hätt ich nicht alles aus jenem Winkel belauscht, du möchtest mir sagen: „Ohn Unterlaß sind wir bei ihr.“ Pomet, die Signoren scheren sich nicht um deine süßen Worte noch um die Lügen des Tudeschko, dem du dienst. Halsketten wollen sie, wollen Gold, wollen Geschmeide. Siehst du dieses Kettchen, siehst du diesen Armreif? Siehst du dieses Halsband? All das ist seine dreihundert Dukaten wert. Und all das wird mein Herr Maro Marojes der Signora Laura zum Angebinde geben.

 

 

FÜNFTER AUFTRITT

Dundo Maroje, Boktschilo, Pomet und Popiwa

 

DUNDO MAROJE

(aus der Herberge: Maro Marojes! Boktschilo, hast du's gehört?)

 

BOKTSCHILO

(Ich hab's wohl vernommen, Herr. Der Heiligen Jungfrau sei Dank, daß meine Ohren unsere Sprache sprechen hören. Die Sachen stehen gut.)

 

MAROJE

(Für mich war das von Maro böse Kunde. Fahrn wir fort zu lauschen.)

 

POMET

Ich seh's wohl, große Herren seid ihr; Könige seid ihr, dreihundert Dukaten verschenkt ihr auf einen Schlag. Wo bist du, Dundo Maroje? Die Dukaten, die du im Schweiße deines Angesichts erworben, wie werden sie vertan! Für ganze dreihundert Dukaten Geschmeide sollen heute abend der Signora geschenkt werden.

 

MAROJE

(O weh, l' è fatta![55] Boktschilo, hast du's vernommen?)

 

POMET

Da droben hat der Hexenschuß jemanden erwischt.

 

POPIWA

Pomet, wer mag, soll weinen. Wir gehen guten Zeiten entgegen. Und der alte Herr Maroje hat Geld wıe Heu. Man hat was zu verprassen. Und du und dein Tudeschko, so ihr wollt Gnade finden vor der Signora, so müßt ihr mich umwerben und mich hätscheln; denn in Dukaten kommt ihr nicht gegen uns an.

 

POMET

Dich umwerben und dich hätscheln! Du bist Popiwa, das heißt Trunkenbold. Weg von mir, Popiwa! Was Popiwa nicht auszutrinken vermag, das will er andre trinken lassen; da du den Herrn Maro nicht selbst zu Grunde richten kannst, überlässest du das der Manda aus Kortschula, daß sie ihn verderbe. Es ist euch nicht genug, daß ihr ihm wie die Egel das Blut aus dem Leibe saugt, auch seine Seele wollt ihr ihm aussaugen. Wo bist du, Dundo Maroje?

 

MAROJE

(Au weh, hier bin ich, zu meines Herzens Kummer.)

 

POMET

Aus der Herberg hat sich jemand gemeldet. Selbst die fühllosen Mauern beweinen den Untergang dieses beklagenswerten Jünglings, und du pfeifst darauf.

 

POPIWA

Ja, beklagenswert ist er, da du nicht in seinem Hause wohnst und ihn nicht bei lebendigem Leibe verschlingen und auffressen kannst, daß du daran erstickest, du mit deinem Fettwanst, der nie genug bekommt, mit deinem Drachenmaul, das nicht kaut, sondern nur hinunterschlingt. Erinnerst du dich, wie du ihn angetrieben, dem alten Herrn zweitausend Zechinen zu entwenden, und wie ihr sie wieder untergeschoben wie einen heißen Ziegelstein ins Bett? Einen teuflisch fetten Braten gedachtest du damals zu verschlingen- aber die Suppe ward dir versalzen.

 

POMET

Na ja, wenn er nur Popiwa im Hause hat, da kann er ruhig schlafen!

 

POPIWA

Ei, sieh an, Pomet Trpesa, das heißt Pomet Kehraustisch, da er die Bissen wie mit einem Besen vom Tisch kehrt, der hat Mitleid mit ihm.

 

POMET

Popiwa ist ihm ein gar treuer Diener und ist ihm zugetan. Auch der Blutegel liebt Menschenblut, aber er saugt ihm die Seel aus dem Leibe.

 

POPIWA

Popiwa singt mit Herrn Maro bei der Signora Laura...

 

MAROJE

(Mit Herrn Maro bei der Signora Laura?!)

 

POPIWA

... und Pomet Trpesa lugt hinter der Tür hervor mit seinem Tudeschko, der mit Wein die erste Kurtisane von Rom erobern will. Mit Dukaten kommt zur Signora Laura wie wir! Solcher Signoren Sinn steht nicht nach Kaviar und nicht nach Wein. Dukaten wolln sie, und ihr habt keine.

 

MAROJE

(O weh, hier wird geprahlt mit meinem Hab und Gut!)

 

POPIWA

Hörst du! So jammert und klaget dein Herz, Pomet, aber die Zunge bleibt dir stumm. - Jemand oben hat den Hexenschuß. - Die ganze Welt mag weinen und zugrunde gehn, mir geht es gut.

 

POMET

Geht es dir gut?

 

POPIWA

Da kommt mein schöner und freigiebiger Herr Maro, mein Herr, und der Herr der Signora Laura; denn auch sie muß ihm jetzund gehorchen.

 

POMET

Ich seh ihn wohl; aber alles hat seine Zeit. Auf Sonnenschein folgt Regen; und nach diesem Lachen werd ich dich noch weinen sehen.

 

 

SECHSTER AUFTRITT

Maro, Popiwa, Pomet, dann Triptscheta, Maroje und Boktschilo

 

MARO

Popiwa!

 

POPIWA

Mein Herr!

 

MARO

Wo bist du so lang gewesen?

 

POPIWA

Bei Gianpietro, dem Goldschmied.

 

MARO

Pomet, was hast du hier zu suchen?

 

POMET

Ben trovata la signoria vostra, signor Marin.[56] Einstmals war ich dein in Dubrovnik, jetzund in Rom bist du ein großer Herr. Der Himmel bewahr die Armen vor großen Herren.

 

MAROJE

(Tripe, ist das mein Sohn?)

 

TRIPTSCHETA

(Natürlich ist er's! Das ist Signor Marin!)

 

MAROJE

(Er ist's! In Sammet und Seide! Weh mirl)

 

BOKTSCHILO

(Herr, dort ist auch der Pomet, der Lump, der auch in Dubrovnik gewesen, heiliger Strohsack, wo kommt der hergeschlichen?)

 

MAROJE

(Wehe! Alle Lumpen sind um ihm versammelt.)

 

BOKTSCHILO

(Auch Popiwa, wehe mir!)

 

MAROJE

(Lumpenpack! Fünftausend Dukaten!)

 

TRIPTSCHETA

(Schweig still, per amor de Dio,[57] daß wir hören, was zum Teufel sie miteinander sprechen.)

 

MAROJE

(Nichts Gutes für mich.)

 

MARO

Sta ben questa cosa,[58] Pomet. So pflegt man Umgang mit Damen, und solche Gaben bietet man ihnen. Und du kommst daher mit deinem Tudeschko, mit einem Trunkenbold, mich auszustechen! Aber der Gürtel möcht euch eher platzen, eh ihr erklimmt, was ich erklommen. Allein, ich sag dir, Pomet Trpesa, du Nimmersatt, sofern ich euch nochmals um dieses Haus streichen seh, dir werd ich das Gesicht zerschneiden, und dem Tudeschko werd ich den Wanst durchstechen, daß ihm der Wein ausläuft, den er je getrunken. Ihr seid nunmehr gewarnt, für itzt und immerdar.

 

POMET

Signor Marin, du magst tun, was sich für deinesgleichen ziemt, und ich bin dein Diener! Und der Tudeschko kümmert sich um sein Geschäft, jedweder um das seine.

 

MARO

Wohl verstanden. - Popiwa!

 

POPIWA

Signor!

 

MARO

Geh nochmals zum Goldschmied, zum Gianpietro, und sag ihm also: „Schick mir besagten Diamanten und besagten Rubin!“

 

POPIWA

Signor, jene zwei Stücke gibt er nicht unter zweihundert Dukaten aus der Hand. Auch Pomets Herr, jener Tudeschko, hat ihm dafür hundertundachtzig geboten, und sie waren ihm dafür nicht feil.

 

MAROJE

(O weh, meine Dukaten! Bei Gott, er wird sie kaufen.)

 

MARO

Aber ich werd ihm seine zweihundert zahlen. Geh und hol sie. Und er mag kommen, daß ich ihn auszahl.

 

MAROJE

(Gott Weiß, er hat sie genommen, l'è fatta.[59] Sofern ich's nicht ins Reine bring, geht alles zum Teufel.)

 

MARO

Pomet, wer eine Signora will sein eigen nennen, der muß den Beutel offen halten gleich wie ich.

 

MAROJE

(Den Beutel offen halten! O weh!)

 

POMET

Dort droben wird einer vom Hexenschuß geplaget. Der alte Herr Maroje hat Dukaten wie Sand am Meer; ihr könnt sie gern verschwenden, ihr wißt wohl, woher die nächsten nehmen.

 

MAROJE

(O weh, er mag sie gern verschwenden! Und ich komm auf meine alten Tag ins Armleutehaus!)

 

MARO

Popiwa, warum kommst du zurück?

 

POPIWA

Gehst du denn nicht zum Nachtmahl zur Signora?

 

MARO

Ja freilich!

 

POPIWA

Was also solln wir kaufen?

 

MARO

Wein für einen Dukaten, und Kaviar für einen Gulden, als wie auch Pomets Herr, der Tudeschko, hat getan, und um drei Taler kauf ein paar Fasanen; und kauf ein paar große Kapaunen, wohl einen Taler wert; und Kalbsbries kauf und eil zum Metzger, daß er dir Preßwürst geb und Würst für diese ganze Woche, und bring ein Dutzend Provadura-Käs, und kehr sodann bei meinem Spezereihändler ein und sag, er mög mir einen heißen Marzipan senden.

 

POMET

Das ist, um nach dem Fasten den Magen zu laben!

 

POPIWA

Pomet, das Wasser läuft dir im Munde zusammen, nicht wahr? - 's wird alles ausgerichtet, ich geh schon.

 

MARO

Erwart mich nicht zum Mittagsmahl, ich speis bei der Signora.

 

POPIWA

Gut, Herr.

 

MAROJE

(Wehe! Alle Lumpen sind um ihm versammelt.)

 

BOKTSCHILO

(Auch Popiwa, wehe mir!)

 

MAROJE

(Lumpenpack! Fünftausend Dukaten!)

 

TRIPTSCHETA

(Schweig still, per amor de Dio,[60] daß wir hören, was zum Teufel sie miteinander sprechen.)

 

MAROJE

(Nichts Gutes für mich.)

 

MARO

Sta ben questa cosa,[61] Pomet. So pflegt man Umgang mit Damen, und solche Gaben bietet man ihnen. Und du kommst daher mit deinem Tudeschko, mit einem Trunkenbold, mich auszustechen! Aber der Gürtel möcht euch eher platzen, eh ihr erklimmt, was ich erklommen. Allein, ich sag dir, Pomet Trpesa, du Nimmersatt, sofern ich euch nochmals um dieses Haus streichen seh, dir werd ich das Gesicht zerschneiden, und dem Tudeschko werd ich den Wanst durchstechen, daß ihm der Wein ausläuft, den er je getrunken. Ihr seid nunmehr gewarnt, für itzt und immerdar.

 

POMET

Signor Marin, du magst tun, was sich für deinesgleichen ziemt, und ich bin dein Diener! Und der Tudeschko kümmert sich um sein Geschäft, jedweder um das seine.

 

MARO

Wohl verstanden. - Popiwa!

 

POPIWA

Signor!

 

MARO

Geh nochmals zum Goldschmied, zum Gianpietro, und sag ihm also: „Schick mir besagten Diamanten und besagten Rubin!“

 

POPIWA

Signor, jene zwei Stücke gibt er nicht unter zweihundert Dukaten aus der Hand. Auch Pomets Herr, jener Tudeschko, hat ihm dafür hundertundachtzig geboten, und sie waren ihm dafür nicht feil.

 

MAROJE

(O weh, meine Dukaten! Bei Gott, er wird sie kaufen.)

 

MARO

Aber ich werd ihm seine zweihundert zahlen. Geh und hol sie. Und er mag kommen, daß ich ihn auszahl.

 

MAROJE

(Gott Weiß, er hat sie genommen, l'è fatta.[62] Sofern ich's nicht ins Reine bring, geht alles zum Teufel.)

 

MARO

Pomet, wer eine Signora will sein eigen nennen, der muß den Beutel offen halten gleich wie ich.

 

MAROJE

(Den Beutel offen halten! O weh!)

 

POMET

Dort droben wird einer vom Hexenschuß geplaget. Der alte Herr Maroje hat Dukaten wie Sand am Meer; ihr könnt sie gern verschwenden, ihr wißt wohl, woher die nächsten nehmen.

 

MAROJE

(O weh, er mag sie gern verschwenden! Und ich komm auf meine alten Tag ins Armleutehaus!)

 

MARO

Popiwa, warum kommst du zurück?

 

POPIWA

Gehst du denn nicht zum Nachtmahl zur Signora?

 

MARO

Ja freilich!

 

POPIWA

Was also solln wir kaufen?

 

MARO

Wein für einen Dukaten, und Kaviar für einen Gulden, als wie auch Pomets Herr, der Tudeschko, hat getan, und um drei Taler kauf ein paar Fasanen; und kauf ein paar große Kapaunen, wohl einen Taler wert; und Kalbsbries kauf und eil zum Metzger, daß er dir Preßwürst geb und Würst für diese ganze Woche, und bring ein Dutzend Provadura-Käs, und kehr sodann bei meinem Spezereihändler ein und sag, er mög mir einen heißen Marzipan senden.

 

POMET

Das ist, um nach dem Fasten den Magen zu laben!

 

POPIWA

Pomet, das Wasser läuft dir im Munde zusammen, nicht wahr? - 's wird alles ausgerichtet, ich geh schon.

 

MARO

Erwart mich nicht zum Mittagsmahl, ich speis bei der Signora.

 

POPIWA

Gut, Herr.

 

POMET

Fürwahr ein echtes Herrenleben! Doch denk ich so bei mir: Signor Marin, wie wirst du dereinst in Dubrovnik dein Leben fristen mit einem Stückchen Fleisch und einem Schälchen Suppe, durch die man den Grund schaun kann, wie im toten Meer auf Lokrum[63] bei Windstille.

 

MAROJE

(Au weh, auch daran wird's noch mangeln! Betteln gehn um Gottes Barmherzigkeit willen wird der Wüstling! Weh, wohin sind meine fünftausend Dukaten zerronnen?!)

 

MARO

Pomet, auch in Dubrovnik gedenk ich nicht zu knausern!

 

POMET

Ich weiß wohl, Herren steht ein herrenmäßig Leben an.

 

MARO

Ohn Zweifel, herrenmäßig. Oder meinst du etwa, ich würd's bei einem halben Maß Wein und Fleisch für einen Kreuzer bewenden lassen wie die anderen? Pomet, ein gar üppig Leben werd ich führen, und du wirst aus der Ferne zuschaun, und das Wasser wird dir im Munde zusammenlaufen. Diese Halskrause will ich nun anlegen, daß der Herrin Augen sich an meinem Anblick weiden!

 

POMET

Wie gut sie dich kleidet! Warum läßt du dich nicht gleich zum Ritter schlagen, daß du sie immer tragen magst?

 

MAROJE

(Auch die Halskrause hat er angelegt? Boktschilo, Triptscheta! Daß ich nur hinunterkönnt! Die Haar würd ich ihm einzeln ausraufen, und die Augen blau schlagen!)

 

TRIPTSCHETA

(Misser, non in furia!)[64]

 

BOKTSCHILO

(Wer seine Kinder lieb hat, züchtigt sie!)

 

MARO

Pomet, scher dich fort. Hast mich verstanden! - Klopf, klopf, Signora, ich bin's, padrona mia bella.[65]

 

POMET

Gottes Wille mag geschehn. Dein Diener! Doch beim Herrn Vater wirst du dereinst Rechnung legen müssen. Dundo Maroje, daß du lebtest, zu schaun, wie deine Dukaten in Prassen dahingehn! Ich hingegen eil stracks zu meinem Tudeschko, mit dem ein einfaches Mahl mir lieber ist als ein Festmahl und ein Gelag mit diesem hier und all seinem Anhang. Die aus Dubrovnik wissen nicht zu speisen; sie verschlingen ein Stückchen Fleisch, und gleich sind sie wieder im Umhang auf der Gassen. Die Tudeschki hingegen, sie sitzen mit Bedacht nieder. Sie beginnen das Mahl mit einer scharf gewürzten Suppen, die den Magensaft kitzelt und selbst die Toten auferwecken und zum Essen bringen könnt; zugleich wird zugetrunken, und dann kommen sie herbei mit einer großen Schüssel; und in der Schüssel ist eine gute Henn und eine fette Ente und noch zwei Rebhühner, und alles auf neueste zubereitet. Die Leut aus Dubrovnik, die kennen nur Gebratnes.

 

MAROJE

(Ach, wenn ich nur hinauskönnt, erstechen würd ich ihn!)

 

TRIPTSCHE

(Non far, misser, non in furia!)[66]

 

BOKTSCHILO

(Gottes Friede sei mit dir, der heilige Sonntag steh dir bei!)

 

POMET

Ein Aufruhr ist oben in der Herberg, und einer drohen treibt nichts als jammern den lieben langen Tag! Und irgendwer ist betrunken und sticht sich. Meinethalben mögt ihr euch schlachten! - Or bene:[67] in selbiger Schüssel ist auch Speck nach deutscher Art und schieres Kalbfleisch, auch Kraut und Rüben schwimmen in der Suppe. Was nützen Arzenei und Kraftbrüh den magenschwachen Leuten? Die Ärmsten können davon nicht genesen! Ein Senf zieht dir die Seel aus dem Leibe; ich eß und bin doch hungrig; je mehr ich schling, desto hungriger werd ich. Und so die Schüssel leer, kommt einer (und wacker sind diese Diener!) und bringt auf dem Messer und legt in die Schüssel zuvörderst einen kleinen Kapaunen, sodann ein Gänschen, und wiederum eine geräucherte Zungen, und drauf eine Bratwurst - so dick! Und der Becher geht um, und wir essen und werden doch nicht satt. Wir wähnen, wir hätten uns just zu Tisch gesetzet, und sind doch schon drei Stunden vergangen, und wir schwimmen in Wonnen und sind im Paradies. Sodann erst geht's an Gebratenes. O jener Duft, um jeden Kranken zu heilen! Doch da naht mein verliebter Tudeschko! Bei Gott, ich bin vernarrter in seine Tafel als er in seine Signora. Ich folg ihm ins Paradies auf Erden, wo Jeder Wunsch in Erfüllung geht. Jetzund werd ich die Worte lassen und nicht mehr den Mauern von Gesottnem und Gebratnem vorerzähln!

 

 

SIEBENTER AUFTRITT

Ugo Tudeschko und Pomet

 

UGO

Pomet!

 

POMET

Signor Ugo!

 

UGO

Che star tanta qua? Ti non foler bever malvagia? Mi, fer Dio, foler.[68]

 

POMET

Was für ein gesitteter Mann! Das ist gut, den Magen anzuregen. Con voi, signor Ugo, andar in inferno et star ben.[69]

 

UGO

Salutar la signora: „Son fostro servitor“.[70]

 

POMET

La signora serà vostra, che voler altro? Et andamo a trink.[71]

 

UGO

Fer Dio, far meglio.[72]

 

 

ACHTER AUFTRITT

Triptscheta, Maroje und Boktschilo (treten aus der Herberge)

 

TRIPTSCHETA

Misser mio caro, non si fanno le cose in furia.[73] Ein Sprichwort sagt: „Wer im Zorne isset, ersticket“, und ein anderes sagt: „Haltet euren Zorn wohl in Zaum!“

 

MAROJE

Der Galgenstrick! Er ist mir entkommen. Verschwunden ist er, verbergen tut er sich bei seiner Buhle.

 

BOKTSCHILO

Nicht im Zorne, mein Gebieter! Lärm verscheucht die Schafe, und den Wolf fanget man in der Stille. Du wirst zu deinem Ziel gelangen, sobald dein Zorn verraucht ist.

 

MAROJE

Weh mir, ich bin dorthin gelangt, von wo man nicht mehr weiter kann.

 

TRIPTSCHETA

Hol tief Atem, besänftig dich, der Zorn hat dich übermannt. Der Teufel mag die Kinder holen! Wie man sich abmühet, sie zu bekommen, später hat man nichts als Scherereien mit ihnen.

 

MAROJE

Weh, unser Tod, unser Tod werden sie sein!

 

BOKTSCHILO

Ach, ihr Kinder, viel Brot begehrt ihr, und hier könnt ihr sehen, wieviel Kümmernis man um euch leidet.

 

MAROJE

Nun geht mein Atem wieder ruhig; was ist itzt zu tun?

 

TRIPTSCHETA

In die Herberg zurückzukehrn.

 

BOKTSCHILO

Gesegnet sei die Milch, die dich genähret.

 

MAROJE

Und was danach?

 

BOKTSCHILO

Bei Gott, die Zung klebt mir am Gaumen fest vor lauter Verdruß.

 

TRIPTSCHETA

Warten wir, bis das Kind aus dem Hause tritt. So er herauskommt, nimm ihn bei der Hand als dein eigen Kind und kehr ihn vom Irrweg ab; aber geh fein sänftiglich mit ihm um; denn so du ihn verscheuchest, entwischt er dir, und mit allen Hunden des Signor Giuliano Cesarini[74] vermagst du ihn nicht mehr einzuholn.

 

BOKTSCHILO

Gesegnet sei die Erde, die dich trägt! Honig entfließet seinem Munde.

 

MAROJE

Auf denn, das Unheil vermag nicht größer zu werden, als es just ist; tut, was ihr für recht erachtet. Ich bin bereit zu tun, was ihr beschließet; tretet wieder ein!

 

BOKTSCHILO

Ach, Gott steh dir bei! Man sagt allenthalben: Besser ein Schaden durch Eintracht als ein Nutzen durch Zwietracht. Tripe, mein Herr, ein Maß Wein! Morde mich nicht. Die Zunge ist mir verdorret.

 

TRIPTSCHETA

Bei Gott, mein Bruder, mit Freuden bewirt ich dich mit un boccal de vin.[75]

 

BOKTSCHILO

Die Heilige Jungfrau sei mit dir. Blumen und Rosen mögen deinen Weg bekränzen, du edles Blut von Kotor.

 

TRIPTSCHETA

Geh voran, Bruder!

 

BOKTSCHILO

Nach dir, du bist der Ältere und Bessere!

 

TRIPTSCHETA

Laß die Mützen oben!

 

 

NEUNTER AUFTRITT

Dschivo und Pera, Maros Braut in Männerkleidern, dann Dschiwulin aus Lopud

 

PERA

Dschiwo, schön ist diese Stadt und gar groß. Müd bin ich geworden durch diese Straße schreitend.

 

DSCHIWO

Ich mein fast, sie sei länger als die krumme Gaß in Dubrovnik.

 

PERA

Bei Gott, Dschiwo, was redest du daher? Länger ist sie als der Weg von der Stadt bis zur Luncijata.[76]

 

DSCHIWO

Pera, möchtest du wohl, daß ich dir die Peterskirch zeige?

 

PERA

Dschiwo, nenn mich nicht Pera. Es möcht uns einer hören und gewahr werden, daß ich ein Mädchen bin.

 

DSCHIWO

Ich will's nicht mehr tun, es war mir just entschlüpft.

 

PERA

Ruf mich Peter, wie wir's besprochen.

 

DSCHIWO

Ja gut. Siehst du diese Gassen dort? An ihrem End ist die Peterskirch.

 

PERA

Mag sie wohl so groß sein wie die Liebfraunkirch in Dubrovnik?

 

DSCHIWO

Woher weißt du, daß die Liebfrauenkirch groß ist?[77]

 

PERA

Geh, Dschiwo. Wie soll ich's nicht wissen? Bin ich doch jede Weihnacht mit der Muhme in die Liebfraunkirch zur Mette gegangen. Weh, oh meine Muhme, du wirst mir's übel anrechnen, daß ich so von dir fort bin! Hat je solch ein Unheil ein Mädchen betroffen, daß es die Stadt verlässet, den Bräutigam zu suchen, den ich, so fürcht ich, so ganz verloren hab, daß ich ihn – wehe - mein Lebtag nicht mehr finde. Drei Jahr, seit er die Stadt verlassen, hat er weder mir noch sonst einem das kleinste Brieflein geschickt. Weh mir, wird man in Dubrovnik über mich reden!

 

DSCHIWO

Was kann man schon sagen? Mit der Amme und mit mir, deinem Vetter, bist zum Bräutigam gegangen!

 

PERA

O weh über mich Unglückselige! Meiner Muhm werd ich nicht wieder unter die Augen treten dürfen, noch weiß ich, ob sie dies, mein tolles Abenteuer, überlebt!

 

DSCHIWO

Abenteuer! Wirst ihr nicht unter die Augen treten dürfen! Warum denn nicht?

 

PERA

Warum nicht? Und die dreihundert Dukaten, die ich aus ihrer Truhe entwendet für diese unheilvolle Fahrt? Dschiwo, ein Mädchen bin ich, und getan hab ich, was bis auf den heutigen Tag kein Mädchen getan hat. Jetzt erst begreif ich mein Vergehn. Weh über mich, jetzt erst weiß ich, was es heißt, ohne Mutter sein und ohne Furcht vor ihr! Weh über jedwedes Mädchen, das keine Mutter hat!

 

DSCHIWO

Pera, sei jetzt still, alles wird gut ausgehn.

 

PERA

Weh, darum ist mir's auch so schwer ums Herze, weil's nicht gut auszugehn vermag. Itzt sinn ich über mein Unglück. Aufgemacht hab ich mich, und ich hoffte, alles zum Guten zu wenden. Aber gefunden hab ich ihn mit schlechten Weibern, ach - und alles Geld vertan, das man ihm anvertraut. Und jetzund weiß ich nicht, wie zu ihm gelangen noch ob er mich aufnimmt, dieweil er mit schlechten Weibern Umgang pflegt. Und so ich nur an die Rückkehr nach Dubrovnik denk, besser wär's, ich Unglückselge spräng ins Meer als daß ich ohne ihn nach Dubrovnik zurückkomm. Denn die meinigen werden mich nicht aufnehmen wegen der Sache, die ich getan - und sie hätten auch Grund genug.

 

DSCHIWO

Arme Pera, nun da alles geschehn ist, plagst du dich mit Bedenken. Denken wir lieber an das, weswegen wir hier sind. Und so wir, was Gott verhüte, unverrichteter Dinge heimkehrn, würd es keine Nonnen geben, die dich aufnehmen.

 

PERA

Gott sei's geklagt. Auch im Kloster ist nicht Platz für meinesgleichen.

 

DSCHIWO

Besser stünd's um die Welt, wenn alle in ihr so lebten wie du!

 

PERA

Keine kann sich zuchtloser betragen, als ich's getan.

 

DSCHIWO

Pera, du bist nicht gescheit. Du läßt den Mut sinken, alldieweil wir in drei Tagen nicht alles ausgerichtet.

 

PERA

Ach, ich Arme. Drei Tage schon weilen wir in Rom, und noch haben wir ihn nicht erblickt und wissen nicht einmal, wo wir ihn finden können. Ich zweifle, ob wir ihn je im Leben finden werden. Denn so er mit schlechten Weibern lebt, ist mein Liebster schon ganz und gar verloren, und ihn suchen ist vergebliche Liebesmüh.

 

DSCHIWO

Hör auf zu klagen! Genug der Worte! Wir werden ihn gewißlich finden. Jedoch gut Ding will Weile haben.

 

PERA

Weh, mein Herz ist trüber Ahnungen voll.

 

DSCHIWO

Still. 's kommt jemand. Wie's scheint, ist's einer von den unsern aus Dubrovnik. Tritt bei Seite, ein Jüngling scheint's. Dschiwulin ist's aus Lopud. Ich bin mit ihm zur See gefahrn. Dschiwulin, àdio! Wohin so eilig?

 

DSCHIWULIN

Dschucho, hier treff ich dich wieder? O du ewige Kümmernis, entsinnst du dich, wie ich dich mit Grütz gefüttert und der Harm dich bald getötet hat? Welch Mißgeschick hat dich nach Rom verschlagen?

 

DSCHIWO

Dschiwulin, eine große Bedrängnis hat uns hergeführt.

 

DSCHIWULIN

Und der da neben dir, ist das dein Bruder? Wirst ihn auch aufs Schiff heuern, daß er uns den Zwieback vertilgen helf? Giuraddio,[78] sofern er kömmt, wie mit der Grasmück werd ich's mit ihm treiben, ihn bei den Füßen packen und ins Meer tauchen. Ein Schinder bin ich für dergleichen Tagediebe und Taugenichtse auf dem Schiff. Dergleichen Tunichtgute wolln auf dem Schiff wie sonst zu Land der Dienstmagd befehlen: „Mach mir das Bett!“ Bei der goldenen Sonne und der heiligen Jungfrau von Pschunj, dergleichen sollt den Dienst zu Schiff quittieren und sich mit einem Breichen päppeln lassen. Gott steh dir bei. So du zu Schiff gehst, das erste, was die Mutter in die Truh mag legen, sei das Töpfchen und ein Löffel für den Brei.

 

PERA

Ich kenn mich aus auf hoher See. Auch werd ich deines Breies nicht bedürfen. Ich denke, gerad als Schreiber mitzugehn.

 

DSCHIWULIN

Als Schreiber willst an Bord? Willst gar den Kommandanten spieln?

 

DSCHIWO

Dschiwulin, genug der Worte! Woher kommst du des Wegs?

 

DSCHIWULIN

Misser mio, itzt hab ich alle curtellade gefochten.[79] Unterwegens begegnen mir etzliche Burschen; und ich allein, so wie du mich hier siehst, nur mit dem Schwert, dem treuesten Begleiter, und mit dem Schilde, dem Beschirmer. Ach, ach, sie wähnten, mir etwas anhaben zu können mit ihren langen Schwertern, die auf der Erde schleiften. Ich dacht bei mir: „Ihr habt euch verrechnet, ein Kind der Lüfte steht vor euch, mit Igalos Milch gesäuget, im Mastkorb großgezogen, um die Schiffstaue ging sein Weg am Morgen und am Abend; ein Vogel ist er ohne Flügel, eine Seemöwe, und ganz aus Luft gemachet.“ Giuraddio,[80] sie wähnten, sie könnten mich so mir nichts, dir nichts schlachten. Sie drängten vor, ich stell mich ihnen, deck mich mit meinem Schilde. „Du Hundsfott, da bist du also!“, und ich schlag blindlings drein, wie's eben trifft. Dem einen fliegt der Arm davon. Beim zweiten Hieb folg ich dem Schwunge nach, der Hieb jedoch geht in die Luft. Ich lug unter dem Schild hervor und - niemand steht vor mir. Dort in der Ferne seh ich einen laufen. Ich sag: „Da habt ihr just, was ihr gesucht. Giuraddio,[81] mit mir ist nicht gut Kirschen essen.“

 

DSCHIWO

Das waren Wegelagerer. Kömmst aus Dubrovnik?

 

DSCHIWULIN

Von hinter den Mauern von Dubrovnik soll ich kommen? Was? Damit ihr mir die Waffen abnehmt?[82] Ich bin ein Mann vom Lande; son de isula de Mezzo[83] - Insulaner bin ich, und als Insulaner will ich leben und sterben.

 

DSCHIWO

Und so du es auch anders wolltest, du könntest nur ein Insulaner sein. Aber lassen wir das. Kommst du aus unserer Gegend?

 

DSCHIWULIN

Aus eurer Gegend? Aus Prijeki[84] komm ich nicht, wo ihr die Äuglein auf und nieder dreht und mit den Schwertlein an den Ecken spielet. Aus Lopud komm ich, allwo es keine Mägde aus Dubrovnik gibt, und wo ihr aus Dubrovnik kein Aug auf unsre Dirnen werfen dürft.

 

DSCHIWO

Großer Gott, Dschiwulin, wer hat aber acht auf eure Dirnen, wenn ihr nicht da seid?

 

DSCHIWULIN

Die Furcht vor uns; unsere Ehr ist von Flammen umgeben.

 

DSCHIWO

Sei's drum. Wie lang bist schon fort?

 

DSCHIWULIN

Ein Schwindler von euch schuldet mir die Überfahrt nach Ancona.

 

DSCHIWO

Und wer kam sonst mit euch?

 

DSCHIWULIN

Ein Alter auf der Suche nach seinem Sohn; der hat «ihm alle Dukaten verpraßt.

 

DSCHIWO

Wie heißt er?

 

DSCHIWULIN

Maroje.

 

DSCHIWO

Und wie heißt der Sohn?

 

DSCHIWULIN

Maro.

 

DSCHIWO

Ist er allein gekommen?

 

DSCHIWULIN

Seinen Diener hat er mitgebracht - hat uns den ganzen Meßwein ausgesoffen.

 

DSCHIWO

Und jetzund? Wohin führt dich itzt dein Weg?

 

DSCHIWULIN

Ein Gelübd hab ich dem heiligen Petrus getan; wallfahrten werd ich und sodann in den Herbergen ringsum den Schwindler suchen, daß er mich auszahl.

 

DSCHIWO

Dschiwulin, ich bitt dich, daß wir uns bei dieser Herberg wiedertreffen, wenn du deine Sach verrichtet hast.

 

DSCHIWULIN

Bonora! Bonora![85]

 

DSCHIWO

So du meiner bedarfst, laß mich's wissen.

 

DSCHIWULIN

Bagio le pede, misser.[86]

 

PERA

O weh, Herr Maroje ist gekommen. Wenn er vernimmt, daß auch ich hierher verschlagen bin, sein sichrer Tod wird's sein, und alles Unheil wird mich treffen.

 

DSCHIWO

Ja, er ist gekommen. Jetzt gilt kein Zaudern. Wer weiß, wozu es nütze. Pera, itzt ist nicht Schlafens Zeit.

 

PERA

Dschiwo, weh, meine Ehr, mein Leben und mein Tod, sie stehn in deiner und in Gottes Hand. Ich seh, zu schlimmer Stunde bin ich aufgebrochen; der Herrgott mag es noch zum Guten wenden.

 

DSCHIWO

Pera, sei unbesorgt, vertrau auf Gott. Dein Kommen ist ohn Arg und in ehrlicher Absicht; an mir soll's nicht fehlen; und alles andre steht in Gottes Hand. Gehen wir, itzt ist nicht Zeit zum Schlafen. Ich weiß, was itzt zu tun ist.

 

PERA

Was wirst du nun beginnen, lieber Dschiwo? Sag mir's.

 

DSCHIWO

Gehn wir, ich werd dir's sagen.

 

 

 

ZWEITER AUFZUG

 

 

ERSTER AUFTRITT

Pomet Trpesa, dann Petrunjela, Dienerin

 

POMET

Wer verliebt ist, so sagt man, ist nicht allein. Jetzt wird mir's offenbar an meinem Tudeschko. Schau, was es heißt, ein Mensch sein und seinen Witz beieinander haben. Wie ich mit meinem Tudeschko zu Tisch sitz und der Braten wird aufgetragen, eine Schüssel: in ihr ein Kapaun. Ich schau: ist's eine Gans oder was anderes? Einen so großen Kapaun haben meine Augen mein Lebtag nicht erblicket. Gebraten? Ich schau, ist er gebacken oder gebraten? Eine Kruste, von der mir die Augen übergehn, das Herz vor Freud im Leibe hüpfet und mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Um ihn herum zwei Rebhühner, dick und feist, der Saft träuft nur so von ihnen. Das Ganze an der Seite gezieret mit zwei Scheiben weißen Kalbfleisches, die ausschaun, als wollten sie sagen: „Iß mich doch! Iß mich doch!“ Und die Keule eines Häschens, gar säuberlich gespicket und mit gestoßenen Nelken verzieret, scheint mit ihrem Duft den heiteren, den lieblichen Frühling auf den Tisch zu zaubern. Der Rand der Schüssel ist artig verziert mit Amseln, den lieben kleinen Amselchen, turdius inter avibus,[87] die ausschaun, als wärn sie im Reigen vereint und sängen dazu: „Greift zu, ihr Seligen, greift nur immer zu!“ Ach, in Gedanken an solche Genüsse erhebt sich mein Herz in estasis.[88] Just ebenso, dünkt mich, mein Tudeschko. Er seufzt und seufzet noch einmal und ruft mich an: „Pomet“, so ruft er. Ich erwach aus meinem Traum: „Signor patron, comanda!“[89] Ich wähnt, er würd sagen: „Was zauderst du? Leg vor, daß wir's uns wohl sein lassen; far bona ciera“[90], so wie es bei ihm Sitte. Jedoch er sagt: „Weh mir, Pomet, mi schtar mal!“[91] - „Was ist los?“ – „Mi morir, se non aver la signora; mi schtar malanconico; mi non poter mangiar. Tu mangiar presto, antar la signora, prometter ducati mille, do mila. Meglio spender ducati che perder vita.“[92] Ach, seine Worte trafen mich ins Herz. Ich dacht bei mir: „Tollheit, Tollheit pflegt Umgang mit verliebten Leuten! Tollheit beherrscht sie!“ - Ich mußt ihm die Gefälligkeit erweisen. - Ich muß, sag ich mir, freiwillig auch das tun, was mir -schwerfällt! Doch meines Herzens Drang vermocht ich nicht zu widerstehn: einen Flügel von jenem Kapaun brech ich ab und stell ihn vor ihn hin; Ich brech den zweiten ab und stell ihn vor mich hin; ich trink ihm zu: „Trink, misser Ugo, star allegro, signora star vostra.“[93] Was mocht ich anders tun? Ich unterhalt ihn, so gut ich es vermag, verzehrt auch drei Amselchen und koste von den Rebhühnchen. Gott sei's geklagt, heimlich nahm ich auch von jenem gnadenreichen Kapaun (der Hundsfott von einem Koch, was für ein Göttermahl er aus dem Kapaun gemacht!); gleich einer Preßwurst war er vollgestopft mit einer Art von fetten Vögelchen; eines verzehrt ich: weich wie ein Feiglein war's, dazu Mandelchen, Zwiebelchen, Rosinchen, Gewürzchen. Meiner Seel, von all dem nahm ich meinen Teil. Er aber trieb mich an: „Pomet, antar!“,[94] und ich eilfertig: Antar, signor.[95] Ich trank mich satt; ich verließ das irdische Paradies, er vertrieb mich aus der Seligkeit, da alle Wünsche in Erfüllung gehn.

