Rezensionen

Das Leben mit feindlichen Augen betrachten

"Damit ist das Buch und diese Kindheit im Krieg noch lange nicht zu Ende, die Barbie-Farce wird immer schriller, unheimlicher, perverser."
Von Werner Schuster, www.eselsohren.at



 

Inhalt:

Sloboština ist eine Hochhaussiedlung an der Peripherie von Zagreb. Maša Kolanovićs Protagonistin wächst dort in den achtziger Jahren auf, und wie viele Mädchen auf der ganzen Welt verbringt sie mit ihren Freundinnen etliche Stunden des Tages in der glamourösen Scheinwelt ihrer Barbiepuppen. Anfang der neunziger Jahre drängt sich die politische Realität, der Krieg und Zerfall Jugoslawiens, in die unbeschwerte Kindheit. Bei Luftalarm bringen sich die Bewohner im Hochhauskeller in Sicherheit. Barbies Welt entsteht nun zwischen Einmachgläsern und Rattenfallen, eine ramponierte Ken-Figur vom Flohmarkt wird zum nationalistischen Anführer befördert. (Pressetext)

Kurzkritik:

Gute Ideen sind vom Prinzip her simpel und lösen oftmals den Gedanken oder Ausruf aus: Warum ist da noch niemand drauf gekommen?!?

Die Kroatin Maša Kolanović hatte eine solche Idee: Eine junge Frau erinnert sich an den Krieg und berichtet davon aus der Warte des mit Puppen spielenden Mädchens. In diesem Fall sind das Barbies. Und wir befinden uns in Ex-Jugoslawien.

Nun haben viele Menschen Ideen, die wenigsten setzen sie auch in die Tat um und vereinzelt tun sie das auch noch gut. „Underground Barbie“ ist umwerfend gut.

„Underground Barbie“ versetzt uns in die fantasievolle Kinderwelt zurück und zeigt, wie in dieser mit Bedrohungen umgegangen wird. Der Roman könnte folgendes Alfred-Adler-Zitat als Motto haben: „Es ist naheliegend, dass jene Kinder ihre Phantasie stärker entwickeln werden, die das Leben mit feindlichen Augen betrachten, mit welcher Einstellung gewöhnlich auch eine stärkere Anspannung der Vorsicht verbunden ist.“

Besprechung:

Das Leben mit feindlichen Augen betrachten

Gute Ideen sind vom Prinzip her simpel und lösen oftmals den Gedanken oder Ausruf aus: Warum ist da noch niemand drauf gekommen?!?

Die Kroatin Maša Kolanović hatte eine solche Idee: Eine junge Frau erinnert sich an den Krieg und berichtet davon aus der Warte des mit Puppen spielenden Mädchens. In diesem Fall sind das Barbies. Und wir befinden uns in Ex-Jugoslawien.

Tom-Cruise-Doubles

Nun haben viele Menschen Ideen, die wenigsten setzen sie auch in die Tat um und vereinzelt tun sie das auch noch gut. „Underground Barbie“ ist umwerfend gut.

Bis zu jenem Tag dachte ich, so ein Geräusch könne man nur in einer Flugschau hören, auf der die Flieger blaue, weiße und rote Kondensstreifen hinter sich herziehen und die Piloten halsbrecherische Manöver à la Tom Cruise in Top Gun vorführen. Nur, dass die Tom-Cruise-Doubles in diesem Fall die olivgrünfarbene Uniform der Jugoslawischen Volksarmee JNA trugen.

Barbie im Luftschutz-Keller

Das Mädchen erlebt das erste Bombardement auf Zagreb, wo sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder in der Hochhaussiedlung Sloboština wohnt. Sie ist vorbereitet. Sie hat ihre geliebten Barbies samt Accessoires in einen kleinen Koffer gepackt, den sie nun in den Luftschutz-Keller mitnimmt.

Noch spielt sie mit ihren – natürlich ebenfalls Barbies oder billigere Nachbauten besitzenden – Freundinnen, als wäre alles normal. Doch nach und nach machen sich die Lebensumstände bemerkbar: Bald geht es den Mädchen nicht mehr um – vom Fernsehen und der Werbung genährte – Wunschvorstellungen von einem sorglosen, wohlhabenden Leben.

Raffinierter

In einem vielleicht immer noch guten Roman würden sie jetzt Krieg gespielt haben und irgendwann hätten sich die Erwachsenen eingemischt und dies gut oder schlecht geheißen.

Kolanović geht bedeutend raffinierter vor. Sie beschreibt nicht, was Erwachsene glauben, dass Kinder und Jugendliche erleben, sondern bleibt in der Welt der Heranwachsenden. Man braucht ja nur einmal die eigenen Eltern zu fragen, wie ein für eine/n selbst entscheidendes Erlebnis aus ihrer Sicht gewesen ist. Meistens werden sie sich gar nicht daran erinnern oder sie bewerten es völlig anders.

