Lyrik

Ivan Bunić Vučić: Gedichte

Als vornehmlich durch die romanischen Länder und hier insbesondere Italien vermittelt kam das Barock nach Kroatien, das freilich um 1600 noch über keine einheitliche Literatursprache verfügte, so dass sich hier in unterschiedlichen regionalen Zentren eine bedeutende Barockliteratur entwickelte, deren Sprache an den jeweiligen regionalen Dialekten/Sprachen orientiert war. Die größte Entwicklung hatte die Literatur in Dubrovnik und Dalmatien bereits seit dem 15. Jahrhundert, während der Renaissance bzw. des Humanismus genommen. Auch im Barock gibt es hier Entwicklungen, die zwar wie alles in dieser Gegend unter starkem italienischem Einfluss stehen, doch ähnlich wie es bereits während des Humanismus geschehen war, in der Literatur eine durchaus eigene Formensprache zeitigen. (vor allem im Bereich der Lyrik in Metrik und Strophik). Hier sind in der Lyrik zu nennen Ivan Bunić Vučić (1591-1658) (Gedichtsammlung Plandovanja; Müßiggänge 1620, geschrieben, erstmals 1849 veröffentlicht, Liebeslieder, 70 Gedichte) und Ignjat Đurđević (1675-1737) mit seinem Poem Uzdasi Mandalijene pokornice (Die Seufzer der Büßerin Mandalijena 1728, Venedig, 8 Gesänge der Büßerin in einem lyrischen Monolog).



 

Herrliche Helena

 

Helena, die betört einst alle durch Lieblichkeit,

da sie sich sah zerstört vom nagenden Zahn der Zeit,

rief und blickte verzagt in ihren Spiegel klar:

„Du,  den ich stets befragt, der mein Ratgeber war,

treu mir zur Seite stand, sag an, bin ich denn dies,

um die Troja verbrannt, Priam sein Leben liess?

Da Wälder prächtige verschifft aus Griechenland

und Asiens mächtige Feste ihr Ende fand?

Soll wahrlich ich dies sein? Wo blieb der Glanz so gross,

der hell wie Sonnenschein aus meinem Auge floss?

Wo ist der Locken Gold, schneeweisser Wangen Rund,

wo, wie Korallen hold, wo ist mein Rosenmund?

Könntest du auferstehn, Paris: Dies war die Lieb!

Lass deine Augen sehn, was von der Schönheit blieb!

Wär ich gewesen doch wie heut', als ich dich fand,

stolz ragte Troja noch, auch du wärst nicht verbrannt!

Flamme sich selbst verzehrt die Junge Torheit entfacht,

Feuer, das Troja verheert, löscht in der Welt keine Macht.“

 

 

Süsse Seele

 

Meines Lebens süsse Seele,

Schönheit, die mich nie erhörte!

Wie ich leide und mich quäle,

seit sie mich so hold betörte!

 

Welche Wonne, Schmerz zu tragen,

o welch Glück, zu leiden Wunden

und zu Jedem singen, sagen:

wer betört mich und gebunden.

 

O ihr habt umgarnt, verworren

eine Jugend, blonde Strähnen!

Dass die Freiheit ich verloren,

da mich handen goldne Sehnen.

 

Ihr seid schuldig, ihr seid schuldig,

dass ich fing mich unbesonnen,

habt mich ja gelockt geduldig

in das Netz, von Gold gesponnen.

 

Strähnen ihr, in sanftem Fliessen

rieselnd längs der weissen Kehle,

habt im goldnen Tau, im süssen

mir ertränket meine Seele.

 

Eine Krone goldner Haare,

köstlich Kleinod, sie zu krönen,

trägt gar stolz die Wunderbare,

Königin von allen Schönen.

 

O ihr Haare, meine Wonne,

Locken, flammend hoch in Bränden,

Strahlen, gleich der lieben Sonne,

die mir schier die Augen blenden!

 

Dichter Hain, doch grün mitnichten,

nein, ganz aus geschmolznem Golde:

Lösegeld, das mir entrichten

mög als Liebeslohn die Holde

 

Ja, fürwahr, die Liebe giesset

dieses Gold auf Pfeilesspitzen,

die sie grausam auf mich schiesset,

um das Herz mir wund zu ritzen.

 

Weiches Gold, aus dem die Webe

ward gesponnen fein und linde,

die ich mir aufs Herze gebe

und die Wunde mir verbinde.

 

Kleine Weise, sacht, verweile!

Eile nicht - sieh doch: wir beide,

ich - und du auch - mittlerweile

hängen in der blonden Seide.

 

Und wir preisen noch beglücket,

dass wir an den Locken hangen:

Sklav' und Sklavin, fest verstricket

und für ewig drin gefangen.

 

 

Meine junge Schöne

 

Die liebste junge Fee schilt mit mir spröd und kalt,

Weil ich verliebt wie eh - doch sie sagt, ich sei alt.

 

 

Nun liegt es nicht daran: das Haar, wie Schnee so weiss,

Macht nicht den alten Mann, löscht nicht die Glut so heiss.

 

In Asche tief verscharrt, schwelt Feuer wunderbar,

Auch Liebe so verharrt, verdeckt von grauem Haar.

 

Wie jener Berg Vulkan, verhüllt mit Schnee und Eis,

Und speit doch himmelan die Flammen hoch und heiss.

 

Auch jetzt in Lieb entbrannt, alt, aber voller Mut,

Verliebt war ich als Fant, und stets noch wallt mein Blut.

 

Mein Schatz, nimm mir's nicht krumm, du allerliebste Fee,

Dass du die frische Blum', ich aber weiss wie Schnee.