Aber man muß sich der Zeit anpassen. Ein Virtuos muß man sein, so man will herrschen auf Erden. Ein Mensch ist König über seinesgleichen, so er's versteht, sich zu bequemen. Voller Beutel allein tut's nicht; denn viele seh ich traurig, die einen vollen Beutel haben; der Doktortitel tut's auch nicht; denn ich seh wohl, wie gar verschroben männiglich von diesen sind. Ein Held sein mit dem Schwert in der Hand tut's auch nicht. Denn Helden werden gemeiniglich sei's erschlagen oder wandern in den Kerker. Ein Poet sein und sich aufs Komödienschreiben verstehn dient auch zu nichts, denn mit solchen treibt jeder Mißbrauch; zu jeder Hochzeit bedient man sich seiner wie eines Lastträgers; aber statt des Danks sagt man ihm: „Troll dich, es taugt nicht!“ und ist ihm nachher bitter feind. Ein Musikant sein ist auch zu nichts nutze, denn solche müssen auf Geheiß singen, wenn ihnen das Herz nach Weinen steht.

Geduld muß man üben in schlimmen Zeiten, daß man alsdann die bessern genießen mag. Man muß den Mantel nach dem Wind hängen. Droht mir Maro, so verneig ich mich, die Mütz in der Hand; scheucht mich mein Tudeschko, mein Idol, von der Tafel, von aller Labsal fort, schweren Herzens heb ich mich auf; jedoch ich stell mich, als tät ich's gern. So jemand zu mir kömmt und sagt: „Pomet, tu dies für mich“, ich tu's; „geh dorthin“, ich geh; so jemand mich um Rat fraget, ich weiß zu raten; so einer mich beschimpfet, ich ertrag's; so man mich schmähet, ich nehm's als ein Kompliment. Solcher Art sind die wahren Herrscher über diese Welt. Mein wohlriechender Wanst ist es auch wert, daß ich ihm also getreulich diene. Solch Liebedienerei hab ich um seinetwillen gelernt, zumal er mich bislang bei keinem Bissen noch im Stich gelassen und sich stets geneigt gezeigt, ihn huldvollst zu empfangen.

Allein, in Sinnen bin ich ganz versunken, doch mancherlei steht heut mir noch bevor: Dinge, die eines Pomet würdig sind. Popiwa und seinen Herrn muß ich aus dem Haus der Signora Laura verdrängen. Geld werden wir mit vollen Händen ausstreun. Der Vater von diesem Signor Marin ist gekommen. Ich hab vernommen, Dundo Maroje sei nach Rom gekommen, Geld aus Maros Schiffsbruch zu retten. Doch alles ist zum Teufel. Hinaus, ihr armen Schlucker ohne Geld! Könige mit Dukaten stehn vor der Tür: fate largo![96] Aufgelegt bin ich, in Rom far faccende,[97] die weder Cäsar noch Sulla noch Mario vollbracht. Den Sieg über den Widersacher muß ich erringen, triunfus caesarinus.[98] Doch da tritt jemand aus dem Haus der Signora. - Petrunjela ist's; just auf die hab ich gewartet.

 

PETRUNJELA

Wer mag das dort sein? Weh mir, er schaut mich an, als wär er in Lieb entbrannt; sei's drum! Ich möcht fast sagen, er war ein Landsmann; gleich zu gleich gesellt sich gern.

 

POMET

Petre, Petrunjela!

 

PETRUNJELA

Das ist ja Pomet, bei der heiligen Jungfrau!

 

POMET

Petrunjelchen, schöne Landsmännin!

 

PETRUNJELA

Zum Teufel, Pomet, was schleichst um unser Haus! Meine Herrin will von euch nichts wissen; sie hat sich mit Haut und Haar dem glückseligen Maro ergeben; niemanden anderen will sie um sich sehen.

 

POMET

So sie sich diesem armseligen Maro ergeben, so hab ich mich meinem armseligen Petrunjelchen ergeben.

 

PETRUNJELA

Deinem? Wüßt nicht, daß ich mich verkauft hätt, daß ich wem immer zu eigen sei!

 

POMET

So schenk dich mir, dann bist du mein. Als Gegengab biet ich dir all mein Hab und Gut. Bei Gott, lieb bist du mir, und jetzt nach dem Mittagsmahl und einem guten Trank kömmst mir noch schöner vor - wie weich du bist!

 

PETRUNJELA

Versucher du, laß mich in Ruh! Scher dich fort zu deinen Buhlerinnen, zu den Signoren von Rom; ich bin eine Dienstmagd aus Dubrovnik. Mein Gott, jagen jetzt auch die lockeren Burschen nach den Mädchen in den Gäßchen von Dubrovnik? Arme Mägdlein! Allzeit sind sie Märtyrerinnen des Zwickens und Kneifens.

 

POMET

Drei Jahre bin ich schon von dort fort, und nichts zieht mich dorthin zurück; es locket mich nicht die gebratene Leber von dorten; die pfäffischen Bissen sind mir hier lieb geworden. Doch, bei Gott, meine Liebste soll keine andere sein als du allein, so dir's beliebt, Petrunjelchen, mein Rebhühnchen.

 

PETRUNJELA

Wollt kommen bei Nacht,

Doch hab mich bedacht.

Laß mich in Ruh,

Hab weder Strümpf noch Schuh,

Der Dorn sticht,

Ich mag dich nicht.

Bin nicht dein,

Bin ganz mein.

Sag dir's mit einem Wort:

Scher dich wieder fort.

Dieses Sprüchlein hat meine Muhme selig mich gelehret und damit Gott befohlen; mag nicht länger bei dir weilen. Die Signora hat mich ausgeschickt, Sadi, den Juden, zu holen. Eine Haube aus Gold ist ihr Begehr und ein Halsband aus Perlen, das will sie erwerben. Jeden Wunsch liest ihr Maro von den Augen ab; und sie, sie ist ganz toll nach ihm.

 

POMET

Recht tut er, solang er gibt. Doch vernimm auch das Sprüchlein meines Ohms:

Diese Gabe geb ich dir,

Lieb und wert sei sie dir!

Jetzt und immer bin ich dein,

Und zum Danke sei du mein.

 

PETRUNJELA

Ach, ach, armer Pomet, lustig bist du und zu Späßen aufgelegt. Grüß Gott! Ich geh.

 

POMET

Warte! Wohin so eilig?

 

PETRUNJELA

Ich darf nicht länger verweilen.

 

POMET

Weißt du, was ich dir sagen werd? Willst deiner Herrin wohl?

 

PETRUNJELA

Bei meiner Seel, eine treue Magd bin ich ihr, sie ist auch gut zu mir.

 

POMET

Dann sag ihr dies: „Der Tudeschko, mein Herr, ist toll nach dir, und er hat in seinem Herzen beschlossen, sein Hab und Gut mit niemand als dir zu vergeuden. Reich ist er; fünfzigtausend Dukaten nennt er sein eigen. Solange er diese Absicht hat, jag ihn nicht fort. So das Glück dir unversehens ins Haus geflogen kömmt, faß es beim Schopf und halt es gut fest; denn so du's einmal verjagt hast, mag's nicht wiederkehrn, wenn du's brauchst“ Diesen Maro hat sie um alles gebracht, was sein war. Vergeudet hat er, was sein eigen war. Itzt geht die Kunde, sein Vater sei gekommen, daß er Rechenschaft fordere und seinem Treiben ein End mache.

 

PETRUNJELA

Ach, Pomet, Maro hat viel Geld an sie verschwendet, auch heutigen Tags noch streut er es nur so hin. Und sie, sie hat ihn von Herzen liebgewonnen, ist ganz vernarrt in ihn. Was dieser Tudeschko taugt, weiß sie nicht. Diesen aber kennt sie.

 

POMET

Sie soll ihn erproben, dann wird sie ihn kennen.

 

PETRUNJELA

Aber wenn sie diesen empfängt, wird sie jenen verlieren. Maro ist ein Hitzkopf, und er leidet nicht, daß sie zu anderen Beziehungen unterhält außer zu ihm allein; und sie leidet keinen Mangel.

 

POMET

Die einzige Kurtisane von Rom ist sie, die sich mit einem begnügt. Eine echte Dalmatinerin ist sie - sie ist nicht gewandt.

 

PETRUNJELA

Sie ist nicht gewandt? Bei Gott, sie ist klug; ihre Geschäfte gehen gut. Ich weiß nicht, wie die anderen stehen.

 

POMET

Wenn ihre Geschäfte gut gehen, muß sie trachten, daß sie noch besser gehen. Wann der Vater diesen nach Dubrovnik mitnimmt, mag sie diesen Junker Tudeschko zum Buhlen nehmen.

 

PETRUNJELA

Darüber weiß ich nichts zu sagen. So du's willst, werd ich ihr's ausrichten.

 

POMET

Sprich mit ihr und sag ihr's gleich, daß sein Vater gekommen ist. Das betrifft ihre Geschäfte.

 

PETRUNJELA

Ich werd's wohl ausrichten, was ich vernommen.

 

POMET

Petrunjela, so das zustandekömmt, dir soll's - bei Gott - auch besser ergehn. Ich weıß wohl, was ich sage: einer wird dir ganz zu eigen sein. Verstehst du mich?

 

PETRUNJELA

Wer kein Narr ist, wird's verstehn.

Umsonst wirst unterm Fenster stehn.

Ich möcht dir wohl öffnen bei der Nacht,

Doch meine Mutter hält strenge Wacht.

 

POMET

Geh ohne Groll,

Pomet, leb wohl!

Du weißt viel.

Doch jetzt sei still!

Ich bin dein,

Sei du mein!

Petrunjela, antwort mir schnell, du meine Magenstärkung.

 

PETRUNJELA

Gewiß noch heute, du mein großer Gedanke!

 

POMET

Da schau einer unsere Militza an, wie sie sich herausputzt! Sobald einer nach Italien kommt, wird er ein anderer. Diese da hat mit ihrem Namen auch ihr Betragen gewechselt; bei diesen Kurtisanen würd sich jedwede verwandeln.

O, mich deucht, wenn Signora Laura vernimmt, daß Maros Vater gekommen und daß er seinem Treiben ein Ende machen will, so wird sie ihren Sinn wohl ändern. Ein Keil treibt den andern, die größere Münze deckt die kleinre zu. Mit unsern frischgeprägten Dukaten werden wir Signor Marin mit seinem mageren Beutel ausstechen. Contrarius contraria curabuntur.[99] Daß ich Popiwa ins Armenhaus verfrachten könnt, o gnadenvolle Jungfrau! Dieses Luder, die Kurtisane Manda, obschon sie eine Slawin ist, gedenkt nicht des morgigen Tags. Der Kamm schwillt ihr, dieweil sie Wind in den Segeln hat; und sie bedenkt nicht, wie schnell der Wind sich wendet und Glück sich in Unglück verkehret. Lebensart müßt sie lernen, und ich, ich will ihr Lehrmeister sein. Wie schön ist es, alles zu wissen. Ich werd schon recht mit ihr umspringen, und sie wird lernen, was sich ziemt. Bei Gott, sie soll's studiern; denn ihre Sache ist's. So's verlangt wird, bin ich Doktor und Philosoph zugleich. - ltzt geh ich, Näheres über Marojes Ankunft zu erkunden, auf daß ich mein Trachten wie ein Philosoph in litteraturis[100] einricht, welch selbiger ich auch bin.

 

 

ZWEITER AUFTRITT

Niko, Piero, Wlacho, Petrunjela

 

NIKO

Piero, per amor de Iddio,[101] wo nur mögen wir Maro ausfindig machen? Zwei Tage schon sind's, daß wir aus Florenz gekommen; wird suchen allüberall, doch nirgends eine Spur von ihm!

 

PIERO

Halten wir Ausschau nach einem guten Gesellen, der uns zu den Kurtisanen geleitet; dort werden wir ihn gewiß antreffen.

 

NIKO

Per Dio,[102] recht hast du gesprochen: es ist verteufelt wenig von einem Kaufmann in ihm. Bei Gott, ich möcht ihm wohl beipflichten: hol der Teufel die Geschäfte und den, der sie erfunden. Eine schöne Sach hat der erfunden. - Mühsal und Plackerei! Aferin,[103] Maro! Sein Vater in Dubrovnik frißt seinen eigenen Dreck, ißt und trinkt nicht, um weniger zu verbrauchen und mehr zu sparen. Aber Maro verbraucht und genießet hier für sich und ihn zugleich. In fine,[104] ich wollt wohl gern sein Bruder sein!

 

PIERO

Um die Signora mit ihm zu teilen, nicht wahr?

 

NIKO

Was zum Teufel soll man sonst treiben? Dieweil ich jung bin, möcht ich mir jedweden Wunsch erfüllen, und im Alter mag man mich einpökeln und in den Schrank sperren. Wir sind mit Vätern geschlagen, die auf uns acht haben wohin wir schauen, nach welcher Seit wir uns wenden, wo wir niedersitzen und was wir verzehren. Wächter sind uns von der Natur beigegeben, denen wir zu unserm Unglück Gehorsam schulden und die wir ertragen müssen. Ach, du Hurensohn, sofern die Menschen ohne Väter zur Welt kämen wir Jungen befänden uns besser darinnen.

 

PIERO

Frei dünkst du dich dann? Ach! Ach! Deine Worte machen mich lachen, daß die Menschen ohne Vater zur Welt kommen sollen! Um frei zu sein, weißt du keinen andern Rat als ohne Vater sein.

 

NIKO

Die sind ja letztlich die Widersacher all unserer Begehren. So sie uns nur hülfen und uns liebreich beistehen wollten in unseren Nöten wir würden Gott bitten, er mög sie ewig leben lassen.

 

PIERO

Bei Gott, ich Stimm dir bei, ich denk just so wie du. Einer hat mal gesagt: „Der Teufel soll den Vater holen und den, der einen Vater hat!“ und mich deucht, alle Jungen sagen jetzt dies Gebetlein her statt der Litanei. Lachen machen mich diese Väter, die nicht daran wollen gemahnt sein, daß sie es in ihrer Jugend noch viel ärger getrieben als wir. Sie sollen uns auf unsere Art das Leben führen lassen, wir würden unsere Söhne auf ihre Art in Freiheit leben lassen. So herrschte ewiger Friede zwischen Vätern und Söhnen: wenn Gott unser Gebet erhörte, sie lebten dann lang wie Methusalem, und wir desgleichen durch die Gebete unserer Söhne. Lang und friedvoll ginge unser Leben dahin; aber so haben sie nichts als Scherereien mit uns und wir mit ihnen.

 

NIKO

Ach, daß  alle es so machten, wie Maros Vater getan: fünftausend Dukaten zahlt er ihm auf die Hand, und er verludert sie hierselbst in Rom mit lockeren Frauenzimmern.

 

PIERO

Großer Gott, kann man ihn denn nicht irgendwo hierselbst auftreiben, daß auch wir unsern Teil daran haben? – Doch wer kömmt da? Wlacho ist's. O Wlacho, bevegna.[105] Um Christi willen, was gibt's? Bringst du Dukaten mit? Dies ist Just der Ort, sich ihrer zu entledigen.

 

WLACHO

Weh über mich Armen! Ihr fragt nicht einmal, woher des Wegs ich komme.

 

NIKO

Woher kommst du, hast du Dukaten mitgebracht?

 

WLACHO

Aus Livorno komm ich. Mitgebracht hab ich genug. Aber ich mag nicht mit dem Glück spielen. Denn: „Wer das Spiel verliert“, so sagte meine Muhme selig, „der bekommt Kopf- und Zahnweh“. Geselle misser Nicollò,[106] sieh an, in Rom. Misser Pietro,[107] sieh an, ich seh euch in Samt und Seide. Signori seid ihr und feine Herren. Ihr seid mit dem silbernen Löffel geboren. Ich hingegen bin vom alten Schlag. Ich lauf so durch die Welt um einen Mantel, daß mich der Regen nicht naß macht.

 

NIKO

Sagt ich dir nicht, Piero, er ist ein Geizkragen? Kurz: Keine Dukaten?

 

PIERO

Bei Gott dem Barmherzigen, just wollt ich von dir einige Dukaten leihen bis zum Tage meiner Verlobung. Und du ziehst dich gleich zusammen wie eine Zange, die zu nichts anderem taugt als sich zusammenziehn und an sich reißen.

 

WLACHO

Zweihundert Dukaten! Hast jenes Trinklied gehört:

Ich liebe nur das Geld,

Denn Geld regiert die Welt!

Liebst du ein Mädchen hold,

So schenk ihr Gold.

Dann ist das Glück in deinem Sold.

 

PIERO

Ah, ah, großer Gott, wo hat's einen Dudelsack, daß du es zum Dudelsack singen magst!

 

WLACHO

Hätt ich eine Geigen, ein anderes würd ich singen. Doch lassen wir diese Torheiten! Wie steht's um euch und eure Händel?

 

NIKO

Schlecht!

 

WLACHO

Wieso schlecht in Rom, im Paradies?

 

PIERO

Uns ergeht's wie den armen Seelen in der Höll, die für einen Augenblick das Paradies, die ewge Seligkeit schaun und nachhero desto größere Qualen erdulden. Wir schauen die Glückseligkeiten von Rom und verschmachten vor unerfüllten Wünschen.

 

NIKO

Wir sind auf der Suche nach einem Tröster, dem Maro Marojes, daß er uns unsre Wünsche erfüll.

 

WLACHO

Wie steht's um ihn? Ich hab sagen hörn, er tauscht große Münzen in kleine um.

 

PIERO

Er hat es getan, da er die guten Zeiten zu nutzen versteht. Er ist im Paradies, und wir schmachen in der Höll.

 

WLACHO

Das Paradies der tollen Verschwendung verkehrt sich gar leicht in die Höll. Diese Freuden, fratello,[108] währen nicht lang. In wenig Tagen magst du mich wiederum danach befragen.

 

NIKO

Den Teufel werd ich fragen. Ich hab in Erfahrung gebracht, hier wohnte eine schöne Kurtisane. Dort steht just ihre Dienstmagd bei der Tür. Ich werd mich an sie ranmachen.

 

PIERO

Gut, vielleicht gelingt es uns, was auszurichten.

 

WLACHO

Daß wir nur nicht dabei Böses statt Gutem ernten.

 

NIKO

O, quella giovane, como si chiama questa signora che sta quà?[109]

 

PETRUNJELA

Xe mia signora, misser.[110]

 

WLACHO

Sie scheint eine von den unsern.

 

PETRUNJELA

Bei der heiligen Jungfrau. Landsleute scheinen's.

 

NIKO

Bei Gott, du scheinst auch eine von daheim.

 

PIERO

O das ist ja die Militza.

 

NIKO

Bei Gott, es ist Militza. Millichen, kennst mich noch?

 

WLACHO

(Natürlich, du Hund, schnell habt ihr Bekanntschaft gemacht.)

 

PETRUNJELA

Niko, du bist's? Schau an, wie groß er geworden ist! In den Gäßchen von Dubrovnik hat er mich gekniffen. So klein war er damals, doch die Teufelei war schon groß ın ihm.

 

WLACHO

(Jetzt ist er stark. Ein Mann ist er, ganz wie für dich geschaffen.)

 

PIERO

Ja, Millichen, und mich, wie oft hast du mich gescholten! Und ein Geschenk hab ich dir zum Neuen Jahr gegeben. Viel hast mir damals versprochen und wenig gehalten.

 

PETRUNJELA

Versprechen und halten ist zweierlei. Piero, du? Du liebe Zeit, wie dir der Bart gesprossen! Ich seh euch gern. Die Welt ist rund und dreht sich. Lebende trifft man manchmal, die Toten nie!

 

WLACHO

Und nach mir fragst du nichts?

 

NIKO

Zum Teufel! Frag nicht nach ihm; ein Geizhals ist er!

 

PIERO

Der Kerl hat Dukaten und hält hinterm Berge damit.

 

WLACHO

Die Dukaten heb ich auf für ihre Signora.

 

NIKO

Millilein, ich hab gehört, du hast eine Herrin.

 

PIERO

Eine Schönheit sondersgleichen!

 

WLACHO

Millilein, ich empfehle mich dir mit meinen Dukaten!

 

PETRUNJELA

So sei willkommen!

 

NIKO

Teufel auch! Er ist geizig, jag ihn fort!

 

PIERO

Die Laus würde er häuten, um ihre Haut zu gewinnen.

 

PETRUNJELA

So frisch und rosig, scheint nicht geizig zu sein.

 

WLACHO

Ach Millichen, Dank für deine Gunst. Gott helfe dir!

 

PETRUNJELA

Ich heiß nicht mehr Militza - Petrunjela heiß ich.

 

NIKO

Ja, liebes Petrunjelchen, er ist geizig wie eine Laus, doch wir sind freigebig wie Herren. Bei der schönen, der lieben Herrin möchten wir gern unsere Dienste anbieten.

 

PIERO

Als Sklaven wolln wir ihr dienen.

 

PETRUNJELA

Andre sind hier,

geht weg von mir!

Jäger von Dubrovnik haben gejaget

Und nichts erjaget,

Den Wald durchstreifet

Und nichts erreichet.

 

 

DRITTER AUFTRITT

Signora Laura vom Balkon, Sadi und die Vorigen

 

LAURA

Petruniella, che ragionamenti sono quei? Non te ho detto che tu averai delle bastonate, desgraziata?[111]

 

PETRUNJELA

Madona, ghe son signori Ragusei; sangue tira, parlar poco, lassame-ghe star.[112]

 

LAURA

Entra in casa, desgraziata! - Sadi, entra in casa.[113]

 

PIERO

Signora bella, non entrate in collera, vi siamo servitori.[114]

 

 

VIERTER AUFTRITT

Maro Marojes (aus dem Haus der Signora) und die Vorigen

 

MARO

Holla, Gesellen, seid ihr es? Al corpo de Iddio,[115] ihr seid's!

 

NIKO

O, misser Marino, alter Freund, ei daß wir uns hier begegnen. Komm zu uns herunter, oder wir kommen zu dir hinauf.

 

MARO

Ich komm zu euch hinunter.

 

PIERO

Er will nicht, daß wir hinaufgehn.

 

NIKO

Eifersucht plagt ihn, hol ihn der Teufel!

 

WLACHO

So nutzt man eben die guten Zeiten. Ihr aber steckt im Unglück.

 

NIKO

Fürwahr, im Unglück.

 

PIERO

Bei Gott, wir sind wahrhaftig unglücklich.

 

MARO

Siate li ben venuti![116]

 

PIERO

O ben trovato, signor Marino! [117]

 

NIKO

Wie wir uns nach dir gesehnt haben!

 

WLACHO

Maro, addio!

 

MARO

Wlacho, wo kommst du denn her?

 

WLACHO

Aus Livorno.

 

MARO

Che bone nove?[118]

 

WLACHO

Alles gut! Doch wie ich seh, lässest du dir's an nichts fehlen; recht tust du daran.

 

MARO

Man hat im Leben just so viel, wie man sich Gutes angedeihen läßt; sterben müssen wir alle, ob wir nun üppig oder kärglich gelebt; nach uns mag die Welt zugrunde gehn.

 

NIKO

Bei Gott, du sprichst wahr. Aber du hast gut reden. Du bist unter einem guten Stern geboren; du schwelgst in Genüssen, indes wir uns in Wünschen verzehrn.

 

PIERO

Ja, wir sind vom Unglück geschlagen. Sterben werden wir, eh uns der geringsten Wünsche einer erfüllt ist.

 

MARO

Ich laß mir's wohl sein mitsamt meiner Geliebten. Derweil ich in ihrer Gunst steh, bin ich glücklich; derweil ich jung bin, will ich den Tag genießen; denn so wir alt werden, wird uns das Hüsteln ankommen.

 

WLACHO

Jawohl, das Hüsteln und das Zipperlein wird uns plagen.

 

MARO

N'è vero, anima mia bella?[119]

 

LAURA

Tutto quel che piace a vostra signoria, signor Marino.[120]

 

 

FÜNFTER AUFTRITT

Dundo Maroje (kommt aus der Herberge), die Vorigen, dann Wachtmeister und Schergen

 

MAROJE

„Quel che piace a vostra signoria, signor Marino!“[121] Meister! Signor! Mit einer Kette aus Gold! In Sammet und Seide! Wo sind meine Dukaten, meine fünftausend Dukaten, du Lump, du elender! Mit schlechten Weibern verpraßt? Keine Antwort? Meine Dukaten her! Meine Dukaten, du Taugenichts! Fliehst und stehst nicht Red und Antwort, du Hund?

 

MARO

Chi sete voi, omo dabben? Che volete?[122]

 

MAROJE

„Che volete?“

 

MARO

Non vi conosco, andate con Dio![123]

 

MAROJE

Weh, er stellt sich, als kennt er mich nicht!

 

MARO

È pazzo costui![124]

 

MAROJE

Du willst mich nicht kennen, Halunke, du? Na warte!

 

MARO

Arme! Con arme! - Signor capetan, mi vol ammazzar costui![125]

 

WACHTMEISTER

Piglia, piglia![126]

 

SCHERGEN

Sta forte! Dà quà quel curtel![127]

 

MAROJE

Lasciate che ammazzo[128] den Halunken, den elenden!

 

SCHERGEN

Die esser pazzo questo vecchio.[129]

 

WACHTMEISTER

Menatelo in pregion; lo faremo ben guarir della pazzia.[130]

 

 

SECHSTER AUFTRITT

Wlacho, Niko, Piero, dann Laura

 

WLACHO

Piero, Niko, habt ihr den Spaß gesehen?

 

NIKO

Was war das? Ich steh just wie verhext.

 

PIERO

Träumt mir's, oder hab ich das in Wahrheit erblickt? Dundo Maroje in Rom! Ach!

 

WLACHO

Hab ich's euch nicht gesagt, dies Glück ohne Maßen sei nur von kurzer Dauer? Verschwendung, Huren, der Teufel und sein Vater - da habt ihr's itzt gesehn.

 

NIKO

Bei Gott, Dundo Maroje ist nach Rom gekommen, auch diese meine Augen haben es geschaut!

 

PIERO

Maro, sei auf deiner Hut!

 

WLACHO

Itzt heißt es Rechnung legen item per dolce pisciar![131] Ich kenn den Alten: grimmig und heftig ist er gleich wie ein Teufel; er wird ihn enterben. Doch wir können uns nicht taub stellen, gehn wir zum Hauptmann der Stadt zu melden, was vorgefallen, daß er den armen Alten nicht verurteil!

 

PIERO

Und tun wir ihm kund, daß es sein Sohn ist, den eigenen Sohn hat er verfolget.

 

WLACHO

Auch um Maros willen sollten wir gehn, zu helfen und zu schlichten, soweit es möglich. Stehn wir ihnen bei; sie brauchen itzt unsre Hilfe.

 

NIKO

Was meinst du zu Maros Betragen? Im Nu ist er mit dem Entschluß zur Hand, täuscht vor, daß er den Vater nicht kenne?

 

WLACHO

Ja, aber wie mag er sich itzt aus der Patsche ziehn?

 

NIKO

Chi ha tempo, ha vita,[132] er ist schlau wie der Teufel; du wirst schon sehen, er wird sich aus der Patsche ziehn.

 

WLACHO

Sich aus der Patsche ziehn? Sagen wir, er findet eine Ausflucht: er hab den Vater just nicht erkannt; aber wo mag er das Geld wiederfinden, das er vertan? Das andre mag sich schon fügen.

 

PIERO

Bei Gott, das dürft schwer fallen! Stiamo a veder,[133] wie die Sache augeht.

 

WLACHO

Eilen wir also, dem Alten zu helfen.

 

LAURA

Ah, signori, o gintilomeni, che rumor fu quello?[134]

 

WLACHO

Signora, certamente non ve l' sappiamo dire.[135]

 

LAURA

E dove andò signor Marino?[136]

 

PIERO

Non sappiamo certo, dove se ne andò.[137]

 

LAURA

Se lo Vedete, di grazia, mandatemelo.[138]

 

NIKO

Faremo volentieri, sıgnora.[139]

 

WLACHO

(„Signor Marin“! Dieser Name „Signor“ gefällt mir.)

 

NIKO

(Die Herrlichkeit ist schon bepißt.)

 

 

SIEBENTER AUFTRITT

Laura und Sadi

 

LAURA

Misser Sadi, non avete lassato il collarin di perle?[140]

 

SADI

Che so mi, signora. Signor Marin parti via e non mi disse altro.[141]

 

LAURA

Mo tornerà ora ora egli; lasciatelo.[142]

 

SADI

I denari chi mi darà?[143]

 

LAURA

Non sapeti chi ve li darà? Forse che questo è la prima volta che abbiam comprato roba da voi? Che montan quelle trenta perle?[144]

 

SADI

Non le posso dar per manco di cinque scudi l'una; che sarebbono: cinque via dieci - cinquanta, cento, cento e cinquanta scudi, montarebbono.[145]

 

LAURA

In nome de Iddio, lasciatele; como torna signor Marino, subito vi contarà i denari.[146]

 

SADI

Averia a caro esser con lui.[147]

 

LAURA

Sadi, par che non vi fidate del fatto mio![148]

 

SADI

Non è, signora, che non mi fidi, ma era ben che ci fusse lui.[149]

 

LAURA

Ci sarà anche lui, lasciatele; e ci son ora io, et io e lui siamo una istessa cosa.[150]

 

SADI

So! Dio faccia esser sempre insieme, chè certamente voi avete lo amante degno di voi, et egli la signora degna de lui. Le perle che importa che io li porti con esso meco e torni da quà a un poco?[151]

 

LAURA

Importa; chè io le voglio metter al collo, e non vorria che qualcheuno, vedendole e piacendogli, ve le pagasse qualche cosa di più, et io ne restasse priva. Conosco ben io la avarizia di voi altri ziudei.[152]

 

SADI

Siamo quel che vol la signoria vostra, et farò quel che piace a quella.[153]

 

LAURA

Spettate, scendo giù alla porta.[154]

 

SADI

Per Dio, mal volentieri le lascio. Non mi piacque quel che vidi correr quel vecchio drieto il signor Marino. Sti giovani spendono alla cieca, se indebitano, inbrogliano et poi danno del sulzo. Quel vecchio pareva che dicesse: „I mei ducati!“, ducati nominava, il resto non intendevo. Ma questa signora altre volte me ha pagato liberamente; credo non mi mancarà neanche questa volta.[155]

 

LAURA

Misser Sadi![156]

 

SADI

Eccovi le perle; sono trenta, contatele voi.[157]

 

LAURA

Cinque, dieci, quindeci, vinti, vinti cinque, trenta - sono tutte. Sadi mio, tornate da quà a una ora, et ser Marino vi contentarà i vostri cento e cinquanta scudi. Queste perle portarò per amor di signor Marino.[158]

 

SADI

O, le vi stanno bene! Che possiate goderle in grazia del Signor Marino lungo tempo.[159]

 

LAURA

Dio lo permetta.[160]

 

SADI

(O che liberal gentilomo; cio che ha non è suo!)[161]

 

LAURA

Sadi mio, se voi sapeste, quante cose me ha comprato d'un anno in quà, voi ve ne maravegliareste: forse per tre milia ducati di gioie, collane, vestimenti et altre cose.[162]

 

SADI

Bon prò vi faccia, signora! Non posso più star con voi; io ho da far; da quà a una ora tornarò da voi.[163]

 

 

LAURA

Andate in bona ora, Sadi mio caro.[164]

 

 

ACHTER AUFTRITT

 

TRIPTSCHE

(allein) Den alten heilgen Spruch sollt man in goldne Lettern fassen: „rumores fuge“.[165] Wahrhaftig, stiam freschi per Dio: andar a combatter con li sbirri![166] Wem zulieb? Dem Teufel und seinem Vater? Diesem Untier zulieb, das geizig ist wie eine Laus? In der Herberg hat er mich sitzen lassen; zwei Stunden schon ist die Essenszeit vorüber. Der Teufel hol seine Grillen; und jener wackre Gesell sprach von Essen, vom Mittagsmahl; der Teufel mag ihn gleich mitholen! Bei allen vier Evangelisten und der seligen Märtyrerin von Kotor, das Untier scheint nicht der Vater von Signor Marin. Der ist ein Signor, ein Herr, und dieser ist ein toller Hund. 's ist mir just recht, daß ich mich nicht hab aus der Herberg blicken lassen. Signor Marin hätt mir 's verübeln können. Ich vergeh vor Hunger; ich geh heim, ein paar Bissen zu mir zu nehmen e andar a far i fatti mei.[167] Und ich hab mich hergegeben, Unbekannten meine Dienste zu erweisen! Ich Rindvieh! Wenn ich nun bei ihm gewesen wär, und er hätt den Signor Marin erstochen? Quae par est? Cuius generis?[168] In delitto[169] hätt ich mich gemacht. Ein Mörder beim Heiligen Triphon! Der Teufel hat mich geritten per farmi scavezzar il collo.[170] Doch unsere gnadenreiche Selige von Kotor hat mich miraculosamente[171] vor großem Übel bewahret. Dank dir bin ich unschuldig! Ich kann ungehindert und frei, mit erhobener Stirn meinen Geschäften in Rom nachgehn. Zwar ist mein Beutel um ein geringes erleichtert; das Abenteuer kostet mich einen boccal de vin;[172] jenem seinem armen Kerl hab ich zu trinken gegeben - carità![173] Er gönnt ihm weder Speis noch Trank und fordert, daß er ihm diene! Der hat's denn auch gescheit eingericht, hat ihn in der Drangsal verlassen - drinnen hält er sich verborgen, da er gesehn, wie man seinen Herrn zum Kerker abgeführt. Gib deinem Diener Speis und Trank und halt ihn pfleglich, in malora,[174] daß er dir beispring in der Not; oder näh ihm den Hintern zu, daß er der Speis nicht bedürfet, pökel ihn ein und häng ihn in den Rauchfang. Mi moro di fame,[175] ich vergeh vor Hunger; ich geh etzliche Bissen herunterschlingen.

 

 

NEUNTER AUFTRITT

Boktschilo, erster und zweiter Gastwirt

 

BOKTSCHILO

Weh über mich Armen. O ich Armer, zur Unzeit bin ich an diesen Ort geraten, wo man sich prügelt. Bei Gott, sich prügelt. Weh mir, weh! Meinen Herrn haben sie bei den Haaren dorthin geschleift, und ich Armseliger weiß nicht zu sagen, ob man mich auch verschleppen wird. Doch was zum Teufel hab ich verbrochen? Warum sollten sie mich dorthın führen? Doch weh mir Armseligem, was sie führten – führten, abführten – mich anführten. Ich Unglücksmensch weiß Weder aus noch ein! Keinen Weg kenn ich, der Sprach bin ich nicht mächtig, Geld habe ich keins, ich Erbarmungswürdiger! Keine Menschenseele kenn ich, und niemand kennt mich!

 

ERSTER GASTWIRT

Dove è costui? Se n'è fuggito il traditor! Eccolo, per Dio, che netta via. A, gaglioffo, ti netti e non voi pagar la ostaria? Il mangiar ti fu dolce, 'l pagar ti è amaro, n'è vero?[176]

 

BOKTSCHILO

Jawohl, Maro, Herr Maroje wird bezahlen.

 

ERSTER GASTWIRT

Che maro, dà quà quel caban, manigoldo![177]

 

BOKTSCHILO

Oh weh, den Manigoldo, den Henker will er rufen! Bei Christ dem Barmherzigen, nichts und niemandem bin ich etwas schuldig, ich bin unschuldig!

 

ERSTER GASTWIRT

Cri, cri canta, ora kirieleison e letanie.[178]

 

BOKTSCHILO

Weh mir, weh über mich Armseligen! Die Litaneien? Daß ich Beicht ableg. Ich bin's nicht gewesen, beim allmächtigen Gott.

 

ERSTER GASTWIRT

„Goti, Goti“, che manigoldo![179]

 

BOKTSCHILO

Weh um Gottes willen, meine Seel Gott übergeben! Ruft nicht den Manigoldo! Weh, ich bin nicht schuldig, wehe!

 

ZWEITER GASTWIRT

Che diavolo urla quà? Che ha costui?[180]

 

ERSTER GASTWIRT

Non vol pagar la ostaria, e gli ho tolto il gabban.[181]

 

BOKTSCHILO

Ich bin's nicht, lieber Herr.

 

ZWEITER GASTWIRT

Manda con giavolo sta bestia, introna mezza Roma con suo urlar.[182]

 

ERSTER GASTWIRT

Che manigoldo, ne?[183]

 

ZWEITER GASTWIRT

Rendegli el gabban e mandalo con diavolo; quel vecchio pagarà per lui.[184]

 

ERSTER GASTWIRT

E dov' è 'l vecchio? Non vedeste voi che fu menato in pargione?[185]

 

ZWEITER GASTWIRT

Ci è non so che del suo in casa; siamo securi.[186]

 

ERSTER GASTWIRT

Dunche gli rendo il gabban?[187]

 

ZWEITER GASTWIRT

Rendeglielo.[188]

 

ERSTER GASTWIRT

To, va via![189]

 

BOKTSCHILO

Ach, Gott helf dir! Die Heilige Jungfrau mag dir beistehn! O Heilige Jungfrau, er erbarmt sich mein, ich dank dir. Ich gelobe, dir jeden Samstag den Rosenkranz zu beten. Du Mutter der Armen, ich bin gerettet! Niemand ist da! Doch was wart ich noch, ich Armer! Nimm deinen Weg zwischen die Beine, Boktschilo! Doch ich, Kummervoller, wohin soll ich enteilen? In welche Falle werd ich wiederum geraten? Ich geh und verberg mich irgendwo seitab und wart, daß einer von den unsern vorbeikömmt. Durstig bin ich, und das Herz ist mir im Leib verdorret. Heilige Mutter Gottes, in deine Hände ergeb ich mich!