Ein Interview mit Rašković

Was den Erwachsenen am Jugoslawienkrieg also ernst und wichtig war (Tuđman, Mladić, Karadžić, Knin, Sao Krajina), ist für ihre Kinder oft bloß eine Randerscheinung. Und umgekehrt. (Dennoch laufen die Kinder natürlich nicht unbeeinflusst durch die Gegend. An einem Nachmittag schneiden sie auf einem Kassettenrecorder aus einem echten ein „lustiges“ Interview mit Jovan Rašković zusammen, dem Präsidenten der Serbischen Demokratischen Partei.)

Und dennoch verändert sich, wie gesagt, das Spiel der Mädchen. Bald werden die Ausdrücke derber, bald wird das Spiel sexualisierter (obwohl das auch bloß mit dem Alter der Kinder zu tun haben kann).
„Am besten bumst man mit einer glatzköpfigen Puppe, der man beim sex die Perücke vom Kopf reißen und sich selbst aufsetzen kann!“

Nachdem Svjetlanas Ken dies zu Deas Barbie gesagt hatte, gab eine Sirene das Ende Des Luftalarmas bekannt, und damit war auch unser Spiel beendet, das sowieso langsam in eine Farce übergegangen war. In eine Barbie-Farce.

Dr. Kajfeš

Bald wird aus einer früheren Nebenfigur eine Puppe, die das Spiel bestimmt. Svjetlanas Ken stammt nicht aus dem Hause Mattel, er wird Dr. Kajfeš genannt (nach dem gleichnamigen Anti-Schnarchmittel), hat einen verbrannten Teint, ein halb ausgekratztes Auge und an der rechten Hand verstümmelte Finger.

Bald macht er aus einer Traumhochzeit eine Farce, bald übernimmt er die Rolle eines Lehrers und kann die Augen nicht von den „kleinen blonden Nymphen“ lassen, bald spielt er mit einem zweiten Ken das Duo aus Miami Vice und schließlich Mladić und Karadžić, die ein Massaker an der Plastik-Zivilbevölkerung verüben, gleich darauf die polnischen Zeichentrickhelden Lolek und Bolek bei den Olympischen Spielen in Tschechien.

Durch den Krieg gerettet

Damit ist das Buch und diese Kindheit im Krieg noch lange nicht zu Ende, die Barbie-Farce wird immer schriller, unheimlicher, perverser. Sie spielen doch nur. Und mit dem Ende des Krieges hören sie relativ abrupt damit auf. Nachdem sie sich damit durch den Krieg gerettet haben, kommen sie sich plötzlich zu alt vor dafür. Die Barbies und die Accessoires verkommen nach und nach, verschwinden, werden verschenkt oder verkauft. Nur Dr. Kajfeš, den niemand haben will, landet auf dem Müll.

Das alles liest sich sehr authentisch und hat, sollte es autobiografisch sein, das Persönliche ins berührende Allgemeine transformiert. Dazu passt, dass das Buch mit vielen Zeichnungen der Autorin ausgestattet ist, von denen man nicht sagen kann, ob sie aus Kinderzeiten sind oder nachtraglich angefertigt.

Bedrohte Kinderwelt

Jedenfalls hat uns die 1979 geborene Maša Kolanović ein Buch geschenkt, das uns in die fantasievolle Kinderwelt zurückversetzt und zeigt, wie in dieser mit Bedrohungen umgegangen wird. „Underground Barbie“ könnte folgendes Alfred-Adler-Zitat als Motto haben: „Es ist naheliegend, dass jene Kinder ihre Phantasie stärker entwickeln werden, die das Leben mit feindlichen Augen betrachten, mit welcher Einstellung gewöhnlich auch eine stärkere Anspannung der Vorsicht verbunden ist.“

Von Werner Schuster

http://www.eselsohren.at/2012/07/23/kolanovic-masa-underground-barbie/

 

proza

Iva Sopka: Moje pravo, nezaljubljeno lice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Iva Sopka (1987., Vrbas) objavila je više kratkih priča od kojih su najznačajnije objavljene u izboru za književnu nagradu Večernjeg lista „Ranko Marinković“ 2011. godine, Zarezovog i Algoritmovog književnog natječaja Prozak 2015. godine, nagrade „Sedmica & Kritična Masa“ 2016. i 2017. godine, natječaja za kratku priču Gradske knjižnice Samobor 2016. godine te natječaja za kratku priču 2016. godine Broda knjižare – broda kulture. Osvojila je i drugo mjesto na KSET-ovom natječaju za kratku priču 2015. godine. Trenutno živi u Belišću i radi kao knjižničarka u osnovnoj školi.

proza

Mira Petrović: Bye bye baby bye; Zana

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Mira Petrović rođena je 1989. u Splitu. Predaje engleski jezik iako bi više uživala s talijanskim. Piše prozu, ponekad odluta u poeziju. Objavila priče i pjesme na raznim portalima i u časopisima. Bila je u užem izboru za nagradu Sedmice i Kritične mase 2017. Jedna od deset finalista međunarodnog natječaja Sea of words 2016. Dobitnica Vranca – 2015. i Ulaznice 2016.