 

Wie köstlich sich doch fügt ein Kranz, vereint darin

Ein Röslein rot sich schmiegt an schneeweissen Jasmin.

 

 

Aus dem Čakawischen von

Ina Jun Broda

 

Autoren

Gewinner-Duo Ivana Sajko und Alida Bremer

Die Autorin Ivana Sajko und ihre Übersetzerin Alida Bremer erhalten für "Liebesroman" (Voland & Quist) den 10. Internationalen Literaturpreis − Haus der Kulturen der Welt 2018 für übersetzte Gegenwartsliteraturen.

Autoren

Daša Drndić (1946 - 2018)

Der Stil von Dašsa Drndic war eine einzigartige Mischung aus Fakt und Fiktion. In ihren Arbeiten vermischte sie eine nüchterne Sprache und zurückhaltend poetische Miniaturen mit historischen Tatsachen.
So auch in dem Roman "Sonnenschein", der vom Holocaust erzählt und mit Fakten und Fotos genauso arbeitet wie mit einer fiktiven Liebesgeschichte zwischen einem SS-Offizier und einer Jüdin. Ihr Roman "Belladonna" erschien im Februar 2018.

Berichte

Museum der zerbrochenen Beziehungen

Ein Museum in Zagreb zeigt, was von der Liebe übrig blieb.

Rezensionen

Miroslav Krležas Werk im lichte der Französischen Kritik

Bisher wurden sechs Werke Miroslav Krležas ins Französische übersetzt, und zwar: „Beisetzung in Theresienburg“ (Novellen, Edition de Minuit, in der Übersetzung von Antun Polanšćak mit einem Vorwort von Léon Pierre Quint, Paris 1956), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, herausgegeben von Calman, Lévy, in der Übersetzung von Mila Đorđević und Clara Malraux, Paris 1957), „Das Bankett von Blitwien“ (Roman, herausgegeben von Calman-Lévy, in der Übersetzung von Mauricette Beguitch, Paris 1964). „Ohne mich“ (Roman, Edition De Seuil, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1969), „Der kroatische Gott Mars“ (Novellen, herausgegeben von Calman-Lévy, übersetzt von Janine Matillon und Antun Polansćak, Paris 1971). „Die Balladen des Petrica Kerempuch“ (Edition Presse Orientales de France, übersetzt von Janine Matillon, Paris 1975).
Sie alle haben eine warme Aufnahme gefunden. Wir bringen hier einige Auszüge aus Rezensionen (Maurice Nadeau, Léon Pierre Quint, Claude Roy, Marcel Schneider und andere), die das Werk Krležas auf jeweils verschiedene Art und Weise beleuchten.
Maurice Nadeau widmet (u. d. T. „Ein großer jugoslavischer Schriftsteller“) im „France Observateur“ vom 20. Juni 1956 eine ganze Seite dem Erscheinen der Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“. Daraus einige charakteristische Passagen: Für viele wird die Novellensammlung „Beisetzung in Theresienburg“ zu einer wirklichen Offenbarung werden...

Der Text ist ursprünglich in der Literaturzeitschrift Most/The Bridge (Heft 3-4, 1979) erschienen.

Berichte

Das Bild der Deutschen in der neuen kroatischen Literatur

Modernisierer, Kollaborateure, Faschisten: Die Geschichte und die Wahrnehmung der Balkandeutschen ist vielfältig und bis heute mit Tabus belegt. In den letzten Jahren sind sie jedoch zum Thema der kroatischen Literatur geworden.

Von Martin Sander und Ksenija Cvetković-Sander / Deutschlandfunk kultur

Berichte

Winnetou-Kulissen

Krka-Wasserfall, Zrmanja-Fluss, der Gipfel Tulove Grede: Die Drehorte von "Winnetou" sind spektakulär... Der kroatische Schriftsteller Edo Popovic hat in seinem Buch „Anleitung zum Gehen“ ausführlich über seine Wanderungen in diesem Gebiet berichtet – und dem Velebit eine Liebeserklärung gemacht. Aber im südlichen Teil, dort, wo die Winnetou-Filme einst gedreht wurden, müssen Bergtouristen aufpassen.
Von Hella Kaiser / Der Tagesspiegel

Berichte

Was willst du in Senj, Thilo?

"Und du willst nach Senj, Thilo?“

Ja. Ich wollte trotz des touristischen Überangebot Kroatiens jene Stadt sehen, in die der von den Nazis verfolgte Kurt Held und seine Frau Lisa Tetzner 1940 kamen und Inspiration zum Verfassen der „Roten Zora“ erhielten.

Berichte

Original-Kulissen von “Game of Thrones” in Kroatien (Galerie)

Andrea David, eine deutsche Bloggerin und großer Film-Fan, bereiste alle Locations in Kroatien, an welchen „Game of Thrones“ gedreht wurde.
Diese Fotos verbreiten sich wie ein Lauffeuer im Netz. Grund hierfür ist nicht nur, dass die Fotografin berühmte Filmkulissen bereist, sondern diese auf eine ganz besondere Art und Weise festhält.

Berichte

Rijeka – Industriestadt mit Kultur

Rijeka in Kroatien wurde im Frühjahr 2016 zur europäischen Kulturhauptstadt 2020 ernannt.

KM Extensions

Moderna Galerija: Moderne Kunst in Zagreb

Wenn man moderne Malereien und Skulpturen mag und wissen möchte, was für Werke kroatische Künstler vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erschaffen haben, sollte man auf einem Städtetrip nach Zagreb die Moderna Galerija besuchen.

Authors' pages

Književna Republika Relations PRAVOnaPROFESIJU LitLink mk zg