 

 

ZEHNTER AUFTRITT

 

POMET

(allein) Ist jemandem auf der Welt das Glück so hold wie mir? Herrscht wer unter dem Himmelszelt über die Menschen so wie ich? Niemand kann meiner entraten. Ohne mich kann keiner sich drehn und wenden. Wo Pomet nicht ist, stehn alle Räder still; ohne Pomets Rat gerät alles aus den Fugen. Dahero sagt man zurecht: Ein tüchtiger Mann wiegt hundert Leute auf, und hundert Leut sind nicht einen ganzen Mann wert. Kaum mach ich mich auf, etzliches über Dundo Marojes Ankunft zu erkunden, schon schleppen sie den Dundo Maroje cum fustibus et laternibus[190] in den Kerker! Ich schau, ob ich träum oder es wirklich seh, wie sie den Dundo Maroje wie weiland Barabas zu Herodes und Pilatus führn. Und drei aus Dubrovnik, Scharwenzler aus dem Gäßchen Prijeki, treten bescheiden vor den Hauptmann der Stadt und sprechen also: „Capetano, el è un di nostri, lasciatelo - è suo padre.“[191] Und der Hauptmann darob: „Che padre, che di nostri, che lasciar! Ognun largo!“[192] Dann erst drängt sich der Mann, der rechte Mann vor: Pomet ist zur Stelle: „Platz gemacht, Gesellen!“ Mit Ehrfurcht verneig ich mich vor Dundo Maroje, auch den Hauptmann begrüß ich ehrerbietig, und schon ist der Hauptmann ganz in meiner Hand. Aber wer ist schon nicht Pomets Freund in Rom? Einige Worte flüstre ich dem Hauptmann ins Ohr. Wo zwei sich streiten, freut sich der dritte. In pocis verbis intendiantur vobis[193] - er begreift mich! Und Dundo Maroje berichtet mir kurz, was sich zugetragen, und das Herz hüpft mir vor Freud im Leibe! Mich kommt das Lachen an ob Signor Marins Unterfangen: „Non ti conosco![194] Troll dich, ich kenn dich nicht!“ Den Vater nicht kennen! Jedoch - er wird ihn zu seinem Leidwesen noch kennen lernen. Tudeschko, du mein Idol! Itzt halt die Ohren steif, die Signora ist dein! - Also: mit Würden lausch ich und steh als ein Herr und Mann, und Dundo Maroje staunt und empfiehlt sich mir; und ich steh sulle mie reputazioni.[195] Ich sag: „Fürchtet nichts, wir werden die Sach schon einrenken“. Noch einige Worte flüstre ich dem Hauptmann ins Ohr, pack den Dundo Maroje bei der Hand und geh so mit ihm fort. Und der Alte greift nach seinem Barett und stattet mir seinen Dank ab; ich darob: „Laßt das Barett nur oben!“

Und Signor Marin droht mir! Oh, er soll heut noch erfahren, wer Pomet ist, was ein wahrer Meister vermag, ein Mensch, virtutibus praedutus.[196] Den Dundo Maroje schick ich mit den drei Gesellen fort, ich aber mach mich schleunigst auf und davon. Ich kenn seine Art: drei Tag würd er mich bei Fasten und Penitenz in seinem Haus berherbergen. Ich reiß mich los und sag: „Taten, Heldentaten warten mein, eines Pomet-Bascha würdig.“ Pomet, ja Pomet, edler König, Herrscher gar, und du ausgepichter Wanst von Pomet, freu dich, delektier dich an Leckerbissen, an Happen, an Himmelsmanna, an Gesottenem, an Gebratenem, an Gebackenem, an Gedünstetem, an süßen Törtchen, an gezuckerten Saucen, an Rosenwässerchen, an leckeren Kapaunenleberchen, an Gänsen, Enten, Pfauen und Truthähnen bis zur ewigen Seligkeit! Für dich erduldet Pomet alles, für dich ist alles bereitet, o du mein Herr und König! Du bist mein, und ich bin dein; du bist mein Herr, und ich bin dein Diener und Hüter - ha Hüter, bei Gott, denn ich hüt dich vor bösen Menschen, vor Essig und saurem Wein, vor Rindfleisch und dergleichen Unrat; und du mästest dich mit nichts anderem als Trauben und Feigen. - Doch wer kömmt da? Popiwa ist's!

 

 

ELFTER AUFTRITT

Popiwa, Pomet (versteckt), dann Petrunjela

 

POPIWA

Chi t'ha fatto quelle scarpe.

Che ti stan sì ben,

Che ti stan sì ben?[197]

 

POMET

(Er singt!)

 

POPIWA

Che ti stan sì ben

Gernietta,

Che ti stan sì ben?[198]

 

POMET

(Bei Gott, bald werd ich dich weinen sehn.)

 

POPIWA

Petrunjela!

 

PETRUNJELA

Prüderchen!

 

POPIWA

Edelraute, nimm das.

 

PETRUNJELA

Mein bittres Wermutkraut, willkommen, da du etwas mitgebracht.

 

POPIWA

Meine süße Schlaflosigkeit, Petrunjelchen, wie oft hast du mich des süßen Schlafs beraubet!

 

PETRUNJELA

Was, du Armer?

 

POPIWA

Wo ist die Signora? Kann sie uns hören?

 

PETRUNJELA

Dort in jenem Zimmer ist sie und wärmt sich am Kamin. Sprich also frei heraus!

 

POPIWA

Nimm dieses Tuch! Weh mir, meine Schwäche, Petrunjelchen, schlimmes Vögelchen, sieh, wie ich dich heg und pfleg, und du bist hartherziger als ein Stein. Unglückliche, für wen sparst du dich auf? Für ein böses Alter?

Komm Mädchen, sei mein,

Wirst es nicht bereun.

Du mein Licht und meine Sonne,

Schenk mir deiner Lippen Wonne.

 

POMET

(aus dem Winkel: Ach du Hund du, auch nach der Petrunjela unterstehst du dich zu greifen.)

 

PETRUNJELA

Schweig schon still, du mein Verdruß!

Gewiß schenk ich dir einen Kuß;

Du brauchst dich nicht zu sorgen,

Wenn's heut nicht ist, dann morgen.

 

POMET

(Popiwa, erstick daran!)

 

PETRUNJELA

Und grüß Gott! Ich geh das Nachtmahl zubereiten.

 

POPIWA

Holdseliges Blümelein,

Ich werd schon warten fein.

Komm da, was immer,

Ich laß dich nimmer.

 

PETRUNJELA

Warte nur und hab Geduld,

Vielleicht schenk ich dir meine Huld;

Wenn ich will und wenn ich mag,

Gewiß kommt irgendwann der Tag.

 

POPIWA

Wehe, so er bislang nicht gekommen, wird er nimmermehr kommen.

 

PETRUNJELA

Weg mit den Händen! sag ich dir.

 

 

ZWÖLFTER AUFTRITT

Pomet, Boktschilo

 

POMET

Schau den frechen Hund! Ich werd dir's schon zeigen! Wer kommt da auf Holzschuhen angetrampelt? Neue Moden in Rom, ein Schankwirt scheint's aus Dubrovnik. Woher kommst du? Wer bist du?

 

BOKTSCHILO

Ach, allmächtige Jungfrau, Dank sei dir!

 

POMET

Bei Gott, er ist aus Dubrovnik!

 

BOKTSCHILO

Aus Dubrovnik bin ich! Ei Pomo, Pomet, laß mich dein Händchen küssen.

 

POMET

Wer ist das?

 

BOKTSCHILO

Du kennst den Boktschilo nicht? Wieviel Wein hast nicht in meiner Schenken getrunken und hast mich doch vergessen!

 

POMET

Boktschilo, alter Trunkenbold! Du bist's? Welch ein Mißgeschick hat dich nach Rom verschlagen zu diesem sauren Wein?!

 

BOKTSCHILO

Mein Unglück! Mit Herrn Maroje bin ich gekommen, Gott straf ihn! Mit dem Dolch in der Hand hat er seinen Sohn Maro verfolget, und sie haben ihn abgeführt. Weiß der Teufel, wo er itzt steckt. Mich hat er im Stich gelassen! Weder versteh ich die Sprache hierlandes, noch kenn ich mich aus am Ort, und was das Ärgste ist - weh über mich! - nicht einen roten Heller hab ich!

 

POMET

Boktschilo, Letzteres ist gewiß das größte Übel. (Das kömmt mir just gelegen! Jetzt werd ich ein Ding drehn, ein Ding - ihr werdet große Augen machen!) Boktschilo, mir ist alles bekannt. Ich werd dich itzt unterweisen, wie du zu deinem Herrn gelangst, und alles wird gut werden.

 

BOKTSCHILO

Ach, die Mutter der Armen helfe dir!

 

POMET

Geh zu jener Tür, klopf an und sag: „Ist Popiwa oben?“ Popiwa wird sich melden; sag ihm: „Lauf, so schnell dich deine Beine tragen. Der Vater von deinem Herrn ist gekommen, der Herr Maroje. Mehr als hundert Ballen feinsten Kamelhaarstoffes führt er mit sich, Pfeffersäcke die Fülle, um die dreißigtausend Dukaten wert. Eil sodann zur Herberg „Zur Glocke“; dorthin haben ihn drei Gesellen geführt.“ Und sag ihm, er soll ihn in das Haus des Sohns bringen und sich des Alten gut annehmen, bis daß Maro kömmt. Doch verschweig ihm, daß ich dich geschickt! Armer Kerl, lauf schnell, du kommst dort an einen Ort, wo du trinken, essen und dich ausruhen kannst wie ein König!

 

BOKTSCHILO

Danke, Pomo! Vergelt's Gott! An jene Tür?

 

POMET

Ja, an jene Tür. - (Ich lug aus dem Winkel hervor, ob er's zustande bringt.)

 

 

DREIZEHNTER AUFTRITT

Boktschilo, Popiwa, Pomet (versteckt), dann Laura

 

BOKTSCHILO

Tick, tock!

 

POPIWA

Wer ist da?

 

BOKTSCHILO

Ist Popiwa oben? Maros Diener?

 

POPIWA

Wer ist das? Wer fragt nach Popiwa?

 

BOKTSCHILO

Boktschilo ist's aus Dubrovnik, der alte Diener des alten Herrn Maroje.

 

POPIWA

Woher des Wegs?

 

BOKTSCHILO

Der alte Herr ist zur Wallfahrt gekommen.

 

POMET

(Gut! Das hab ich ihn nicht gelehrt.)

 

BOKTSCHILO

Mehr als hundert Ballen feinsten Kamelhaars führt er mit sich, und Säcke mit Pfeffer und Safran, ein zweites hundert...

 

POMET

(Aferin,[199] Boktschilo, auch das hab ich ihn nicht gelehrt.)

 

BOKTSCHILO

... und Ware, graciju de Diu,[200] für mehr als fünfzigtausend Dukaten.

 

POPIWA

Boktschilo, du bist's?

 

BOKTSCHILO

Popo, Popiwa, komm herunter, daß ich dein Händchen drücke. Lebende trifft man zuweilen, die Toten nimmer.

 

POPIWA

Ei, Boktschilo, gute Kunde bringst du! Komm herein, daß ich dir zu trinken geb.

 

BOKTSCHILO

Ein echtes Dubrovniker Kind! Gesegnet sei die Milch, die du gesogen!

 

POPIWA

Signora, habt ihr's vernommen?

 

LAURA

Ich hab's wohl gehört.

 

POPIWA

Bone nove.[201]

 

LAURA

Bone![202]Laß den Mann heraufkommen!

 

POPIWA

Boktschilo, die Frau sagt, du magst heraufkommen.

 

BOKTSCHILO

Gut, ich gehorche.

 

 

VIERZEHNTER AUFTRITT

 

POMET

(allein) Gut gut, du lieber Gott! Ist das ein Unterfangen, ist das ein Spaß! Mit Pomet wollt ihr anbinden, ihr Canaillen, Unmenschen? Armseliges Pack! Pomet stellt sich euch. Itzt geh ich den Dundo Maroje aufsuchen alla osteria della campana;[203] ich werd ihm alles berichten und ihn anweisen daß er dem Popiwa schmeicheln soll, bis der ihn heimführt. Wann Dundo Maroje das Haus betritt, alsdann wird ein großes Geschrei und Zetern anheben Rechenschaft wird man fordern, - ha - und das Geld ist vertan! Alsdann bleiben ich und mein Tudeschko eredi delli beni de condan signora Laura. Fora, fora[204] mit euch, ihr Bettelpackl Schert euch samt dem Teufel gen Dubrovnik, auf ein Schälchen dünne Suppen, auf ein Stückchen magres Fleisch, säuberlich in zehn Teile geteilet. Ich flieg just, das Begonnene zu vollenden.

 

 

FÜNFZEHNTER AUFTRITT

 

MARO

(allein)Ach weh, mein unseliges Geschick! Schwer hast du mich getroffen, mit Gram mein Herz erfüllet! Ach, über den Geiz der Väter! Die Väter Teufel, Feinde des Friedesns, des Gedeihens, des Glücks ihrer Sohne! Zu nichts anderem ist er nach Rom gekommen, als mich zu Grund zu richten, mir den Garaus zu machen. Ein fühlloser Mensch, liebt seinen Geldsack mehr als den Sohn, den en einzigen Sohn, den er hat. Unter welchem Vorwand ist er gekommen, wie hat er mich nur gefunden!! Der Teufel hol mein Mißgeschick, daß ich nicht früher gestorben! In Frieden wär ich gestorben; und itzt fordert dieser hartherzige Mensch, daß ich ein armseliges Leben führ, daß ich Qualen der Hölle auskoste. „Dukaten! Gulden!“ Hol der Teufel die Dukaten, meinetwegen auch den, der sie präget; denn solang ihr sie ausgebt, sind sie gar süß. Aber so sie verbraucht sind, sind sie gleich Schlangen und Löwen, die das Herz zerfleischen und es herunterschlingen. Abrechnung wird dieser Teufel von mir fordern! Abrechnung! Zum Teufel mit der Abrechnung! Er ist gekommen zu retten, was längst auf dem Grunde des Meeres ruht. Der Teufel hol das Geld und meinetwegen auch ihn!

Gibt es auf der Welt einen Unseligern als mich? Hat je ein Sohn einen Vater gehabt wie ich? Stehen jemandes Sachen ärger als die meinen? Und die Ursach des ganzen Unheils ist dieser Rabenvater, mein Tod! Dieser grausame Mensch! Weh mir, bloßgestellt hat er mich vor Signora Laura. Was tu ich itzt? Ach, Signora Laura, ich hab Angst, ich werde dich verlieren. Ich hab Angst, ich werd auch mein Leben verlieren. Wehe, in die Irre bin ich gegangen, ich weiß nicht, wohin den Fuß setzen, nicht, was ich itzt tu noch was ich fürderhin tun soll. Der Signora darf ich diesen Kummer nicht anvertraun. Die Signore wollen keinen Kummer noch kummervolle Liebhaber. Sie teilen wohl die guten Zeiten mit ihnen, an den schlechten wollen sie ihren Teil nicht haben. Ich geh nach Popiwa Ausschau halten und mit ihm erwägen, wie ich mich verhalten soll.

 

 

 

DRITTER AUFZUG

 

 

ERSTER AUFTRITT

Popiwa und Boktschilo

 

POPIWA

Boktschilo, wo, sagtest du, werden wir Maroje finden?

 

BOKTSCHILO

In der Herberg „Zur Glocke“.

 

POPIWA

Weißt du, wie man dorthin gelangt?

 

BOKTSCHILO

Ich Ärmster weiß weder, wo ich bin, noch, wohin ich mich wenden soll; unbeholfen bin ich, wie blind.

 

POPIWA

So geh mit mir; ich werd dich führen.

 

BOKTSCHILO

Mit dir, Popiwa, jauchzet mein Herz; mit dir ging ich stracks bis in die Höll; ein Göttertropfen war das bei deiner Frau; eine edle Frau ist sie.

 

POPIWA

Sie ist eine Dalmatinerin, hat dalmatinische Milch gesogen.

 

BOKTSCHILO

Das ist gleich zu spürn. Sie gebärdet sich nicht wie manche armselige grillenhafte Schwätzerinnen.

 

POPIWA

Hat Herr Maroje goldene Dukaten mitgebracht?

 

BOKTSCHILO

Ein Kästchen hat er mitgebracht. Schwer ist's; mich deucht, 's ist voller Dukaten.

 

POPIWA

Dann steht es gut um unsere Sache; eilen wir!

 

BOKTSCHILO

Wird zu Hause ein Nachtmahl gekocht?

 

POPIWA

Sei beruhigt, es wird alles vorhanden sein.

 

BOKTSCHILO

Dir empfehle ich mich, mein Popo, Popiwa, mein Fürst und mein Herr!

 

POPIWA

Was verlangst du mehr als satt und besoffen sein?

 

BOKTSCHILO

Ach, daß unser Herrgott es gut mit dir mein - just das wünsch ich mir.

 

 

ZWEITER AUFIRITT

 

DSCHIWO

(allein) Mein Gott, schwer ist es zu leben auf Erden; schwer ist es zu wissen, was dem Menschen frommt. Uns Jungen deucht es oft, wir wüßten alles und wir verstünden alles. Doch die Zeit, unsere Lehrmeisterin, zeigt uns ein um den andern Tag, daß wir, je mehr wir lernen, um so weniger wissen. Es scheint, daß jene Menschen mehr geschätzt werden, die meinen, sie wüßten weniger, als die anderen, die meinen, sie wüßten und verstünden gar viel; denn wer sich höher dünkt, als er in Wahrheit steht, bewirket mehr Schaden als Nutzen, so er zu handeln sich unterfängt. Dieweil ich in Dubrovnik war, dünkt mich, ich vermöcht alles. Und mein Übermut hat mich verleitet, daß ich meiner Bas Pera den Rat erteilt und sie bewogen, gen Rom zu fahren, den Bräutigam Maro zu suchen, und zu diesem Behuf sollt sie aus dem Beutel der Muhme dreihundert Dukaten entwenden, wie sie es denn auch getan. All dies hab ich getan, ohne den Ausgang zu bedenken, nur von dem einen Wunsch verführt, nach Rom zu gelangen - den ich durch dieses unbedachte Mittel zu befriedigen gehofft. Einst schien der Wunsch mir süß, der sich itzt in Bitternis verwandelt. Wohl bin ich hier, doch weiß ich weder aus noch ein. Pera gebricht's an Mut, sich dem Bräutigam zu offenbaren, und mich kömmt's noch schwerer an, ihm alles zu entdecken. Ich befürcht, er möcht's übel aufnehmen, daß ich sie hergeführt. Es könnt ihn ankommen, daß er mich hierselbst in Rom um Kopf und Kragen bringen läßt. In fine,[205] man braucht ihm nicht all dieses zu entdecken. Ich weiß nicht, was nun tun. In Dubrovnik schien's mir eine Lust, gen Rom zu ziehn, doch itzt bin ich in Drangsal, in Schlaflosigkeit, in Ungemach geraten. Aber meine größte Sorge ist, was meiner in Dubrovnik harret, wegen dieser Torheit, die ich begangen. Und so ich je gewähnt, daß ich etwas auszurichten vermag, itzt nag ich an dem Ungemach, das mein Übermut mir bescheret. Ein Übel ist's, wo ich weder vor noch zurücke kann, weder ein noch aus weiß. Auf ein Wunder vom Himmel muß ich warten, sonst sind wir stracks verloren. Ach, Fortuna, wohin hast du mich geführt?! Ich will mich ein wenig in Rom umtun, daß mir die Grillen vergehn, indes auf Himmelsmanna warten oder zugrunde gehn.

 

 

DRITTER AUFTRITT 

Sadi, der Jude, Laura, Maro

 

SADI

Tick, tock!

 

LAURA

Chi è giù? Sadi sete voi?[206]

 

SADI

Signor Marino serebbe tornato?[207]

 

LAURA

Non è tornato ancora.[208]

 

SADI

Signora, io ne ho da far un pagamento da quà a una ora; per altro non vi daria fastidio.[209]

 

LAURA

Mo ben, signor Marino non potrà star a venire.[210]

 

SADI

Signora, non averesti voi alle man qualche scudo? Ne avevo gran bisogno.[211]

 

LAURA

Non certo, Sadi mio, tornate da quà a un poco, e sarete soddisfatto.[212]

 

SADI

Farò quel che piace a vostra signoria.[213]

 

LAURA

(O, son fastidiosi sti giudei!)[214]

 

SADI

Per Dio di Abram, Isac et Jacob, fui pazzo a lasciar quelle perle! Cortigiane, ah! Bertoni, ah! Non bisogna dormirvi su questo fatto, bisogna sollicitar, infastidirgli e battere il ferro mentre è caldo. Son cente e cinquanta scudi, non sono frasche. Ma ecco signor Marino, per Dio. - Basio la man a vostra sıgnoria, signor Marino.[215]

 

MARO

Che c' è, Sadi?[216]

 

SADI

Le trenta perle che ha tolte la signora, a cinque scudi l'una, montano scudi cento e cinquanta.[217]

 

MARO

Oh, Sadi, montano troppo![218]

 

SADI

Di tanto abbiamo fotto el mercato, et ella se ha contentata.[219]

 

MARO

Poichè ella se ha contentata, mi contento anche io.[220]

 

SADI

I danar avreste appresso?[221]

 

MARO

Andavo ora a casa a portarveli.[222]

 

SADI

E dove vi trovarò io?[223]

 

MARO

Venite dalla signora.[224]

 

SADI

Non potria venir con essovoi a casa?[225]

 

MARO

Voi sete fastidioso, Sadi! Quando vi dico io, tornate da quà un poco dalla signora, et sarete soddisfatto.[226]

 

SADI

Quel che piace a vostra signoria, signor Marino; vi son servitore.[227]

 

MARO

Addio, vado a casa.[228]

 

SADI

Andate in bonora! - Cazzica! Non besogna esser pigro a questo fatto. Costor a pigliar roba sono facili, a pagarla sono duri più che 'l diamante. Non vò andar altrimente a casa; vò ascondermi drieto a questo canton per aspettar questo mio messia. Se non gli infastidisco, stenterò da aver il mio.[229]

 

MARO

Mit Müh und Not bin ich dem Teufelsjuden entronnen. Das Unglück ist mir auf den Fersen; man wird die Schulden begleichen müssen; der Teufel hol das Geld, zumal wenn es zu Ende ist. Zweihundert Dukaten hab ich ihm gebracht, den Diamanten und den Rubin zu bezahlen, die ich der Signora versprochen hab - und ich werd mein Wort auch halten. Wann dieser Teufelsjud kömmt, wird man ihm für die Perlen von diesem Geld hundertfünfzig Skudi auszahlen müssen. Wenn er nur nicht käme! Ich geh derweil zur Signora, daß sie's nicht übel Vermerk, denn es sind schon zwei Stunden her, daß ich bei ihr war; ich muß ihr etwas vorgaukeln, um wessentwillen mich dieser Teufelsvater verfolgt. Wenn die Signora von meiner Bedrängnis erfährt, bricht erst das ganze Ungemach über mich herein!

 

LAURA

Signor Marino!

 

MARO

Bene mio!

 

LAURA

Ich hab's schon gehört; es freut mich.

 

MARO

Was hast du gehört?

 

LAURA

Verheimlichst du's vor mir?

 

MARO

Was, Signora?

 

LAURA

Daß dein Vater gekommen. Warum verschweigst du's mir? Ist's dir nicht recht, daß ich es weiß?

 

MARO

Wer hat es dir gesagt?

 

LAURA

Sein Diener war hier; er sagt, er sei zur Wallfahrt gekommen. Viel Ware hab er mitgebracht.

 

MARO

Sprichst du die Wahrheit?

 

LAURA

Mit Popiwa ist dieser Mann zur Herberg della Campana gegangen, den Alten abzuholen und in dein Haus zu geleiten.

 

MARO

Und Popiwa hat das getan?

 

LAURA

Warum denn nicht?

 

MARO

Er hätt zuvörderst zu mir kommen sollen! (Ach, der Hurensohn! Erschlagen werd ich ihn!)

 

LAURA

Was hat er verbrochen? Er hat guten Glaubens gehandelt. Und warum auch nicht? Fürwahr, er hat's gut getan.

 

MARO

Signora, aus keinem anderen Grunde, als daß er zuvörderst mich fragen soll. Ich werd sehn, wo er steckt. Stracks geh ich, um ihn zu finden.

 

SADI

Ben trovata la signoria vostra, signor Marino![230]

 

MARO

Sadi, ho una faccenda di gran inportanza, non mi dar fastidio ora![231]

 

SADI

Signor, ho a far un pagamento, ora ora, di ducento ducati, altramente andarò in pregione.[232]

 

MARO

Non tegli posso dar ora.[233]

 

SADI

Rendetime dunque le mie perle, chè io non mi posso passar altrimente. Crederei potermi servir da voi a ogni mio besogno di trecento et quattrocento ducati come d'un banco, et ora al bisogno non posso aver il mio.[234]

 

MARO

Sadi, non pensavo che voi fossi tanto fastidioso.[235]

 

LAURA

Soddisfatelo in sua malora, poich' è tanto inportuno.[236]

 

MARO

Non è, signora, che io non li posso cantar sti denari ora ora, ma il bisogno grande che ho mi spingeva ad andar presto, e i denari sarian, come sono, a ogni suo piacer. Tò quà: cinque, dieci, quindeci, etc. etc. Sete soddisfatto?[237]

 

SADI

Signor sì, gran mercè alla signoria vostra! Se non avevo bisogno ora, non vi davo fastidio. Abbiateme per escusato! Un' altra volta servitate della roba mia, con danari et senza, a ogni votro piacer.[238]

 

LAURA           

Sadi, ricordatevi di quel pendente.[239]

 

SADI

Signora sì, mi racordo bene.[240]

 

LAURA

Signor Marino, c'è uno che vende un pendente, domanda duacento scudi. Una bella cosa zum Umhängen. Nove perle![241] Oh, gut würden sie passen!

 

MARO

Alles was dir gefällt, Signora. Daß wir sie sehen; ich geh, die Sach erledigen.

 

LAURA

Ich erwart dich zum Nachtmahl.

 

MARO

Ich bin nicht gewiß, ob ich kommen kann.

 

LAURA

Stehl dich hinweg und komm.

 

MARO

Ich tue alles nach deinem Wunsch.

 

 

VIERTER AUFTRITT

Maro, Popiwa

 

MARO

(allein) Hol der Teufel den Augenblick, da dieser Jud das Haus betreten. Hundertundfünfzig Dukaten hat er mir entlockt! Mehr als mir bleibt in diesen argen Zeiten - Teufelszeiten sind's, die sich anschicken, mich zu verderben, zugrunde zu richten. Ach, Popiwa, du hast mich zuschanden gemacht, hast mir den Rabenvater ins Haus geführt - er wird herumschnüffeln in meinen Sachen! Geduld! - Da kömmt er fröhlichen Muts daher, und mir ist das Herz tränenschwer! Bevegna, galanti![242] Per Dio,[243] bist ein wackrer Gesell und verstehst dich auf manches. Wo warst du bis jetzt?

 

POPIWA

Mein Gebieter, dein Vater ist gekommen.

 

MARO

Dir mag ein böser Tag, ein böses Jahr über den Hals kommen! Der Teufel soll deine Seele holen!

 

POPIWA

Mein Herr, um der Barmherzigkeit willen, was ist geschehen? Was ist dir widerfahren? Hab ich einen Fehler begangen? Wenn etwas schief gegangen ist, kann man's wieder einrenken.

 

MARO

Einen Fehler begangen? Ganz und gar zugrunde gerichtet hast du mich!

 

POPIWA

Um Gottes Willen! Wie denn? Womit denn?

 

MARO

Weh mir, da bleibt nichts einzurenken, du Hund du! Der Rabenvater! Er ist gekommen, mich bloßzustellen vor aller Welt, mich zugrunde zu richten hier in Rom, Abrechnung von mir zu verlangen, mich der Schande preiszugeben und mich zu bestrafen!

 

POPIWA

Man sagt, er sei um einer Wallfahrt willen gekommen und hab wunders was an Ware und Handelsgut mitgebracht. Er sagt's auch selbst.

 

MARO

Kann man wohl diesem Gottlosen Glauben schenken? Du weißt nicht, wie er mich bei der Signora aufgespürt und dann mit dem Dolch verfolgt hat. Und ich hab mich - all improvista[244] - gestellt, als ob ich ihn nicht kennte, und hab ihn behandelt wie einen, der nicht bei Verstand ist. Der Hauptmann der Wache hat ihn wegen Waffentragens in den Kerker geworfen. Teufel auch, daß sie ihn nicht gleich aufgeknüpft haben, da er mir solch Ungemach bereitet. Weiß Gott, welcher Teufel ihm herausgeholfen hat. Denn wer in Rom mit Waffen angetroffen wird, dem ist der Galgen gewiß.

 

POPIWA

O weh, so steht's also! Fürwahr, da hat uns einer einen Streich gespielt! Das kann kein anderer als Pomet gewesen sein. Du hast keinen anderen Feind in Rom als diesen Verräter.

 

MARO

Weh, ich weiß weder, wer das ist noch was es ist. Ich fühle nur, wie sich ein ganzes Unwetter über meinem Haupt entlädt. Es kömmt mich der Wunsch an, ein Messer zu nehmen und mich zu erstechen, daß ich nicht fürderhin solch Ungemach erdulden muß!

 

POPIWA

Herr, man darf nicht verzagen und sich selbst aufgeben. Für alles findet man ein Heilmittel, nur für den Tod keines. Man muß ein Heilmittel finden! Im Sturm wird der Seemann erprobet, im Feuer das Gold geläutert. Itzt gilt's nicht weinen und den Tod herbeisehnen; man soll sich nicht verlorengeben, sondern sich aus der Patsche zu ziehen wissen.

 

MARO

Verloren bin ich, ich weiß nicht, was ich machen soll. Bei Gott dem Barmherzigen, gibt es ein Heilmittel dagegen? Nun rate mir, ich werde alles tun.

 

POPIWA

Willst du tun, was ich dir rate?

 

MARO

Ja, alles! Sei du itzt mein Herr und ich dein Diener, daß wir uns irgendwie aus der Schlinge ziehn.

 

POPIWA

Solang der Mensch noch Kraft verspürt, sich zu regen, so soll er sich auch helfen.

 

MARO

Hier steh ich, bereit, mich zu regen und mir zu helfen.

 

POPIWA

Ich hab's. Tu, wie ich dir sage!

 

MARO

Wenn du's hast, machen wir's.

 

POPIWA

Geh zur Signora und entdeck ihr alles!

 

MARO

Das ist, als wolltest du sagen: „Geh, nimm den Strick und häng dich auf!“ - Der Signora alles entdecken!

 

POPIWA

Hör mich, per amor de Dio,[245] laß mich aussprechen!

 

MARO

So sprich denn, du hast das Wort. Ach, Fortuna!

 

POPIWA

Ich sag dir, geh zur Signora. Die Signora glaubt - und die ganze Welt könnt sie nicht vom Gegenteil überzeugen -, daß dein Vater viel Handelsgut besitzt. Ware und Gold. Sie glaubt felsenfest, er sei nicht nur der reichste Mann von Dubrovnik, sondern von der ganzen Levante. Und sie weiß, daß er dich zum einzigen Sohne hat.

 

MARO

Sie weiß, sie weiß alles! Wie kann sie nur all diese Einzelheiten wissen?!

 

POPIWA

Bevor eine Kurtisane solch eine Liebesverbindung knüpft, zieht sie Erkundungen ein, wer dich aus der Taufe gehoben, was du selber nicht weißt, wie viel mehr darüber, wer dem Vater ist, wie es um seinen Beutel bestellt ist und was er kann oder nicht kann.

 

MARO

Wenn dem so ist, was nun?

 

POPIWA

Geh zu ihr und entdeck ihr alles in zwei Worten: „Signora, die Stunde ist gekommen, daß du mir beistehst. Ich aber, der dir bislang schon so ergeben war, gedenke von nun an dein zu sein, ganz und gar, mit all meinem Hab und Gut. Du weißt wohl, wer ich bin und wer mein Vater ist. Du weißt, wie ich zu dir bin. Jedoch, mein Vater zählt zu den geizigsten Menschen unter der Sonne. Er wird verlangen, daß ich Rechnung leg, doch, das Geld, ich hab's mit dir verpraßt; er hält mich nun für einen Verschwender - wie diese Väter eben sind.“ Und sag ihr, der Jude Sadi soll für dreitausend Dukaten Stoffe beschaffen, und die Signora möge dafür bürgen, auf daß man nur eine Scheinausstellung veranstalte - nichts mehr.

 

MARO

Welch ein Einfall! Die Signora soll für dreitausend Dukaten einstehn! Eine Bürgschaft für dreitausend Dukaten, deucht dich das eine Kleinigkeit? Geschmeide im Werte von dreitausend Dukaten besitzen nicht einmal die Nichten des Papstes!

 

POPIWA

Die Nichten des Papstes? Du hast ihr ja bislang für dreitausend Dukaten Geschmeide gekauft - und hast es vergessen. Doch lassen wir das Geschmeide aus dem Spiel. Die Signora hat - wie dir wohl nicht bekannt - viertausend Skudi auf der Bank. Doch bekümmer dich itzt um nichts weiter, als daß du dies vollbringst.

 

MARO

Und so man wahrhaftig Stoff für dreitausend Dukaten beschafft und die Signora dafür bürget, was dann?

 

POPIWA

Tun wir also alles, renken wir alles ein; dadurch wird sich alles fügen. Du wirst dein samtenes Gewand ablegen, dich als Kaufmann kleiden und zu deinem Vater gehn und dich stellen, als wärst du's damals nicht gewesen, sondern ein anderer, der dir ähnlich ist. Und so er Abrechnung von dir fordert, so zeigst du ihm die Stoffe und für den Rest gibst du ihm zu verstehen, daß du es versandt hast und die Zahlung noch aussteht. Tritt ihm aber fein ehrfürchtig entgegen!

 

MARO

Langwierige Unternehmungen, schwierige Entschlüsse. Ich - diese Kleider ablegen? Ich besitze doch gar keine Tuchkleider.

 

POPIWA

Schwierige Entschlüsse, keine Tuchkleider! Du darfst dich nicht selbst verloren geben, so du nicht willst in Spott und Schande untergehn. Um die Kleider machst du dir Sorgen - als ob solche Kleider nicht beim Juden wohlfeil wären! - gran cosa![246] - Ins Unglück hast du dich verrannt! Leicht ist's im Glück schwimmen, der Mann zeigt sich erst im Ungemach.

 

MARO

Geh, Popiwa, ich sagt dir ja, ich werd deinen Rat befolgen; alles werd ich tun, wie du mir sagst. Geh du voran, führ mich, wohin es dich gut dünkt.

 

POPIWA

„Führ mich, wohin es dich gut dünkt!“ Laß uns tanzen! Bei Gott, dem Allmächtigen, was heißt hier: „führ mich“? Reiß dich zusammen, daß wir heiteren Antlitzes vor die Signora treten; denn wenn die Signora deinen Trübsinn gewahrt, wird sie alsbald Verdacht schöpfen, keinen Finger rühren und dich mit einem Fußtritt vor die Tür setzen.

 

MARO

Nun gut denn, Popiwa, wir wollen uns wie gescheite Leute betragen. Gehn wir zur Signora. Meinst du nicht, es wär besser, zuvörderst mit dem Juden Sadi zu sprechen und ihn gefügig zu machen?

 

POPIWA

Ekcellente, das wär gut! So ist's recht! So gefällst du mir, endlich ist dir ein Licht aufgegangen.

 

MARO

Warst du bei Gianpietro, dem Goldschmied?

 

POPIWA

Ja.

 

MARO

Wird er den Rubin und den Diamanten bringen?

 

POPIWA

Er hat mir zugesagt, er wär in einer Viertelstunde bei der Signora.

 

MARO

Es wär so übel nicht, wenn ich den Diamanten und Rubin, die Gianpietro bringt, wirklich der Signora zum Angebind gäb und vor ihren Augen bezahlte.

 

POPIWA

Hast du denn zweihundert Skudi zur Hand?

 

MARO

Etwas ist  mir noch übriggeblieben, und den Rest kann ich auf meine zwei Goldketten und das Armband entleihen. O weh, Popiwa, aus ist's mit den Dukaten! So Fortuna sich uns nicht wieder zuwendt, können wir ins Armenhaus wandern.

 

POPIWA

Wie Gott will, so wird es sein. Chi ha tempo ha vita.[247]

 

MARO

Just heut hab ich der Signora die Perlenkette bezahlt. Dieser Teufelsjud wollt heut das Geld haben, eben heut, da ich's am meisten brauch.

 

POPIWA

Mir ist's just recht so, auf daß uns die Signora die Gefälligkeit umso lieber erweis. Vorwärts, tun wir, was getan werden muß.

 

MARO

Geh du zum Gianpietro, dem Goldschmied, er soll das Geschmeid bringen. Ich geh indes Geld beschaffen, es zu bezahlen, und sodann such ich den Juden Sadi auf, daß ich ihn gefügig mach.

 

POPIWA

So entschlossen mag ich dich wohl sehen! Geh sogleich, ich eile inzwischen zum Goldschmied.

 

MARO

Und du hast diesen Rabenvater in meinem Haus zurückgelassen; er wird mir all meine Sachen durchstöbern. Geduld! Itzt gilt's, den Mut eines Löwen und die Ehre einer Hure haben.

 

POPIWA

Geh schon, und bekümmer dich nicht um anderes.