proza

Maja Klarić: Japan: Put 88 hramova (ulomak)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Maja Klarić (1985., Šibenik) diplomirala je engleski jezik i književnost i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu u Zagrebu, s diplomskim radom na temu „Suvremeni hrvatski putopis“, a radi kao književna prevoditeljica. Vodi Kulturnu udrugu Fotopoetika u sklopu koje organizira kulturne manifestacije. Objavila je poeziju i kraću prozu u raznim novinama i časopisima: Zarez, Quorum, Knjigomat, Poezija, Tema... Zastupljena je u antologijama Erato 2004. (Zagreb), Rukopisi 32 (Pančevo), Ja sam priča (Banja Luka), Sea of Words (Barcelona), Castello di Duino (Trst), Ulaznica (Zrenjanin). Nagrađena je na međunarodnom pjesničkom natječaju Castello di Duino (Trst, Italija, 2008.), međunarodnom natječaju za kratku priču Sea of Words (Barcelona, Španjolska, 2008.). Dobitnica je UNESCO/Aschberg stipendije za rezidencijalni boravak na otoku Itaparica, Brazil, 2012. te stipendije organizacije MOKS za rezidencijalni boravak u Estoniji (Mooste, Tartu). Objavila je tri zbirke putopisne poezije - Život u ruksaku (AGM, 2012.), Quinta Pitanga (V.B.Z., 2013.) i Nedovršeno stvaranje (vlastita naklada, 2015.) te prozno-poetski putopis Vrijeme badema o hodočašću Camino de Santiago, 880 km dugom putu koji je prehodala 2010. godine. Urednica je brojnih domaćih putopisnih izdanja kao što su knjige Davora Rostuhara, Tomislava Perka, Hrvoja Jurića i ostalih.

proza

Valerija Cerovec: Hotel Horizont (ulomak iz kratkog romana)

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Valerija Cerovec (1993., Čakovec) je vizualna umjetnica i spisateljica. Završila je preddiplomski studij modnog dizajna na Tekstilno-tehnološkom fakultetu i studij komparativne književnosti na Filozofskom fakultetu, a diplomirala na Odsjeku za animirani film i nove medije na Akademiji likovnih umjetnosti. Dobitnica je nagrade “Franjo Marković” Filozofskog fakulteta. Sudjelovala je u nizu skupnih izložbi i jednoj samostalnoj naziva “23. rujna, dan kad se ništa naročito nije dogodilo”. Članica je HDLU-a.

proza

Luka Mayer: Tko, što?

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Luka Mayer (1999., Zagreb) studira šumarstvo u Zagrebu. Pohađao je satove kreativnog pisanja i radionice čitanja Zorana Ferića.

proza

Ana Romić: Tjedan dana posutih fragmentima samoće

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Ana Romić (1993., Hrvace) studirala je hrvatski jezik i književnost na Sveučilištu u Zadru gdje je magistrirala s radom Filozofija egzistencijalizma u romanu „Sam čovjek“ Ive Kozarčanina. Velika je ljubiteljica književnosti, osobito poezije koju i sama piše, te psihologije i filozofije. Živi u Zagrebu.

proza

Matea Šimić: Kuća za bivše

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Matea Šimić rođena je 1985. godine u Oroslavju, Hrvatska. Diplomirala je engleski jezik i komparativnu književnost na Filozofskom fakultetu Sveučilišta u Zagrebu. Piše poeziju, prozu i društvene komentare na hrvatskom i engleskom. Članica je Sarajevo Writers’ Workshop-a od 2012. godine. Radovi su joj objavljivani, između ostalog, u časopisu za istraživanje i umjetnost EuropeNow, časopisu za feminističku teoriju i umjetnost Bona, portalu za književnost i kulturu Strane te portalu za politiku i društvena pitanja Digitalna demokracija. Osnivačica je i urednica dvojezičnog magazina za književnost i umjetnost NEMA. Živi i radi u Barceloni.

proza

Dalen Belić: Ispovijed serijskog samoubojice

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Dalen Belić rođen je 1997. godine. Živi u Pazinu, a studira engleski i njemački jezik na Filozofskom fakultetu u Rijeci. Objavljivan je u istrakonskoj zbirci Apokalipsa laži te zbirkama Priče o manjinama i Priče o Pazinu u sklopu Festivala Fantastične Književnosti. Osvojio je drugo mjesto na Riječkim perspektivama 2017. godine i prvo mjesto 2018. Jednu njegovu priču teškometalne tematike možete pročitati na portalu Perun.hr.

proza

Monika Filipović: Ljetna večer u Zagrebu '18.

NAGRADA "SEDMICA & KRITIČNA MASA" - ŠIRI IZBOR

Monika Filipović rođena je u Zagrebu 1996. godine. Studentica je politologije na Fakultetu političkih znanosti u Zagrebu. U slobodno vrijeme bavi se pisanjem poezije i kratkih priča, a trenutno radi i na svom prvom romanu. U svome pisanju najradije se okreće realizmu. Dosad nije objavila nijedan svoj rad.

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