 

 

FÜNFTER AUFTRITT

Petrunjela, dann Triptsche

 

PETRUNJELA

(allein) Jesus und Maria, so sich ein Mädchen in einen Burschen verliebet, so mag sie weder essen noch trinken, sondern will nur ihn haben, all ihre Gedanken sind bei ihm. Seitdem meine Frau vernommen, daß Maros Vater so viel Ware mitgebracht, so seufzt sie: „Ach, ich hab vergessen, Maro zu sagen, daß er beim Tuchhändler Lukas einkehr und daß er mir einen Ballen purpurroten Samt für ein Kleid senden lasse“; „Ach, ich hab vergessen, daß er auch einen Ballen weißen Damast bringen lasse“; „Ach und daß er beim Kürschner einkehr wegen jenes Unterfutters aus Marderpelz und des anderen aus Luchspelz.“. Die Arme, sie stöhnt, als ob jener einen Brunnen voll Dukaten hätt und sie mit einem Eimer draus schöpfen müßt. Oh über die armseligen pöbelhaften Mädchen aus Dubrovnik mit ihren Beiderwandröcken, die das Gesicht mit Bleiweiß pudern und den Mund mit trocknen Trauben schminken! So eine an ihrem Rock einen seidenen Saum hat, so dünkt sie sich eine große Dame - in Holzpantöffelchen! Eia, wenn sie zweimal die Woch etwas Warmes haben - und oft fehlt's noch daran! Aber diese hier?! Betten aus Seide; was sie im Haus tragen - Seide; ihre Zimmer mit Seide ausgeschlagen; von Silber speisen sie - tagtäglich Geflügel; und jedwede benötigt zwei Kammerjungfern, die keine andere Arbeit haben als sie an- und auskleiden und das Zimmer aufräumen - und wie das ist! Ich darf nicht einmal ihr Zimmer betreten; ich koch nur und wasch und hab noch eine Gehilfin zur Seiten.

Ich Ärmste - da schwätz ich so mit mir selbst; als ob ich jemandem die Beicht ableg. Doch, wo soll ich Arme den Maro finden? „Lauf, du wirst ihn einholen!“ sagt sie zu mir. Ihn einholen! Keinen Fuß setz ich weiter vor den andern! Ich will hier beiseite treten und mich an dieser Gottesgnade sattsehen, und ich werd darüber sinnen, daß ich zum Mann nehm, wer mir von all diesen Männern am besten gefällt. Der hat eine große Nas! Huch, nicht um die Welt möcht ich ihn haben! Jener - o weh, was für einen großen Mund er hat. Huch, ich möcht ihn nicht zum Mann haben, bei meiner Seel, ich hätt Angst, er tät mich - so wie ich da steh - verschlingen. - Doch wer kömmt da, bei Gott? Schau, was für eine Nas und was für ein Buckel, er murmelt was in seinen Bart. Ich will lauschen, was das Ungetüm faselt.

 

TRIPTSCHE

(allein) Man sagt, wer als Vieh geboren wird, wird auch als Vieh sterben, und alles was von der Katz geboren wird, alles fängt Mäuse, und alles was die Füchsin zur Welt bringt, ist shlau wie ein Fuchs; und was die Hündin wirft, alles jagt Hasen; und was aus dem Schlangenei schlüpft, all diese Satansbrut speit Gift. Das heißt, die Menschen - son stato a scola, non parlo miga a caso[248] - ich sag, das heißt, daß die Menschen, Misser mio,[249] die Eigenschaften von diesen Bestien annehmen. Der Löw ist beherzt - der Hase ar contradio,[250] der Hund treu - der Fuchs arglistig; das Schwein lebt im Schmutz - der Hermelin in Reinlichkeit; der Wolf raubt - das Lämmlein hält still; der Esel ist träg - das Pferd schnell; so auch die Menschen: die einen rauben - die anderen geben; die einen Esel - die anderen la gentilezza di questo mondo;[251] die einen schwärzen an wie der Tintenfisch, und andere sind reiner Zungen und reiner Gedanken; die einen „Or misser mio, or misser mio“,[252] so gleisnerisch wie die Schlange, schlängeln sich so leis daher wie die Schlangen; ein Mensch ist er von Gestalt, eine Schlange nach seinen Taten. Nähre die Schlange, daß sie dich beiße; pfleg Umgang mit ihm, daß er dich vergifte. Omo coperto di lupo cerviero, intrinsecus autem sunt lupi rapaces; a fructibus eorum cognoscuntur.[253] Alles, was vom Kürschner abstammt, näht Pelze; und alles, was vom Müller geboren wird, stiehlt Mehl. Et concilium fecerunt, ut dolo tenerent. Intendami, fraello, se poi, chè mi intendo molto ben mi.[254]

 

PETRUNJELA

(Schau an, das scheint ein Schulmeister zu sein, er spricht, daß er sich selber nicht versteht. Was für ein armseliger Wicht!)

 

TRIPTSCHE

E per tornar,[255] wo ich war, um nicht zwei Soldi Strafe zu bezahlen; die einem Menschen sind böse Bestien, die anderen gute Engel et troni.[256] Cum santus santus eris.[257] Chi nasce matto anniegati - tuo danno.[258] Pfleg Umgang mit den Guten, es wird dir wohl gemuten. Ohnlängst bin ich ohn Mittagessen geblieben, einer Canaille wegen.

 

PETRUNJELA

(Ei, ach, ich kann dem Zug meines Herzens nicht widerstehn, ich muß mich diesem Menschen bemerkbar machen, da er einer von zu Hause ist.) - Guten Tag, Landsmann, nichts geht über einen Landsmann! Man sagt:

 

Landsmann du,

Gib schon Ruh,

Wo wohnst du?

Tag und Nacht

Gib fein acht!

Meins ist weich

Und deins ist hart,

Weich und hart

Macht gute Art.

Du willst zu mir,

Und ich zu dir.

 

TRIPTSCHE

Beim heiligen Triphon, just das hab ich gewollt! Gesegnet seist du und gesegnet sei mein Glück, das mich dir zugeführt, schöne lustige Landsmännin. Gut hab ich's getroffen, daß ich just hergekommen; gefunden hab ich, was ich gesucht.

Ich bin dein,

Sei du mein,

Meines dir,

Deines mir,

Heut und alle Tage

Ohne Müh und Plage.

Lös mir dies Rätsel, daß ich deines lös.

 

PETRUNJELA

Enträtsle mir dies:

Niemand hat gesehen

Sein Kommen und sein Gehen,

Ich selber merkt es kaum,

War alles nur ein Traum?

 

TRIPTSCHE

Bei Gott, es wird ein Traum nicht sein, so du es nur wünschst, Landsgenossin, lieb und fein.

Ich gebe das meine,

Gib du das deine,

Daß beides sich vereine.

Durch deinen süßen Mund

Wird mir das Herz gesund.

Jetzt bin ich so alleine,

Steh auf und laß mich eine!

 

PETRUNJELA

Armer Landsmann, lustig bist du, ah, ah, ah!

 

TRIPTSCHE

Beim Heiligen Triphon, du bist wie eine Perle, gioia de oriente.[259] Mein Leben wollt ich dem deinen verbinden, so du nur willst.

 

PETRUNJELA

Gern wär ich dein,

Doch darf es nicht sein.

Die Mutter wacht,

Drum nimm dich in acht.

Scheiden tut weh,

Landsmann, ade!

Doch da ist jemand, au weh, da kommt jemand. Tritt beiseit, daß er nichts Böses denk!

 

TRIPTSCHE

Wer zum Teufel kann das sein?

(Ugo Tudeschko kommt heraus.)

 

 

SECHSTER AUFTRITT

Ugo und die Vorigen; dann Laura

 

UGO

Ah, Pomet, Pomet, traditor Pomet, ah ma fraj![260]

 

PETRUNJELA

Ei, was spricht er denn?

 

UGO

Garzona congnoscer, serfitor de tua patrona; mi star suo serfitor, et mi foler mal. Mi trar ducati mille, to mila, quanto foler.[261]

 

TRIPTSCHE

Schau den Teufel, er ist gekommen, mich zu versuchen, mich zu verwirren und mich bei meinem Geschäft zu stören!

 

PETRUNJELA

Missier, signura parlar ti, mi non ghe parlar, mi non se impazzo, no.[262]

 

TRIPTSCHE

Dico, gintilomo, andè a far li fatti vostri, non te inpazzar quì; questa è cosa mia, veh![263]

 

PETRUNJELA

Ga star qui, non ghe posciu andar mi.[264]

 

UGO

Che foler? Ti foler combatter con mi?[265]

 

TRIPTSCHE

So anche combatter, quando bisogna. Ti par cosa da gentilomo disconciar i fatti mei?[266]

 

UGO

Che aver tu far con questa?[267]

 

TRIPTSCHE

Aver che aver - ho a far; e a te non ho a render conto di fatti mei.[268]

 

UGO

Fer Tio, fer Tio, tu star attorno quà e lasciar braghe e vita. Levar quà, fuggir de quà![269]

 

PETRUNJELA

Misser, signur, non ghe far piazza! A tutti star passeggiar. Misser Domenaddio dao,[270] Armseliger, nun siehst du wohl?!

 

UGO

Fer Tio, mattar te ancora, puttana, e puttana tua padrona mattar. Fenga cancar a tutti![271]

 

TRIPTSCHE

Con arme e con superchiaria sei venuto! Ti par esser in terra tudesca e bravar. Pon mente e guarda ben con chi hai da far![272]

 

UGO

Jo, jo, fenir, fenir quà![273]

 

PETRUNJELA

Na, der Teufel mag deine Seele holen! Puttana dir a signora e mi son puttana?[274] Du lügst das Blaue vom Himmel herunter! Tua madre, sciurelle, fratelli e tuo padre puttane![275] Siehst du, Unglückseliger, wie er uns genannt hat! Nè ti più venir casa nostra, nè mi averzer, e ti spander acqua calda supra testa, tot![276]

 

TRIPTSCHE

Per la verzina Maria; can mio padre?![277] Ah, Dio, ich möcht dir irgendwo allein begegnen! Per Dio, bei Gott und dem heiligen Triphon, che ti farò veder le stelle a mezzugiorno.[278] Wart nur, wenn ich zu schlagen anfang, ernsthaft e davvero.[279]

 

UGO

Jo, jo!

 

PETRUNJELA

Weh dir, verflucht seist du, manigoldo di furche![280]

 

TRIPTSCHE

Bei Gott, wenn ich zu schlagen anfang! Se comenzo giogar delle man![281]

 

UGO

Che dir ti zocar con man? Ti spettar![282]

 

TRIPTSCHE

Seht! Superchiaria! Con arme![283]

 

PETRUNJELA

Weh uns, er metzelt uns nieder! Geh! Cancaru ti vegna! Per Dio ti ga cavar occhi cun queste man![284]

 

UGO

Puttana! Mattar, tu non viver; puttana ti et tua patrona.[285]

 

PETRUNJELA

Madunna Cara, madunna, averzi![286]

 

LAURA

(vom Fenster) Che rumori son questi?[287]

 

PETRUNJELA

Madunna, me ga voler ammazzar giudio![288] Er wollt mich schlachten.

 

TRIPTSCHE

Inmezzo di Roma far queste superchiarie a omeni dabben! Vado de longovia al governator. Saperai, can traditor,[289] mit wem du angebändelt hast.

 

UGO

Ti fenga il cancar, puttana![290]

 

LAURA

Signor Ugo, a gintelomini pari toi non si conviene far queste cose.[291]

 

UGO

Che far? Ferito! Mattar puttana.[292]

(Popiwa kommt heraus und spricht mit der Signora.)

 

 

SIEBENTER AUFTRITT

Popiwa und die Vorigen

 

POPIWA

Was ist das für ein Lärm! Signora Laura, was prahlt der Tudeschko?

 

LAURA

Ich weiß es nicht! Mir scheint, er ist toll geworden.

 

POPIWA

Da könnt ihr's selber sehen! Das ist Pomets Herr. Just so ist auch der Diener. Ha, ha, ha! Das Lachen kömmt mich an über Pomet, diesen Spitzbuben. Wo steckt er denn? Wie hat er erfahren, daß Maros Vater gekommen und daß er viel Ware mitgebracht? Ach Signora, ein gar edler Mensch ist dieser Vater von Maro. Wenn du ihn sehen könntest! Eine Noblesse! Ein wahrer Herr ist er. Und als er erfahren, daß Maro dir den Hof macht, hat er gesagt: „Die Jugend ist mal so, und ich war in der Jugend noch ärger.“ „Lieb ist mir's“, hat er gesagt, „daß er einer vornehmen Dame den Hof macht.“ Und um zum Vorigen zurückzukommen, jener Schelm, Pomet, kaum daß er erfahren hat, daß der Gebieter mit solchem Reichtum gekommen, hat er begriffen, daß er mit seinem Tudeschko deinem Hause fernbleiben soll.

 

LAURA

Meinem Hause fernbleiben?! Ich sag dir, ich werd sie von ferne zuschauen lassen.

 

POPIWA

Und was sie nicht im Guten bekommen, versuchen sie durch Schurkerei zu erreichen. Eine List hat er erfunden! Ich hab ihn in einem Winkel mit jemandem flüstern und sich besprechen hören, er sollt' zu dir kommen und also sagen: „Maros Vater ist gekommen, ein Geizhals, der hat erfahren, daß Maro das Geld verpraßt hat; er will ihm die Geschäftsführung entziehn und ihn mit sich nach Dubrovnik nehmen.“ Und noch eine dickere Lüge hat er erfunden, mit der er vor dich hintreten wird - daß jener Narr, der ihn vor kurzem mit dem Messer bedroht, sein Vater gewesen sei.

 

LAURA

Ha, ha, das ist gut!

 

POPIWA

Der Schelm, was er nicht so alles erfindet! Könnte der Teufel selbst solch eine List erfinden?!

 

LAURA

Schurken wolln sich durch Schurkerei bei mir einschleichen. Ich lieb Maro von Herzen, und du siehst, ich jage alle anderen fort. Ich mag nur ihn allein und lieb nur ihn allein und werd ihn lieben bis an meines Lebens Ende.

 

POPIWA

Man sieht's, Signora, man sieht alles. Deine Schönheit und dein Geist, die in Rom nicht ihresgleichen haben, können nicht anders als den einen lieben, der dich vergöttert, den einen, der deiner Liebe wahrhaft wert ist. Es geht itzt nur um eines - er ist etwas besorgt, er befindet sich zur Zeit in einer kleinen Verlegenheit.

 

LAURA

Was mag ihn bedrücken? Kann meine Hilfe ihm diese Sorgen erleichtern?

 

POPIWA

Ach, eh ich's vergeß: wir waren beim Kürschner, das Futter aus Marderpelz ist fertig.

 

LAURA

Wann wird er's bringen?

 

POPIWA

Er sagte, morgen früh.

 

LAURA

Und das aus Luchsfell?

 

POPIWA

Er macht's just fertig. Maro selbst war bei ihm. Ach, wie dich der Junker liebt!

 

LAURA

Seine Liebe bleibt nicht unerwidert. Doch sag mir's, in was für einer Verlegenkeit ist er?

 

POPIWA

Er möcht gern, wie es bei Kaufleuten Brauch, dem Vater zeigen, daß er sich auch der Geschäfte angenommen, auf daß der Vater ihm leichteren Herzens sein Hab und Gut vermache. Mit kleinen Fischen fängt man die großen – verstehst du mich?

 

LAURA

Ha, ha, du hast recht. Kann ich dabei behilflich sein?

 

POPIWA

Wie nicht, Signora? Alles liegt in deiner Hand. Doch er wird sich wohl irgendwie aus der Schlinge ziehen. Gut, wir werden uns besprechen, wir werden noch darüber sprechen. Signora, wir sollten gemeinsam etwas ausklügeln zu unser aller Vorteil. Was er ist, das bist auch du; was du bist, das ist auch er; sein Wohlergehn ist dein Wohlergehn, und ich bin euer beider getreuer Diener. Von nun an, so dünkt mich, brechen bessere Zeiten an. Wo mehr Dukaten sind, ist's recht und billig, daß man auch mehr verbraucht; Dukaten sind da, um verbraucht zu werden.

 

LAURA

Wahr sprichst du. Mein Leben wär ich bereit, für Maro zu opfern, wieviel mehr etwas anderes.

 

POPIWA

Du warst immer eine Dame und wirst es immer bleiben. Ich geh itzt, Signora, zu Gianpietro, dem Goldschmied, daß er den Rubin und den Diamanten bring.

 

LAURA

Geh, und so du Maro siehst, sag ihm, er möcht zu mir kommen.

 

POPIWA

Gewiß, Signora!

 

 

ACHTER AUFTRITT

Popiwa, Maro, dann Sadi, Laura

 

POPIWA

(allein) Konnt ich, konnt ich je zu einer günstigeren Stunde zur Signora kommen als zu dieser? Konnt man es besser treffen, um Pomet die Suppe zu versalzen? Denn ich bin gewiß, er wird zur Signora kommen und ihr unser Mißgeschick erzählen - der durchtriebene Kuppler! Der gute Glaube der Signora wird uns beistehen. Selbst wenn Pomet ihr itzt die reinste Wahrheit erzählt, wird sie ihm kein Sterbenswörtchen glauben; sie wird meinen, Pomet sei auf eigenen Vorteil bedacht, wenn er uns verleumdet. Ach Maro, wo steckst du? Komm zum Vorschein! Itzt bist du vonnöten! Ei, da ist er, per Dio![293] Ach, mein Gebieter! Nie bist du zu einer besseren Stunde gekommen als zu dieser! Dem Pomet hab ich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich hab der Signora auf gute Weise beigebracht, sie sollt dem Pomet keinen Glauben schenken, so er uns verleumdet; denn der Lump wird ihr all unser Mißgeschick zu Ohren bringen. Aber ich hab einen Köder für sie ausgeworfen: ich hab ihr klar demacht, du wollest deinem Vater vorspiegeln, daß du dich mit den Geschäften befaßt und im Besitz von Ware seist. Die ganze Welt könnt sie nicht von dem Glauben abbringen, daß dein Vater Schätze nach Rom gebracht, und sie ist zu allem bereit. Gehn wir zu ihr, eh der Verräter Pomet erscheint.

 

MARO

Ach, Popiwa, jetzt erst erkenn ich, was du wert bist, was für ein treuer und erfindungsreicher Diener du mir bist!

 

POPIWA

Gehn wir itzt zur Signora. Verpassen wir nicht die Gelegenheit! Hast du mit dem Juden gesprochen?

 

MARO

Ja, dort kommt er schon. Ich schenkt ihm hundert Dukaten, auf daß er mir für dreitausend Dukaten Ware beschaff, aber der Hund will's nicht anders, als daß ihm die Bank von Oligiatti,[294] wo die Signora ihr Geld liegen hat, dreitausend Dukaten beschafft.

 

POPIWA

Die Signora wird für alles einstehen. Wo ist der Jude?

 

MARO

Da kömmt er. Ach Popiwa, so uns Fortuna itzt nicht beisteht, sind wir die unseligsten Menschen unter der Sonne.

 

POPIWA

Blas itzt keinen Trübsinn! Mit Huren haben wir's zu tun. Verwandel dich itzt in einen Schurken: schmeichle verstell dich. Hier ist Sadi, der Jude.

 

MARO

Popiwa, laß mich itzt machen, lascia far a mi![295]

 

POPIWA

Sadi, sete informato d'ogni cosa?[296]

 

SADI

D'ogni cosa.[297]

 

POPIWA

Fa che tu sei accorto.[298]

 

SADI

Non accadon troppe parole con me.[299]

 

MARO

(Tick, tock.)

 

LAURA

Signor Marin!

 

MARO

Padrona mia dolce![300]

 

LAURA

Petruniella, tira![301]

 

 

NEUNTER AUFTRITT

 

POMET

(allein) Ist irgendeinem in der Welt das Glück so hold wie mir! Es scheint, wohin ich meinen Fuß setz, ebnet es mir die Wege. Verliebt hat es sich in mich - es kann nicht anders sein und ist auch kein Wunder: cum sapiente fortuna semper conversabuntur,[302] das Glück ist auf der Seite des Klugen; mit Toren, Tölpeln und Dummköpfen läßt es sich nicht ein. Leute gibt's, die geben sich gelehrt; sie streuen stets lateinische Brocken in ihre Rede „ergo approbitur“,[303] sie sprechen per littera[304] wie die Papageien; doch ausgequetscht sind sie und haben keine Grütze im Kopf! Andere bringen's mit Müh und Not zu einem Mantel aus grobem Tuch; tauschen dann den groben Stoff gegen feineren ein; bringen's auch zu Silbermünzen und versüßen sich schließlich mit Dukaten das Leben; kleiden sich in Pelz und stolzieren einher: „Seht nur, hier komm ich!“ und „ich bin's, ich!“, und sie dünken sich wunders groß Herren. Diese Tölpel! Ein Herr zu sein bedarf's mehr! Um ein Edelmann zu sein, muß man seine Suppe aus Kapaunen und Rebhühnern bereiten, nicht aus Knoblauch und Sardellen. Solch einer darf sich einen Edelmann nennen - ich bin ein Mann, der sich höfisch beträgt, ein Mann von Geist, ich bin kein Bauerntölpel und schau auch nicht so aus! Das Glück steht mir bei, und mit einem echten Mann ist's! Ich weiß es wohl zu hätscheln, daß es freiwillig bei mir verweilt.

Felicitatis felicitantium![305] Ich fand Dundo Maroje alla Osteria della campana.[306] Kurz und bündig erklärt ich ihm, wie es um alles bestellt ist, nahm ihn bei der Hand und geleitet ihn zu Herrn Maros Haus. „Signor“ schimpft sich Maro itzt; bald werd ich dich und deine Herrlichkeit befragen! Dundo Maroje hab ich darauf vorbereitet, daß Popiwa mit Boktschilo kommen wird, ihm um den Bart zu gehn, bis sie ihn im Haus haben. Und ich sagt also zu ihm: „Popiwa, Maros Diener, dieser Undiener Marins, weiß nichts von deinem Kommen. Gib ihm zu verstehen, daß du viel Handelsware mitgebracht; denn sie treiben gar sonderbare Geschäfte mit den Signoras allhier. Popiwa wird was erleben, wenn er dich im Hause unterbringt.“ Sieh an, da kömmt just Popiwa mit Boktschilo heraus; ich versteck mich hinter der Ekken. Der Hurengreis, wie gut er sich verstellen kann, und ich hab's ihn gelehrt! Ohne mich könnt er sich nicht um sich selber drehen! Popiwa verneigt sich dort höflich: „Willkommen, mein Gebieter!“ Er führte ihn ins Haus. Ich aber sagt bei mir: Bravo, der Meister ist euch ins Haus gekommen! Bald werden wir noch darüber sprechen.

Ich, kaum daß dieser Spaß gelungen, eile flugs, ich fliege, die Signora zu erringen. Signor Ugo, du bist itzt der Herr! Die Würfel sind zu deinen Gunsten gefallen; und ich werd dein eredus coerendus[307] sein; und mein Wanst wird dein Diener sein, dir zulieb werd ich ihn hegen und pflegen. Doch was treib ich nur, daß ich nicht stracks zur Signora geh und ihr von Maros Unglück und unserem Glück berichte? Doch, zum Teufel, da schau, was es heißt, schlau zu sein! So ich Maro bei ihr find - quae pars? cuius? quare?[308] Ich hab einen guten Vorwand, ich werd mich stellen, als ob ich ihn suchte, mir den Botenlohn zu holen, daß sein Vater gekommen ist. Sta bene![309] (Tick, tock)

 

 

ZEHNTER AUFTRITT

Pomet, Petrunjela, dann Sadi, Popiwa, Maro, Laura

 

PETRUNJELA

Wer klopft da unten?

 

POMET

Freunde!

 

PETRUNJELA

Pomet, die Signora ist nicht zu sprechen; sie ist verhindert.

 

POMET

Signora Laura, auf zwei Worte nur, so es euer Gnaden genehm ist. Ist Signor Marin oben?

 

PETRUNJELA

Immer munter

Hinauf-hinunter,

Herzallerliebste mein,

Steh auf und laß mich ein!

Das könnt dir passen,

Doch sollst es lassen.

O Unhold, gib Ruh,

Pomo, das bist du!

 

POMET

Petrunjelchen, liebes Vögelein, lassen wir das Spaßen sein! Es geht um eure Sache; sechs Worte nur für Signora Laura!

 

SADI

La Signora è signora;

Fratel, andè in bona ora!

Oggl non si dà ricetto

Ne a Pomo, nè a Pometto.[310]

 

SADI

Misser, non venete voi a veder il fatto Vostro e vedete se sono per valuta di tre milia ducati? Son tutti panni fini di Olanda; ci sono anche, ma pochi, panni leggeri. Venite a veder il fatto vostro.[311]

 

MARO

Non accade che io più guardi; mi fido di voi. Non mi potreste dar adesso, la chiave del magazzin?[312]

 

SADI

Besogna, prima che 'l banco mi faccia sicuro.[313]

 

MARO

Parlate ben. Avereste voi un saio et cappa di panno tutto schietto da prestar: a nolo?[314]

 

SADI

Ne ho venticinque, se pur vi bisogna.[315]

 

MARO

Mi bisogna un saio et una cappa schietta. Solamente andemo alla buttega vostra finche 'l mio servitor torni con la cosa acconcia con banchiere.[316]

 

SADI

Andiamo![317]

 

 

ELFTER AUFTRITT

Pera, Maros Braut, die Amme, dann Petrunjela

 

PERA

Oh, Amme, weh ob der Stunde, da ich die Stadt verlassen. Freiwillig haben wir uns ins Unglück gestürzt! Ausgezogen bin ich, den Bräutigam zu suchen, aber weh, mein Bräutigam ist so verlorn, daß ich ihn nie mehr finden kann.

 

AMME

Wer schlechten Weibern anhängt, Töchterchen, der ist schon ganz verloren. Unsere Sünde hat uns in dieses Land geführt, wo ein jeder die Seinen meidet.

 

PERA

Weh, in ein Land sind wir geraten, wo die Menschen Herzen aus Stein haben! Glaubst du, Maro hätt nicht erfahren, daß ich ihm bis Rom gefolgt bin? Ach, solche Liebe ist itzt zwischen den Liebenden - sie grauen sich nichtwissend!

 

AMME

Wer weiß noch nicht, daß du hier bist? Alle wissen es schon, nur er nicht, weil, mein Töchterchen, er es nicht wissen will. Dem verdorbenen Weib hat er sich ganz und gar ergeben, wo er noch seine Seel verlieren wird. O Jugend, tolle Jugend! Daß ihr mein ehrwürdiges Alter erreichtet um zu erkennen, wie eure Unbeständigkeit nichts ist als Tollheit und Verblendung, nichts als Gimpelei und Unverstand! Schlechten Weibern habt ihr eure Glückseligkeit und eueren Frieden in die Hand gegeben; bei ihnen habt ihr euch eingenistet. Ihr Armen, ihr seht nicht, daß ihr es mit einem Krebs zu tun habt, der euch das Leben und das Vermögen und die Ehr aufzehrt? Schlechte Weiber sind wie die Motten, ihr Unglückseligen; an euren Bärten, die euch ausfallen, ihr Armseligen, ist es zu erkennen.

 

PERA

Amme dort kömmt ein Mädchen Es scheint eine von daheim. Laß uns fragen, wer sie ist und ob sie schon etwas über unsern Kummer weiß.

 

AMME

(Still, sie spricht!)

 

PETRUNJELA

Arme Petra, vergeh! Wessenthalben ist jener Schurke gekommen, der uns Schlechtes über Maro erzählt, über Maro, ach! ...

 

AMME

(Diese Mädchen scheint von Maro zu sprechen; sie spricht unsere Sprache)

 

PETRUNJELA

... von unserem guten Maro!

 

AMME

Guten Tag, Töchterlein!

 

PETRUNJELA

Wer ist das? Wer seid ihr? Du scheinst aus Dubrovnik zu sein.

 

AMME

Zur Wallfahrt sind wir hier, aus Dubrovnik. Töchterlein, weißt du etwas von einem Maro Marojes aus Dubrovnik?

 

PETRUNJELA

Gleich fragt ihr nach unserm Maro? Ein Junger Edelmann von einundzwanzig Jahren, ein Schmucker Jüngling?

 

AMME

Das ist er! Ja, das ist er! Wohnt er bei euch?

 

PETRUNJELA

Mit uns ist er morgens und abends und weicht nicht von uns.

 

AMME

Und wer seid ihr, Schwesterlein? Sag mir's.

 

PETRUNJELA

Ich steh bei einer Signora in Diensten; sie ist die erste Kurtisane von Rom. Maro liebt sie; alles, was er hat, alles gibt er ihr.

 

PERA

O weh, O weh, ich vergeh!

 

AMME

Armselige!

 

PETRUNJELA

O weh, was ist dir?

 

PERA

Mir fehlt nichts; ein wenig nur tut mir das Herze weh.

 

PETRUNJELA

Dieser Jüngling ist aus Dubrovnik?

 

AMME

Der Arme, ja, er ist auch aus Dubrovnik.

 

PETRUNJELA

Will er bei meiner Herrin in Dienst treten?

 

AMME

Schwesterchen, diese Kurtisanen sind bös und nicht gut; es ist ein Elend um sie; diese da wird auch ein schlechtes und lockeres Weib sein; Pest ist dergleichen für die unerfahrene Jugend.

 

PETRUNJELA

Armselige was redest du da? Du denkst gewiß an eure dort von Pelila und Podmirje,[318] die vor Ungeziefer strotzen? Diese hier ist eine reiche Dame, eine Königin, ihr Haus ist ganz mit Silber und Gold angefüllt.

 

AMME

Unsere von Pelila sind ein großes Ärgernis, aber die deine ist ein Unheil ohne Ende. Armselig sind sie allesamt, und ihr Verdienst ist kümmerlich, die Hexen, die elendigen!

 

PETRUNJELA

Eine wie meine Herrin? Maro hat schon fünftausend Dukaten an sie verschwendet.

 

PERA

Weh mir, weh mir!

 

PETRUNJELA

Was ist diesem Jüngling?

 

PERA

Ach, das Herz dreht sich mir im Leibe um!

 

PETRUNJELA

Du hast dich erkältet. Wie ich schon sagte, Maro hat fünftausend Dukaten an sie gewandt und will sie heiraten.

 

PERA

Weh mir!

 

AMME

Dulde fein still; klag itzt nicht!

 

PERA

Weh mir! Ist's möglich zu leiden, ohne zu klagen?

 

PETRUNJELA

O der Armselige! Was hat ihn befallen?

 

AMME

Du sagtest: „Er wird sie eıraten“. Ja, Schmarren! Das kann er nicht. Erist gebunden.

 

PETRUNJELA

Wie gebunden?

 

AMME

Er ist einer andern verlobt, schon seit drei Jahren

 

PETRUNJELA

Maro? Verlobt? Wirklich, mein Liebe? Sieh an, den Verräter, und meiner Herrin versichert er, er wollt sie um jeden Preis heiraten.

 

AMME

Heiraten?! Das darf man nicht dulden! Daß du's nur weißt, er ist verlobt, und seine Braut ist hierher nach Rom gekommen. Dergleichen darf man nicht tun. Schau her, sag dies deiner Herrin: „Laß den Gedanken fahren; denn der Verräter betrügt dich, er kann das gar nicht tun.“

 

PETRUNJELA

Gewiß werd ich ihr's schnell hinterbringen. Ich geh nur itzt etwas erledigen, was sie mir aufgetragen. Leb wohl, Amme. Es tut gut, mit einem von den Unseren zu sprechen.

 

 

ZWÖLFTER AUFTRITT

Pera, die Amme, Dschiwo

 

AMME

Hast du's vernommen, Unselige?

 

PERA

O Weh, Amme, hast du's gehört von meinem Treulosen! Doch hier ist Dschiwo! – Dschiwo, wir haben alles erfahren, wir haben es gehört und haben genug zu hören bekommen.

 

DSCHIWO

Ei, warum seid ihr auch allein und ohne mich ausgegangen?

 

PERA

Dschiwo, wir haben gefehlt, und nun haben wir unseren großen Kummer, und unser Leid, und unsern Tod erfahren.

 

DSCHIWO

Was gibt's, um Gottes willen?

 

PERA

Wir haben erfahren, mit wem Maro Umgang pflegt und wie er alles mit einem schlechten Weib vertan; und zudem sagt er ihr zu, er wollt sie heiraten.

 

DSCHIWO

Das würde noch fehlen! O Verräter, o vernunftloser Narr, hat das unser Haus um dich verdient?

 

PERA

Weh, hab ich das um ihn verdient?!

 

DSCHIWO

Gehn wir, das will gut bedacht sein. Sein Vater ist hier am Ort, und ich weiß, was ich tun werde.

 

AMME

Ei du tolle Jugend, große Narrheiten vollbringst du! Große Schmerzen erdulden die armen Mütter um euch, und große Pein die betrübten Vater, ihr Windbeutel und Windhunde! Weh, im Alter zahlt ihr für eure Sünden, wenn es an der Zeit wär, für eure guten Werke Lohn und Ehre und Frieden zu ernten.

 

 

DREIZEHNTER AUFTRITT

Gianpaulo Oligiatti, Signora Laura, Sadi, Popiwa

 

GIANPAULO

Bon giorno alla signoria vostra, signora Laura.[319]

 

LAURA

Ben venga, misser Gianpaulo mio.[320]

 

GIANPAULO

Volete che faccio Sadi sicuro di tre milia ducati?[321]

 

LAURA

Misser si.[322]

 

GIANPAULO

Chi ama di cor il suo galante, siccome lo fa signore della persona, così ancora lo fa padron della roba.[323]

 

LAURA

Signor Marin è padron di me e di tutto il mio.[324]

 

GIANPAULO

Beato chi v' è in grazia vostra! Se mi vol commandar altro?[325]

 

LAURA

Son a piaceri vostri, misser Gianpaulo mio caro.[326]

 

SADI

Signora, voletemi commandar altro? Di panni lasciarò far a misser Marino quel che vorrà?[327]

 

LAURA

Sì, sì dateli la chiave del magazzin. Ricordatevi di quei cento braccia di curdella.[328]

 

SADI

Signora, sì mi recordarò[329]

 

POPIWA

Ich geh zu meinem Herrn, sehn, ob er meiner bedarf.

 

LAURA

Geh, ich erwart euch zum Nachtmahl. Hörst du, warst du beim Goldschmied?

 

POPIWA

Ich geh itzt hin. - Das hätten wir geschafft! Popiwa, jetzt bist du dran mit singen! Vom Meeresgrund haben wir dreitausend Dukaten geholt! Wem sonst  könnt es gelingen, der Hand einer römischen Kurtisane Dukaten zu entlocken, ihr das Herz aus dem Leibe reißen?! Alles ist gut gegangen: Habgier haben wir mit Habgier besiegt! Eine Schnecke hat sie als Köder auf die Angel gegeben, um einen Goldfisch zu fangen - dreitausend Dukaten hat sie auf's Spiel gesetzt, um die Ehefrau von fünfzigtausend zu werden! Sie wähnt, Maro wollt sie heiraten. Er sich mit einem liederlichen Weib vermählen; das fiel ihm gerade ein! Wenn er bei Verstand wär, würd er die dreitausend Dukaten nehmen, die Signora im Stich lassen und auf und davon gehn; aber für dergleichen reicht sein Verstand nicht aus. Ach, daß ich an seiner Statt handeln könnte! Doch itzt geh ich ihn aufsuchen, daß er mit dem Vater irgendwas erledige. Sobald Maroje die Ware erblickt, wird sich alles fügen.

 

 

 

VIERTER AUFZUG

 

 

ERSTER AUFTRITT

Maroje, Boktschilo

 

MAROJE

Man lernt nie aus. Obschon ich nun alt, versteh ich mich noch immer nicht auf's Leben. Ich hab nochmals begonnen, in die Schul zu gehn; ich lern auch, bei Gott, ich lerne. Für mich heißt's itzt: lerne oder du hast ausgespielt. Mein Sohn ist mein Meister; itztund erteilt er mir Hiebe, er lehrt mich die Regeln; er ist mein Lehrmeister, und ich studier. Doch weh, mir ist bange, diese Schul könnt umsonst sein! Mein Geld hat er vertan; fünftausend Dukaten im Meer versunken! Dagegen ist kein Kraut gewachsen, doch ich werd sehn, zu retten, was zu retten ist; und fein ruhig werd ich zu Werke gehn. Ich will mich nicht über ihn erregen - ich werd meinem Temperament Zügel anlegen. Man muß sich rechtzeitig verstellen können, er hat mich's gelehrt. Er, der sich stellt, als kennt er mich nicht. „Troll dich, non ti cognosco.“[330] Und ich, ich werd so tun, als ob ich's glaubte. So soll's sein. Auf daß ich dem Löwen etwas aus seinen Krallen reiß, werd auch ich sagen wie er: „Non ti cognosco!“ Komm mir nicht mehr unter die Augen. Er wird nicht mehr mein Sohn sein. Gut. Sobald ich nach Dubrovnik zurückkomm, änder ich mein Testament: der Gemeinde, alles der Gemeinde! Mögen sich andere mit ihm abplagen. Das wenige, was ich in seinem Haus gefunden, hab ich ihm weggenommen: Gestickte Unterhosen, den Rock aus feinstem Sammet, den er im Haus getragen. Auch damit wird mir noch gedient sein, daß ich zumindest die Kosten für diese unglückselige Reis bezahl, bei Gott, eine unglückselige Reise! Ach, wohin sind meine Dukaten?! Doch wo bleibt Boktschilo mit der Ware? Ob er sich nicht verlaufen hat? Ach, santa Maria,[331] Boktschilo! In einem Wirtshaus wird er mit ihr verschwunden sein - das kömmt mir in die Quer wie dem Esel der Stecken! Boktschilo! L'è fatta![332] Trau, schau wem. Boktschilo!

 

BOKTSCHILO

Was zum Teufel rufst du mich?

 

MAROJE

Gott sei's gedankt!

 

BOKTSCHILO

Ach, kaum ein Glied kann ich unter dieser Last rühren!

 

MAROJE

Nur langsam, Bogo!

 

BOKTSCHILO

Nur langsam hast du mir das aufgehalst - ein Maß Wein! Als Lastträger hast du mich mitgenommen. Gott soll mich strafen und meine Reise mit dir, und deine Kost! Von dir hört man nichts als Weinen und Klagen. Wann wirst du lachen, und ich mit dir? Gott möge solch ein Vermögen vernichten, um das so viele Zähren fließen! Werd ich je wieder in mein bescheidenes Heim zurückkehren, auf daß ich bei meinem Wein wieder singen und du bei deinen Dukaten greinen kannst?

 

MAROJE

Bogo, alles wird sich einrenken, alles wird schon werden. Itzt ist Klagens Zeit. Gott gebe, daß auch die Zeit zum Lachen einmal wiederkehrt.

 

BOKTSCHILO

Ja, wenn du mich unter die Erde bringst, dann wirst du meiner lachen. - Da, wohin sollen wir das stellen. Mittendurchgebrochen hat mich die Last.

 

MAROJE

Ich glaub dir's, daß es schwer ist. Aber mir fällt's auch schwer; auch ich trage diese Last: da haben sich meine Dukaten in gestickte Unterhosen verwandelt.

 

BOKTSCHILO

Na, zum Teufel mit den Worten, fast wär ich unter der Last zusammengebrochen.

 

MAROJE

Santa Maria, die Schmerzen, die ich erdulden muß. Boktschilo, was hast du da gemacht?

 

BOKTSCHILO

Da, fertig ist's! Schinde du dich fürderhin, so du magst. Ich für mein Teil will gesund zu meinem angetrauten Weib heimkehrn - der heiligen Jungfrau sei Dank.

 

MAROJE

Ohne Diener - schlecht; mit ihnen - schlecht und ärger, wenn's so geht. Boktschilo, geht man so mit meiner Ware um?!

 

BOKTSCHILO

Herr, werden Diener so abgespeist?

 

MAROJE

Machst du dich über mich lustig?

 

BOKTSCHILO

Glaubst du, du hättest einen Singvogel mit auf die Reis genommen, den man mit Mändelchen füttert? So du willst, daß ich dir Lasten schlepp, so gib mir ein Maß Wein zum Mittag, zu jeder andern Mahlzeit wenigstens Zwei, und wenn ich schlafen gehe, noch eines dazu, daß mir die Kräfte wiederkehrn, derweil ich schlaf.

 

MAROJE

Ich treib keinen solchen Aufwand, Brüderchen, da geh du zu Signor Marin, meinem Sohn, bei dem magst du morgens wie abends besoffen sein - ich geb, was ich hab.

 

BOKTSCHILO

Gib ein Maß Wein!

 

MAROJE

Sollst es haben, Boktschilo. Heb das hier auf, daß wir's in die Herberg tragen.

 

BOKTSCHILO

Wozu hast du ihm die gestickten Unterhosen weggenommen? Der Herrgott mag dich strafen!

 

MAROJE

Ich trag zerrissene, und er bestickt die seinen.

 

BOKTSCHILO

Arme Gecken, die Seide auf dem Hintern tragen.

 

MAROJE

Ei ja, sogar den Hintern haben sie mit Seide zu verbrämen begonnen. Aber wir Väter sind an allem schuld - wir sind schuld daran, weil wir's nicht anders gewollt haben. Närrische Kinder verschwenden das Gold an Unterhosen, vergeuden Hab und Gut, und wir scheren uns nicht drum.

 

BOKTSCHILO

Ach, da lob ich mir unsere Bauernhosen: in denen wir Hochzeit feiern, in denen werden wir auch begraben.

 

MAROJE

Ja, Tuch haben wir auch schon in unsern jungen Tagen getragen, es kostete auch was, aber es hielt ewig. Noch vom Großvater konnte man Tuch im Hause finden; man konnt's nicht zerreißen. Aber da seh ich jemanden kommen.

 

BOKTSCHILO

Bei Gott, das ist Popiwa!

 

MAROJE

Auch mein Lehrmeister scheint mit ihm zu sein! Itzt geht er nicht mehr in Sammet und Seide. So langsam kommt die Sach in Fluß. Bei Gott, ich werd ihn noch in Zwillich sehn! Sie beraten sich miteinander.

 

BOKTSCHILO

Herr, wir wolln uns irgendwo verstecken zu hören, was sie aushecken.

 

MAROJE

Solln sie sich nur beraten; für mich haben sie ausberaten, und bei Gott, auch für sich selber.

 

BOKTSCHILO

Herr, sie sind hier ortskundig und können uns verkaufen, an wen sie wollen.

 

MAROJE

Bei Gott, Boktschilo, du sprichst wahr; sie könnten Böses aushecken, wie sie's schon einmal getan. Gehn wir mit dem Zeug in die Herberg. Da sind sie - heb auf!

 

BOKTSCHILO

Ich soll das aufheben! Nicht einen Zoll hoch, Herr. Such dir einen Lastträger, Herr.

 

MAROJE

Ach, Boktschilo, du mein Verderben! Den ganzen Handel verdirbt mir dieser Trunkenbold!

 

BOKTSCHILO

Ach, mein Gebieter, du bist mein sicherer Tod, mit einem Maß Wein kannst du mich nicht bestechen.

 

MAROJE

Boktschilo, ist's recht, daß du mir alles so verdirbst?!

 

BOKTSCHILO

Nun, mein Gebieter, sei unbesorgt.

(Bokfschilo deckt den Ballen zu mit seinem Mantel, und Maroje geht in die Herberge.)

 

 

ZWEITER AUFTRITT

Maro, Popiwa, dann Maroje und Boktschilo

 

MARO

Ach, Popiwa, ich bin verloren! Ich hab nicht gedacht, daß es so weit kommen könnt.

 

POPIWA

Man soll nicht solcher Art verzweifeln. Was fürchtest du dich? Du gehst doch zu deinem Vater.

 

MARO

Zu meinem Vater? Zum Basilisken geh ich, der mich mit seinen Blicken töten will. Ich bin auf dem Weg zu einem Mann, dessen Herz nur am Golde hanget, der keine Liebe mehr spüret weder zum Sohn noch zu Gevatter und Freund.

 

POPIWA

Geduld führt schließlich zum Ziel, und ein gescheiter Mensch vermag viel auszurichten auf dieser Erden. Stell dich, als hättst du ihn zuvor nicht gesehn- und tritt ihm fein höflich entgegen, da du dich einmal entschieden, vor ihn hin zu treten. Und halt dich brav. Meine Meinung war, wir ließen ihn und die Signora im Stich und machten uns mit den dreitausend Dukaten aus dem staube.

 

MARO

Ich? Die Signora im Stich lassen? O Popiwa, was redest du da? Eher würd

ich sterben, als dies tun.

 

POPIWA

Aber wenn dein Vater, dieser Knauser, die Ware an sich bringt, wird die Signora nicht ebenso geprellt sein?

 

MAROJE

(aus der Herberge: Gut, sie sprechen von irgendwelcher Ware. Nur, wie wollen sie dazu gelangen? Wir werden mit ihm spielen, al più saper, bei Gott a più saper.[333] Gut!)

 

MARO

Ach, Popiwa, dieser Rabenvater hat Geld wie Heu; ich möcht nicht, daß er mich enterbt.

 

MAROJE

(Bei Gott, so wird's kommen. Erraten.)

 

POPIWA

Auf denn, da bleibt nichts anderes, als daß wir ihn finden.

 

MARO

Mein Gott, wo werden wir ihn finden? Ach, wenn er sich nur in Dunst auflösen wollt und wir ihn niemals fänden!

 

MAROJE

(Keine Angst! Du bist verloren, daß du dich selbst nicht so bald wiederfindst.)

 

MARO

Wer ist das? Das ist ja Boktschilo. Bei Christi Wunden! - Boktschilo, was treibst du hier?

 

BOKTSCHILO

Che Boktschilo spalar! Andar, non Boktschilo.[334]

 

POPIWA

Schau den Trunkenbold! Zum Narren hat er sich gemacht! - Alter Zechbruder, wer hat dich aus Dubrovnik hergebracht, daß du uns Weinebbe hier in Rom bescherst?

 

BOKTSCHILO

Herr Maro, ich küß dein Händchen! Du Krone der Jugend, du mein Labsal! Gesegnet sei die Milch, die du gesogen, mein guter Herr. Auch Väterchen ist hier.

 

MARO

Wo ist mein Vater?

 

BOKTSCHILO

Herr, mir erst den Botenlohn, dann dir Maroje!

 

MAROJE

Maroje, bevegna![335]

 

MARO

Väterchen, wie geht's?

 

MAROJE

Wie ich mich nach deinem Anblick gesehnt habe!

 

POPIWA

(Ein guter Anfang, still!)

 

MARO

Als mir zu Ohren gekommen, du seist hier, hab ich ganz Rom nach dir durchstöbert.

 

MAROJE

Rom ist groß, und man kann einander nicht so leicht finden.

 

BOKTSCHILO

(Ach nichts geht über einen Vater! Das war seit je seine Freude und meine Hoffnung, rein wie Gold ist er und gut wie Brot.)

 

MARO

Welch Mißgeschick hat dich nach Rom verschlagen?

 

MAROJE

Zuvörderst bin ich zu einer Wallfahrt gekommen, zum andern dich zu sehn, wie's dir ergangen, was du treibst; doch du schaust gut aus.

 

MARO

Es geht mir auch gut, Väterchen, ich bin gesund. Und du, wie steht's um deine Gesundheit? Du schaust auch nicht schlecht aus.

 

POPIWA

(Schau die Teufel, wie sie sich um den Bart gehn. Wollt Gott, ihre Herzen wären just ebenso!)

 

MARO

Väterchen, gib die Herberg auf und zieh zu mir. Hast du Ware mitgebracht?

 

MAROJE

Ihr Zwei, geht ein wenig weiter!

 

POPIWA

(Gott im Himmel, was wird nun geschehn?)

 

BOKTSCHILO

(Vater und Sohn, die reinste Gnade Gottes!)

 

MAROJE

Maro, komm, sag mir die Wahrheit. Ich mocht dich nicht vor den andern fragen – warst du's, den ich ohnlängst gesehen? Er war dir wie aus dem Gesicht geschnitten. So du dich aus irgendeinem Anlaß geschämt, brauchst es nicht vor mir zu verheimlichen - ich bin auch einmal jung gewesen.

 

MARO

Ich, Väterchen? Ich hätt mich dir nicht gemeldet? Ei, Väterchen, was sprichst du da? Doch wundere dich nicht, Väterchen, da haben sich auch andere schon getäuschet. Es gibt da einen, Signor Marin mit Namen, er geht in Samt und Seide, mit einer Halskrausen, ich hingegen bin ein armer Kaufmann. Er ist mir ähnlich wie ein Zwillingsbruder.

 

MAROJE

Nun gut, wenn dem so ist, so hab ich mich getäuscht.

 

MARO

Ach, wie viele sind darüber schon irre geworden!

 

MAROJE

Aber etwas anderes will ich dir sagen: ich hab einige Goldbarren mitgebracht und etwas Blattgold; das hab ich heimlich gemacht. Hältst du ein Lager, in dem du Ware hast?

 

MARO

Ja, ich hab eins, es ist voll mit Tuchen.

 

MAROJE

Per amor de Dio,[336] warum bist du nicht nach Florenz gegangen, wie ich dir's gesagt?

 

MARO

Väterchen, du sollst alles erfahren; uns bleibt Zeit genug, alles zu besprechen.

 

MAROJE

Goldbarren und Blattgold wüßt ich gern unter Verschluß.

 

MARO

Ich überlaß dir eine Truhe, in der du's aufbewahren magst.

 

MAROJE

Es ist in einer Truhen; doch wollt ich sie gerne an einem Ort abstellen, wo die Diener nicht darin herumschnüffeln. Ist das Lager wohl sicher?

 

MARO

Ja, ganz sicher!

 

MAROJE

Dann mag es gut sein! Gehn wir denn, daß ich die Stoffe seh, dann gehn wir heim, daß ich ein wenig ruh. Hast du eine gute Wohnung? Ist sie bequem?

 

MARO

Sehr bequem.

 

POPIWA

(Leeres Gewäsch! Füchse sind's, der Vater wie der Sohn. Mein Gott, wer wird Sieger bleiben?)

 

BOKTSCHILO

(O wie sie einander schön tun - die reine Gottesgnade!)

 

MAROJE

Wart nur, Maro, daß ich Boktschilo eben zwei Worte sag. - Boktschilo, komm her! Da hast du Geld für Wein.

 

BOKTSCHILO

Ach, ewig sei deine Hand gesegnet!

 

MAROJE

(Bogo, so du mir je treu gewesen, dien mir itzt treu, und du sollst erfahren, was ich für dich tun werde.)

 

BOKTSCHILO

Da du mir Geld für Wein gegeben, so gib mir auch für die Zukost.

 

MAROJE

Zu Hause sollst du alles haben.

 

BOKTSCHILO

Gib mir gebratene Leber, Herr! Das Wasser läuft mir im Munde zusammen nach Leber.

 

MAROJE

Auch Leber sollst du haben, Bogo.

 

BOKTSCHILO

Laß mich dein Händchen küssen.

 

MAROJE

(Bogo, nimm deinen Mantel und deck das Bündel zu, daß man's nicht seh; so diese zwei es gewahr werden, ist der ganze Handel verdorben.)

 

BOKTSCHILO

Vergiß nicht meinen Botenlohn; du weißt, ich hab ihn um Maro verdient.

 

MAROJE

Auch Botenlohn sollst du haben.

 

BOKTSCHILO

(Ich hab nichts bei mir, um's zusammenzuschnürn; doch überlaß das mir - schlaf ohne Sorge, sei beruhigt.)

 

POPIWA

(Was zum Teufel tuschelt er? Wie steht's?)

 

MARO

(Nicht Schlecht, wenn er mich nicht täuscht.)

 

POPIWA

(Ich geb das Spiel noch nicht verloren. Vater bleibt Vater.)

 

MARO

Väterchen, habt ihr mir einen Brief von meiner Braut mitgebracht?

 

MAROJE

Nein, wie ich in Eil bin aufgebrochen, hab ich mich ihnen nicht gemeldet; doch alle  sind wohlauf. Letztes Jahr gab es viele schwere Krankheiten. Doch - obschon alt und schwach - wir haben's überlebt.

 

MARO

Ei, Väterchen, du bist nicht alt, du bist gar rüstig.

 

MAROJE

Ach, der Kummer hat mich vor der Zeit altern lassen. Du, der du noch jung bist, räum der Trübsal keinen Platz in deinem Herzen ein; es gibt nichts Ärgeres als die Melancholie.

 

MARO

Danach handeln wir auch.

 

POPIWA

(Wohin mag dieses Schöntun noch führen?)

 

MAROJE

Boktschilo, folg uns in einigem Abstand, und wickel dies ein. - Ich trag das, wovon ich dir gesprochen.

 

MARO

In Gottes Namen!

 

 

DRITTER AUFTRITT

Pomet allein, dann Gulisaw, der Kroate

 

POMET

(allein) Der Teufel hol das Glück und auch das Unglück. Fortuna wird zumeist als Weib dargestellt, zu Recht wird ihr solch Ehr erwiesen, da sie sich itzt nach der einen Seit, itzt nach der anderen wendet, itzt zum Bösen sich neigt, itzt zum Guten; itzt streichelt sie dich, itzt würget sie dich. Wer ist ihr schuld? Bei Gott, sie ist mir schuld! Zum Teufel mit ihrer Macht, damit sie die Menschen itzt lachen und itzt weinen macht. Eine teuflische Frauennatur! Mich deucht, sie macht mich itzt ein wenig greinen, damit sie lachen kann. Lach nur, lach! Bei Gott, ich wein mit dem Herzen, ich wein mit den Augen - Weinen ist Weibersach! In was für einem Wohlstand war ich bis vor kurzem; wie man so sagt: das Blei schwamm mir oben bei meinem Tudeschko. Er ist nicht mehr mein! Aus dem Haus hat er mich gejagt. Genieß nun das Paradies auf Erden. Weh, träumt mir das nur? Oh Gott, oder ist es wahr? Bei Gott, es ist die schiere Wahrheit. Ach, erbarmungswürdiger Pomet, just hattest du Geschmack gefunden an diesen Speisen, an dem Himmelsmanna. Und wie willst du dich nun trösten, mein Wanst, mein lieber Herr? Wappne dich mit Geduld; fürderhin wirst du mit Sardellen vorlieb nehmen müssen. Leid ist mir's, jedoch ich vermag nichts dawider. Indes, du warst immer tapfer - im Mißgeschick hast du dich Wacker gehalten: der Seemann wird im Sturm erprobet. Und so du auch etzliche Male Essig zu trinken bekommst, so sprich: auch das gereicht mir zum Besten; wer nicht das Unglück gekostet, vermag das Glück nicht zu schätzen. Nach dem Essig wird der Malvasier noch einmal so süß munden, und nach Krautbrüh und Sardellen werden Kapaunen, Torten, Rebhühner, Fasanen dich umso besser laben. Auchitzt im Unglück bring ich dir meine Ehrerbeitung dar, die Mütze in der Hand, und ich bin nicht wie manche, die dem Freund in guten Zeiten zugetan sind und ihm in bösen den Rücken kehrn. Aus einer Schwachheit hab ich zu weinen begonnen, da es mir leid um ihn ist; eine Weile wird er notleiden - doch es wird nicht lang währen. Meine Hoffnung kömmt mir von der Natur der Fortuna; sie ist just wie eine, der ich dermaleinst den Hof gemacht: itzt zeigt sie mir ein freundlich Angesicht, itzt eine böse Fratze; itzt macht sie mich weinen, itzt wiederum lachen. Was mich betrifft so bin ich ohne Sorgen und guten Muts; nur um den Gesellen ist mir's leid; ich weiß nicht, was für ein Unhold in meinen Tudeschko gefahren - tausend Teufel hat er auf mich gehetzt. Kaum daß ich zu ihm gekommen, so hat er mich angelassen: „Traditor, fuggir casa mia!“[337] – „Signor Ugo, was ist geschehn, um Gottes willen?“ – „Ti schtar, ti guartar!“[338] Einen Degen hat er nach deutscher Art gezogen - und ich - Fersengeld hab ich gegeben und zu meinem Wanst also gesprochen: „Fastenzeit, mein Lieber, von nun an heißt's fasten.“  Zwei haben mir heut mit Waffen nach dem Leben getrachtet - aber noch bin ich Pomet, Pomet, fürwahr! Signor Marin mit Waffen auf mich los! Ach, Popiwa, Popiwa, lauter Halunken sind hier. Aber es wird sich ausweisen, wer schließlich der größere Halunke ist. Doch - dort ist jemand, der nach mir ausspäht; ob er wohl vom Teufel auf mich losgelassen, daß er mich umbring? Besser ist's, ich such das Weite.

 

GULISAW

O quel omo dabben![339]

 

POMET

Ach?

 

GULISAW

Landsmann?

 

POMET

Was gibt's?

 

GULISAW

Bei Gott, lauf nicht davon!

 

POMET

Woher des Wegs? Wer bist du?

 

GULISAW

Gut Freund bin ich, fürwahr, tritt näher.

 

POMET

Verzeih, Bruder, auch Feinde behaupten oft dergleichen und entpuppen sich alsdann mit dem Säbel in der Hand als Feinde. Doch, soviel ich seh, bist du ein guter Mensch; reich mir die Hand! Woher des Wegs?

 

GULISAW

Guter Mann, geradewegs aus Deutschland komm ich, in einer gar wichtigen Sache. Gesandt bin ich von Ondardo Tudeschko, einem Edelmann aus Augsburg, seine Tochter soll ich  aufspürn, die er seit acht Jahren aus den Augen verlorn.

 

POMET

Wie ist ihr Name?

 

GULISAW

Magdalena. Ondardo weilte einst gar lange Zeit als Kaufmann in Venedig, daselbst hat er eine venezianische Edelfrau von Herzen liebgewonnen; mit ihr hatt er eine Tochter: Magdalena. Selbige Tochter behielt er bei sich. Das Mädchen wuchs heran und erblühte zu einem Edelfräulein. Das Unglück aber wollt es, daß ein Nachbar, ein venezianischer Edelmann, ein Auge auf sie warf und sie auf ihn. Eines Tages entführt er sie aus dem Hause des Vaters und floh mit ihr davon. Der Vater scheute keine Mühe, die Tochter wieder aufzufinden; das Mädchen aber, wie es davongegangen, ist nie wieder heimgekehrt.

 

POMET

Aber was hat der Vater itzt im Sinn? Damals vermocht er's nicht, sie zu finden, und itzt, nach einer Ewigkeit, wie will er sie itzt ausfindig machen?

 

GULISAW

Herr Ondardo hat sie anfangs eifrig gesucht, aber wie er dann nach Augsburg zurückgekehrt, hat er ein Weib genommen, Kinder gezeugt und sich um Magdalenen nicht mehr gekümmert.

 

POMET

Und itzt, was will er itzt?

 

GULISAW

Die Frau ist ihm gestorben, die Kinder ebenso, ein großes Vermögen ist ihm geblieben. Da hat er sich des Mädchens entsonnen; mich hat er ausgesandt, daß ich sie such, daß ich nachfrag, daß ich Ausschau halt nach ihr, daß ich eine Belohnung versprech demjenigen, der sie ausfindig macht.

 

POMET

Wie hoch soll der Lohn sein?

 

GULISAW

Hundert Skudi in barem Geld dem, der sie findet.

 

POMET

Kein übler Botenlohn! Jedoch - wo in aller Welt soll man sie finden?

 

GULISAW

So sie am Leben ist, mein Lieber, wird man sie auch finden.

 

POMET

Doch wenn eine andre Magdalena sagt: „Ich bin's!“, das Erbe zu gewinnen, und ist nicht seine Tochter? Denn mit den Jahren ändert sich der Mensch.

 

GULISAW

Mann Gottes, da gibt's Zeichen. Unter der linken Brust hat sie ein Muttermal, auch am Arm hat sie ein Mal, das mir bekannt. Die Amme ist mit ihr, so sie nicht abgeschieden ist von dieser Welt.

 

POMET

Hab's wohl vernommen, guter Mann; ich werd mich umtun, um diese hundert Skudi zu gewinnen. Wo wirst du Herberg nehmen?

 

GULISAW

Hier in der Herberg della grassezza.[340] Komm, trink eins mit mir.

 

POMET

Danke Freund, wir treffen uns dann wieder. - Ich muß indes noch meinen Geschäften nachgehn.

 

 

VIERTER AUFTRITT

Pomet, dann Petrunjela

 

POMET

(allein) Daß der Teufel Rosenwasser piß, daß sich das Glück zu meinen Gunsten wend, Manda sich in Magdalena verwandle! Dann wären hundert Skudi mein. Doch wie ich seh, heut ist mir das Glück nicht hold, mir scheint, der Mann hat nur gefaselt. Mich dünkt, er wollt nur, daß ich ihn in mein Haus bitt und ihn bewirte. Der Schlaue kann vom Schlauen nicht viel gewinnen. - Doch da kömmt Petrunjela; sie murmelt etwas vor sich hin. Ich geh in Teufes Namen hören, was sie spricht, doch darf ich mich ihr nicht bemerkbar machen. Alle haben mir den Rücken gekehrt. Auf wem die Götter, auf dem auch die Leute.

 

PETRUNJELA

Ha, der Teufel soll die Seele holen, vertrau du nur auf süße Worte, trau nur den Hunden! Wie eine Närrin meine Frau: „Maro, meine Seele, Maro, mein Herz, Signur Marin!“ So ich's nicht mit meinen eignen Augen geschaut, ich würd's nicht glauben.

 

POMET

(Es braut sich was zusammen.)

 

PETRUNJELA

Weh uns, die dreitausend Dukaten sind verlorn, der garstige Alte hat den Stoff an sich gebracht!

 

POMET

(Ich kann's nicht länger ertragen, ich muß Petrunjela ausfragen, was es gibt.) - Petre, bist du deinem Pomet gram? Willst du, daß ich sterb? So komm und töte mich!

 

PETRUNJELA

Pomet, so wahr dir Gott helfe, vermehr nicht auch noch meinen Kummer.

 

POMET

Petrunjela, ich bitte dich wie eine Königin, meine Herrin, sag mir, was es gibt.

 

PETRUNJELA

Eine große Teufelei werd ich dir erzählen! Alles Verräter, alles Ehr- und Halsabschneider! Weh, dreitausend Dukaten! „Mein Maro!“ Maro ist Teufel und Beelzebub!

 

POMET

Fürwahr, Maro hat euch betrogen! Auf Pomet habt ihr nicht hören wollen, gespottet habt ihr seiner, ihr Närrinnen! Pomet hat euch die Wahrheit gesagt, ihr aber habt auf Räuber euer Vertrauen gesetzt - recht geschieht's euch! Sag also, was ist geschehn? Was haben die Schurken angestellt?

 

PETRUNJELA

Sie haben's wahrhaftig getan, weh, dreitausend Dukaten! Die Herrin sandt mich aus zu erlauschen, wie's um Maros Vater bestellt sei. Ich sucht den Juden Sadi auf und fragt ihn aus, wer Maros Vater sei. Der zeigt mir eine Laus in einem zerlumpten Rock, wie er das Lager aufmacht, und hinter ihm steht ein Haufe Lastträger. Drauf frag ich ihn, ob sie alle Ware, die er aus Dubrovnik gebracht, in dieses Lager bringen werden. Der Jude aber sagt zu mir: „Woher? Das ist der Stoff, für den die Signora dreitausend Dukaten Bürgschaft geleistet“. Ich schau, was der Alte tut. Den ganzen Stoff hat er genommen, und die Lastträger haben ihn fortgetragen, der Teufel weiß, wohin. Drauf sagt Sadi, der Jude, zu mir: „Siehst du? Maros Vater hat alles weggetragen“, und auf lateinisch fährt er fort: „Pare de misser[341] trug die Ware weg, hat den Stoff genommen“; ich geh auf die Bank und laß mich auszahlen von dem Geld der Signora.“ So hat meine Herrin dreitausend Dukaten gewonnen!

 

POMET

Recht geschieht ihr's. Sie hat nicht auf mich hören wollen; just darum bin ich zu ihr gekommen; ich hab alles gewußt. Maros Vater ist ein Jude, ein Knauser ist er. Wie er erfahren, daß Maro das Geld verschwendet, ist er hergekommen, ihm alles zu nehmen, was er bei ihm findet, und um ihn von hier wegzuführen; er will ihn auch enterben.

 

PETRUNJELA

Weh uns, und wir haben nichts geahnt! Meine Herrin wird verzweifeln.

 

POMET

War unser Signor Marin dabei, als sein Vater den Stoff weggetragen?

 

PETRUNJELA

Nein, er hat ihn irgendwohin fortgeschickt.

 

POMET

Ha, das ist ein Streich von Dundo Maroje! Petrunjela, jetzt wißt ihr, wer euer wahrer Freund ist. Doch - bevor du heimgehst, will ich dich etwas fragen.

 

PETRUNJELA

Frag mich nach einem großen Kummer! Arme Petra, mit was für einer Botschaft werd ich zur Herrin heimkehrn.

 

POMET

Petrunjela; genug vorerst. Doch hör mich an. Jene Alte, die in euerm Hause weilt, ist sie die Amme der Signora?

 

PETRUNJELA

Ja, doch warum?

 

POMET

Zu euerem Besten. Spricht sie tudeschko?

 

PETRUNJELA

Diese Amme ist aus Deutschland.

 

POMET

Aus Deutschland!

 

PETRUNJELA

Mich deucht, auch die Signora stammt von dort. Mir hat sie erzählt, ihr Vater sei ein Tudeschko; doch sie weiß nichts von ihm.

 

POMET

Signor Lauras Vater ein Tudeschko! Ach Petrunjela, warum heißt sie hier Signora Laura, und in Kotor schimpft sie sich Manda?

 

PETRUNJELA

Ihr Taufname ist Magdalena. So wurde sie in Kotor Manda gerufen; hier in Rom hat sie ihren Namen gewechselt aus mancherlei Gründen; einmal um ihres Vaters willen, der sie gesucht hat, sie zu erstechen. Ei Pomet, was machst du da?

 

POMET

Ach mein Petrunjelchen, da hast du einen Skudi, kauf dir was Gutes, mir zulieb.

 

PETRUNJELA

Was soll das Pomet? Du spaßest wohl?

 

POMET

Petre, zum König hast du mich gemacht. Von nun an verlange von mir, was du willst.

 

PETRUNJELA

Was soll ich Arme verlangen, es fällt mir nichts ein.

 

POMET

Dann verlang ich was von dir! Richt der Signora aus: „Beweisen werd ich dir, daß ich ein besserer Freund, als du je einen gehabt.“

 

PETRUNJELA

Weh, verrat ihr nicht, daß ich dir gesagt hab, ihr Vater sei ein Tudeschko, und daß sie ihren Namen vertauscht hat: sie hütet dieses Geheimnis wohl. Jesus, ich hätt mein Leben verscherzt, so sie erführ, daß ich's dir gesagt.

 

POMET

Petrunjelchen, ich werd noch das Leben mit dir genießen - genug für heute! Sag der Signora Laura: „So dich mein Herr, der Tudeschko, zur Frau nehmen wollt, würdest du einwilligen?“ und sag ihr zudem: „Dir kund und zu wissen: dieser Tudeschko ist ein Edelmann, ein reicher Mann, fünfzigtausend Dukaten nennt er sein eigen.“

 

PETRUNJELA

Viel ist das, Pomo! Wer wollt darauf verzichten? Ich sag dir's zu, in ihrem Namen: sie wird's gewißlich tun, zumal sie auch eine Tudeschka ist.

 

POMET

Geh also hinauf und richt ihr's aus; ich komm ein wenig später nach.

 

PETRUNJELA

Vergelt dir's Gott, Pomet, daß du uns so zugetan. - Bei meiner Seel, was für ein treuer Freund unseres Hauses doch dieser Pomet ist. Ach, ich hab darüber ganz vergessen, unterwegs zwei Liter Seife za kaufen. Ja doch, bevor ich heimgeh, hol ich sie noch flugs.

 

 

FÜNFTER AUFTRITT

 

POMET

(allein) Ach, Glück, mein Glück, Fortuna liebste, itzt merk ich, daß du mit mir Schindluder treibst. Angenscheinlich seh ich, daß du mit mir scherzest, und ich seh, daß du mich liebst, bei Gott, du liebst mich, und ich, wahrhaftig, ich bin dein, ich bin schier toll nach dir. Denn wer hat mich bis itzt mit Pfaffenbissen gemästet, wenn nicht du? Itzt hast du mich ein wenig erzürnt - und warum? Um mich zu einem ganz Glücklichen und Seligen zu machen: du hast mir die Gelegenheit in die Hand gegeben, um meine besten Hoffnungen zu erlangen! Signor Ugo, la signora e tua.[342] - Signora Laura, Mande, Magdalena, bei Gott, du bist jene Magdalene, die Tochter des de Ondardo de Augusta. Signor Ugo, glücklich werde ich dich machen: ich gebe dir Signora Laura, daß sie bis zum Tode dir gehört, noch dazu mit einem großen Vermögen. Signora Laura, ich gebe dir zum Bräutigam einen Edelmann, jung und reich. Ich erweise euch diese Wohltat, bei Gott, so wird es mein! - Doch wen sehe ich kommen? Dundo Maroje mit Boktschilo. Das ist ein Mann, er weiß sich zu benehmen: er hat dem Meeresgrunde dreitausend Dukaten entrissen. Sie sprechen etwas; ich gehe sie belauschen.

 

 

SECHSTER AUFTRITT

Maroje, Boktschilo, Maro, Pomet (verborgen)

 

MAROJE

Boktschilo, hab ich das nicht gut gemacht? Schon sind mir dreitausend Dukaten wieder sicher; einen Riesenhappen hab ich dem Rachen des Löwen entrissen!

 

BOKTSCHILO

Was liegt mir daran, wenn ich nicht auch ein Häppchen von diesem Happen zu kosten bekomm? Möcht nicht auch von jenem feinen Stroff ein Wams oder ein Beinkleid für mich abfallen?

 

MAROJE

Alles wird sich fügen, Boktschilo. Wir sind im rechten Fahrwasser.

 

BOKTSCHILO

Ja, alles wird sich fügen, wenn ich nicht mehr sein werde! Weh mein armer Rücken! Schwer waren die Ballen: mittendurchgebrochen haben sie mich!

 

MAROJE

Still, Boktschilo. Da kommt jener Meister! Ich werd mich stellen, als kennt ich ihn nicht; ich werd ihm mit gleicher Münze heimzahlen.

 

MARO

Ach, ich Narr, wie konnt ich nur den Schlüssel vom Lager jenem Teufel überlassen! Doch, da ist er ja, per Dio[343] - Väterchen!

 

MAROJE

Was gibt's, Brüderchen? Wer bist du? Du hast dich sicher getäuscht. Wen suchst du?

 

POMET

(Sieh da, was für ein Spaß!)

 

MARO

Wie? Wen ich suche? Ich hab mich nicht getäuscht.

 

MAROJE

Wessen Sohn bist du?

 

MARO

Des Teufels Sohn, wenn dem schon so ist. Was soll das bedeuten?

 

MAROJE

Bekreuzige dich, Jüngling, du bist nicht bei Sinnen.

 

POMET

(Was für eine Komödie!)

 

BOKTSCHILO

(Lauter Durchtriebene sind hier beisammen!)

 

MARO

Was sollen diese Schurkenstreiche? Gib mir die Schlüssel vom Lager; der Stoff gehört mir nicht.

 

MAROJE

Assassin, all'assassino![344] Boktschilo, zu Hilfe! Ladro! al ladro![345]

 

MARO

Ach, kein Vater, sondern ein Teufel!

 

POMET

(Hat irgend jemand schon so etwas gesehn, Leute? Hat sich schon je solch eine Komödie abgespielt?!)

 

MAROJE

Boktschilo, gewonnen!

 

BOKTSCHILO

Da sind zwei Betrüger und nicht zu kleine aneinandergeraten - aber der größere ist Sieger geblieben!

 

MAROJE

Wer mit Teufeln umgeht, muß ein Betrüger und noch alles andere dazu sein.

 

BOKTSCHILO

Mein Gebieter! Du Vater - er Sohn, ihr werdet zu einem Vergleich kommen.

 

MAROJE

Zwischen Fuchs und Hund gibt es keinen Vergleich. Itzt jedoch war ich der Fuchs, und er hat mich's gelehrt. Itzund, so gehn wir in die Herbergen, daß ich dich traktier.

 

BOKTSCHILO

Bei Gott, ich spür auch Appetit, die Ballen haben mir zugesetzt.

 

MAROJE

Tritt ein.

 

BOKTSCHILO

Gut denn, auch das Unmögliche soll geschehen.

 

 

SIEBENTER AUFTRITT

Pomet, dann Masija

 

POMET

(allein) Was für eine Komödie! Signor Marin entkommen wie ein kastrierter Wolf, und die Dukaten der Signora an Dundo Maroje kleben geblieben! Nun, Leute, da mögt ihr sehen, wie man Geld vom Grund des Meeres zwischen Pharus und Messina heraufholt! Doch wer war ihm Lehrmeister? Pomet! Pomets Taten sind's: Ich hab ihm Wind in die Segel gegeben, und er hat verstanden zu navigieren. - Doch wen seh ich da? Eine neue Person? Masija scheint's mit Briefen. Er ist's! Es wird was Neues geben. Fortuna hat begonnen, mich mit neuen Personen bekanntzumachen. So mir auch noch Masija Glück bringt! Wenn das zutrifft, halt dich bereit, Masija, dann werd ich dich auf gut bosnisch bewirten. Masija, bevegna![346]

 

MASIJA

Pomo, Pomet, laß dir die Hand drücken. Heilige Jungfrau, Dank sei dir! Ein Glück für mich, daß ich dich treff.

 

POMET

Heuchler, was heuchelst du?

 

MASIJA

Itzt werd ich trinken, essen und gar herrschaftlich schlemmen.

 

POMET

Schmeichler, wem schmeichelst du?

 

MASIJA

Bei der Heiligen Jungfrau, dir wollt ich lieber begegnen als dem Papst.

 

POMET

Und weshalben, du küstenländischer Wegelagerer?

 

MASIJA

Weil's scheint, daß alle guten Bissen mit dir auf du und du stehen; wo du bist, da wird gegessen und getrunken und jubiliert.

 

POMET

Natürlich wird jubiliert, Masija.

 

MASIJA

Sag, wird mir's bei dir etwas besser ergehn? Nimm mich als Diener an, nur daß ich mit dir sein k ann. Bei der Heiligen Jungfrau, du möcht ich wohl lieber dienen als einem Bischof.

 

POMET

Ach, ach, einem Bischof, Masija, du weißt noch nicht, was ich in Rom bedeute. Du Saufaus, folg mir nur auf dem Fuß, halt dich an meinen Schatten, dann magst du sehn, wer  Pomet Trpesa ist.

 

MASIJA

Ich entsinn mich noch, wie ich dich dermaleinst mit einem armseligen Schoppen Wein traktiert, und du, Hungerleider, hattest nicht einmal genug, einen Laib Brot zu kaufen; itzt bist du ein großer Herr und ich ein armer Schlucker. Non conveniuntus xudielis cum samaritanorum.[347]

 

POMET

Komm her, Masija! Was gibt's Neues in Dubrovnik?

 

MASIJA

Folgende Neuigkeiten: Milaschiza[348] verkauft Käse; vor dem Orlando[349] schenkt man Wein aus; Männer trinken ihn; vor der Loggia herrscht kein Brotmangel, noch Wassermangel an der Fontäne.

 

POMET

Bruderherz, das ist alles alt! Was gibt's Neues?

 

MASIJA

Ja, der Malvasier war heuer um fünfzig.

 

POMET

Gibt es welchen Brief?

 

MASIJA

Bei Gott, weißt du, wo Maro, Marojes Sohn, wohnt? Für ihn hab ich einen Brief aus Dubrovnik.

 

POMET

Ich weiß, wo er wohnt, ich seh ihn jeden Tag; ich werd ihm den Brief übergeben .

 

MASIJA

Und für einen gewissen Dschiwo ist der andere. Bei deinem Heil, Pomet, liefer sie gut ab.

 

POMET

Gut, Iassa far a mi.[350]

 

MASIJA

In Dubrovnik ist eine Witwe gestorben, ebenso ihr Sohn und ihre Tochter; sie hat ein großes Vermögen hinterlassen.

 

POMET

Wer ist die Witwe?

 

MASIJA

Ich weiß nicht; in den Briefen hier steht's geschrieben. Ich geh indes; hab noch hunderterlei Dinge zu verrichten. Pomo, laß auch mich etwas verdienen!

 

POMET

Masija, wenn wir uns wiedertreffen, werd ich dich bewirten, du Saufaus.

 

MASIJA

Dank dir wie einem Bruder, du Schlauberger.

 

 

ACHTER AUFTRITT

 

POMET

(allein) Bei Gott, Pomet wird die Neuigkeit zuerst erfahren; vielleicht wird sich Pomet einen guten Botenlohn verdienen. Die Briefe sind in meiner Hand; ich werd sie öffnen. Doch mir ist das Glück hold, und ich hab's unterlassen, mein Idol, Signor Ugo, aufzusuchen, der gegen mich ein wenig aufgebracht ist. So ich ihm die Neuigkeit überbring, daß Signora Laura Magdalena ist, Tochter des Ondardo von Augsburg, dem Gattin und Kinder gestorben, und daß Signora Manda Erbin von Ondardos großem Vermögen sein soll - cur? quare? cuius?[351] Als ob die Katz keinen Speck wollt! Und Pomet wird hundert Dukaten einstecken! Doch ich hab den Gefährten vergessen. Ich geh gleich in die Herberg, jenen biederen Kroaten wiederfinden, daß nicht ein anderer mir die Beut entfeiß; ich werd ihn noch des Näheren ausfragen. Bei Gott, es kann nicht anders sein: Manda ist jene Magdalena, die er sucht; alles stimmt aufs Haar. Ach, wohin soll ich mich wenden? Hier wird er sein in der Herberg della grassezza,[352] derweil Signor Marin schon im Armenhaus

 

 

NEUNTER AUFTRITT

Pawo von Nowo brdo, Camillo, Grubischa, der Gastwirt, dann Petrunjela

 

PAWO

Herr Camillo, kennt ihr euch aus in dieser Stadt?

 

CAMILLO

Misser, sì, ich alles wissen.[353]

 

GRUBISCHA

Papa, armer Grubischa, wo bist hingeraten, wo alle „Schu“ sprechen, „Schupschu“, so daß man keine Teufelssilbe verstehen kann.

 

PAWO

Ja, wo ist hier die Herberge della sciocchezza?[354]

 

DER GASTWIRT

Alla sciocchezza, alla sciocchezza! Che domandate?[355]

 

GRUBISCHA

Scho, scho, schau das Schwein, wie ein Schwein grunzt er.

 

PAWO

Frag ihn, ob hier einer aus Dubrovnik abgestiegen.

 

DER GASTWIRT

Che signor?[356]

 

CAMILLO

Sarebbe quì allogiato nisciun Raguseo?[357]

 

DER GASTWIRT

Credo di sì; i Rragusei sempre alloggiano quì da noi. Ah, ci è un Vecchio.[358]

 

CAMILLO

Ja, ein Altes.

 

PAWO

Das wird Maroje sein, mein Freund; man hat mir gesagt, er sei seit drei Tagen in Rom.

 

DER GASTWIRT

Her gehen, gutes Wein!

 

GRUBISCHA

Armer Schlucker, was kauderwelschst du da? Warum Sprichst du nicht, wie Christen sprechen? Gibt's einen Wein?

 

PAWO

Schweig, du Schwein, und du hast was zu sprechen?

 

DER GASTWIRT

Wein gut, Wein gut trinken, Bedienung gut, ist gefällig.

 

CAMILLO

O che spasso! Misser Paulo,[359] gehen in Herberg und finden altes Marin.

 

PAWO

Und du, willst du nicht hinauf?

 

CAMILLO

Will jetzt.

 

GRUBISCHA

Armer Grubischa ist nach Welschland verschlagen, wo man Frösche und Schnecken isset, wo man sauren Wein trinket, wo man ein kärgliches Mahl genießet, wo man sich nicht zutrinkt, wo man Wasser in den Wein panscht. Lieber Gott, Papa, wohin hat mich mein arges Glück verschlagen, mein Mißgeschick? Wo seid ihr, Pribrat, Radat, Wukmir, Obrad, Radmil, all meine lieben Gefährten? Weh mir Armem, weit seid ihr von mir!

 

CAMILLO

O, che spasso di questa bestia![360]

 

DER GASTWIRT

Che giavolo urli tu, ciera di buo?[361]

 

GRUBISCHA

Was buo?

 

DER GASTWIRT

E buo, ti è un buo sì.[362]

 

PAWO

Grubischa, sofort hinauf, du Schwein. Schon lange hast du keine Prügel bezogen.

 

GRUBISCHA

Ei, der Teufel, er will stechen! - Ich sag dir, du sollst keinen Mann stechen.

 

DER GASTWIRT

Stich, stich, va con giavolo![363]

 

CAMILLO

E mandalo al burdello; è un poveraccio.[364] - Geh hinauf.

 

GRUBISCHA

Uch, uch!

 

CAMILLO

È un faceto animal questo. Sin che costor se intertengono alla ostaria, vo' far un poco amor con questa signora. Ma ecco la sua massara, la par Schiavona.[365]

 

PETRUNJELA

Was zaudre ich Arme? Ich hätt die Seifen und alles andre fahren lassen solln und schnellstens zur Herrin laufen und ihr ihren Verlust, die Schimpf und Schand, die ich gehört und gesehen, hinterbringen. Weh, dreitausend Dukaten verloren! Maro, der Teufel soll deine Seele holen!

 

CAMILLO

Indovinai ch'è Schiavona.[366] - Mädchen, gutes Mädchen, Dubrovniko?

 

PETRUNJELA

Ei, wer ist das? Camillo! Armer Camillo, hier bist du also! Wie geht's Kate? Ist sie gesund, Camo?

 

CAMILLO

Ach Militza, du das, wie geht?

 

PETRUNJELA

Gut, Camo, die Lebenden sehen sich manchmal, die Toten nie. Ma se ne chiama più Militza, Petrunjela se chiama.[367]

 

CAMILLO

Welsch gelernt? Bist con la signora?[368] Schöne Signora und Liebe?

 

PETRUNJELA

Liebe! Andere mögen lieben - du hast schon „was Liebes“, brauchst dich nicht mehr danach umzutun, Camo.

 

CAMILLO

Ick nix Arges denken, wenn ick nach Signora fragen. Guten wollen ick.

 

PETRUNJELA

Sei fromm und gut,

Hab frohen Mut;

Arbeiten und nicht stehlen

Ist jedem zu empfehlen,

So lebst du ohn' Ängsten,

Ehrlich währt am längsten!

 

CAMILLO

Du auch in Reim sprechen!

 

PETRUNJELA

Bei Gott, ich kann auch dichten. Gott befohlen, Camo, dort am Fenster ist meine Herrin, ich hab noch viel zu tun.

 

CAMILLO

Warten, warte, Herrin grüßen. O, che intertenimento![369]

 

PAWO

Signor Camillo!

 

CAMILLO

Miscere.[370]

 

PAWO

Komm hinauf.

 

CAMILLO

Eccomi.[371]

 


ZEHNTER AUFTRITT

Laura, Petrunjela

 

LAURA

Petrunjela, che vol dir che tu se stata tanto a tornar?[372]

 

PETRUNJELA

Uh, madunna, triste nuve porto![373]

 

LAURA

Weh, was gibt's? Sprich unsre Sprach!

 

PETRUNJELA

Mit diesen meinen Augen hab ich's gesehen, mit diesen meinen Ohren hab ich's vernommen!

 

LAURA

Was hast vernommen?

 

PETRUNJELA

Maros Braut ist nach Rom gekommen, er ist verlobt!

 

LAURA

Ah, traditor![374]

 

PETRUNJELA

Dreitausend Dukaten sind verloren; just haben sie die Ware weggetragen! Gesehn hab ich's, wie sie ein boshafter Alter hat wegschleppen lassen.

 

LAURA

Ah, assassino,[375] da schenk du noch einem Glauben. Traditor! Komm herauf, Petrunjela!

 

 

ELFTER AUFTRITT

 

MARO

(allein) Weh, was tust du dich nicht auf, Erde, mich zu verschlingen? Daß ich nicht mit meinen eigenen Augen solches sehen, daß ich nicht solches erleiden und Qualen erdulden muß, wie es dergleichen keine unter dem Himmel gibt! Hat es je auf der Welt einen Vater gegeben wie diesen? Gibt es sonst irgendwo unter der Sonne eine Habgier wie diese? Um Geld zu erraffen - den Sohn umbringen! Weh mir, es ist um mich geschehn; es bleibt kein Ausweg, als den Strick nehmen und mich aufhängen. Wie soll ich der Signora vor die Augen treten? Weh! Als Dieb und Räuber steh ich vor ihr! Wie soll ich meinen Gefährten begegnen? Er hat mir das Fell über die Ohren gezogen, zugrunde gerichtet hat er mich! Wie mag ich fürderhin vor ehrlichen Leuten bestehen? Weh mir! - Und was noch ärger ist, woher all diese Schulden bezahlen? Von allen Seiten wird man über mich herfallen! Der Teufel hat mich schon bei lebendigem Leibe geholt, und ich - besitze keinen roten Heller mehr!

Ach, Popiwa, du mein Verderben! Ach, Popiwa, wär ich dir gefolgt, dreitausend Dukaten wären unser! Ach, Popiwa, warum hab ich deinen Rat nicht angenommen? Ach, Popiwa, wo find ich dich? Wahrscheinlich ist er zu Gianpietro, dem Goldschmied gegangen, den Rubin und den Edelstein holen. Meine zwei Goldketten und die Armbänder verloren! Weh, es bleibt mir nicht einmal genug, das Essen in der Herberg zu bezahlen. Und der Hausschlüssel ist bei jenem Lumpen, der mir an die Gurgel ist. Ach, Popiwa, wenn du nur nicht den Rubin und den Diamanten zur Signora gebracht hast! Das ist noch meine einzige Hoffnung. Ach, mein Narrenleben wird von Toren gelenkt! Ach Weiber, ach Huren! Wer euch folgt, um den ist es geschehen! Ach, mein Verderben, mein Verhängnis! Ich weiß weder aus noch ein. Wenn ich nur Popiwa fänd!

 

 

ZWÖLFTER AUFTRITT

Popiwa, Petrunjela, dann Laura

 

POPIWA

Mein Gott, wie mag sich die Angelegenheit zwischen dem alten und dem jungen Fuchs entwickeln? Wir haben es da mit einem durchtriebenen Menschen zu tun. Es steht ihm auf dem Gesicht geschrieben, doch - er ist sein Sohn; was zum Teufel mag los sein? Und Maro flüsterte mir ins Ohr: „Geh und lauf mit den Armbändern zu Gianpietro, dem Goldschmied: hol den Diamanten und den Rubin und bring sie schnurstracks zur Signora“ - sein ewiges Drängen und Wüten! Wer zum Teufel weiß, was noch geschehen kann: so ist ihm kein blutiger Heller geblieben, nur Schulden an allen Ecken und Enden! Wenn ihm der Vater, der Geizhals noch einen Streich spielt, uch - dann sind wir gewißlich am Bettelstab! Eine innere Stimme sagt mir, ich sollt das Geschmeide nicht zur Signora bringen; doch wenn ich's nicht tu, und es geht etwas schief - er würd mir den Rest meiner Tage versauern. Ein Diener muß seinem Herrn gehorchen; ich werd ausführen, was er mir aufgetragen; wenn was passiert, so soll er sich den Kopf zerbrechen. (Tick, tock!)

 

PETRUNJELA

Chi batte giuso?[376]

 

POPIWA

Petrunjelchen, mein Turteltäubchen!

 

PETRUNJELA

Warum bist du gekommen, du Verräter? Führt man sich so auf, he?

 

POPIWA

Petre, was hab ich andres verbrochen, als daß ich dich einmal geküßt hab? Ach ja, daß ich dich gezwickt hab?

 

PETRUNJELA

Darum geht's nicht, du Hund du!

 

POPIWA

Ist mir wohl die Hand irgendwie ausgerutscht? Dann ist die Hand schuld daran und nicht ich.

Die Finger kniffen,

Habn sich vergriffen!

Die Hand erschlage,

Deinen Diener ertrage.

Hab Erbarmen

Mit mir Armem!

Bin nur dein,

Sei endlich mein.

 

PETRUNJELA

Du spottest noch? Verräter, Hund elendiger!

 

LAURA

Petrunjela, mit wem sprichst du?

 

POPIWA

Signora, ich hab den Rubin und den Diamanten gebracht. Zwei so schöne Stücke hat man schon lang nicht gesehen in Rom.

 

LAURA

Popiwa, und wo ist Signor Marin?

 

POPIWA

Er wird auch gleich hier sein.

 

LAURA

Was habt ihr ausgerichtet?

 

POPIWA

Alles in Ordnung.

 

LAURA

Alles in Ordnung? Gut, dann warte unten.

 

POPIWA

Jenes „alles in Ordnung“, das will mir nicht gefallen! Ob sie nicht die Teufelei von unserm Geizhals erfahren? Es kömmt mich die Lust an, ihr das Geschmeide nicht zu geben.

 

LAURA

Popiwa mio![377]

 

POPIWA

Signora!

 

LAURA

Na, gib schon her!

 

POPIWA

Che bella cosa![378]

 

LAURA

Popiwa, eil und bring mir Maro her. Ich brauch ihn dringend.

 

POPIWA

Auf dein Geheiß eile, fliege ich!

 

 

DREIZEHNTER AUFTRITT

Popiwa, Maro

 

POPIWA

(allein) Die Signora scheint mir, nach ihrer Miene und ihren Worten zu urteilen nicht sie selbst zu sein. Doch wer Verdacht hegt, dem scheint alles verdächtig. Aber da kömmt mein Gebieter! Daß Gott erbarm, ein Jammerbild! Was mag los sein? - Mein Gebieter!

 

MARO

Ach, Popiwa, du Verräter, du mein Verderben!

 

POPIWA

Was gibt's um Gottes willen?

 

MARO

Du hast doch nicht der Signora den Rubin und den Diamanten gegeben?

 

POPIWA

Wie du mir's befohlen, hab ich's ausgeführt.

 

MARO

Ach, du Verräter! Du Hund, du elendiger! Wo ist ein Dolch, diesen Gauner zu erstechen!

 

POPIWA

Per amor de Dio,[379] mein Gebieter, sänftige deinen Zorn.

 

MARO

Ach, du mein Verderben! Weh mir, was soll ich nun tun? Wohin soll ich mich wenden? Wozu bin ich noch am Leben? Warum ergreif ich kein Messer und mach dieser unerträglichen Qual ein End?!

 

POPIWA

Um Gottes willen, Herr, weshalb diese Verzweiflung? Beruhige dich ein wenig, für alles findet sich ein Heilmittel, sofern man sich selbst nicht verloren gibt; gibt man sich verloren, auch kleine Dinge machen oft großen Kummer.

 

MARO

Ach, du übler Ratgeber! Ach, meine Unvorsicht! O über den teuflischen Vater! O, Popiwa, du mein Tod, du hast mir den Garaus gemacht, du Lump!

 

POPIWA

Mein Herr, eine Krankheit, die Melancholie zieht dir das Herz zusammen, daß dir ein kleines Ungemach so übergroß erscheinet. Nicht so!

 

MARO

Ach, Popiwa, Geld ist keines mehr da, die Ehr verloren, die Erbschaft vertan, Schulden an allen Ecken und Enden. Unglück zu ertragen hab ich nicht gelernt. Was soll ich tun? Ich hab nicht, womit mich aus Rom fortzumachen; kein Dach hab ich mehr über dem Kopf. Du hast diesem Teufel von Vater, der kein Vater ist, den Hausschlüssel gegeben - einbrechen ist eine Schande. Wehe, o Mißgeschick, schwer hast du mich getroffen!

 

POPIWA

Wie ich seh, Fortuna hat uns in eine üble Lage gebracht; beruhige dich erst ein wenig, schöpf ein wenig Atem.

 

MARO

Mir hat es den Atem verschlagen. Weh mir, laß dir etwas einfallen, find mir ein Mittel gegen meinen Tod.

 

POPIWA

Die Signora weiß noch gar nichts von deinem Mißgeschick.

 

MARO

Jener Unmensch hat den Stoff aus dem Lager wegtragen lassen, und der Jude ist schnurstracks zur Bank geeilt, sich die dreitausend Taler auszahlen zu lassen.

 

POPIWA

Ist das möglich? Ah, was für ein Geizkragen! Davon weiß die Signora noch nichts. Geh heut abend zu ihr zum Nachtmahl, bleib über Nacht bei ihr, und entwenden wir ihr irgendein Geschmeide, ein Halsband, einen Ring, einen Edelstein, da es unser Geschick nun mal so will, und morgen machen wir uns vor Tau und Tag aus dem Staube.

 

MARO

Ja, das scheint der einzige Ausweg in unserer Verzweiflung, das wirksamste Heilmittel.

 

POPIWA

Doch wenn du zu ihr kömmst, trag deinen Trübsinn nicht zur Schau, zwing dich, lustig zu sein. Und bevor wir zu ihr gehn, gib dem Juden den Mantel und die Mütze zurück und nimm wieder Sammetrock und Barett. Und oramai[380] ist Nacht; heute abend kann die Signora nichts mehr erfahren, und morgen mag sie wissen, soviel sie will.

 

MARO

Zum Lumpen, bei Gott, zum Lumpen bin ich geworden! Was wird man in Rom über mich reden? Gehn wir!

 

POPIWA

Es bleibt nichts anderes übrig.

 

 

 

FÜNFTER AUFZUG

 

 

ERSTER AUFTRITT

Pomet, dann Maro, Popiwa

 

POMET

Honores mutant moribus,[381] und wer mich itzt siehet, wie ich die Kleider gewechselt hab, wird sagen: „Pomet Trpesa ist toll geworden!“, da er nicht weiß, daß ich itzund ein Abt bin, ein Kavalier, ein Graf; drum hab ich eine Goldkette angelegt, als Nachfolger von Signor Marin - der ist die Goldkette los. Werd ich je nach Dubrovnik gelangen, um zu sehn, wie er als gemeiner Matrose bei der Marine dient? Und mich kleidet der Rock wahrhaft fürtrefflich. Herausgefunden hab ich, daß Laura wahr und wahrhaftig Magdalena ist, Tochter des Ondardo aus Augsburg; und eben daher stammt auch Ugo, mein Tudeschko. Den Mann, der mir die Nachricht hinterbracht, hab ich froh und vergnügt hinterlassen in der Herberge della grassezza. Und bei Gott, ich bin noch vergnügter als er, de ello.[382] Sobald ich das Ugo hinterbring - als ob die Katz keinen Speck wollt! - ist die Verbindung geschlossen! Ich geh schnurstracks zur Signora Laura, zur Frau Magdalena. Eigentlich werd ich ihr's nicht sagen, daß der Vater sie sucht und daß sie Erbin von solch einem Vermögen ist, sie könnt hochmütig werden _ sie ist eine Kurtisane! Ich werd schaun, daß diese Freud sie all improviso[383] trifft, daß sie sich Pomet verbunden fühlen muß. Ugo, meinem Tudeschko, werd ich alles verraten, daß er sie desto lieber zur Frau nimmt. - Doch wen seh ich kommen? Ich werd mich ein wenig zurückziehn, daß er mir nicht das wichtige Geschäft verderbe.

 

MARO

O weh, mein Unglück, wohin hast du mich gebracht? Daß ich nicht einmal einen Samtrock erhalten kann! Doch meinem Mißgeschick steht noch ein ärgerer Rock zu als dieser hier. Was wird Signora Laura sagen?

 

POPIWA

Herr, es ist nicht Klagens Zeit, itzt muß man das Herz eines Löwen haben. Die Kerze ist niedergebrannt; es bleibt kein Ausweg mehr. Wenn wir der Signora nicht den Ring vom Finger oder das Halsband vom Hals stehlen, so können wir nicht fort, so haben wir nichts zu beißen.

 

POMET

(Da sind sie, da sind die Bankrotteure! So weit wollt ich euch bringen, ihr Habenichtse, da seid ihr, wo der Plumpsack umgeht.)

 

POPIWA

Warum schweigst du?

 

MARO

O weh, Popiwa, ich bin verloren!

 

POMET

(Reib ihm den Puls mit Essig ein!)

 

POPIWA

Itzt heißt's keine Zeit verlieren; itzt heißt's ein Lump sein!

 

POMET

(Bei Gott ein Lump!)

 

POPIWA

Nichts zu beißen!

 

POMET

(Ja, das Armenhaus, den Bettelstab für ihn; doch so ich dich nicht am Galgen seh, werd ich nicht ruhig sterben.)

 

MARO

Vorwärts, gehen wir zur Signora, hier muß man...

 

POMET

(Bei Gott, du wirst nicht hingehn!)

 

MARO

Wer ist das? Ist das Pomet? Pomet ist's!

 

POPIWA

Schau den Lumpen an, wie er sich in Samt und Seide kleidet, mit einer Goldkette!

 

MARO

Bringen wir ihn ohne Federlesens um! Es ist die beste Gelegenheit; dann wird man uns nicht nachsagen, daß wir als Bankrotteure durchgegangen, sondern als Mörder; dann wird unsere Schande nicht so groß sein.

 

POPIWA

Verschieben wir's auf morgen; heute abend haben wir keine Mittel in der Hand, uns aus dem Staube zu machen. Der Lump ist bewaffnet; soll er nur! Wenig wird es dir nützen!

 

MARO

Pomet, du?

 

POMET

Misser Marin, ben trovato.[384]

 

MARO

Just bist du mir entwischt, ein andermal wirst du mir nicht entwischen!

 

POPIWA

Du Lump, du hast noch Mut, mit uns zu sprechen?!

 

POMET

Scher dich zum Teufel. Misser Maro, ich habe mich entschlossen, mich auf und davon zu machen, und hab mich wiederum entschlossen, diese Waffen immer bei mir zu tragen. Popiwa soll vortreten, um mir diese Fliege von der Nase zu vertreiben.

 

POPIWA

Schau den Spitzbuben, er droht uns noch!

 

MARO

Wer zum Teufel ist dies? Lessandro, der Seidenhändler!

 

 

ZWEITER AUFTRITT

Lessandro und die Vorigen, dann Laura, Petrunjela

 

LESSANDRO

Signor Marin, bon giorno alla signoria vostra! Oramai è tempo che io sia satisfatto.[385]

 

MARO

Avete fatto il conto quanto vi resto a dar?[386]

 

LESSANDRO

Ho avuto cinquante scudi, e mi restate a dar ancora cento.[387]

 

MARO

Sta bene; domattina sarete satisfatto senza fallo.[388]

 

LESSANDRO

Voi andate mandandomi da un di' all' altro; non posso più spettar, voglio esser satisfatto.[389]

 

POMET

(Schluck das runter!)

 

MARO

Avete ogni ragion, voglio satisfarvi. Venite domattina casa mia, et sarete pagato.[390]

 

POMET

(Laß ihn nicht aus, er hat keinen roten Heller!)

 

LESSANDRO

Stasera io ho da far un pagamento; se pensate pagarme domattina, pagatemi stasera, e datemi qualche cosa manco.[391]

 

MARO

Voi sete venuto con sì gran furia! Alle vintitre ore che faccia pagamenti! Trovatime all' ora di banchi, et sarete satisfatto.[392]

 

LESSANDRO

Dico, voglio aver el mio, et non vo' parole![393]

 

POPIWA

Voi sete venuto con superchiaria.[394]

 

LESSANDRO

Non volete pagarmi, eh?[395]

 

POMET

(Hat schon jemand sowas gesehen, mein Gott, welch ein Spaß!)

 

MARO

Par che voi vogliate combatter?[396]

 

LESSANDRO

Non son venuto per combatter, ma per aver il mio.[397]

 

MARO

Orsciù, che abbiate il vostro! Vado a portarvi vostri danari.[398]

 

LESSANDRO

Vengo io con voi.[399]

 

MARO

Aspetta alla buttega vostra, per mio servitor vi mando adesso, senza indugiar, cento scudi, giacchè sete tanto inportuno.[400]

 

LESSANDRO

Aspetto, purchè sia cosi. - Se non mi paga, vo di lungovia a farlo citar.[401]

 

POMET

Hundert Läus wird er bezahlen. Cento ducati![402] Sie fangen an, ihm auf den Leib zu rücken. Gott geb, daß Pomet ihm noch das Essen im Henkeltopf in den Kerker trag. Dieser Seidenhändler kam wie gerufen. Mir schwimmt itzt das Blei oben, es gelingt mir einfach alles! Diese Bankrotteure hätten mir das Geschäft noch verderben können; Frauen sind wie das Rohr im Wind, das jeder Luftzug bewegt. Ich begeb mich schnurstracks zur Signora; ich tret den Besitz an. - (Tick, tock!) - Signora Laura, patrona mia![403]

 

LAURA

Pomet, du bist's? Komm nur herauf!

 

POMET

Ach, Signora, hättest du früher so gesprochen, die Dukaten wären noch dein.

 

LAURA

So hat es mein Verhängnis gefügt; aber bei deiner Liebe, Pomet, wie könnt man's anstellen, daß ich sie nicht verlier?

 

POMET

Signora Laura, ich bring dir Neuigkeiten, die dir, wie ich meine, gar lieb sein werden.

 

LAURA

Ein Mensch wie du kann nur gute Nachrichten bringen.

 

PETRUNJELA

Da schau an, wie er sich schön herausgeputzt, mit einer Goldkette um den Hals, als ob er zur Hochzeit ging!

 

POMET

Bei Gott, Petre, zur Hochzeit.

 

PETRUNJELA

Natürlich wünsch ich dir schöne Frauen - und sonst alles Gute!

 

LAURA

Geh, du Närrin!

 

PETRUNJELA

(Ei, es ist ihr nicht lieb!)

 

POMET

Signora Laura, zu guter Stund bin ich gekommen.

 

 

DRITTER AUFTRITT

Maro, Popiwa, dann Signora Laura, Petrunjela, auch Wlacho, Piero und Niko(verborgen), Pomet

 

MARO

Ach, Popiwa, schau, wohin uns Fortuna gebracht hat, daß ich lügen muß, daß ich vor Gläubigern Reißaus nehmen muß, und weh, all mein Hoffen auf Schurkerei gesetzt ist! Wenn ich der Signora nicht etwas entwend, wissen wir weder aus noch ein. Ach Tod, wo bist du? Itzt kämst du mir gelegen! Gesegnet die Hand, die sich von solchen Qualen selbst zu befreien vermag.

 

POPIWA

Mein Herr, itzt gilt's nicht weinen, die Zeit vergeuden. Gehn wir zur Signora zum Nachmahl und tun wir, was getan sein muß, so du nicht morgen in den Kerker wandern willst.

 

MARO

Gehn wir, gehn wir.

 

POPIWA

Was „Gehn wir“? Du stehst ja vor der Tür der Signora.

 

MARO

Klopf an!

 

POPIWA

(Tick, tock!)

 

PETRUNJELA

Chi batte giuso?[404]

 

POPIWA

Petrunjela, mach auf!

(Wlacho, Piero, Niko kommen heraus.)

 

WLACHO

(Gesellen, schaut, Maro vor der Tür der Signora!)

 

POPIWA

Petrunjela, hast du dich vergafft?

 

PETRUNJELA

Ich betracht dich, Popo, ich hab mich in dich verliebt. Der Arme, wie schmuck er ist!

 

POPIWA

Petre, Petrunjelchen!

 

LAURA

Signor Marin!

 

MARO

Signora mia!

 

LAURA

Hab ich das um dich verdient?

 

MARO

Was, Signora?

 

PETRUNJELA

Sieh den Ausbund. Wahrhaftig, es kömmt mich der Wunsch an, ihm mit diesen meinen Nägeln die Augen auszukratzen, mit denen er uns so frech anstarrt.

 

LAURA

Still! Petrunjela!

 

POPIWA

Ei, Petre, was soll der Zorn? Hat euch Pomet etwas vorgeflunkert?

 

PETRUNJELA

Ihr Ruchlosen! Die Signora um dreitausend Dukaten zu betrügen! He!

 

MARO

Hat euch Pomet etwas vorgelogen? Ach, Pomet, Pomet, große Lügen hast du über mich verbreitet!

 

PETRUNJELA

Mit meinen eigenen Augen hab ich's gesehn, ihr Verräter, wie der heimtückische Alte den Stoff weggetragen; und der Jud ist schnurstracks zur Bank gegangen, um sich das Geld auszahlen zu lassen. Bei Gott, sie erdreisten sich noch, den Mund aufzutun!

 

MARO

Und du hast's gesehen?

 

PETRUNJELA

Gesehen! Daß Gott euch mit Blindheit schlagen möge!

 

LAURA

Maro, hab ich das um dich verdient?

 

MARO

Signora, ich weiß nichts davon.

 

LAURA

Und von der Braut hast du einen Brief bekommen, und mir hast du versichert, du seist nicht verlobt. Basta! Zwiefach ward ich von dir betrogen; so ward noch keine meiner Gefährtinnen geprellt. Glaubst du, in Rom gäb es keine Gerechtigkeit? Schau zu, daß du mir meine dreitausend Dukaten wieder beschaffst, ohne ein Aufsehens zu machen und ohne dich der Schande auszusetzen.

 

MARO

Signora, du bist falsch unterrichtet. So hier von der Gassen aus kann ich dir nicht Red und Antwort stehn.

 

POPIWA

Mach ein wenig die Tür auf, Signora, daß wir ins Haus treten. Es ist nicht so arg, wie sie dir vorgelogen!

 

PETRUNJELA

Just, damit ihr uns noch etwas entwendet? Das fehlte noch, daß wir Gauner ins Haus lassen!

 

WLACHO

(Hört ihr's, seht ihr's, Gesellen?)

 

NIKO

(Jawohl, wir hören's und wir sehen's.)

 

PIERO

(Man sagt, häng dich nicht an die Huren, daß sie dich nicht um das Deine bringen!)

 

POMET

(aus dem Hause der Signora) Wer ist da unten? Ach Misser Marin, verzeiht alle Plätze sind besetzt, kein Sitzplatz mehr zu haben, und die Komödie hat längst begonnen! Popiwa, sag deinem Gebieter: Geduld! Der Wolf hat den Fuchs überlistet.

 

MARO

Du Hurensohn, wann endlich werd ich dein Blut trinken? Na, wart, so du mir zwischen die Finger gerätst, wirst du's zu spüren bekommen.

 

POPIWA

Komm (herunter, du Schelm, ich werd dir's zeigen, mit wem du's zu tun hast!

 

POMET

Daß ich hinuntersteig? Ich bin aufgestiegen, und ihr seid gesunken. Eben noch seid ihr auf diesem Platz gewesen, doch ihr Jammerlappen seid hinabgesaust, denn auf einem Glücksplatz kann sich kein Pechvogel halten!

 

MARO

Ach du Lump! - Hörst du's, Signora Laura, mach auf, oder bei allem, was mir heilig ist, ich verbrenn ihn mitsamt dem Haus.

 

POPIWA

Schlagen wir das Tor ein!

 

WLACHO

(Seht ihr's?)

 

NIKO

(Wir hören und schauen die Komödie.)

 

PIERO

(Che spasso!)[405]

 

PETRUNJELA

Das Tor wollt ihr einschlagen?!

 

LAURA

Mır das Tor einschlagen?! Petrunjela, gib mir den Mörser!

 

PETRUNJELA

Uns das Tor einschlagen, du Schurke! Bei der Heiligen Jungfrau, wer mir nur in die Hände gerät, den werd ich mit dem Stock hinausprügeln! Der Teufel. soll dich holen!

 

MARO

Ach Huren, Huren, wer kann mit euch fertig werden!

 

POPIWA

L'è fatta![406]

 

WLACHO

(Verbergen wir uns, daß er uns nicht gewahr wird!)

 

MARO

Oh weh, Popiwa, wir sind vernichtet! Was sollen wir nun machen?

 

POPIWA

Ach, wenn wir Pomet nur erwischten, um Rache an ihm zu nehmen!

 

MARO

Wir müssen ihm auflauern und ihn auf der Stelle umbringen. Genug, Popiwa, wir sind verloren.

 

POPIWA

Herr, verzweifle noch nicht derart! So's uns an Geld mangelt, lassen wir uns als Söldner anwerben - die Trommel soll schwirren.

 

MARO

O weh, Unglück, wohin hast du mich gebracht! Popiwa, ich will Pomets Blut fließen sehen - che lo ammattiamo![407]

 

POPIWA

Mein Gebieter! Auf Leben und Tod bin ich dir verbunden.

 

MARO

Ich will, daß wir per forza[408] bei Laura eindringen - ah, die Huren! - daß wir allesamt im Haus niedermetzeln, die uns in die Hände geraten! Verzweifelt bin ich - der Vater ein Teufel - sodann töt ich mich selber. Gehen wir Waffen herbeischaffen.

 

POPIWA

O Welt! O Teufel, große Macht ist dir gegeben!

 

 

VIERTER AUFTRITT

Wlacho, Niko, Piero

 

WLACHO

Ach, Teufel, böse bist du! O Níedertracht! Aus Kleinem wächst du! Und leichtfertiger Lebenswandel, zu welchem Unheil führest du!

 

NIKO

Wenn mir eine in Dubrovnik so mitspielte, bei Gott, ins Gesicht würd ich ihr schlagen.

 

PIERO

Verzweifelt, wie er ist - ich fürchte, daß er nur keinen Skandal macht!

 

WLACHO

So unglücklich, ich fürcht, er tut sich etwas an. So ihn der Hauptmann der Wache mit Waffen erwischt, könnt ihr einen Tanz erleben.

 

NIKO

Teufel auch. Folgen wir ihm! Lassen wir ihn nicht im Stich, daß er sich nicht im Zorn vergißt.

 

WLACHO

Wenn's nur möglich ist, gehen wir, gehen wir!

 

NIKO

Wir sind nach Rom gekommen, ein kurzweiliges Leben zu führn, vor allem mit diesem Maro, aber wie ich seh, werden wir mit ihm nur Ungemach haben. Zum Teufel! Was mich betrifft - so tut mir's leid, daß er sich mit der Signora zerstritten; aber eifersüchtig war er, der Kerl, nicht einmal anschaun durft man sie!

 

 

FÜNFTER AUFTRITT

Dschiwulin, Tripe

 

DSCHIWULIN

Ach, ach, giuraddio,[409] er ist nicht auffindbar, der rotbärtige Dschucho, der mich betrogen; er kriecht wie eine Schildkröte. Mein Gott, werd ich ihn irgendwo doch noch auftreiben? Daß ich mit ihm Ball spielen könnt! Leicht wie Luft wollt ich ihn machen, daß er aufflög, wenn ich ihm einen Tritt in den Hintern versetz, daß ihn der Sturmwind wegtrag - daß ich mich mit ihm begrüße. Er ist nicht hier, gelobt sei die Heilige Jungfrau. Doch wer kömmt da? Aber vor wem fürcht ich mich denn? Komm, du Hurensohn, wenn du Courage hast! Doch besser ist's, beiseite zu treten und auszuspähn, wie der Feind beschaffen ist.

 

TRIPE

Bei der Schutzpatronin von Kotor, can, becco futuo,[410] finde mich itzt mit Waffen. Wo ist der Sohn der Mutter, die sieben Männer hat? Ich seh ihn nicht - beim heiligen Julian, dem Schutzpatron der Helden, der Sohn einer guten Mutter, um es so zu sagen, der mir itzt Schande machen könnt. Komm heraus, can, becco futuo![411]

 

DSCHIWULIN

Ach, ach, das ist ein Streich meines Dschucho! Er hat ihn gesandt, bei der Heiligen Jungfrau von Pschunj. Ich hab gleich gemerkt, er will sich so aus der Klemme ziehn, daß er mir nicht die Überfahrt bezahlen muß.

 

TRIPE

Ecco mi in campagna![412] Wer da auch sein mag, tritt hervor, sich versteckt halten gilt nicht; wer keine Memme ist, soll hervortreten.

 

DSCHIWULIN

Misser, wen suchst du? So du einen Mann suchst, hier steht er vor dir; so du Weiber suchst, die spinnen zu Hause. Du bist's also? Wer hat dich abgesandt?

 

TRIPE

Bist du's, der mich sucht? Hier bin ich! Nun, was betrachtest du mich aus der Nähe? Kannst dich ruhig satt an mir sehen.

 

DSCHIWULIN

Sag an, dürfen wir nicht das unsere verlangen?

 

TRIPE

Sag du mir: was du nicht per amor[413] bekommen kannst, warum willst du's per forza?[414]

 

DSCHIWULIN

Giuraddio, bei der Heiligen Jungfrau von Pschunj, nicht so hochfahrend!

(Hier endigt der unvollständige Text von „Dundo Maroje“ in dem einzig erhaltenen Manuskript. Der folgende Text ist die Ergänzung des „Dundo Maroje“ von Mihovil Kombol.)

 

TRIPTSCHE

Schrei nicht so wie eine Bestie. Sta largo,[415] denn bei der Heiligen Jungfrau, wann ich zu schlagen anfang, wirst sehen, mit wem du angebändelt hast.

 

DSCHIWULIN

Du weißt wohl nicht, wen du vor dir hast! Ein Insulaner steht vor dir, aus Lopud, Blitz und Donner! Auf dem Schiff bin ich groß geworden. So du keine Memme bist, fang an! Auf ihn! Haltet mich, oder ich mach ihn nieder!

 

GASTWIRT

(Lugt aus der Tür heraus) Ohimè, gente con arme in piazza! Signori Ragusei![416]

  

 

SECHSTER AUFTRITT

Die Vorigen, dann Maroje, Pawo, Camillo und Boktschilo, die aus der Herberge kommen

 

PAWO

Was für ein Lärm ist das hier vor dem Haus?

 

MAROJE

Was seh ich da! Misser Triptsche, wo kömmt ihr her, und noch dazu mit Waffen?

 

BOKTSCHILO

O weh, mit Waffen! Bei Gott, ich bleib hier hinten.

 

TRIPTSCHE

Diese Bestie fordert mich heraus; dabei weiß ich nicht, wer er ist noch was er von mir will.

 

DSCHIWULIN

Ich aber weiß schon, was du willst. Dich hat mir jener Schwindler Dschucho auf den Hals geschickt, der mir die Überfahrt nach Ancona nicht bezahlt hat; doch er hat sich geirrt.

 

TRIPTSCHE

Was für ein Dschucho? Welcher Dschucho? Was hab ich mit ihm zu schaffen?

Quae te dementıa cepit?[417] (Zu Maroje) Misser, ich bin mit Waffen unterwegs, weil mich jener Tudeschko bedroht hat, fast hätt er mich niedergemetzelt.

 

MAROJE

Sicher hat er getrunken; er schaut gern tief in den Becher doch mir scheint er hat's schon längst vergessen. Ich hab diesen Tudeschko, hier aus der Herberg mit dem Pomet kommen sehen. (Zu Dschiwulin) Und du laß ab von diesem Herrn. Das ist Herr Tripe, unser Nachbar aus Kotor, dein ich zuerst hier in Rom begegnet bin und der mir Ortsunkundigem hilfreich beigestanden.

 

BOKTSCHILO

Und mich hat er mit einem Becher Weins bewirtet, Gott mag dereinst seine Seel im Paradies erquicken.

 

DSCHIWULIN

Aus Kotor ist er, wo man Töpfe verkauft?

 

TRIPTSCHE

Daß dir das Wort im Hals stecken bleib, du Narr! (Zu Maroje) Misser, ich verließ euch in großer Trübsal, doch ich seh, ihr habt euch wohl zurechtgefunden. Habt ihr euch mit dem Sohn verglichen?

 

MAROJE

Mit dem Teufel hab ich mich verglichen! Mit ihm gibt es keinen Ausgleich. Ware für dreitausend Dukaten hab ich ihm abgejagt, aber zweitausend sind im Meer versunken. Ich hab keinen Sohn mehr.

 

CAMILLO

Kann nicht sagen: haben keine Sohn. Ich haben eine Sohn, doch kann nicht sagen, haben keine Sohn, wenn haben Sohn.

 

TRIPTSCHE

Misser, recht spricht der Herr. Ihr habt nur diesen einzigen Sohn, laßt ihn nicht im Stich, daß er nicht ganz vor die Hunde geh.

 

PAWO

(zu Maroje) Hab ich dir nicht oben in der Herberg gesagt, alles werd sich fügen, und daß Maros Braut Pera mit ihrem Vetter Dschiwo und mit der Amme von Dubrovnik fort ist? Sie werden wohl auch hier in Rom weilen, wir werden sie schon finden. Sie ist die einzige Angehörige ihrer Tante, und ich wette, daß sie ihr itzt, da sie gestorben ist, vor ihrem Tode das ganze Vermögen vermacht hat.

 

 

SIEBENTER AUFTRITT

Die Vorigen, Pera, die Amme und Dschiwo, die sich unbemerkt genähert und die letzten Worte gehört haben. Später Petrunjela.

 

PERA

O weh, meine Tante!

 

BOKTSCHILO

Wer hat hier wehe gerufen! (Alle drehen sich zu ihnen um.)

 

PAWO

Bei Gott! Pera als Knabe verkleidet! Ich hab sie gleich erkannt.

 

DSCHIWULIN

Ist das nicht der Junge, der sich als Schreiber anheuern lassen wollt? Hast du ihm ein Töpfchen und ein Löffelchen für den Brei gekauft?

 

DSCHIWO

Dschiwulin, laß das itzt aus dem Spiel, wir haben andre Sorgen. (Zu Maroje tretend) Da sind, wir, Dundo Maroje, jetzt gilt's nicht mehr Verstecken spielen, itzt gilt's die Wahrheit sagen.

 

MAROJE

Die Wahrheit willst du sagen? Just das gefällt mir Altem. Und womit seid ihr nach Rom gekommen, wo man nichts umsonst hat? Wie seid ihr zu dem Reisegeld gekommen?

 

DSCHIWO

Dundo Maroje, ich bin schuld, ich bin schuld, will's nicht verheimlichen. Meiner Base Pera hab ich geraten, aus der Truhe der Tante dreihundert Dukaten zu entwenden, um den treulosen Bräutigam suchen zu gehn.

 

MAROJE

Darum also seid ihr gekommen, daß nicht nur ein Skandal um meinen Sohn entsteh, sondern auch noch ein anderer um die Braut, die wie ein Bursch herumstreicht in der Fremde! He, ihr Strolche! Leichtfertige Jugend!

 

DSCHIWO

Ich hab gemeint, Gutes zu tun, und itzt hat sich alles zum Bösen verkehret, mein Rat nicht minder als unser Gang nach Rom. Doch ich trag nicht allein die Schuld; drei Jahr schon sind's, daß Maro Dubrovnik verlassen, und keinen Brief hat er seither gesandt. Das hat unser Haus nicht um ihn verdient, ihr selbst habt ihn meiner Bas anverlobt.

 

MAROJE

Euer Haus verdient das nicht um ihn? Und ich verdien's wohl, was er mir angetan? Da habt ihr ihn, nehmt ihn hin, er mag euch zur Ehr gereichen. Doch nimmt mich nicht wunder, was du und Pera getan – Jugend hat keine Tugend -, doch die Alte nimmt mich wunder, die hätt schon zu Verstand kommen solln.

 

AMME

Dies Mädchen ist ohne Mutter aufgewachsen. Ich hab mich seiner angenommen, als ob's mein eigenes wär, nicht mehr mit ansehn konnt ichs', wie das Kind weint und sich abhärmt.

 

PETRUNJELA

(die an der Tür gelauscht hat, tritt zu Pera) Dann bist du ein Mädchen just wie ich? Drum hat's so geschmerzt, als wir von Maro gesprochen. Arme, trockne deine Tränen. Es wird sich alles zum Guten wenden. Maro wird meine Frau nicht in die Eh führen. Was gewesen, ist vergangen. Weh, wen bringen sie dort? Bei der Heiligen Jungfrau, Maro ist's und Popiwa mit ihm! Ich geh ins Haus, daß der tolle Popiwa mir nichts zuleid tu.

 

 

ACHTER AUFTRITT

Die Vorigen und Maro, Niko, Wlacho, Piero und Popiwa (der sich hinter Maro verbirgt)

 

BOKTSCHILO

O Popiwa, ein gar kümmerlich Lied singst du itzund; bei Gott, an Pomet ist itzt die Reih mit Essen, Trinken und Singen.

 

NIKO

(der den völlig niedergeschlangenen Maro führt) Misser, da bringen wir dir Maro her; dies Messer haben wir seiner Hand entwunden; just zur rechten Zeit sind wir gekommen, er hätt sich weiß Gott ein Leids angetan.

 

PERA

Wehe, Amme!

 

WLACHO

Bei Gott! Zum Glück sind wir ihm auf den Fersen geblieben.

 

MAROJE

Mir bleibt hier nichts zu sagen. Ein Jeder ist seines Glückes Schmied.

 

PAWO

Nicht so, denk, was ich dir früher gesagt.

 

TRIPTSCHE

Misser nicht so, er hat sich ganz dem Trübsim überlassen.

 

BOKTSCHILO

Herr, es ist dein Sohn, du solltest ihn nicht verloren geben!

 

CAMILLO

Misser, non cosi, in furia. Nicht gut furia.[418]

 

MARO

Väterchen, ich seh wohl, wohin mich mein arger Lebenswandel gebracht. Vermagst du's, mir zu verzeihn? Ein andrer werd ich werden. Itzt bin ich schon verwandelt, da ich diese Schul durchlaufen und meine Torheit eingesehn.

 

PIERO

Herr, laßt ihn nicht in diesem Elend.

 

NIKO

Ganz zugrund gerichtet ist er.

 

WLACHO

Wie soll es mit ihm weitergehn?

 

PAWO .

Seine Jugend hat ihn auf Abwege gebracht und der pralle Beutel mit Dukaten,  den du ihm gegeben.Nimm das Kind mit dir nach Dubrovnik zurück, gib ihm ein Weib zur Seite; und wenn die Kinder ihm zu greinen beginnen, und wann er gewahr wird, was es heißt, Dukaten verdienen, so wird er zu Verstand kommen.

 

BOKTSCHILO

(für sich) Er wird einer werden wie ihr, die ihr auf euerm Geldsack sitzet und Dreck freßt.

 

 

NEUNTER AUFTRITT

Die Vorigen, Ugo und Pomet, später Lessandro

 

TRIPTSCHE

Da kommt jener Tudeschko daher, der mich hat niedermetzeln wollen. Itzt lacht er und tut, als kennt er mich nicht.

 

POMET

Misser, mein Gebieter Ugo ist ein gar wohlgeborener und wohlerzogener Edelmann. So er was Arges getan, er tat's ohne mich, in furia. Non è vero? Misser Ugo, che non volevate far mal a misser?[419]

 

UGO

Non folevo, non folevo, brego scusar.[420]

 

TRIPTSCHE

Sei's drum; dahier so viel, daß ich euch zeig, daß wir keine Angst vor den Tudeschki haben. (Für sich) Doch wie ich seh, hab ich hier meine Zeit unnütz vertan; denn jene schöne Landsmännin werd ich nicht unter so vielen Leuten finden. 's ist eine verrückte Welt; der arme Maro steht wie eine verurteilte Seel unter dem Galgen. Ich geh meinen Geschäften nach. (Er entfernt sich unbemerkt.)

 

POMET

Ich seh euch alle Trübsal blasen, und Melancholie kann zu nichts taugen; sie liegt schwer im Magen, und es taugt nicht, sich ihr anheimzugeben. Denn auf Regen folget Sonnenschein und auf Sturm - Meeresstille! Post nubilorum Phoebus.[421] Also wird's auch itzt geschehn, sobald ihr die Nachricht vernommen, die ich euch bring. Sie wird euer Herze erfreun, so daß ihr sagen werdet: „Pomet soll leben. Ohne ihn kommen wir nicht zurecht.“ Zum ersten sind da zwei wichtige Briefe aus Dubrovnik, einer für Dschiwo und der zweite für Signor Marin; und in wessen Hände wird ein Brief zuerst gelangen, wenn nicht in Pomets Hände? In ihnen steht folgendes geschrieben: Die Tante in Dubrovnik ist gestorben (die Amme und Pera fangen an zu weinen); aber itzt ist nicht Weinens Zeit; sie war schon hoch in Jahren, und wir müssen alle dahin gehen. Ein großes Vermögen hat sie hinterlassen, daß ihre Nichte und Signor Marin es untereinander teilen, daß man es ihnen aushändige, wann sie aus der Kirche kommen werden. Misser Maroje, bin ich euch nicht immer ein guter Ratgeber gewesen, und hat sich nicht am Ende alles zum Guten gewendet, für euch sowohl wie für Signor Marin, der mich hat niedermetzeln wollen?

 

PAWO

Itzt magst du sehn, daß ich wahr gesprochen.

 

NIKO

Dieser Pomet ist ein rechter Teufelskerl.

 

PIERO

(zu Niko und Wlacho) Und unser Glückspilz Maro hat wieder Wind in den Segeln.

 

WLACHO

(Zu Piero und Niko) Und sein Vater schaut ingrimmig dadrein gleich als ein Wolf, doch schweiget er, seitdem er Peras Dukaten gerochen.

 

LESSANDRO

Bon giorno a signoria vostra, signor Marino. Non posso più spettar; restano ancora cento ducati a pagar.[422]

 

MARO

Si, si, è vero, ma...[423]

 

POMET

(für sich) Der hat den rechten gefunden, der ihn auszahlen wird. (Zu den andern) Spettate, sarete soddisfatto.[424] Misser Maroje, dieser Mann wird euch belästigen, und bei Signor Marin ist kein roter Heller zu holen. Bei Gott, ihr werdet nicht zulassen, daß man ihn in den Kerker wirft.

 

MAROJE

Bezahlen soll ich, was er mit dem schlechten Weib vertan? Au weh, es kommt mich hart an!

 

POMET

Misser, gebt euch nicht finsteren Gedanken anheim; man wird klare Rechnung machen. Signor Marin wird dann in eurer Schuld stehn, aber es wird Geld da sein, um sie zu begleichen.

 

PAWO

(zu Maroje) Bei Gott, du wirst doch nicht itzt deinen Sohn vor der Welt bloßstellen und vor der Braut, die ihm ein Vermögen einbringt?

 

MAROJE

(öffnet den Beutel und zählt brummend das Geld.)

 

BOKTSCHILO

(für sich) Daß meine Augen auch solches geschauet, wie mein Gebieter Dukaten abzählet für andere, die sie verpraßt haben. Doch er zählt sie daher, als ob sie ihm die Seel aus dem Leib reißen.

 

MAROJE

(gibt das Geld Pawo und dieser Lessandro) O mein beklagenswertes Alter!

 

LESSANDRO

Bagio la man a vostra signoria![425] (geht ab)

 

POMET

Und itzund so höret die zweite Nachricht. Wunder werdet ihr hören, wie ihr sie noch nie vernommen. Ein Landsmann ist aus Deutschland gekommen, vom reichen Signor Ondardo aus Augsburg ward er gesandt, seine Tochter Magdalena zu suchen, die er vor acht Jahren verloren. Itzund so will er ihr sein großes Vermögen vermachen. Ja, da geh und find einer eine Tochter nach acht Jahren, in einer Welt, darin es Magdalenen ohne Zahl gibt. Merkmale sind da, sagt der Landsmann, und hundert Skudi dem, der sie ausfindig macht. Da sagt ich zu mir: Pomet, sagt ich, das ist ein Ding deiner würdig, und hundert Skudi sind wie ein Himmelsmanna. Wär jener Landsmann auf Popiwa oder sonst einen gestoßen, nie hätt man erfahren, wer die Tochter Signor Ondardos aus Augsburg sei; doch sein Glück hat ihm Pomet in den Weg geführet. Und Pomet? Pomet hat sie gefunden. Ein  Sieg wie Cäsars, als er sprach: Veni, vidi, vici.[426] Magdalena, Tochter 0ndardos und seine Erbin zugleich, ward dazumal in Kotor Manda gerufen, und itzt schimpft sie sich Signora Laura; ihr Haus - seht es an - steht hier vor euch. (Stimmen:

Hast du das gehört... Wer hätte das gedacht?...) Was bleibet mir itzt anderes zu tun, als mit meinem Herren zur Signora Laura zu gehn, auf daß der Tudeschko die Tudeschka nehm und die unseren unsere Mädchen nehmen. Ist's nicht so, Signor Marin?

 

STIMMEN

Ja, bei Gott, so ist's!

 

BOKTSCHILO

Pomo, werden wir nun auch einen heben?

 

POMET

Bei Gott, wir weden, Boktschilo; heute abend wirst du satt und besoffen

schlafen gehn. Misser Ugo...

 

UGO

JO, jo, antar, parlar signora.[427]

 

PETRUNJELA

(die Tür öffnend) Die Herrin läßt euch heraufbitten.

 

 

ZEHNTER AUFTRITT

 

BOKTSCHILO

Was für Wunder hab ich in diesem Land geschauet!

 

MAROJE

Einen schönen Teufel hast du erblicket, du Trunkenbold!

 

DSCHIWULIN

Signori, ich will euch auch ein Wörtlein sagen. Ich geh zuvörderst jenen Dschucho suchen, der mir die Überfahrt bis Ancona schuldig geblieben.

 

DSCHIWO

Ei zum Teufel, wer ist dieser Dschucho, von dem du ohn Unterlaß faselst? stammt er aus Dubrovnik?

 

DSCHIWULIN

Ja, aus Dubrovnik ist er.

 

DSCHIWO

Dann wird er auch nach Dubrovnik zurückkehrn, allwo du ihn finden kannst. Was drehst du dich hier herum?

 

DSCHIWULIN

Mag sein, daß es so kommen mag. Aber ich möcht euch noch ein Wörtlein sagen. Den Ablaß haben wir erhalten, alles ist zu Ende gebracht, und was mich betrifft, so geh ich morgen nach Ancona, allwo mein Schiff mich erwartet. So ihr mit mir kommen mögt, das Wetter ist günstig. Worauf solln wir hier noch warten?

 

STIMMEN

Ja, ja, gehn wir nach unserm Dubrovnik zurück... recht hat er gesagt.

 

AMME

Ach, wenn ich die Mauern der Stadt wieder erblicken könnt, die Seel möcht mir leichter werden.

 

BOKTSCHILO

O, daß ich erst wieder in meiner Schankstuben wär! Sobald wir die Mauern der Stadt gewahr werden, so werden wir andere Menschen werden zwischen, unseresgleichen.

 

NIKO

(zu Piero und Wlacho) Holla, Gesellen, und wir werden statt der römischen Kurtisanen die Dienstmädchen in den Gäßchen von Dubrovnik kneifen.

 

PIERO

Und bei unsern Vätern wird Freude herrschen; sie werden Abrechnung von uns verlangen und ihren Beutel gut zuhalten, daß wir ihnen keinen roten Heller draus entwenden können.

(Laura, Ugo und Pomet erscheinen auf dem Balkon.)

 

POMET

Ich sehe alle zur Abfahrt nach Dubrovnik bereit. Doch zuvor mögt ihr die neuen Brautpaare in Augenschein nehmen, dann mögt ihr in Glück und Frieden dahinziehn.

 

UGO

Jo, jo, Signora mia cara.[428]

 

NIKO

Signora, wir halten uns dir empfohlen.

 

AMME

Diesem schlechten Weibsbild?

 

MAROJE

Jener, die meine Tausender verschluckt? (Ugo und Laura ziehen sich zurück;

Petrunjela tritt auf den Balkon.)

 

POMET

Jedweder geh an sein Geschäft: Ich hab meinen Herrn als Bräutigam der Signora Laura zugeführt, und just hab ich bei der Signora um Petrunjela, unsere schöne Landsmännin, angehalten. Popiwa, hast du's vernommen, was hältst du dich hinter dem Rücken deines Herrn verborgen?

 

POPIWA

Du Lump du!

 

MARO

Schweig, mein Verderben!

 

PETRUNJELA

Liebster mein,

Es kann nicht sein,

Ich hab das Meine,

Will nicht das Deine.

 

POMET

Popiwa, dies dir zum Trotz! Du bist nicht für die große Welt geschaffen wie wir; geh du mit deinem Herrn zurück nach Dubrovnik, wo du dich mit kleineren Happen zufrieden geben magst.

 

STIMMEN

Gehn Wir... gehn wir... worauf warten wir noch?

(Allgemeines Hin und Her, Durcheinander.)

 

POMET

So ist auch die Komödie zu einem guten End gekommen, zumal für die Jungen; die Alten aber mögen ihre Taler gut in acht nehmen. Und itzund an die Arbeit; man erwartet uns mit dem Nachtmahl.

 

(Ranko Marinković: Fortführung der Ergänzung von Mihovil Kombol)

 

STIMMEN

Gehn wir, gehn wir... wir haben hier nichts mehr zu erwarten. (Sie stehen steif wie verzaubert und verfolgen mit den Augen Ugos Festzug, der mit Musikbegleitung vorbeizieht. Dann heben sie Ihre BIicke zu Lauras Balkon und verharren in der gleichen Reglosigkeit.)

 

BOKTSCHILO

Was für Wunder ich in diesem Land geschauet!

 

MAROJE

Einen schönen Teufel hast du erblicket, du Trunkenbold! (Alle Stehen wie gebannt, als ob sie nicht wüßten, was nun zu tun sei.)

 

POMET

Was steht ihr da starr und steif? È finita la Commedia![429] Geht nun und trinkt euch einen an, ihr Jammerlappen!

 

BOKTSCHILO

Ei, gut gesprochen, Pomet, du Herrscher groß und ruhmesreich!

 

MAROJE

Still, du Saufaus!

 

DIE GASTWIRTE

Trinke, trinken, gut Wein, per Dio!

 

POMET

Trinket, trinket, ihr Armen. Mein Herr feiert seinen Sieg. (Zu Ugo) Pagare trinken... a tutti?[430]

 

UGO

Jo, jo, trinken alles!

 

POMET

Und wir werden hier oben unsere Sach zu einem guten End bringen, nicht wahr, Petre?

 

POPIWA

Du Lump! (Traurig) Petrunjelchen!

 

PETRUNJELA

(ahmt ihn nach) Popiwa...

Liebster mein,

Es kann nicht sein;

Ich hab das Meine,

Will nicht das Deine!

 

POMET

Popiwa, hörst du? Geh, geh, du Strohkopf, nach Dubrovnik zurück, um zu dienen, zu kuppeln, um ein Tröpflein Supp mit einem Fettauge im Teller. Die große Welt ist nicht für dich. Pometeus Augustus Triumphator, der große Meister der Taten, herrschet itzt hier. Zu rechter Zeit hab ich das Muttermal unter der linken (deutet mit einer Geste an) entdeckt; im Muttermal war ein großer Schatz von hundert Dukaten verborgen. So macht ich sie zur Magdalena des Ornardo von Augsburg, und meinen Tudeschko trug ich auf Amors Flügeln fort in die Wonne, in die Glückseligkeit... Und mir selber, da ich kein Ausbund, kein Aff, kein Ungeheuer, kein Bock oder Esel bin - nicht wie einer, der Popiwa geheißen -, nahm ich diese Landsmännin Millichen, Teufelchen - Petru – trutrunjelchen... - Cur? Quare? Um des lieben Friedens willen, man soll sich nichts entgehen lassen.

 

POPIWA

Ach, daß ich mich an seinem Blut satt trinken könnt!

 

POMET

Geh ins Schlachthaus, Popiwa. Noch eines sag ich dir: Du hast einen großen Lehrmeister gehabt, doch du hast nicht verstanden zu segeln. Geduld, Geduld, Popiwa. Ich empfehl dir einen andern Meister... dort jenen Boktschilo...

 

BOKTSCHILO

Pomo...

 

POMET

Sei langmütig mit ihm, Bogo, ich halt mich dir empfohlen. Erleucht ihm seinen Verstand, Brüderchen. Und addio sag ich euch, addio, die ihr gen Dubrovnik ziehet. Das Glück mag euch so hold sein wie mir - Fortuna! (wirft ihr eine Kußhand zu) – und Wind in die Segel! Buon Viaggio[431] auch dir, Signor Marino. Star ben a Ragusa! Allegro e di bona voglia![432] Du wirst den Gurt enger schnallen, ein Stückchen Fleisch und ein Tellerchen Suppen, wie wir's vorhergesagt. Die frische Luft wird dir gut tun. Doch dies mag dich trösten. Es tut sich was in Dubrovnik,wıe ich höre: itzt ist dort die Zeit der Feste, irgendwelche Komödien werden aufgeführt... wie diese unsere hier... (An alle) Doch was steht ihr so erstarrt? Macht, daß ihr fortkommt. Man kann nicht mehr Rom von Dubrovnik aus schauen. Die Komödie ist aus. In Dubrovnik sind wir. Die Leut dort schaun euch an, wirkliche Leute!

 

(Alle fahren aus der Erstarrung empor,lachen auf, kehren sich dem Publikum zu, trinken ihm aus Gläsern zu, die ihnen in der Zwischenzeit die Gastwirte verteilt haben, und rufen mit lauter Stimme) Holla!

 



[1] Dundo bedeutet Onkel (Ohm); es ist ein Kosename, mit dem Kinder und junge Leute ältere Personen anreden, auch wenn sie nicht mit ihnen verwandt sind.

[2] Als Držić diesen Prolog des Nekromanten schrieb, war er sicher der Meinung, daß die erste Aufführung des „Dundo Maroje“ (wahrscheinlich zur Fastnachtzeit des Jahres 1551) unter freiem Himmel stattfinden Werde, und zwar „vor dem Schloß“, darum wendet er sich auch hier an „groß und klein“, das heißt an den Adel und an das Volk. Doch den Anmerkungen gemäß wurde diese Komödie - wahrscheinlich eines Unwetters wegen - im Rathaus aufgeführt, wo nur eine kleinere Zahl von Zuschauern der Vorstellung beiwohnen konnte - nur der Adel und noch einige angesehene Bürger. Die Vorstellung wurde von der „Pomet-Gesellschaft“, der bedeutendsten Theatertruppe von –Dubrovnik, gegeben.

[3] Drei Jahre zuvor war die später verlorengegangene Komödie „Pomet“ aufgeführt worden, und zwar an derselben Stelle, das heißt „vor dem Schloß“, wo nach Držićs Vorhaben „Dundo Maroje“ gegeben werden sollte.

[4] Diesen Worten nach mochten in der Komödie „Pomet“ (aufgeführt 1548) einige unliebsame Vorkommnisse in Dubrovnik gerügt worden sein.

[5] Darüber schrieben Schriftsteller der Antike und der Renaissance, auch der kroatische Schriftsteller Vetranović.

[6] Nach antiken Dichtern, besonders nach Ovid, kam nach dem goldenen Zeitalter das eiserne.

[7] Danach sind Maroje, Pomet und Grubischa auch in der Komödie „Pomet“ aufgetreten.

[8] Nach diesen Worten ist „Dundo Maroje“ eine Fortsetzung der verlorengegangenen Komödie „Pomet“, deren Handlung sich in Dubrovnik abgespielt hatte.

[9] Im Original lautet dieses Sprichwort: Kleine Leute können nicht hoch greifen.

[10] Nach diesen Worten zu schließen, wie auch nach denjenigen im 2. Aufzug, 6. Auftritt, hat Maro in der Komödie „Pomet“ gemeinsam mit seinem Diener Pomet dem Vater zweitausend Dukaten entwendet und sie erst auf das schriftliche Versprechen des Vaters zurückgegeben, er werde das gesamte Vermögen des Vaters erben.

[11] Ancona war zu jener Zeit ein sehr wichtiger Hafen, wo auch viele Kaufleute aus Dubrovnik lebten.

[12] In Dubrovnik waren Kellerer Diener, die en Wein ihrer Gebieter verkauften.

[13] Nach den Aufzeichnungen im Archiv von Dubrovnik sollen sich dort mehrere Fälle, wie sie im „Dundo Maroje“ geschildert werden, in Wirklichkeit abgespielt haben.

[14] In Dubrovnik war es Sitte, daß nicht nur der Herr den Diener mit dem familiären „du“ ansprach, sondern auch der Diener den Herrn.

[15] Mit der Bezeichnung „die Stadt“ ist immer Dubrovnik gemeint.

[16] Was fehlt diesem armen Menschen?

[17] Der Sohn hat das Geld verpraßt, ein Elend!

[18] Mein Herr...! Aus Dubrovnik?

[19] Willkommen!

[20] Gut angetroffen, mein Herr (Es ist Sitte bei den Kroaten - wie auch bei den Italienern - auf den Gruß „willkommen“ mit der Redewendung „gut angetroffen“ zu antworten.).

[21] Mein Herr.

[22] Gibt es gute Nachrichten?

[23] Herr und Gebieter.

[24] Ich hab einen Menschen gefunden. (Richtig wäre: hominem).

[25] Mein Herr.

[26] Sonst wird dich der Teufel holen.

[27] Aber mein lieber Herr, setzt fort!

[28] Schatz, Schatz.

[29] Mein Herr.

[30] Bitter.

[31] Es wird auf eine geschichtliche Begebenheit angespielt, die sprichwörtlich geworden ist.

[32] Mein Herr.

[33] „Elend“.

[34] „Die Herberge zum Überfluß“.

[35] Zum Elend.

[36] Bei der Torheit, bei dem Zeichen zur Torheit gibt es guten Wein, gute Rebhühner, gute Kapaunen Hühner, Würstchen und inbesondere gutes Brot. Riech ein wenig, mein Herr, was für ein Duft!

[37] Mein Herr, Gastwirt, laß mich den Wein kosten!

[38] Braver Held aus dem Slawenland.

[39] Steigt hier bei mir ab, beim Überfluß; ich gebe euch eine Vorspeise, eine Tunke auf deutsche Art, daß ihr euch die Finger lecken werdet, korsikanischen Wein und französischen Weißwein, Kalbfleisch vom Kalb, das noch gesogen hat, Fasanen und Pfauen und alles, was ihr verlangt.

[40] Mein Herr, dieser da wird euch erlesene Speisen geben, aber euere Tasche wird es zu spüren bekommen; er wird euch auch die Zahnstochner rechnen, mit denen ihr die Zähne reinigt.

[41] Bedaure.

[42] Es ist schon spät.

[43] Der Deutsche.

[44] Diese Frau will mich vernichten die Frau so grausam gegen ihren Diener. Ich bin stets dein Diener; mein Geld und mein Leben stehen zu deinem Befehl, grausame Frau! Die Pest soll den treffen und der Krebs denjenigen befallen, der dich mehr liebt als ich.  Ich liebe einen Stein; bei Gott, ich töte diejenige, die mich nicht liebt.

[45] Frau Laura... sei nicht so hochmütig!

[46] Ich liebe so sehr diese Grausame, und sie wünscht mir nur Böses!

[47] Ach, Grausame, diese Tränen können dein Herz nicht rühren, ein steinernes Herz, kein Herz!

[48] Ich sag euch, geht mit Gott, ich will euere Dummheiten nicht mehr hören.

[49] Wahrhaftig.

[50] Umgekehrt.

[51] Herr Marin.

[52] Herr Ugo, wozu so verzweifelt? Seid lustig, gut aufgelegt! Gehen wir trinken, die Signora wird euch dann gern haben.

[53] Gehen wir bei Gott Malvasia trinken und den Kummer aus dem Herzen reißen. Signora, ob ihr's wollt oder nicht, ich bın euer Diener.

[54] Pomet, Herr Pomet, ich küß die Hand eurer Herrlichkeit.

[55] Es ist aus und geschehen.

[56] Gut angetroffen eure Herrlichkeit, Herr Marin.

[57] Um Gottes Willen.

[58] Ein schönes Ding.

[60] Um Gottes Willen.

[61] Ein schönes Ding.

[63] Das tote Meer auf Lokrum ist ein kleiner See auf der Insel Lokrum bei Dubrovnik, der mit dem Meer verbunden ist.

[64] Herr, nicht in Zorn geraten!

[65] Meine schöne Herrin.

[66] Mach das nicht, Herr, nicht in Zorn geraten!

[67] Na gut.

[68] Was wartest du hier? Willst du keinen Malvasier trinken? Ich will, bei Gott.

[69] Mit Ihnen, Herr Hugo, ginge ich in die Hölle, und es würde mir gut gehen.

[70] Ich will die Signora grüßen: „Euer Diener“.

[71] Die Herrin wird euch gehören, was wollt ihr mehr? Gehen wir trinken.

[72] Bei Gott, das ist das beste.

[73] Mein lieber Herr, nichts darf man im Zorn tun.

[74] Giuliano Cesarini war ein römischer Edelmann jener Zeit, berühmt durch seine Hundemeute.

[75] Mit einem Becher Wein.

[76] Muttergotteskirche in Dubrovnik (Luncijata kommt von Annunziata).

[77] Zu jener Zeit in Dubrovnik war es den jungen Mädchen verboten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nicht einmal in die Kirche durften sie ohne Begleitung gehen.

[78] Bei Gott.

[79] Mein Herr, itzt hab ich mit Säbel gefochten.

[80] Bei Gott.

[81] Bei Gott.

[82] Beim Betreten von Dubrovnik wurden den Bauern die Waffen abgenommen.

[83] Ich bin von der Insel Lopud.

[84] Prijeki heißt eine Gasse in Dubrovnik.

[85] In Ordnung, in Ordnung.

[86] Ich küß deine Füße, mein Herr.

[87] Pomet Spricht ein fehlerhaftes Latein, es sollte heißen: Turdus inter aves - Drosseln unter den Vögeln.

[88] In Verzückung.

[89] Herr und Gebieter, befehlt!

[90] Macht eine heitere Miene.

[91] Mir  ıst nicht wohl.

[92] Ich Sterbe, wenn ich nicht die Signora bekomme; ich bin traurig, ich kann nicht essen. Iß schnell geh zur Signora, versprich ihr tausend Dukaten, zweitausend Dukaten. Besser ist's, Dukaten verprassen als das Leben verlieren.

[93] Herr Ugo, seid lustig, die Signora wird euer sein.

[94] Geh, Pomet!

[95] Ich gehe, Herr.

[96] Trollt euch!

[97] Ich bin aufgelegt, um Sachen zu vollbringen.

[98] Richtig wäre: triumphus Caesarianus - Cäsarentriumph.

[99] Richtig wäre: Contrariis contraria curabuntur - Das Ungemach wird durch Ungemach geschlichtet.

[100] Wie ein echter Philosoph der Literatur.

[101] Peter, um Gottes Willen

[102] Bei Gott.

[103] Bravo

[104] Übrigens

[105] Willkommen.

[106] Herr Nikolas.

[107] Herr Peter.

[108] Bruder

[109] Hallo, Mädchen, wie heißt die Frau, die hier wohnt?

[110] Das ist meine Herrin, mein Herr.

[111] Petrunjela, was für Gespräche sind das? Hab ich dir nicht gesagt, du bekommst Prügel, du Unglückselige.

[112] Herrin, es sind Herren aus Dubrovnik; Blut ist dicker als Wasser, laßt mich ein wenig mit ihnen plaudern.

[113] Geh sofort herein, du Unglückselige. - Sadi, kommt herein.

[114] Schöne Frau, seid nicht böse, wir sind euere Diener.

[115] Bei Gott!

[116] Seid willkommen!

[117] Gut angetroffen, Herr Marin!

[118] Was gibt's Neues?

[119] Ist's nicht so, mein schönes Herz?

[120] Es ist alles so, wie's eurer Herrlichkeit gefällt, Herr Marin.

[121] Es ist alles so, wie's eurer Herrlichkeit gefällt, Herr Marin.Wer seid ihr, guter Mann, was wollt ihr?

[122] Wer seid ihr, guter Mann, was wollt ihr?

[123] Ich kenn euch nicht, geht mit Gott!

[124] Der ist toll.

[125] Waffen! Mit Waffen! - Herr Wachtmeister, dieser will mich töten.

[126] Halt ihn fest, halt ihn fest!

[127] Halt! Gib dies Messer her!

[128] Laßt mich den Lump töten.

[129] Dieser Alte muß verrückt sein

[130] Führt ihn in den Kerker; wir werden ihn schon von der Tollheit heilen.

[131] Auch  für das süße Pissen!

[132] Wer Zeit hat, hat das Leben. (Es ist gemeint: Wer Zeit hat, der findet eine Ausflucht und rettet sein Leben).

[133] Wir werden schon sehen...

[134] Ach ihr Herren, o ihr Edelleute, was für ein Lärm war das?

[135] Herrin, wir wissen es nicht genau.

[136] Und wo ist Herr Maro hin?

[137] Wir wissen nicht, wohin er gegangen.

[138] Wenn ihr ihn seht, seid so gut und schickt ihn zu mir.

[139] Wir machen es gerne, Signora.

[140] Herr Sadi, habt ihr nicht das Perlenhalbsband hiergelassen?

[141] Was weiß ich, Herrin, Herr Marin ist weg und hat mir nichts aufgetragen.

[142] Er wird gleich zurücksein; laßt es hier.

[143] Und wer gibt mir das Geld?

[144] Was, ihr wißt nicht, wer es euch geben wird? Ist es das erste Mal, daß wir Ware bei euch kaufen? Was kosten diese dreißig Perlen?

[145] Ich kann sie nicht unter fünf Skudi pro Stück geben, das wäre: fünf mal zehn - funfzig, hundert, hundertfünfzig Skudi, so viel würden sie kosten.

[146] In Gottes Namen, laßt sie hier; wenn Herr Marin zurückkehrt, wird er euch stracks das Geld in die Hand zählen.

[147] Ich möchte lieber mit ihm sprechen.

[148] Sadi, es kommt mir vor, ihr glabt mir nicht.

[149] Das heißt nicht, ich glaube euch nicht, doch es ware besser, er wäre hier.

[150] Er wird auch hier sein, laßt sie hier; ich bin jetzt hier, und ich und er sind ein und dasselbe.

[151] Ich weiß es! Gott gebe es, ihr bliebet ewig zusammen, denn ihr habt einen Geliebten, eurer würdig, und er eine Herrin, seiner würdig. Was macht es aus, wenn ich die Perlen mitnehme und nach kurzer Zeit zurückkomme?

[152] Es macht etwas aus; ich will anlegen, und ich will nicht, daß euch jemand - der sie gesehen hat und dem sie gefallen haben - etwas mehr dafür biete und ich ohne sie bleibe. Ich kenn wohl die Habgier von euch Juden.

[153] Wir sind, was euere Herrlichkeit aus uns macht, und ich tue, wie's euch gefällt.

[154] Wartet, ich komme hinunter ans Tor.

[155] Bei Gott, ich lasse sie nicht gern.  Es gefiel mir gar nicht, jenen Alten Herrn Maro angreifen zu sehen. Diese Jünglinge prassen rücksichtslos, kommen in Schulden und geben dann Fersengeld. Es schien mir, jener Alte sprach: „Meine Dukaten!“ erwähnt er, das andere hab ich nicht verstanden. Doch diese Frau hat mich sonst freigebig bezahlt; ich glaub, sie bleibt mir auch diesmal nichts schuldig.

[156] Herr Sadi!

[157] Hier sind die Perlen; es sind ihrer dreißig, zählt sie ab.

[158] Fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig - es stimmt. Mein Sadi, kehrt in einer Stunde wieder, und Herr Marin wird euch euere hundertfünfzig Skudi in die Hand zählen. Diese Perlen werde ich Herrn Marin zuliebe tragen.

[159] Oh, sie kleiden euch gut! Genießt sie lange, Herrn Marin zulieb.

[160] Gott gebe es.

[161] Was für ein freigebiger Edelmann; doch was er hat, gehört ihm nicht.

[162] Mein Sadi, wenn ihr wüßtet, was er mir alles in einem Jahr gekauft hat, ihr würdet staunen: ungefähr um dreitausend Dukaten Geschmeide, Halsbänder, Kleider und andere Sachen.

[163] Es gereich euch zum Glück, Herrin! Ich kann nicht länger mit euch verweilen; ich hab zu tun; ich kehre in einer Stund zurück.

[164] Glückauf, mein lieber Sadi.

[165] Dem Getummel weich aus.

[166] Es fehlte noch, sich mit der Polizei zu schlagen!

[167] ... und meinen Geschäften nachzugehen.

[168] Wofür das? welcher Abkunft? (Triptsche stellt sich vor, was für lateinische Fragen man ihm vor Gericht gestellt hätte.)

[169] Mitschuldig...

[170] ... um mir den Hals zu brechen.

[171] durch ein Wunder.

[172] einen Becher Wein.

[173] Barmherzigkeit.

[174] Zum Teufel.

[175] Ich sterbe vor Hunger.

[176] Wo ist er, verduftet ist der Lump! Da, wie er läuft! Ha, Lump, du flüchtest und willst nicht die Herberg bezahlen? Es war dir süß zu essen, und zu bezahlen fällt dir's bitter (amaro), nicht wahr?

[177] Mißverständnisse steigern die Komik dieser Szene: Als Boktschilo das Wort „amaro“ hört, meint er, der Gastwirt erwähne Maro; und der Gastwirt mißversteht den Namen „Maro“, denn Maro ist im Italienischen der Name einer Pflanze, und sagt: „Was für eine Pflanze, gib den Mantel her, du Lump!“

[178] Kri, kri, sing jetzt „Kyrie eleison“ und die Litaneien. (Im Kroatischen ist das ein Wortspiel: Boktschilo sagt: „Ja nijesam kriv“ - ich bin nicht schuldig, und der Gastwirt versteht diese Worte als den Anfang von „Kyrie eleison“.)

[179] „Gott, Gott“, was für ein Lump!

[180] Was zum Teufel brüllt der hier? Was fehlt ihm?

[181] Er will die Herberg nicht bezahlen, drum hab ich ihm den Mantel genommen.

[182] Schick zum Teufel dieses Vieh, halb Rom hat er mit seinem Gekreisch taub gemacht.

[183] Was für ein Lump!

[184] Gib ihm den Mantel und schick ihn zum Teufel; der Alte wird für ihn bezahlen.

[185] Und wo ist der Alte? Habt ihr nicht gesehen, wie er ins Gefängnis abgeführt ward?

[186] Hier im Haus sind Sachen von ihm; wir sind sichergestellt.

[187] Ich soll ihm den Mantel geben?

[188] Gib ihn zurück.

[189] Da hast, nun geh!

[190] ... mit Stöcken und Laternen (laternibus statt des richtigen laternis).

[191] Hauptmann,  das ist einer von den Unsrigen, gebt ihn frei - es ist sein Vater.

[192] Was für ein Vater, was für unsriger, wie freilassen, trollt euch!

[193] Richtig wäre: In paucis verbis intendimus nos - wir verstanden uns mit wenigen Worten.

[194] Ich kenne dich nicht!

[195] ... mit meiner Würde.

[196] Richtig wäre: virtutibus praeditus - mit Tugenden begabt.

[197] Wer hat dir jene Schuh gemacht, dıe dir so gut stehn, die dir so gut stehn?

[198] Die dir so gut stehn, Gernietta, die dir so gut stehn?

[199] Bravo

[200] Gott sei Dank

[201] Gute Nachrichten?

[202] Gute!

[203] ... in der Herberge „zur Glocke“.

[204] ... die Erben des Vermögens von weiland Signora Laura. Hinaus, hinaus...

[205] Übrigens

[206] Wer ist unten? Sadi, seid ihr's?

[207] Ist Signor Marin zurück?

[208] Noch nicht.

[209] Signora, ich muß in einer Stunde eine Zahlung leisten; sonst würde ich euch nicht lästig fallen.

[210] Na gut, Herr Marin ist bald zurück.

[211] Signora, habt ihr nicht welchen Skudo zur Hand? Ich brauch sie dringend.

[212] Wahrhaftig nicht, mein Sadi,  kehret nach kurzer Zeit zurück, und ihr werdet befriedigt werden.

[213] Ich mach's, wie's euerer Herrlichkeit gefällt.

[214] O wie sind diese Juden lästig!

[215] Beim Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, ich war verrückt, mich dieser Perlen zu entäußern! Kurtisanen, ach! Gecken, ach! Man soll itzund nicht schlafen, man soll sie suchen, ihnen lästig fallen und das Eisen schmieden, dieweil es heiß ist. Es sind 150 Skudi, keine Kleinigkeit! Doch schau, bei Gott, Herr Marin. – Ich küß die Hand euerer Herrlichkeit, Herr Marin.

[216] Was gibt's, Sadi?

[217] Dreißig Perlen, die die Signora genommen, jede um fünf Skudi, macht hundertfünfzig Skudi.

[218] O Sadi, sie sind zu teuer!

[219] So haben wir's ausgemacht, und sie hat eingewilligt.

[220] Hat sie eingewilligt, so tue ich's auch.

[221] Habt ihr vielleicht das Geld bei euch?

[222] Stracks geh ich nach Hause und hol's.

[223] Und wo find ich euch?

[224] Kommt zur Signora.

[225] Könnt ich nicht mit euch kommen?

[226] Sadi, ihr seid lästig! Ich sag euch, kommt in einer Weile zur Signora, und ihr werdet bezahlt.

[227] Wie's euerer Herrlichkeit gefällt, Herr Marin; euer Diener.

[228] Grüß Gott, ich geh nach Hause.

[229] Glückauf! - Zum Teufel! Man darf nicht faulenzen in dieser Sache. Die da sind schnell zur Hand, die Ware zu nehmen, doch um sie zu bezahlen, sind sie härter als ein Diamant. Ich geh nicht einmal nach Hause; ich verberge mich hinter jener Ecke und warte auf diesen meinen Messias. Wenn ich ihm nicht zusetze, schwerlich werde ich zu meinem Geld kommen.

[230] Gut angetroffen euere Herrlichkeit, Herr Marin.

[231] Sadi, ich hab wichtige Geschäfte zu erledigen, belästigt mich jetzt nicht!

[232] Herr, ich muß unverzüglich eine Rechnung von zweihundert Dukaten bezahlen, sonst komm ich in den Kerker.

[233] Jetzt kann ich sie dir nicht geben.

[234] Gebt mır dann meine Perlen zurück, ich kann nicht anders. Ich wähnt, bei euch jederzeit, in jedweder Bedürfnis, drei- bis vierhundert Dukaten erhalten zu können, wie in einer Bank, jetzund, in meiner Not, kann ich auch das meine nicht erhalten.

[235] Sadi, ich wußt nicht, daß ihr so lästig seid.

[236] Zahlt ihn, zum Teufel, aus, da er so unausstehlich ist.

[237] Es handelt sich nicht darum, Signora, daß ich ihm nicht gleich das Geld auszahlen könnt, doch eine wichtige Sache treibt mich schnell fort, und das Geld bliebe, wie es auch ist, ihm zur Verfügung. Hier, da hast's: fünf, zehn, fünfzehn usw., usw., Seid, ihr zufrieden?

[238] Ja, Herr, besten Dank euerer Herrlichkeit! Wenn ich jetzt nicht in Not wäre, hätte ich euch nicht belästigt. Verzeiht! Ein andermal bedient euch bei mir mit Geld, oder ohne Geld, wie's euch beliebt.

[239] Sadi, denkt an jenen Anhänger.

[240] Ja, Signora, ich merk mir's wohl.

[241] Herr Marin, einer verkauft einen Anhänger, er verlangt 200 Skudi. Ein schönes Ding! ... zum Umhängen! Neun Perlen!

[242] Willkommen, du Lump.

[243] Bei Gott.

[244] Unversehens

[245] Um Gottes Willen.

[246] Ein große Sache.

[247] Wer Zeit hat, hat das Leben.

[248] Ich hab die Schule besucht, ich red nicht nur so daher.

[249] Mein Herr.

[250] ... das Gegenteil.

[251] ... der pure Edelmut von dieser Welt.

[252] Die einen (sagen): „Nun mein Herr, nun mein Herr“.

[253] Der Mensch im Luchsfell, und von innen sind's reißende Wölfe: nach ihren Früchten erkennt man sie (Triptsche zitiert hier Stellen aus der Heiligen Schrift.)

[254] Und besprachen sich, ihn durch List zu fangen. Versteh mich wohl, Bruder, wenn du's vermagst, denn ich verstehe mich selber sehr gut.

[255] Und um  zurückzukehren.

[256] ... und Throne (Hier meint er – der Heiligen Schrift gemäß - die neun Chöre der Engel; also: die anderen sind gut und angesehen wie Engel.)

[257] Es sollte heißen: Cum sancto sanctus eris - zwischen Heiligen wirst du heilig sein. (Auch ein Zitat aus der Heiligen Schrift.)

[258] Bist du als Narr geboren, so ertränk dich - dein Schaden.

[259] Edelstein des Ostens.

[260] Ach Pomet, Pomet, Verräter Pomet, ach, mein Mädchen!

[261] Mädchen, kennst du mich, ich bin der Diener deiner Herrin, ich bin ihr Diener, doch sie haßt mich. Ich gebe ihr tausend Dukaten, zweitausend Dukaten, wieviel sie will.

[262] Mein Herr, sprich du mit der Herrin, ich sag ihr das nicht, ich misch mich da nicht ein.

[263] Ich sag euch, edler  Herr, geht eueres Weges, mengt euch hier nicht ein; das ist meine Sache.

[264] Ich muß hier bleiben, ich kann nicht fortgehen.

[265] Was willst du? Willst du dich mit mir schlagen?

[266] Ich kann mich auch schlagen, wenn es nottut. Es kommt dir junkerhaft vor, mir meine Geschäfte zu verderben?

[267] Was für Geschäfte hast du mit dieser da?

[268] Ich hab, was ich hab - ich hab Geschäfte; und dir brauch ich keine Rechenschaft über meine Geschäfte abzulegen.

[269] Bei Gott, bei Gott, wenn du hier herumstreichst, wirst du auch dein Leben lassen. Troll dich, lauf weg von hier!

[270] Herr, Gebieter, treib ihn nicht fort! Alle haben das Recht spazierenzugehen. Der Herrgott hat es gegeben.

[271] Bei Gott, ich töte auch dich, du Hure, und auch die Hure, deine Herrin. Der Krebs soll euch alle befallen!

[272] Du bist gekommen, um mit den Waffen zu rasseln! Du glaubst, du bist in Deutschland, und daß du herausfordern kannst. Paß gut auf und schau gut zu, mit wem du's zu tun hast!

[273] Ja, ja, komm, komm nur her!

[274] Meine Herrin eine Hure schimpfen, und mich eine Hure?!

[275] Deine Mutter, deine Schwestern und Brüder und dein Vater sind Lüstlinge.

[276] Komm nicht mehr vor unser Haus, ich öffne dir nicht, siedendes Wasser schütt ich dir auf den Kopf, daß du's weißt!

[277] Bei der Heiligen Jungfrau, mein Vater ein Hund?

[278] O Gott, ich werd dich beim hellichten Tag die Sterne sehen lassen.

[279] ... und wirklich.

[280] ... ärgster Lump unter Lumpen.

[281] Wenn ich erst zu schlagen anfange! (Wörtlich: wenn ich erst die Hände spielen lasse!)

[282] Was sagst du, daß du die Hände spielen lassen wirst? Ich erwarte dich!

[283] Schaut! Gewalt! Mit Waffen!

[284] Der krebs soll dich befallen! Bei Gott, mit diesen meinen Händen kratz ich dir die Augen aus!

[285] Hure! Ich töte dich, du sollst nicht leben; Huren du und deine Herrin.

[286] Liebe Herrin, Gebieterin, öffnet!

[287] Was für ein Lärm ist das?

[288] Herrin, er wollte mich töten, der Jude, er wollte mich töten.

[289] Inmitten von Rom solche Gewalttaten an anständigen Leuten verüben! Ich geh gleich zum Gouverneur. Du wirst schon sehen, du Hund, du lumpiger!

[290] Der Krebs soll dich befallen, du Dirne!

[291] Herr Ugo, Edelleuten wie dir ziemt es nicht, solche Sachen zu tun.

[292] Was tun? Ich bin beleidigt! Die Dirne töten!

[293] Bei Gott.

[294] Mit der Bank von Oligiatti standen die Kaufleute aus Dubrovnik in geschäftlichen Verbindungen.

[295] Laß mich's machen!

[296] Sadi, wißt ihr Bescheid über alles?

[297] Über alles.

[298] Sei vorsichtig.

[299] Mit mir braucht man nicht viel Worte zu verlieren.

[300] Meine süße Herrin!

[301] Petrunjela, mach auf!

[302] Richtig wäre: conversabitur - mit dem Klugen verbindet sich das Glück.

[303] Richtig: ergo approbatur - also es ist genehmigt. (Mit dieser Redewendung hat man ein Gesuch oder eine Bitte positiv erledigt.)

[304] (Sie reden) gelehrt.

[305] In fehlerhaftem Latein; es soll bedeuten: das Glück ist mit jenen, die verstehen, glücklich zu sein.

[306] ... in der Herberge Zur Glocke.

[307] Richtig: heres coheres - Erbe und Miterbe.

[308] Woher? Wessen? Warum? Das sind Fragen, mit denen ihn Maro empfangen wird.

[309] Gut.

[310] Die Herrin ist Herrin; Bruder. glückauf! Heut empfängt sie weder Pomo noch Pomet.

[311] Mein Herr, wollt ihr nicht kommen, um eueren Handel zu sehen und um nachzuschauen, ob es da für dreitausend Dukaten an Stoffen gibt? Es sind lauter feine holländische Stoffe; es gibt auch leichte Stoffe, doch nur wenig. Kommt, um euren Handel zu prüfen.

[312] Es ist nicht notwendig, daß auch ich es sehe; ich glaub euch. Könnt ihr mir nicht jetzt den Schlüssel vom Magazin geben?

[313] Die Bank muß zuerst garantieren.

[314] Ihr sprecht weise. Könnt ihr mir nicht einen Rock und einen Umhang aus grobem Stoff leihen?

[315] Ich hab ihrer fünfundzwanzig, wenn ihr sie braucht.

[316] Ich brauche einen Rock und einen groben Umhang. Doch gehen wir zu euerem Geschäft, bis mein Diener mit der erledigten Sache vom Bankier zurückkehrt.

[317] Gehen wir.

[318] Zwei Stadtviertel von Dubrovnik, wo sich Prostituierte aufhielten.

[319] Guten Tag euerer Herrlichkeit, Frau Laura.

[320] Willkommen, mein Herr Gianpaolo.

[321] Sie wollen, daß ich Sadi Garantie für dreitausend Dukaten leiste?

[322] Ja, mein Herr.

[323] Wer seinen Geliebten von Herzen liebhat, sobald er ihn zum Herrn über sich macht, so macht er ihn auch zum Herrn über sein Vermögen.

[324] Herr Marin ist mein Herr und Herr über mein Eigentum.

[325] Selig, der in euerer Gunst steht! Befehlt ihr mir noch was anderes?

[326] Ich stehe euch zur Verfügung, mein lieber Herr Gianpaolo.

[327] Herrin, habt ihr noch Befehle? Soll ich Herrn Maro erlauben, frei über die Stoffe zu verfügen?

[328] Ja, ja, gebt ihm den Schlüssel vom Magazin. Vergeßt nicht auf jene hundert Ellen Band.

[329] In Ordnung, Herrin, ich werde es nicht vergessen.

[330] ... ich kenne dich nicht.

[331] Heilige Maria!

[332] Es ist aus und geschehen.

[333] So gut wir es nur können, bei Gott, so gut wir es nur können.

[334] Was sprecht ihr von Boktschilo, verduftet, ich bin nicht Boktschilo.

[335] Willkommen!

[336] Bei der Liebe Gottes.

[337] Verräter, troll dıch aus meinem Hause!

[338] Du stehest noch, du glotzest noch!

[339] Hallo, du guter Mann!

[340] Zum Überfluß.

[341] Es scheint, der Herr hat die Ware weggetragen.

[342] Herr Ugo, die Frau ist dein.

[343] Bei Gott.

[344] Ein Räuber, haltet den Räuber.

[345] Ein Gauner, haltet den Gauner.

[346] Willkommen.

[347] Richtig wäre: Non conveniunt Judaei cum Samaritanis. In der Hl. Schrift lautatet diese Stelle: Non contuntur Judaei Samaritanis - die Juden verkehren nicht mit den Samaritern, d. h. die Reichen mengen sich nicht unter die Armen.

[348] Wahrscheinlich der Name einer bekannten Käseverkäuferin jener Zeit in Dubrovnik.

[349] Orlando heißt die bekannte Statue vor der Kirche des heiligen Blasius in Dubrovnik.

[350] Überlaß es mir.

[351] Warum? Weshalb? Wessen? Mit der Aufzählung dieser lateinischen Fragen ahmt Pomet das Verfahren vor Gericht nach. So wird ihm auch Ugo eine ganze Anzahl von Fragen stellen.

[352] Zum Überfluß.

[353] Ja, mein Herr, ich weiß alles. (Camillo ist ein Italiener, der in Dubrovnik lebt und schlecht kroatisch spricht.)

[354] ... zur Torheit.

[355] Zur Torheit, zur Torheit! Was wünscht ihr?

[356] Was, mein Herr?

[357] Ist hier vielleicht einer aus Dubrovnik abgestiegen?

[358] Ja, ich glaube; die aus Dubrovnik steigen immer bei uns ab. Ja, hier ist ein Alter.

[359] Was für ein Spaß! Herr Paul.

[360] Was für ein Spaß mit diesem Vieh!

[361] Was zum Teufel brüllst du, du Ochse?

[362] Ein Ochse bist du, ja, ein Ochse!

[363] ... geh zum Teufel!

[364] Schick ihn in ein Bordell, das ist ein armer Troph.

[365] Spaßig ist dieses Vieh. Dieweil sie sich in der Herberge unterhalten, gehe ich ein wenig dieser Signora den Hof machen. Doch hier ist ihre Dienstmagd, sie scheint eine Slawin zu sein.

[366] Ich hab es erraten, sie ist eine Slawin.

[367] Aber ich heiße nicht mehr Militza, ich heiß Petrunjela.

[368] Wohnst du mit der Signora?

[369] Was für ein Vergnügen!

[370] Mein Herr.

[371] Da bin ich.

[372] Petrunjela, was soll das heißen, daß du dich so lange verweilt hast?

[373] Ach, Herrin, gar traurige Nachrichten bring ich.

[374] Ach, Verräter.

[375] Ach, Schurke.

[376] Wer pocht unten?

[377] Mein Popiwa.

[378] Was für eine schöne Sache!

[379] Um Gottes Willen!

[380] Schon.

[381] Richtig wäre: Honores mutant mores - Würden ändern Sitten.

[382] ... als er.

[383] Unverhofft.

[384] Herr Marin, gut angetroffen.

[385] Herr Marin, einen guten Tag euerer Herrlichkeit! Es ist schon Zeit, daß ich vergütet werde.

[386] Habt ihr schon die Rechnung gemacht, wieviel ich euch noch schulde?

[387] Ich habe schon 50 Skudi erhalten, und ihr habt mir noch 100 zu geben.

[388] Gut, morgen werdet ihr gewiß vergütet werden.

[389] Ihr vertröstet mich von Tag zu Tag; ich kann nicht mehr warten, ich verlange, daß ihr mich auszahlt.

[390] Ihr habt vollständig recht, ich will euch vergüten. Kommt morgen früh zu mir nach Hause, und ihr werdet ausgezahlt werden.

[391] Ich muß noch heut abend etwas bezahlen; wenn ihr mich morgen auszahlen wollt, so zahlt mich heut abend aus und gebt mir wenigstens etwas.

[392] Ihr seid sehr zornig gekommen! Um 23 Uhr soll die Zahlung geleistet werden? Findet mich zur Zeit, wenn die Banken arbeiten, und ihr werdet befriedigt werden.

[393] Ich sag euch, ich will das Meine haben und keine leeren Worte.

[394] Ihr kommt mit einer Drohung.

[395] Ihr wollt mich nicht bezahlen, eh?

[396] Es scheint mir, ihr wollt euch schlagen?

[397] Ich bin nicht gekommen, um mich zu schlagen, sondern um das Meine zu bekommen.

[398] Also, ihr sollt es haben! Ich gehe, um euch euer Geld zu bringen.

[399] Ich geh mit euch.

[400] Wartet in euerem Laden; durch meinen Diener schick ich euch stracks ohne Verzug hundert Skudi, da ihr so lästig seid.

[401] Ich warte, es soll nur so sein. - Wenn ihr mir nicht zahlt, geh ich euch anzuzeigen.

[402] Hundert Dukaten!

[403] Signora Laura, meine Herrin!

[404] Wer pocht unten?

[405] Was für ein Spaß.

[406] Es ist aus und geschehen.

[407] ... daß wir ihn töten.

[408] ... mit Gewalt.

[409] Bei Gott.

[410] ... du Hund, du verkommener Bock.

[411] ... du Hund, du verkommener Bock.

[412] Da bin ich, draußen. (Das heißt: ich stelle mich zum Kampf.)

[413] ... mit Güte.

[414] ... mit Gewalt.

[415] Steh ruhig (bleib ruhig).

[416] Weh, Leute mit Waffen! Meine Herren aus Dubrovnik!

[417] Was für ein Wahnsinn hat dich befallen?

[418] Mein Herr, nicht so im Zorn. Nicht gut Zorn.

[419] ... im Zorn nicht wahr, Herr Ugo, ihr habt diesem Herrn nichts zuleide tun wollen?

[420] Nicht wollen, nicht wollen, bitte verzeihen.

[421] Richtig wäre: Post nubila Phoebus - nach Regen folgt Sonnenschein.

[422] Guten Tag euerer Herrlichkeit, Herr Marin. Ich kann nicht länger warten; ihr müßt mir noch hundert Dukaten zahlen.

[423] Ja, ja, es ist wahr, aber...

[424] Wartet, ihr werdet vergütet werden.

[425] Ich küß die Hand euerer Herrlichkeit.

[426] Ich kam, ich sah, ich siegte.

[427] Ja, ja, gehen wir's der Signora sagen.

[428] Ja, ja, meine liebe Signora.

[429] Die Komödie ist aus!

[430] Alle aushalten?

[431] Glückliche Reise...

[432] Gehab dich wohl in Dubrovnik! 

 

 

Unter Mitarbeit von

Prof. Dr. Milan Ratković und Dr. Ursula Kayser

übersetzt von

Dr. Mira Sertić

Redaktion, Kommentar und Nachwort

von Prof. Dr. Milan Ratković

 

Zagreb 1974

 

 

EIN PAAR WORTE ÜBER DEN AUTOR VON „DUNDO MAROJE“

 

Die wunderschöne Stadt Dubrovnik, über die heute noch die Basteien Minčeta, Lovrjenac und Revelin als Zeugen einer reichen und glänzenden Vergangenheit stolz dominieren, hat nicht nur durch Jahrhunderte feindlichen Gefahren getrotzt, sondern es auch durch ihre weise Politik verstanden, als unabhängige Republik ihre Selbständigkeit zu bewahren und Kulturgüter von unschätzbarem Wert zu erwerben. Die Kunstdenkmäler und Kunstschätze, die heutzutage Tausende und Abertausende einheimischer und fremder Besucher begeistern, sind in jenen fernen Tagen, zur Zeit der großen Blüte, erbaut und gesammelt worden.

In dieser Stadt wurde 1508 der hervorragendste kroatische Komödiendichter- Marin Držić - geboren. Er stammt aus einer bürgerlichen Familie, die sich wie viele andere Bürger von Dubrovnik mit Handel befaßte, aber einige ihrer Mitglieder entwickelten ausgesprochen künstlerische Neigungen. Marins Oheim Džore war der erste kroatische Petrarkist, und Marins Bruder Vlaho war als Maler und Verfertiger verschiedener Kunstgegenstände bekannt. Marin selbst befaßte sich - außer mit der Dichtung - auch mit Musik; er spielte mehrere Instrumente und war eine Zeitlang auch Organist der Kathedrale.

In Dubrovnik erwarb er eine umfassende Bildung, da Dubrovnik über vortreffliche Schulen verfügte. Aber solch ein Literat und unruhiger Geist wie Držić konnte sich nicht mit dem begnügen, was ihm die Heimatstadt bot. Ihn verlangte es nach weiteren Horizonten, nach reicherem Wissen, und das konnte er nur im Ausland erwerben. Da sich aber zu jener Zeit seine Familie in schwierigen materiellen Verhältnissen befand, war sie nicht in der Lage, ihm eine Auslandsreise zu ermöglichen. Er erhielt jedoch eine Unterstützung der Regierung von Dubrovnik, und damit konnte er sich an der toskanischen Universität Siena dem Rechtsstudium widmen. Bald tat er sich unter seinen Studiengenossen hervor und wurde, nach den damaligen Statuten, im Jahre1541-42 zum Rektor der Universität gewählt. In dieser Befugnis setzte er sich erfolgreich für die Rechte der Studenten ein. Seine Pflichten als Rektor, mehr noch das üppige Gesellschafts- und Theaterleben von Siena hielten ihn von seinem Studium ab, doch sie boten ihm Gelegenheit, mit den besten Kreisen von Siena in Berührung zu kommen. So erhielt der junge Mann, der schon in seiner Vaterstadt zum dramatischen Schaffen angeregt worden war, einen gewaltigen Antrieb, sich auf diesem Gebiet zu betätigen. Wir wissen heute, daß er bei der Aufführung einer Komödie mitwirkte, in der er den Liebhaber spielte - gewiß keine unbedeutende Rolle!

Hier also, in Siena, begann Držić mit jener Tätigkeit, die er einige Jahre später mit großem Erfolg in Dubrovnik fortsetzte.

Heimweh und Geldmangel veranlaßten ihn, nach Hause zurückzukehren, ohne sein Studium beendet zu haben. Dort angekommen, nahm er verschiedene kleinere Dienste an. Um sich einen Lebensunterhalt zu sichern, wurde er mit vierzig Jahren Geistlicher.

Er war eine gesellige Natur und sehr geistreich. Das bestätigt auch folgende Begebenheit aus seinem Leben: Als im Jahre 1545 der österreichische Graf Christoph von Rogendorf nach Dubrovnik kam, wurde ihm, nebst einem angesehenen Edelmann, auch Držić zugeteilt, um ihm Gesellschaft zu leisten und ihn mit seinem klugen Witz zu unterhalten. Der Graf hatte Marin so liebgewonnen, daß er ihn nach Wien mitnahm, wo Držić einige Monate verblieb. Als der Graf auf der Durchreise nach Konstantinopel wieder Dubrovnik berührte, nahm er auch diesmal Držić in seine Dienste. Doch auch in Konstantinopel blieb Držić nicht lange, sondern kehrte bald nach Dubrovnik zurück. Nun begann er Schäferspiele und Komödien zu schreiben, führte selber ihre Regie und ließ sie von verschiedenen Theatertruppen aufführen. Zu jener Zeit gab es nämlich in Dubrovnik mehrere solche Truppen.

Den Stoff für seine Werke fand er daheim, in der Gesellschaft von Dubrovnik. Er verfaßte sie nach dem Vorbild italienischer Pastoralen und Komödien. Obwohl er sich, wie auch alle übrigen Autoren jener Zeit, an die Regeln solcher Stücke hielt, gelang es ihm dank seiner schöpferischen Begabung, lebendige Gestalten zu schaffen mit allen charakteristischen Eigenschaften der Menschen von Dubrovnik.

Die Komödie Dundo Maroje (Onkel Maroje) wurde zum ersten Mal während der Fastnachtszeit des Jahres 1551 aufgeführt. Wie man dem Prolog entnehmen kann, ist dieses Werk die Fortsetzung der verlorengegangenen Komödie Pomet. Aus den Worten des Nekromanten geht deutlich hervor, daß auch im Pomet an einigen Vorkommnissen in Dubrovnik Kritik geübt wurde, der höchstwahrscheinlich der größte Teil des Publikums Beifall zollte: „Und ihr habt es mir gedankt“ - spricht der Nekromant – „und Lohn hab ich dafür erhalten, daß ich einigen bösen Zungen, die Gutes mit Bösem vergelten, ein Schloß vor den Mund geleget.“

Diejenigen, die im Pomet dem Spott preisgegeben wurden, rächten sich an Držıć auf verschiedene Art und Weise. Er aber ließ mit seiner Kritik nicht nach, sondern setzte sie fort in Dundo Maroje, Skup (Der Geizhals) und in seinen übrigen Bühnenwerken. Seine Zeitgenossen in Dubrovnik, die die Berechtigung solcher Kritik einsahen, ergötzten sich an seinem Geist und seiner Unerschrockenheit. Sie sahen auf der Bühne Gestalten, wie sie ihnen täglich in ihrer Stadt begegneten und deren Handlungsweisen sie oft selber verurteilten, ohne jedoch den Mut zu finden, ihnen etwas vorzuwerfen. Statt ihrer tat das Marin Držić, und zwar öffentlich, von der Bühne aus und vor Zuschauern aus allen Gesellschaftsklassen.

Im Dundo Maroje wie auch in seinen übrigen Komödien stellte der Autor Menschen aus dem zeitgenössischen Dubrovnik auf die Bühne und bewahrte uns so das Bild von Dubrovnik zur Zeit der Renaissance. Aus dem Munde seiner Gestalten erfahren wir viele Einzelheiten aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben von Dubrovnik: über jung und alt, über Mode, über das Schicksal armer Mädchen, über Diener und Dienerinnen usw. Selbstverständlich erfahren wir aus ihren Gesprächen den Standpunkt des Dichters: er verurteilt Geldgier, Geiz, Ausbeutung und rohes Betragen den Dienstboten gegenüber, Dünkel und viele andere negative Erscheinungen. Seine Sympathien gehören den niederen Gesellschaftsschichten und der heiteren und fröhlichen Jugend, unter denen er seine besten Mitarbeiter findet. Ohne jene begeisterungsfähigen jungen Leute, die sich Mühe gaben, unter seiner Leitung Stücke vorzubereiten und aufzuführen, hätte Držić in seiner Heimatsadt kaum einen stärkeren Ansporn für sein dramatisches Schaffen erhalten.

Als Vertreter der Renaissance, eines Zeitalters, das nach Vergnügen und Lebensgenuß trachtete, mußte der Dichter beim Verfassen seiner Komödien und Pastoralen diesen Umstand in Erwägung ziehen und in erster Linie seinem Publikum Genuß und Unterhaltung bieten. Deshalb finden sich in seinen Stücken vorwiegend solche Stellen, die die Zuschauer zum Lachen bringen. Doch als kritischer Geist, der mit offenen Augen durch das Leben geht, und als verantwortungsbewußter Schriftsteller, der auch die negativen Seiten des Lebens schildert, konnte er die Mißstände, die er wahrnahm, nicht ungeahndet lassen. Er verurteilte sie, indem er sie der Lächerlichkeit preisgab. Deshalb gibt es in seinen Werken viel Scherz und Heiterkeit, aber wenn es notwendig ist, auch unbarmherzige Satire. Am besten ist ihm das im Dundo Maroje gelungen, wo der Nekromant über eine gerechtere gesellschaftliche Ordnung spricht. Er zielt damit auf die Verhältnisse in Dubrovnik, wo zwar auch Bürger Wissen und Reichtum erlangen konnten, doch Macht und Herrschaft sich ausschließlich in den Händen des Adels befanden. Neben den außerordentlichen literarischen Qualitäten seiner Werke muß man auch diese mutige Haltung Držićs hervorheben, der manchmal verhüllt, manchmal unumwunden seinen Mitbürgern einen Spiegel vor die Augen hält. Selbstverständlich konnten ihm dies die Machthaber nicht verzeihen, und durch ihre feindliche Haltung ihm gegenüber zwangen sie ihn, seine Heimat für immer zu verlassen. Doch er vergaß seine Vaterstadt nicht, und da er sich mit der ungerechten Machtverteilung nicht abfinden konnte, schmiedete er ein Jahr vor seinem Tode noch Pläne, einen Umsturz in Dubrovnik durchzuführen. Danach sollte die Macht gleichmäßig zwischen Adel und Bürgertum verteilt. werden. Er starb am 2. Mai 1567 in Venedig.

Marin Držić war bis zur neuesten Zeit im Ausland unbekannt, weil er seine Werke in einer außerhalb seiner Heimat fast unbekannten Sprache verfaßt hat. Heutzutage hingegen ist er in der ganzen Welt bekannt, da seine Werke in viele Sprachen übersetzt wurden und jetzt auf vielen ausländischen Bühnen aufgeführt werden, so daß Držić tatsächlich eine Entdeckung geworden ist. Er ist es auch für Heinz Kindermann, der in seiner Theatergeschichte Europas (II. Bd., Renaissance, Salzburg 1959) dem Verfasser des Dundo Maroje einige Seiten widmet und ihm höchstes Lob spendet. Seinen Aufsatz über Marin. Držić beschließt er mit folgenden Worten: „Es ist kaum faßbar, daß dieses Werk (Dundo Maroje) schon elf Jahre vor Lope de Vegas Geburt, vierzehn Jahre vor Shakespeares Geburt, einundsiebzig Jahre vor der Molières und156 Jahre vor Goldonis Eintritt in die Welt uraufgeführt wurde.“

Durchdrungen von der Humanität ihres Verfassers und dank ihrer hervorragenden künstlerischen Qualitäten haben die Werke des großen kroatischen Komödiendichters - vor mehr als vier Jahrhunderten entstanden - heute noch ihre volle Lebendigkeit und Frische bewahrt. Deshalb betrachtet man Držić mit vollem Recht als einen der bedeutenderen Dichter der europäischen Renaissance.

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Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Essay

Ivo Frangeš: Die Stellung des Dialektes in der Kroatischen Literatur

Der Grundwortschatz des Standardkroatischen besteht ebenso wie derjenige der kroatischen Dialekte überwiegend aus Erbwörtern gemeinslawischer Herkunft. Auf dialektaler Ebene gibt es deutliche Unterschiede im Erbwortschatz zwischen den štokavischen, čakavischen und kajkavischen Varietäten, jedoch überwiegen insgesamt die Gemeinsamkeiten. Der Grundwortschatz des Standardkroatischen ist weitgehend štokavischer Herkunft.

Der Lehnwortschatz der kroatischen Dialekte unterscheidet sich regional stark: im Küstenraum gibt es viele Entlehnungen aus dem Dalmatischen und Italienischen, im nördlichen Landesinneren aus dem Ungarischen und Deutschen, in allen ehemals osmanischen Gebieten aus dem Türkischen.

Der Aufbauwortschatz des Standardkroatischen ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Bestrebens, neue (Fach-)Begriffe fremdsprachiger, vor allem lateinischer Herkunft mit den Mitteln des Slawischen wiederzugeben. Dieses begann im Mittelalter im Kroatisch-Kirchenslawischen, setzte sich in der frühen Neuzeit in den regionalen Schriftsprachen und ihren Lexikographien fort und fand eine offizielle Kodifizierung in den maßgeblich am tschechischen Vorbild orientierten Werken des standardkroatischen Lexikographie des 19. Jahrhunderts. Ein großer Teil der im Laufe der Jahrhunderte geprägten Neologismen ist zwar wieder verschwunden oder von Anfang an nie über die Werke seiner Urheber hinausgelangt, ein anderer Teil ist jedoch zu einem festen Bestandteil der kroatischen Standardsprache geworden.

Rezensionen

Epochal: Miroslav Krlezas fünfbändiger Mammut-Roman "Die Fahnen"

Als Martin Kusej 2013 bei den Wiener Festwochen die Trilogie „In Agonie“ von Miroslav Krleza präsentierte, war dies für viele die erste Begegnung mit diesem kroatischen Autor. Sein fünfteiliger Roman „Die Fahnen“, dessen erste deutsche Übersetzung nun im Wieser Verlag erschienen ist, behandelt ebenfalls den Ersten Weltkrieg samt Vorgeschichte und Auswirkungen. Ein gewaltiges, imponierendes Werk.

Autoren

Ivan Kozarac

Der kroatische Schriftsteller Ivan Kozarac erschien in der Literatur im Jahr 1902 mit dem Gedicht in der Zeitung. In den acht Jahren seiner literarischen Tätigkeit (1902-1910) schrieb er etwa 60 Gedichte, 40 Kurzgeschichten und Novellen, den Roman und eine Autobiografie.
Der Roman "Đuka Begović" ist seine literarische Spitzenleistung.

Lyrik

Hanibal Lucić: Lyrik

DIE ÄLTERE KROATISCHE LITERATUR

Hanibal Lucić (* um 1485 in Hvar; † 14. Dezember 1553 in Venedig) war einkroatischer Schriftsteller der Renaissance. Der Sohn wohlhabender und entsprechend einflussreicher Eltern war als Richter und Rechtsanwalt tätig und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf seiner Heimatinsel Hvar. Ein Großteil seiner Werke (vor allem der frühen) ist nicht erhalten, da er sie verwarf und vernichtete.
Das bekannteste und am weitesten rezipierte Werk von Lucić ist Robinja (Die Sklavin), das erste weltliche Schauspiel in der kroatischen Literatur überhaupt. Es wurde, zusammen mit Versen Lucićs, 1556 in Venedig veröffentlicht, also erst nach seinem Tod, erlebte jedoch bis in jüngste Zeit etliche Ausgaben. Im Mittelpunkt dieses eher „handlungsarmen“ und streckenweise „weitschweifigen“ Liebesdramas stehen der Aristokrat Derenčin und eine in Budapest von Türken geraubte Schöne, die er auf dem Sklavenmarkt vonDubrovnik trifft. Am Ende wird sie seine Braut. Auch in seinen Liedern kreiste Lucić vorwiegend um das Thema Liebe. In allen Werken Lucićs vereinten sich italienische Einflüsse (Francesco Petrarca, Pietro Bembo) mit seiner Leidenschaft für die Alltagssprache kroatischer Bauern und Schafhirten. Sie hinderte ihn freilich nicht daran, seine in den Jahren 1510–1514 gegen die venezianischen Beherrscher Hvars rebellierenden Landsleute einen „Haufen von Dummköpfen“ zu nennen.

Prosa

Mirko Božić: Körper und Geister (Fragment aus dem Roman)

Mirko Božić (1919 - 1995) war ein kroatischer Schriftsteller. Božić war ein ebenso begabter Dramatiker wie Prosaist der Nachkriegszeit. Er verfasste auch Drehbücher und Hörspiele. Es existieren nur wenige Übersetzungen ins Deutsche.

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3, 1981) erschienen.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

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